Pacific Crest Trail

Nordkalifornien Tag 61 bis 67

Mein Zeltplatz mitten im Wald war genial und ich habe toll geschlafen. Morgens bin ich schon voller Vorfreude, denn heute gehe ich zu einem kleinen Café (ca. eine Meile vom Trail entfernt). Für frisches, leckeres Essen nehme ich diese Extrameile gerne in Kauf ;). Ich bin die erste im Café und die nette Besitzerin kocht mir sofort eine heiße Schokolade. Morgens und nachts ist es so kalt hier. Da ist etwas warmes zu trinken genau das richtige. Danach beginnt dann das Essen… Ich bestelle dreimal, weil ich so großen Hunger habe. Als erstes gibt es eine Art Reibekuchen (Hash Browns), gefolgt von Kartoffeln mit Eiern und Gemüse. Zu guter Letzt nehme ich noch ein Avocado Sandwich mit für unterwegs. Um 9 Uhr kann ich mich dann auch endlich losreißen und breche auf. Auf dem Trail ist keiner außer mir unterwegs. Durch den Flip Flop (das Überspringen der Berge), ist es viel ruhiger geworden.

Die schier unendliche Weite lässt mich immer wieder staunen. Die schneebedeckten Berge lassen mich zwar nicht gerade aufjubeln, doch ich hoffe der Schnee schmilzt bis ich ankomme noch… In der Pause gibt es den frischen Salat und das Sandwich. Das ist mit Abstand einer meiner gesündesten Mahlzeiten auf dem Trail 😀 Nach dem Essen bin ich echt müde und lege mich für eine Weile schlafen. Nach meinem kleinen Mittagsschlaf komme ich nicht wieder in Schwung. Deshalb beschließe ich heute nur 20 Meilen (32km) zu wandern. So habe ich viel Zeit, um die tolle Landschaft zu genießen.

Tag 62:

Als ich heute morgen aufwache ist meine Motivation am Nullpunkt. Ich habe Muskelkater und bin einfach nur müde. Die ganze Nacht hat mich nämlich eine Kuhherde wachgehalten, die neben unseren Zelten hin und hergerannt ist. Auch Randy und Can, die mit mir zusammen gezeltet haben, sind dementsprechend müde. Nachdem ich meinen inneren Schweinehund endlich überwunden habe geht’s los. Während ich wandere bessert sich meine Laune und ich bin schnell unterwegs. Nur die ganzen Mücken gehen mir ziemlich auf die Nerven. Zum Schutz trage ich schon mein Mückennetz und in den Pausen die Daunenjacke. Und das trotz 30 Grad…

Auf dieser Etappe fühle ich mich wieder, wie in der Wüste. Von den schönen Wäldern ist nichts mehr zu sehen und hier wimmelt es nur so von Schlangen. Alleine heute sehe ich drei Stück. Immerhin ist hier ab und zu ein schattiges Plätzchen zu finden und auch an Wasser mangelt es nicht so sehr, wie in der Wüste.

Sogar ein See zum schwimmen liegt auf meinem Weg und diese Gelegenheit lasse ich natürlich nicht entgehen. Das Wasser ist eisig und ich halte es nur ein paar Minuten aus nach solch einer Abkühlung lässt es sich gleich viel besser wandern. Dann folgt noch ein weiteres Highlight: Ich entdecke ein Wegweiser zu einer Ranch, bei der es Eis, Duschen, Waschmaschinen und Essen geben soll. Ich biege gleich ab und steuere die Ranch an.

Als ich ankomme begrüßt mich sogleich die Besitzerin und bringt mit erstmal ein Erdbeereis. Während ich esse warnt sie mich vor den vielen Pumas in der Gegend und erklärt mir, wie ich mich verhalten soll, wenn ich einem begegne. Ist bei meinem „Glück“ ja auch gar nicht so unwahrscheinlich… Vorerst möchte ich aber gar nicht hier weg. Vielmehr verbringe ich den ganzen Nachmittag zusammen mit einem anderen Wanderer namens Kevin (Super K) auf der Terrasse. Zwischendurch gehe ich noch kurz in dem kleinen Laden einkaufen.

