Washington Tag 139 bis 150

Tag 139:

Ich schlafe richtig lange aus und auch nachdem ich aufgewacht bin bleibe ich noch eine ganze Weile im Schlafsack liegen und esse das leckere Bananenbrot, dass ich zusammen mit Paula gebacken habe. Irgendwann wird es dann Zeit aufzustehen, denn ich habe heute viel zu tun. Ich muss zur Post, um sowohl den Bärenkanister als auch ein Resupply Paket (ein Paket mit Essen) wegzuschicken.

Zuvor muss das Essen jedoch erstmal eingekauft werden und ich brauche lange, um das ganze Essen zusammenzusuchen. Nachmittags ist es dann soweit: Es geht nach Washington! Das ist leichter getan als gedacht, denn um nach Washington zu gelangen muss ich nur den nahe gelegenen Fluss über eine Brücke (Bridge of Gods) überqueren. Es ist ein tolles Gefühl in den letzten verbleibenden Bundesstaat einzulaufen. Jetzt wo ich bereits durch Kalifornien und Oregon gewandert bin scheint die kanadische Grenze so nah zu sein. Doch um diese zu überschreiten müssen erstmal weitere 500 Meilen gewandert werden…

Da der Weg recht flach verläuft schaffe ich noch einige Meilen. Auf Waldboden zu laufen fällt mir deutlich einfacherer und auch meine Füße freuen sich über den weichen Untergrund. Ich treffe dann sogar noch einen anderen supernetten Wanderer namens Blaze und wir Zelten zusammen auf einem genialen Zeltplatz (Bild folgt morgen). Hier gibt es sogar Netz, weshalb ich auch heute schon den Blog hochladen kann. Was für ein Luxus 😀 Es ist schön abends zusammenzusitzen und zu quatschen. Besonders, weil Blaze bereits Ernährungswissenschaften studiert und wir uns über einiges austauschen können.

Tag 140:

Ich habe fantastisch geschlafen und werde früh morgens durch Blaze wach, der bereits seine Sachen zusammengepackt. Klar, er möchte ja heute auch wieder 40 Meilen laufen und muss daher früh los. Ich lasse mir in Washington viel Zeit und laufe „nur“ um die 20-26 Meilen am Tag. Denn das letzte Stück möchte ich nochmal richtig genießen und gleichzeitig meinen Fuß auch ein wenig schonen. Der tut leider nämlich immer noch ein wenig weh beim wandern.

Heute ist leider Schluss mit flach und es geht über zwei Berge. Der Trail verläuft die meiste Zeit durch den Wald und der Boden ist schön weich. Ich werde auch direkt schon an meinem ersten Tag in Washington von regen überrascht. Ich habe ja schon gehört, dass es hier öfters mal regnen kann und da ich gerade den Berg hochlaufe nehme ich es als willkommene Abkühlung. Am Vormittag treffe ich dann einen anderen Wanderer namens Mojo. Wir wandern zusammen weiter und stoßen wenig später noch auch Rachel, die sich unserer kleinen Gruppe anschließt. Beide wandern nur einen kleinen Teil vom PCT. Wir machen zusammen Pause und beschließen heute Abend auch gemeinsam zu zelten. So schlagen wir abends unsere Zelte an einem Fluss auf, an dem schon drei andere Wanderer zelten.

Tag 141:

Der Weg führt den ganzen Tag über einen Berg hinauf und es ist ziemlich anstrengend. Ich bin zusammen mit drei anderen Wanderern unterwegs, mit denen wir gestern gecampt haben. Ich finde es richtig schön wieder so viele andere Wanderer zu treffen und nicht mehr die ganze Zeit alleine unterwegs zu sein. So sind auch die Pausen viel unterhaltsamer und ich fühle mich beim Zelten wesentlich wohler.

Washington gefällt mir bisher sehr gut. Der Waldboden ist angenehm zum Laufen und die Landschaft ist sehr grün. Mein einer Fuß bereitet mir leider immer noch Probleme doch ich lerne damit umzugehen. So versuche ich ihn regelmäßig zu massieren, tape ihn morgens und achte darauf ihn nicht falsch zu belasten. Es nervt ein wenig, dass in den letzten Wochen noch so ein Problem auftaucht….

Tag 142:

Der Tag beginnt direkt mit einem Highlight: gleich nach dem Aufstehen finde ich einen Schokoriegel auf dem Boden neues Rucksacks. Und das wo ich dachte die wären alle schon weg… Die werden nämlich meistens als erstes verputzt 😉 . Doch als ich reinbeißen möchte stoßen meine Zähne auf Eis. Denn in der Nacht ist die Schokolade doch tatsächlich gefroren. Also kommt der Riegel erstmal zum auftauen in den Schlafsack. Das lässt auch erahnen, wie kalt es ist und ich brauche einige Zeit, um mich zu überwinden den Schlafsack zu verlassen.

