Pacific Crest Trail

High Sierra Tag 111 bis 120

Tag 111:

Ich werde morgens früh zurück zum Trail gefahren und starte somit erst um 8 Uhr. Heute ist der Trail sehr hügelig. Alles was ich hoch laufe, wandere ich kurze Zeit später auch wieder hinunter und das immer und immer wieder 😀 Ich laufe auch eine Menge auf einem Grat entlang und habe einen Rundumblick.

Nachmittags treffe ich einen Tageswanderer namens Al. Wir kommen ins Gespräch und laufen zusammen weiter. Er erzählt mir, dass er letzte Woche noch Skiunterricht hier gegeben hat. Und wenn ich mich so umschaue fühle ich mich auch fast wie im Skiurlaub. Als er zurück ins Tal absteigen muss verabschieden wir uns voneinander und ich wandere alleine weiter.

Tag 112:

Mein erstes Pass steht heute auf dem Programm. Er liegt auf 3200 Höhenmeter und ist mit Schnee bedeckt. Ich komme nur sehr langsam voran und bin sehr vorsichtig im Schnee. Auf dem Weg nach oben geht es an einem See vorbei. Dieser ist mir jedoch eindeutig zu kalt, um darin schwimmen zu gehen. Besonders, weil es heute seit langem mal wieder bewölkt und etwas kühler ist. Perfektes Wanderwetter also! Als ich oben ankomme erstreckt sich das Tal zu meinen Füßen und ich bin sprachlos.

Ich mache eine Pause und sitze einfach nur da und staune. Irgendwann muss ich mich dann leider an den Abstieg machen, denn es wird spät und ich bin müde. In der Nähe von einem See treffe ich auf 8 andere Wanderer und baue mein Zelt bei Ihnen auf. Alles nur Jungs die Frauenquote ist mittlerweile echt gering. So sitzen wir gemeinsam am Feuer, die Jungs erzählen mir von ihren Abenteuern in der Sierra und es gibt Essen.

Tag 113:

Vormittags wandere ich an mehreren Bergseen vorbei, einer schöner als der andere. Besonders der Lake Aloha ist atemberaubend schön und ich glaube so etwas beeindruckendes, habe ich noch nie gesehen. Der See schimmert im Sonnenlicht und die Berge spiegeln sich auf der glatten Oberfläche. Er ist so klar, dass ich den Grund sehen kann und eiskalt.

Nach einer langen Pause gelange ich am Nachmittag in die Stadt (South Lake Tahoe). Die kommt mir riesig vor und nach den vielen Tagen in der Natur fühle ich mich hier ein wenig verloren. Doch zum Glück bin ich nicht alleine, sondern viele andere Wanderer sind auch hier. Ein anderer deutscher Wanderer namens Jan leiht mir seine Eisaxt für die High Sierras aus und gibt mir noch schnell einen Grundkurs zum richtigen Umgang. Dann bin ich ja jetzt bestens vorbereitet 🙂 .

Danach geht’s ins Restaurant „Basecamp“, wo wir als PCT Wanderer jeder eine kostenlose Pizza bekommen. Und zu guter Letzt fahre ich noch kurz zur Post und hole meine Pakete ab. Es ist fast wie Weihnachten, was mich da erwartet… Es gibt neue Schuhe, eine Bärenbox und ein Überraschungspäckchen. Denn das Pärchen Angelica und Matt (die mich vor ca. einer Woche nach Belden gefahren haben) haben mir doch tatsächlich ein Essenspaket geschickt Das ist wirklich unfassbar lieb von den beiden. Und obwohl „Cheese“ draufsteht ist kein Käse drin, sondern ganz viele vegane Leckerein. Die nächste Etappe wandere ich jetzt also vegan. Das ist mein Essen dafür:

Die vegan challenge kann beginnen… 😉

Tag 114:

Die Nacht über war es super laut in dem Hostel und ich habe nicht gut geschlafen. Doch heute startet ja die vegane Challenge und so gibt es zum Frühstück Heidelbeeren, mit Bananen und Kokosmilchjoghurt. Danach fühle ich mich schon etwas besser Um 10 Uhr fahre ich wieder zurück zum Trail und wandere los. Durch meinen späten Start ist es schön sehr heiß und der Aufstieg umso anstrengender. Ich merke, dass es langsam in die Berge geht. Nachmittags bin ich dann zu gar nichts mehr zu gebrauchen und mache viele Pausen. In einer davon treffe ich Einen anderen Wanderer namens Tony und da auch er echt fertig ist machen wir zusammen eine laaaaannggeeee Pause
Die hilft mir enorm und ich fühle mich viel besser. Dieses Hochgefühl wird noch verstärkt als ich an einen See komme und noch ein paar Runden schwimmen kann.

