Pacific Crest Trail

Oregon Coast Trail Tag 81 bis 89

Heute bin ich einfach nur müde. Den ganzen Tag über werde ich nicht richtig wach, sondern würde mich am liebsten einfach zuhause in mein Bett kuscheln und schlafen. Doch daraus wird nichts und ich wandere stattdessen ganz alleine am Strand entlang. Außer mir ist kein Mensch unterwegs und ich genieße die Ruhe. Nach ein paar Stunden wird es ein wenig langweilig und ich beginne wieder einmal alle möglichen Lieder zu singen. Dadurch vergeht die Zeit wesentlich schneller und ich komme gut vorwärts.

Doch auf einmal stehe ich vor einem großen Fluss. Laut meiner Karte soll der Trail geradeaus weiter führen. Soll ich durch den Fluss schwimmen oder was? 😀 Der OCT ist wohl so eine Art Triathlon… Schwimmen gestaltet sich mit meinem großen Rucksack nur etwas schwierig, Weswegen ich lieber einen großen Umweg in Kauf nehme. Da es nach diesem schon sehr spät ist und ich eine Familie treffe, die am Strand zeltet, schließe ich mich Ihnen an und baue mein Zelt noch vor meinem heutigen Etappenziel (dem Campground Umpqua Lighthouse) auf. Die verbleibenden 10 Meilen bis zum Camp nehme ich morgen früh in Angriff und mache den restlichen morgigen Tag einen Ruhetag im Camp.

Tag 82:

Und ich weiß das erste Mal nicht worüber ich schreiben soll 😮 Denn heute ist wirklich rein gar nichts spannendes passiert. Also ein ganz ruhiger und entspannter Tag für mich. Das hat mir mal sehr gut getan. Besonders, weil ich nur heute Vormittag gewandert bin und den Nachmittag zum Ausruhen und Faullenzen genutzt habe. So wurden mal alle Nachrichten beantwortet, ich habe meine weitere Strecke geplant und bin gerade dabei mir ein neues Langarmshirt im Internet zu bestellen. Meins bekommt mittlerweile nämlich größere Löcher und ist schon sehr abgetragen. Ist ja auch kein Wunder, nachdem es jetzt seit zwei Monaten fast täglich getragen wird.

Wenn das erledigt ist geht es ab ins Zelt, wo mein warmer Schlafsack schon auf mich wartet. Irgendwie ist mir den ganzen Tag über echt kalt und trotz warmer Temperaturen habe ich die meiste Zeit meine Mütze und Daunenjacke an. Die Schützen mich heute nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor den vielen Mücken. Bevor ich schlafen gehe, kommt das Essen noch in den dafür vorgesehenen Schrank, da die Eichhörnchen ganz scharf darauf sind etwas abzubekommen. Ich bin nur zwei Minuten weg und schon knabbern sie an meinem Packsack mit dem Essen herum. Und die kleinen Tiere sind überhaupt nicht scheu. Vermutlich, weil sie oft genug von anderen Menschen gefüttert werden und das obwohl überall Schilder hängen „wilde Tiere bitte nicht füttern“…

Tag 83:

Um Punkt 5 Uhr klingelt der Wecker, um 6 Uhr bin ich Abmarschbereit. Denn heute sind es wieder über 30 Meilen (ca. 50 km) zum nächsten Campingplatz. Diesmal möchte ich nicht erst im Dunkeln ankommen und mich auch nicht so beeilen müssen. Als ich mein Essen aus dem Schrank hole erwartet mich eine Überraschung. Die nette Frau, die neben mir campt hat mir Kirschen hingelegt. Die werden auf dem Weg zum Strand direkt gegessen 🙂

Der Weg verläuft heute die meiste Zeit am Strand entlang und die gesamte Zeit über sehe ich keinen einzigen Menschen. Nur ein paar Robben, die es sich auf einer Sandbank gemütlich gemacht haben, sind auch hier.