Da der Weg recht flach ist, haben meine Gedanken wieder einmal Zeit umherzuschweifen und im Laufe des Tages entwickelt sich eine riesige Lust auf Cola in meinem Kopf. Keine Ahnung, wo die auf einmal herkommt. Und heute noch eine Cola zu bekommen ist schon sehr unwahrscheinlich. Doch genau das passiert. Am Abend werde ich von Geared up mit Trailmagic überrascht. Und er hat tatsächlich auch Cola dabei 😀 So stoßen wir auf bereits 2200 gelaufene Meilen an.

Keep going, keep smiling…

Tag 143:

Ich wandere noch im Dunkeln los, da ich möglichst früh in die Stadt kommen möchte. In der Dämmerung im Wald herum zu laufen ist dann jedoch nicht so lustig und aufgrund meiner schwachen Stirnlampe stolpere ich einige Male über Wurzeln. In der kleinen Stadt namens Troud Lake esse ich im Café eine Zimtschnecke und ein Stück Schokokuchen. In der Stadt versuche ich mich immer für die gelaufenen Meilen und die erbrachte Leistung zu belohnen. Und diese Belohnung fällt halt meistens in essen aus Danach kümmere ich mich mal wieder um die typischen Sachen (waschen, einkaufen, duschen). Als ich in der Dusche stehe krabbelt eine riesige Spinne an mir vorbei und ich erschrecke mich riesig, Manche Dinge ändern sich wohl auch nach Monaten in der Natur nicht….

Zusammen mit ein paar anderen Wanderern fahre ich zurück zum Trail und laufe noch ein paar Meilen. Heute verändert sich die Landschaft und es geht aus dem Wald hinaus auf Höhe Berge mit weiten Aussichten… Und dann auch noch die ganzen leckeren Blaubeeren am Wegesrand. Ich komme kaum voran, weil ich die ganze Zeit nur am naschen bin.

Tag 144:

In meinen letzten Wochen auf dem Trail schlägt der Hiker Hunger noch einmal richtig zu. Ich muss andauernd Pause machen, um etwas zu essen und habe eigentlich ständig Hunger. Alleine heute Mittag esse ich eine Packung Kartoffelpüree in Kombi mit einer ganzen Packung Frischkäse (ja das schmeckt echt gut :D) und allerlei Snacks. Abends gibt es mittlerweile meistens Nudeln mit Ketchup und morgens koche ich mir jetzt immer warmes Porridge (was eindeutig besser schmeckt als kalt angerührte Haferflocken). Und doch bin ich immer wieder erstaunt wie sehr sich mein Geschmack verändert hat. Manchmal habe ich Heißhungerattacken, die sich mit dem Essen aus meinem Rucksack kaum stillen lassen. Und während des Wanderns schweifen meine Gedanken immer wieder zum Essen…  Ich lenke mich mit Hörbüchern ab und bewundere mal wieder die schöne Landschaft von Washington.

Tag 145:

Ich bin müde und meine Wanderlust schwindet immer mehr. Ich habe das Gefühl der Trail will einfach nicht enden und die kanadische Grenze erscheint mir weiter weg als je zuvor. Vielen anderen Wanderern geht es genauso wie mir. Die meisten möchten einfach nur noch ankommen und haben genug vom Wandern. Doch jetzt noch das Handtuch werfen? 350 Meilen vor dem Ziel? Kommt gar nicht in Frage!
Jetzt ist noch einmal kämpfen angesagt. Denn ich bin einfach schon zu viele Meilen gelaufen, um jetzt aufzugeben.

Tag 146:

img_1388Es geht über Knifes Edge. Damit ist ein schmaler, ca. zwei Meilen langer Grad gemeint. Auf beiden Seiten geht es meterweit in die Tiefe hinunter und mir wird bewusst, dass ich wenn ich einen falschen Schritt mache einfach weg bin. Da ist nichts was mich halten könnte. Also bin ich besonders vorsichtig. Trotzdem komme ich auf dem Geröllfeld öfter mal ins Rutschen und jedes Mal bleibt mein Herz stehen. Besonders beim runter gehen ist es gefährlich. Die Aussicht ist dafür echt genial. Und wer den Zeitungsartikel über meine Reise gelesen hat erinnert sich bestimmt noch an dieses Bild
Danach geht es durch wunderschöne Blumenwiesen, hinunter ins Tal (in dem ich auch Zelte) und ich bin echt froh über meine Stöcke.

Tag 147:

Kurz nach dem Aufstehen geht es auch schon zu der kleinen Tankstelle, zu der ich ein Paket mit essen geschickt habe. Die Tankstelle ist auf uns Wanderer eingestellt und besitzt neben einer Menge essen auch eine kleine Dusche und eine Waschmaschine für uns. Es sind auch schon viele andere Wanderer da und obwohl ich keinen davon kenne kommen wir schnell ins Gespräch und alle sind super nett. Ich bewundere die tolle Zeichnung, die eine Wanderin neben mir anfertigt und als sie sieht wie sehr sie mir gefällt schenkt sie mir die kurzerhand..