Tag 115:

Ich kann gar nicht beschreiben, wie hart manche Tage sind. Der PCT bringt mich öfters an und über meine Grenzen hinaus. Sowohl körperlich als auch physisch ist es manchmal eine riesige Herausforderung und in diesen Momenten versuche ich mich darauf zu konzentrieren, weshalb ich das mache und wofür ich dankbar sein kann. Ich denke an all die schönen Momente zurück, die ich bereits erlebt habe.
Deswegen schreibe ich heute auf wofür ich dankbar sein kann:
Ich bin dankbar dafür, dass

… ich gesund bin

… ich die Möglichkeit habe den PCT zu wandern

… ich Familie, Freunde und Leser habe, die mich so sehr unterstützen

… ich jeden Tag neue Abenteuer erleben darf

… ich genug Essen und Wasser habe

… ich ein warmen Schlafsack habe, in den ich mich einkuscheln kann

… ich jeden Tag neue tolle Menschen kennenlernen darf

Tag 116:

Wie schnell sich das Wetter ändern kann… Morgens ist noch strahlender Sonnenschein, doch schon am Vormittag zieht sich der Himmel zu und dunkle Wolken ziehen auf. Schließlich fängt es an zu gewittern. Das ist in den Bergen ziemlich beängstigend und ich versuche so schnell wie nur möglich ins Tal zu kommen. Meine Waden fangen an zu schmerzen und es regnet in Strömen. Auf dem Weg ins Tal beruhigt sich das Wetter zum Glück wieder und das Gewitter scheint vorüber zu ziehen.

Als ich unten bin hört es auch auf zu regnen und da es noch sehr früh ist (durch das Rennen habe ich echt Zeit gespart 😀 ) wandere ich noch ein wenig weiter. Als ich vier Frauen entdecke, die an einem Fluss Zelte schließe ich mich Ihnen an und beende meine Wanderung für heute. Die vier sind echt cool drauf und sind für vier Tage unterwegs. Ich freue mich immer riesig wenn ich jemanden zum Zelten finde. Denn auch wenn ich alleine wandern echt schön finde mag ich es gerne abends mit anderen Wanderern zusammen zu essen, zu reden und zu Zelten. Da schlaf ich meistens auch besser und schrecke nicht bei jedem kleinen Geräusch hoch.

Tag 117:

Die letzten Tage waren echt hart. Doch ich habe mir geschworen niemals an einem schlechten Tag aufzuhören. Stattdessen lege ich einen halben Tag Pause in Kennedy Meadows North ein. Bevor ich dieses jedoch erreiche, muss noch ein Berg erklommen werden und viele kleine Bäche durchquert werden. Meine Füße sind durchgehend nass und im Schnee komme ich nur äußerst langsam voran. Einzelne Schneefelder sind leider auch noch undurchquerbar und so tue ich es den anderen Wanderern gleich und klettere daran vorbei.

Das ist fast nur anstrengender, denn die Kletterpartie führt über ein steiles Geröllfeld. Als ich dieses überwunden habe bin ich fix und fertig. Die letzten Tage waren unglaublich anstrengend für mich. Deswegen freue ich mich umso mehr, als ich das kleine Resort erreiche. Leider gibt es hier weder WLAN noch Netz, sodass ich hier stundenlang rumsitze und lese, während meine Wäsche in der Waschmaschine ist. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten in dem Laden ein, bevor ich mich wieder zurück zum Trail aufmache. Wandern tue ich nicht mehr wirklich , sondern baue mein Zelt ein paar Meilen entfernt von der Straße auf.

Tag 118:

Nachdem ich ca. 10 Stunden geschlafen habe fühle ich mich viel besser und bin bereit den Sonora Pass anzugehen. In der High Sierra richte ich mich nach dem „A Pass a Day“ (ein Pass am Tag) Prinzip. Das bedeutet ich starte früh morgens den Aufstieg, wo der Schnee noch hart und fest und das Wandern einfacher ist. Besonders die Eisaxt und die Microspikes helfen mir sehr und geben mir mehr Sicherheit. Besonders das Wandern mit der Eisaxt klappt erstaunlich gut und ich finde schnell meinen Rhythmus: Schritt, Schritt, Eisaxt in die Bergseite rammen, Schritt, Schritt… Sobald ich am höchsten Punkt angelangt bin mache ich mich nach einer Pause auf den Weg zum Abstieg. Mittags/Nachmittags laufe ich dann soweit es geht in Richtung des nächsten Passes. Morgens geht das ganze dann wieder von vorne los
Hier noch ein paar Impressionen meines Tages:

Auf dem einen Bild seht ihr den schneebedeckte Pass am Morgen. Am Berg ist auch der Weg durch das Schneefeld zu erkennen. Auf dem anderen einen der vielen Flüsse die ich heute überquert habe. Meine Füße sind den ganzen Tag klitschnass. Manche Flüsse sind tief und ruhig, wie dieser hier. Andere eher flach und reißender. Bisher war jedoch keiner Tiefer als bis zur Mitte meiner Oberschenkel.