Falls man das überhaupt noch als Laden bezeichnen kann. Das war auf jeden Fall ein wunderschöner und sehr abwechslungsreicher Nachmittag. Nachdem Kevin aufgebrochen ist und ich zu Abend gegessen habe raffe auch ich mich hoch. Schließlich habe ich versprochen ihn einzuholen 😀 . Doch das wird heute nichts mehr, denn mit so vollem Magen wandert es sich nicht gut und ich baue nicht weit hinter der Ranch mein Zelt auf. Ich starte morgen früh und hole ihn dann hoffentlich im Laufe des Vormittags ein.

Tag 63:

Der entspannte Tag gestern hat mir richtig gut getan und ich fühle mich ausgeruht und fit. Ich habe heute auch eine Nachricht von Mike bekommen. Die drei sind ganze zwei Tage hinter mir und lassen es langsam angehen. Da ich leider nicht wie sie bis Oktober Zeit habe wandere ich alleine weiter. Mein Morgen beginnt mit Trailmagic und….

….bis Kanada ist es jetzt auch nicht mehr weit. Wobei ich ja noch die 600 übersprungenen Meilen nachholen möchte und somit noch ein ganzes Stück vor mir habe.

Nach einer Stunde hole ich schon Kevin ein und wandere eine Zeit lang mit ihm zusammen weiter. Als wir an die Abzweigung zu den Wasserfällen kommen, biege ich ab, während er weiter läuft. Diese Attraktion möchte ich mir nicht entgehen lassen. Besonders, weil die Wasserfälle (Burney Falls) nicht weit vom Trail entfernt sind. Und der kleine Umweg hat sich gelohnt:

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Ich bleibe lange hier und genieße die Aussicht. Da die Wasserfälle auch mit dem Auto erreichbar sind, ist hier gleich viel mehr los. Es ist schön mal wieder unter Menschen zu sein und so rede ich mit einer Gruppe Angler über meine Wanderung und den vielen Schnee (das Gesprächsthema Nummer eins). Irgendwann muss ich dann los, denn ich möchte heute 23 Meilen wandern. Der Weg führt steil den Berg hinauf und auf einmal kommt mir ein Wanderer namens Burkard entgegen. Er sagt oben auf dem Berg liegt eine Menge Schnee und es ist kein durchkommen möglich. Na toll 🙁 Das senkt meine Stimmung erstmal und ich weiß nicht was ich machen soll. Ich beschließe zumindest einmal hochzulaufen und mir selbst einen Überblick zu verschaffen. Ich kann ja schließlich immer noch umkehren. Auf dem weiteren Weg nach oben treffe ich noch einen weiteren Wanderer, der mir entgegen kommt. Er wandert Southbound (von Kanada nach Mexiko) und hat das Schneestück gemeistert. Also doch nicht so unmöglich wie Burkard meinte
Von dem Southbounder bekomme ich viele Tipps für das Stück mit Schnee, welches mich morgen erwartet. Mittlerweile nervt mich der Schnee nur noch. Es ist Juni und es ist kein Ende in Sicht, denn am Wochenende soll es Neuschnee geben. Ich kann es kaum glauben…. So habe ich mir meine Wanderung nicht vorgestellt. Es kommt halt meistens ganz anders als man denkt.

Tag 64:

Als ich aufwache regnet es in Strömen und innerhalb von wenigen Minuten bin ich plitsch nass. Dabei ist es auch noch sehr kalt und ich kann meine Finger kaum bewegen, weil sie so steifgefroren sind. In der Pause baue ich mein Zelt auf, um zumindest ein wenig Schutz zu haben. Das dauert mit den kalten Finger doppelt so lange und auch im Zelt ist es kalt und nass. Der Nachmittag wird dann richtig heftig, denn ich komme in den Schnee. Der Weg führt die ganze Zeit am steilen Hang entlang und da der Schnee schon angetaut ist passiert es wieder einmal… Ich mache einen falschen Schritt und rutsche den Hang hinab. Ich kann mich gerade noch an einem kleinen Baum festhalten. Nach diesem Sturz schmerzt mein linker Oberschenken und ein paar meiner Finger haben Schrammen und bluten. Das ist der Moment, an dem ich einfach nicht mehr weiter möchte und überlege den Notruf zu rufen.