Die normalen Besucher der Tankstelle, die mit Autos und Mopeds auf der Durchfahrt sind interessieren sich oft für unsere Reise. Mit einer Gruppe von deutschen Motorradfahrer komme ich ins Gespräch und es ist so schön wieder mal deutsch zu sprechen. Die Gruppe ist ganz baff als sie von meiner großen Reise erfährt und noch mehr als sie erfahren, dass ich das ganze alleine mache. Alle sind super nett und erinnern mich mal wieder dran wie cool diese ganze Sache doch ist wobei ich nächstes mal glaube ich auch lieber das Motorrad nehme 😀 Probe sitzen darf ich heute schonmal.

Zum Abschied machen wir dann noch ein Bild zusammen und ich verrate ihnen noch den Namen von meinem Blog. Also wenn ihr das hier lest: viele Grüße und noch eine schöne restliche Reise. Und natürlich einen guten Heimflug. Bin ja schon ein wenig neidisch, dass es bei mir noch drei Wochen bis dahin dauert…

Tag 148:

Überall auf dem PCT brennt es. Sowohl in Nordkalifornien, Oregon und Washington sind Feuer ausgebrochen und Abschnitte des PCT’s müssen gesperrt werden. Bisher hatte ich noch Glück und bin den Sperrungen zumeist noch zuvorgekommen. Doch dieses Mal habe ich Pech und als ich eine Wegkreuzung erreiche finde ich ein Hinweisschild vor, welches mir die Trailschließung verkündet.

Und zwar genau in dem Stück in dem ich gerade unterwegs bin. Erst bin ich total aufgelöst und weiß nicht was ich machen soll. Ich muss auf jeden Fall so schnell wie möglich raus aus der Feuerzone. Plötzlich kommen zwei Tageswanderer vorbei und als sie mich sehen, sagen sie mir nicht nur wie ich auf schnellstem Weg zu einer Straße komme, sondern sie geben mir zur Aufmunterung auch noch Chips mit auf den Weg. An der Straße sind schon ein paar andere Wanderer und auch zwei Trailangel warten schon. Da hier kein Handyempfang und nur wenig Verkehr ist erwarten sie die Wanderer und fahren Sie um die Trailsperrung herum. Das sind zwar nur 20 Meilen auf dem PCT aber einfach mal 40-50 Meilen auf der Straße.

Deswegen bin ich echt froh, dass mich die Großeltern eines anderen Wanderers mitnehmen und mich wieder zurück zum Trail fahren. Hier wäre ich so schnell nicht hingekommen, denn die meiste Zeit fahren wie über Waldwege. Am Trail angekommen ist für mich dann das erste Mal Cowboy campen angesagt. Denn als die beiden Jungs gehört haben, dass ich noch nie ohne mein Zelt geschlafen habe verspreche ich ihnen es diese Nacht einmal auszuprobieren.

Tag 149:

Um 4 Uhr nachts werde ich von Regentropfen auf meinem Gesicht geweckt. Mein erstes Mal Cowboy campen und trotz guter Wettervorhersage fängt es an zu regnen 😀 . Da die beiden Jungs keine Zelte dabei haben packen sie ihre Sachen zusammen und wandern los. Ich baue dagegen schnell mein Außenzelt auf und kann somit, geschützt vor dem Regen, noch zwei Stunden schlafen. Den Tag über wird wieder einmal gewandert. Also alles wie immer Ich bekomme wieder einmal wunderschöne Seen und Berge zu sehen. Am Abend werde ich dann nochmal mit Trailmagic überrascht 🙂

Tag 150:

Einfach nur laufen… Manchmal fühlt sich ein Thru Hike an wie ein Job. Jeden Tag aufstehen, wandern, essen und schlafen. Es hat sich eine Routine entwickelt die jeden Tag aufs neue angespielt wird. Doch heute ist etwas anders, denn mich erwartet schon wieder Trailmagic. Die letzten drei Tage war einfach jeden Tag Trailmagic und ich habe unglaublich viele Kekse, Chips, Obst und allerlei andere Leckereien gegessen. Wenn das so weitergeht Rolle ich mich am Ende noch über die Grenze 😀

Die heutige Trailmagic ist von den Großeltern von Baby organisiert. Die beiden haben mich ja bereits vor zwei Tagen mitgenommen, um das Feuer zu umfahren. Es ist schön die zwei und die ganzen anderen Wanderer wiederzusehen. Ich bleibe ganze zwei Stunden und laufe danach nur noch wenige Meilen.

 

 

2 Gedanken zu “Washington Tag 139 bis 150

    1. Danke Irene 🙂 Ja Washington gefällt mir auch sehr gut. Hätte gerne noch viel mehr Zeit, um das hier richtig zu genießen. Nur leider geht ja schon bald der Rückflug… ich wünsche euch auch noch ganz viel Spaß auf eurem letzten Stück. Die High Sierra ist genial… 😉

      Liken

Schreibe eine Antwort zu Irene Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s