Tag 119:

Heute werde ich von Mückenschwärmen attackiert. Es sind gefühlt tausende und meine Beine bestehen nur noch aus Stichen. In den Pausen ziehe ich immer schnell die Daunenjacke an und bedecke die Beine mit der Regenjacke, um mich zumindest ein wenig zu schützen. Das ändert sich dann leider recht schnell denn schon nach der Mittagspause ziehen Wolken auf. Wie auch in den letzten Tagen wird es düster und es fängt an zu Gewittern.

Diesmal ist es noch heftiger als letztes Mal und es ist ein unheimliches Gefühl bei Gewitter alleine, ungeschützt im Wald zu sein. Ich kauere mich unter einen Felsvorsprung und warte. Die Blitze sind furchtbar grell und das Donnern unglaublich laut. Ich habe echt Angst und versuche mich mit dem Zählen zwischen Blitz und Donner abzulenken. Das macht mich jedoch nur noch nervöser, denn das Gewitter ist direkt über mir. Diesmal breche ich wirklich in Tränen aus und das Donnergrollen erstickt mein schluchzen.

Und dann passiert etwas erstaunliches: ein anderer Wanderer kommt vorbei und stellt sich als Baby Jesus vor. Ernsthaft?! 😀 ist das jetzt ein Geschenk von Gott? Wenn ja dann Dankeschön 😉 Er wandert sogar in dieselbe Richtung wie ich und so laufen wir gemeinsam weiter. Wenig später kreuzt ein Bär den Weg und Baby Jesus ist vollkommen außer sich vor Freude. Schließlich ist das sein erster Bär. Für mich ist es mittlerweile der sechste, ich scheine die ja echt magisch anzuziehen. Der Weg wird immer mehr zum Wasserfall und die Flüsse gegen Abend immer höher.

Baby Jesus möchte versuchen seine beiden Freunde einzuholen, die vor im sind. Mir wird es um 20 Uhr zu viel, ich bin müde und hungrig und lasse ihn alleine weiterziehen.
Abends fliegt dann noch ein Rettungshelikopter über mein Zelt, landet nicht weit entfernt und hebt wenige Minuten später wieder in de Luft. Wie ich am nächsten Tag erfahre musste ein anderer Wanderer aus der High Sierra geborgen werden. Ich habe immer noch großen Respekt von den Bergen und versuche hier besonders vorsichtig und aufmerksam zu sein.

Tag 120:

Bereits nach einer Stunde wandern hole ich Baby Jesus ein. Er hat seine Freunde nicht mehr einholen können und sitzt noch im Zelt. So wandere ich weiter hinauf Richtung des nächsten Passes. Plötzlich raschelt es laut im Busch und ich schrecke zurück. Doch es ist nur ein Reh, welches vermutlich genauso schreckhaft ist wie ich. Also atme ich einmal durch und wandere weiter.

Auf dem Weg nach oben kommt mir ein anderer Wanderer entgegen. Er ist ganz aufgeregt und sagt mir, dass zwei Bäume auf dem Pass Feuer gefangen haben und ich mich beeilen und aufpassen soll. Als ich außer Atem oben ankomme sehe ich den Rauch. Die Bäume sind zum Glück weiter weg und das Feuer hat sich nicht weiter ausgebreitet. Alles halb so schlimm. Weiter geht’s. Ich komme an einen wunderbaren See und gehe eine Runde schwimmen. Baby Jesus trudelt auch ein und wir machen zusammen Pause.

Ich bin früher fertig und starte schon. Denn als hätte jemand die Uhr danach gestellt ziehen auch heute wieder Gewitterwolken am Himmel auf. Diesmal fängt es sogar an zu hageln und die Murmelgroßen Hagelkörner schießen wie kleine Geschosse auf die Erde. Ich warte unter einem Baum ab bis sich das Wetter ein wenig beruhigt. Nachmittags treffe ich noch auf Jacky, Stefanie und Mike. Was für eine schöne Überraschung zum Abschluss des Tages.

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