Doch nachdem ich mein Bein untersucht habe und feststelle, dass ich noch laufen kann, wandere ich weiter. Ich bin fix und fertig mit den Nerven. Das ist auch der Grund, wieso es heute das erste Mal kein Bild gibt und der Blogeintrag erst Tage später online kommt. Da ich nur noch raus aus dem Schnee möchte beeile ich mich. Dann habe ich es endlich geschafft und komme wieder auf den Trail, diesmal sogar schneefrei. Wenig später sehe ich drei andere Wanderer, um ein Lagerfeuer stehen. Ich bin unglaublich erleichtert. Die drei sind für eine Woche zum Wandern auf dem PCT unterwegs und helfen mir meine Sachen zu trocknen. Ich bin total unterkühlt und aufgelöst. Sie können kaum glauben, dass ich durch den Schnee gewandert bin und wollen alles über meine Wanderung wissen. Also erzähle ich von den letzten Tagen, Wochen und Monaten. Alle sind sehr gespannt und am Ende sagt der eine: You are a tough girl.

Das war ich die letzten Wochen wohl tatsächlich, doch so möchte ich nicht mehr weiter machen. Ich habe keinen Spaß mehr am Wandern im Schnee und ich bin echt nochmal mit einem blauen Auge davongekommen. Im Gegensatz zu mir hatten viele andere Wanderer (z.B. auch Patrick und Chae) nicht so viel Glück wie ich. Patrick ist genau wie ich den Berg hinab gerutscht, hat sich dabei an der Hand und auch am Fuß verletzt, weswegen er jetzt eine Pause einlegen muss. Chae ist bei einer Flussüberquerung in den Fluss gefallen und konnte gerade noch gerettet werden. Jetzt beendet er seine Wanderung auf dem PCT. Da ich meine Wanderung nicht beenden möchte, jedoch nicht weiterhin jeden Tag mein Leben und meine Gesundheit aufs Spiel setzen möchte, entscheide ich mich 1-2 Wochen Pause zu machen. Ich hoffe in dieser Zeit schmilzt der Schnee und ich kann meine Wanderung danach fortsetzen.
Denn die letzten Tage waren sowohl psychisch als auch körperlich sehr anstrengend. Das ständige Wandern im Schnee, die Bären, der Regen…. Ich fühle mich einfach nur noch ausgelaugt und gönne mir selbst jetzt ein wenig Zeit um mich auszuruhen. Was ich in dieser Zeit mache steht noch nicht fest, aber ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Tag 65:

Ein schneefreier Tag 🙂 Es ist so toll ohne Schnee zu wandern. So schaffe ich deutlich mehr Meilen und das Wandern macht mir richtig Spaß. Und das trotz verhangenem Himmel. Leider sind die Abschnitte ohne Schnee nur von kurzer Dauer und fast überall liegt noch eine Menge Schnee. Daher freue ich mich umso mehr darauf erstmal eine Pause einzulegen. Danach kann ich meine Wanderung hoffentlich ohne solche riesigen Schneemengen fortsetzen. Ich bin mit einem der drei Wanderer (Ken) von gestern unterwegs. Wir wandern zusammen in Richtung Stadt. Morgen Nachmittag holt uns seine Frau dann an der Straße ab und fährt uns in die Stadt (Mount Shasta). So habe ich mir schon einmal Trampen gespart.