Ich fühle mich heute ein wenig einsam und auch das Heimweh ist wieder da. Diesmal noch stärker als je zuvor. Um mich abzulenken wird gesungen, ich zähle meine Schritte und schmiede Pläne für die Zukunft. Da ist auf jeden Fall die ein oder andere gute Idee dabei. Mittags erreiche ich dann die Straße, die mich zur Stadt führen soll. Doch diese ist gesperrt…Da es keine andere Möglichkeit gibt laufe ich trotzdem weiter. Nach einer Weile weiß ich dann auch warum die Straße gesperrt ist. Denn ein Teil von ihr steht unter Wasser. Na gut das bin ich jetzt ja schon gewohnt.

Das Wetter ist heute nur leider nicht so sonnig, weshalb meine Füße den ganzen restlichen Tag nass bleiben. Und sie fangen an zu schmerzen. Die letzten drei Stunden auf Asphalt laufen strengt ungemein an und als ich das Camp erreiche bin ich am Ende meiner Kräfte.

Tag 84:

Auch heute morgen spüre ich meine Füße noch. Erst nach einer heißen Dusche fühle ich mich ein wenig besser und bin bereit meine Wanderung fortzusetzen. Heute stehen zum Glück nicht ganz so viele Meilen an. Ganz langsam geht es zurück zum Strand. Das Wetter ist traumhaft und lädt zu vielen Pausen ein. Die mache ich auch, denn das laufen in dem weichen Sand ist sehr anstrengend. In einer meiner Pausen treffe ich dann eine Frau mit einem Hund (Misty und Zoey).

Sie macht Trailmagic auf dem Oregon Coast Trail und bietet mir an eine Nacht bei ihr Zuhause zu schlafen. Eine Nacht nicht in meinem Zelt schlafen klingt auch mal sehr verlockend. So mache ich mich mit ihr zusammen auf den Weg in die Stadt. Nachdem wir angekommen sind und sie mir mein kleines Zimmer gezeigt hat schlafe ich sofort auf dem Sofa ein. Ich bin einfach unglaublich müde und die letzten waren sehr anstrengend für mich. Deshalb bin ich sehr froh eine Nacht hier schlafen zu können und mich ein wenig auszuruhen. Als ich drei Stunden später wieder aufwache ist es schon abends und ich fühle mich viel besser. Deswegen gehe ich noch einkaufen und besorge mir frisches Obst, Brot und Kartoffelsalat zum Abendessen. Auf den habe ich nämlich seit Tagen Heißhunger 😀 Mein Appetit spielt auf dieser Wanderung wirklich ein wenig verrückt…

Tag 85:

Als ich aufwache fühle ich mich richtig gut. Die Nacht in warmen hat mir sehr geholfen und nach dem vielen Schlaf bin ich endlich mal wieder fit und ausgeruht. Somit bin ich bereit die heutigen 30 Meilen (ca. 50 km) anzugehen. Das Wetter spielt auch mit und es ist ein wunderschöner Tag zum wandern am Meer. Ich bin mal wieder ganz alleine unterwegs und es stimmt wirklich, was viele Einheimische sagen: Der Süden ist viel einsamer als der Norden und ich sehe oft stundenlang niemanden. Auch der Sand ist hier im Süden von Oregon etwas anders und leider nicht mehr so fest, wie der im Norden. Das Laufen in denn weichen Sand ist deutlich anstrengender und ich nutze meine Stöcke, um besser voranzukommen.

Da ich heute gleich zwei Flüsse zu durchqueren laufe ich recht schnell, um beide bei Ebbe und Niedrigem Stand überqueren zu können. Bei dem ersten Fluss gelingt mir das auch gut und ich stehe schnell auf der anderen Seite. Der zweite Fluss ist jedoch deutlich höher und der Sand ist sehr weich, sodass ich sehr weit einsinke und das Gefühl habe der Boden wird mir unter den Füßen weggezogen. Das ist dann doch echt beängstigend und ich entscheide mich diesen Fluss zu umgehen. Ich möchte ja nichts riskieren, besonders nicht wenn ich alleine unterwegs bin. Also laufe ich vorbei an einem See namens Floras Lake Richtung Autostraße.

Dieser Folge ich dann eine Weile, bis ich wieder zurück auf den Trail komme und schon ein wenig später den Campingplatz erreiche. Dort treffe ich sogar ein bekanntes Gesicht wieder. Denn Claire eine Radfahrerin, mit der ich schon vor ein paar Tagen zusammen gecampt habe, ist auch da und so verbringen wir der Abend gemeinsam. Was für ein glücklicher Zufall, dass wir uns nochmal Wiedersehen.

Tag 86:

Meine Tage an der Küste Oregon’s neigen sich langsam dem Ende zu. Deswegen genieße ich die letzte Zeit noch und gehe die heutige Etappe etwas ruhiger an. Es sind auch nur 15 Meilen (ca. 24 km) bis zum nächsten Campingplatz. Das ist schon komisch, am Anfang habe ich einen ganzen Tag für 15 Meilen gebraucht und war danach echt fertig. Mittlerweile sind 15 Meilen ein ruhiger Tag für mich und ich laufe normalerweise um die 22 Meilen. Langsam gewöhnt sich mein Körper wohl an das tägliche Laufen.
Die Küste zeigt sich mir heute nochmal von ihrer schönsten Seite.

In der nächsten Stadt angekommen laufe ich eine Menge essen ein und mache am Strand ein kleines Picknick. Es gibt Baguette, Käse Kartoffelsalat, frisches Obst und als Nachtisch Erdbeereis. Lecker 🙂 Ich wandere noch die restlichen Meilen bis zum Campingplatz an der Straße entlang. Was wäre auch ein Tag auf dem Oregon Coast Trail ohne ein Abschnitt auf der Straße?! Diesmal sind zum Glück so gut wie gar keine Autos unterwegs und neben der Straße ist sogar ein kleiner Weg den ich nutzen kann.

Nach einer Stunde kommt auch schon der Campingplatz in Sicht und was für eine Überraschung: Hier treffe ich auch Claire wieder. Sie geht die kommenden Tage langsam an und fährt nicht ganz so viele Meilen mit ihrem Fahrrad. Es ist toll auch heute wieder mit ihr zusammen zu zelten. Und es wird sogar noch besser. Auf dem Campingplatz sind auch zwei andere deutsche Fahrradfahrer, die mich zum Essen einladen. So gibt es für mich zum Abschluss dieses tollen Tages auch noch Nudeln mit Mangold.

Tag 87:

Ich kann einfach nicht genug vom Meer bekommen… Die Ausblicke sind auch einfach fantastisch. Der heutige Tag verläuft wie die vorherigen Tage: Ich wandere den ganzen Tag, teils am Strand und teilweise an der Straße entlang und durchquere wieder einige Flüsse. Diese sind diesmal nicht so tief und bereiten mir somit keine Probleme. Abends komme ich dann in die Stadt Gold Beach und hier darf ich bei einem ganz lieben Ehepaar im Garten zelten. Und das sogar obwohl die beiden über das Wochenende selbst nicht da sind. So baue ich mein Zelt in ihrem schönen Garten auf:

Tag 88:

Mein letzter Tag auf dem Oregon Coast Trail Zeit für ein kleines Fazit und eine Zusammenfassung meiner letzten Tage. Ich habe 20 Tage gebraucht, um die ca. 370 Meilen (595 km) zu wandern. Somit habe ich jetzt Oregon einmal durchquert und setze meine Wanderung in den nächsten Tagen auf dem PCT fort. Dabei starte ich in Ashland und wandere als erstes das noch verbleibende Stück in Nordkalifornien. Jetzt aber zu meiner kleinen Zusammenfassung:

1) Der Oregon Coast Trail
Ich habe gehört der Wanderweg führt statistisch gesehen ca. 50% am Strand entlang, 30% an der Straße und weitere 20% im Wald. Das kann ich nur bestätigen. Die Strecken am Strand sind wirklich toll, nur auf die Abschnitte an der Straße hätte ich verzichten können. Der Sand ist die meiste Zeit sehr hart und es lässt sich gut darauf wandern. Die Flussüberquerungen sollten gut geplant sein, da viele der Flüsse wirklich nur bei Ebbe überquert werden können und auch dann teilweise noch sehr hoch sind.