Die Pause genießen wir heute am Fluss und Ken packt seine Angel raus. Es beißt sogar ein Fisch an und so gibt es für ihn frischen Fisch zum Mittagessen, während ich meine Instantnudeln esse. Als wir abends beim Zeltplatz ankommen treffen wir noch auf einen anderen Wanderer namens Nathan. Wir machen ein Feuer und wärmen uns auf. Ich kann es kaum erwarten morgen endlich in die Stadt zu kommen. Wohin mich meine Reise führt werde ich den nächsten Tagen entscheiden…

Tag 66:

Da wir heute nicht viel zu wandern haben, gehe ich den Tag ruhig an. Ich lasse mir viel Zeit, schlafe aus und mache lange Pausen. Trotzdem sind wir schon vormittags an der Straße und warten noch bis zum Nachmittag, bis Ken’s Frau Carol uns abholen kommt. Das hat sich auch wirklich gelohnt, denn sie bringt uns Schokolade, Getränke und ganz viele andere Snacks mit. Die beiden sind wirklich lieb und fahren extra einen Umweg, um mich in Mount Shasta abzusetzen. Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie hilfsbereit und freundlich die meisten Menschen sind. In der Stadt checke ich ins Motel ein, gehe einkaufen und mache mir den restlichen Nachmittag Gedanken über meine Pausenzeit. So wie es aussieht geht es nach Südkalifornien aber mehr Infos gibt es erst in den nächsten Tagen. Lasst euch also überraschen.

Tag 67:

Heute geht es nach Etna. Dort warten ein paar Pakete in der Post auf mich, die ich noch abholen möchte, bevor ich meine Pause einlege. Von Mount Shasta fahre ich also zusammen mit Tyler nach Weed. Dort trinken wir erstmal ein Kaffee und machen eine Pause. Tyler ist so ein richtiger Backpacker und jetzt schon seit 4 Jahren unterwegs. Er erinnert mich ein wenig an Alexander Supertramp aus „Into the wild“. Es ist auf jeden Fall echt spannend Fotos und Geschichten auszutauschen. Wir bleiben lange in dem Café und spielen noch ein wenig Schach, mit einem kleinen Jungen namens Kay, der auf einmal einfach zu uns gekommen ist.

Irgendwann muss ich dann leider wirklich los und verabschiede mich von den beiden. Als eine andere Frau in dem Café hört, dass ich nach Etna fahren muss erklärt sie sich kurzerhand bereit mich zu fahren. Und das obwohl es eine Stunde entfernt ist und sie da gar nicht hin muss… Die Gastfreundschaft, die mir jeden Tag entgegen gebracht wird ist einfach unglaublich.

Etna ist eine kleine, süße Stadt in der ich sofort freundlich begrüßt werde. Sobald ich aus dem Auto ausgestiegen bin kommt schon ein Mann namens Jamie auf mich zu und zeigt mir die Stadt. Der letzte Stopp ist das Hostel „Hikers Hut“, in dem ich diese Nacht bleibe. Ich habe den ganzen Schlafsaal für mich alleine und die Besitzer bringen mir abends was zu essen vorbei. Morgen werde ich meine Pakete abholen und schlussendlich entscheiden wo es in meiner Wanderpause hingeht. Es bleibt also spannend!

 

 

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2 Kommentare

  1. Astrid says:

    Hallo Caro,
    mein momentanes Morgenritual ist es, deinen neuen Beitrag zu lesen. Und ich freue mich immer sehr. Ich finde dich sehr mutig und überaus zäh. Ganz toll, DASS und wie du das meisterst. Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe und Gute und dass dich der Mut und die Kraft weitertragen bis zum Ziel. Und mir wünsche ich noch gaaanz viele Morgenrituale 😉.

    Liebe Grüße
    Astrid

    1. says:

      Hallo Astrid,
      Das freut mich sehr und das klingt nach einem schönen Morgenritual 😉 Manchmal würde ich auch lieber zuhause sitzen und einfach nur mitlesen 😀 Dankeschön für deine lieben Worte. Die geben mir eine Menge Kraft und Motivation. Und ich gebe mein Bestes, dir ganz viele weitere schöne Morgenrituale zu bescheren 😉
      Ganz liebe Grüße
      Caroline

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