2) Die Landschaft
Wunderschön… Ich habe es sehr genossen an der Küste entlang zu wandern. Der pazifische Ozean ist wirklich traumhaft schön und ich bin ein großer Fan von Oregon geworden.

3) Das Wetter
An der Küste kann es auch sehr stürmisch sein. Das habe ich in den letzten Tagen allzu oft zu spüren bekommen. Am Strand ist es wirklich schwierig ein wenig Schutz vor dem Sturm zu finden. Ich würde jedem, der den OCT wandern möchte empfehlen southbound zu laufen (von Norden nach Süden). Denn ich hatte die meiste Zeit Rückenwind, was zum wandern sehr angenehm war.

4) Das Camping auf dem Oregon Coast Trail
Dieser Punkt war teilweise sehr kompliziert, da campen an den meisten Stränden verboten ist. So musste jede Etappe von Campingplatz zu Campingplatz geplant werden. Das hat dazu geführt, dass ich an manchen Tagen 30 Meilen, an anderen dann wieder nur 15 Meilen zu wandern hatte. Die Campingplätze (State Parks) auf denen ich meistens übernachtet habe sind dafür auch sehr schön. Eine Nacht im Hiker/Biker Camp kostet meistens 5-6$. Das finde ich echt in Ordnung. Besonders, weil ich mich immer sicher auf den Campingplätzen gefühlt habe und dort sehr nette Menschen kennengelernt habe

5) Die Navigation auf dem Oregon Coast Trail
Auch so ein Thema… Der Weg ist leider relativ schlecht markiert. Zudem gibt es keine App zu dem Trail und so war ich beim Navigieren auf Karten und Google Maps angewiesen. Laura und Tanner haben das Buch „Oregon Coast Day Hiking“ genutzt. Das würde ich mir nächstes mal auch holen, denn damit gestaltet sich das Weg finden ein wenig einfacher.
http://www.oregon.gov/oprd/PARKS/Pages/OCT_main.aspx

6) Das Resupply
Die Versorgung mit neuem Essen und Wasser war ein Kinderspiel. Denn fast jeden Tag haben wir eine neue Stadt erreicht, in der wir Essen kaufen konnten. So hatte ich auch den Luxus frisches Obst, Brot und Käse dabei zu haben.
Ich hatte meistens um die 2 Liter Wasser dabei und habe dieses in Städten und auf den Campingplätzen aufgefüllt.

7) Fazit
Ich denke für mich war der Oregon Coast Trail genau die richtige Alternative, um dem Schnee eine Zeit lang aus dem Weg zu gehen. Ich habe das barfuß laufen am Strand sehr genossen und die paar Wochen waren fast wie ein kleiner Urlaub für mich. Trotzdem freue ich mich jetzt wieder zurück auf den PCT zu gehen und bin gespannt, was mich da alles erwartet…

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Tag 89:

Ein kleiner Ausflug in die Redwoods und zu Crater Lake…
Doch ich fange mal ganz von vorne an: Gestern Abend hat mich ein sehr nettes Ehepaar auf dem Campingplatz zum Essen eingeladen. Die beiden heißen Annette und Kurt und sie sind mit ihren zwei Hunden zum Urlaub hier. Annette ist auch eine leidenschaftliche Wanderin und so reden wir viel übers Wandern, Ausrüstung… Als sie dann hören, dass ich nach Ashland fahren möchte bieten sie mir an mich mitzunehmen. Und nicht nur das, sie wollen auch extra noch den langen Umweg zu Crater Lake fahren, damit ich auch diesen noch zu sehen bekomme. Das ist so lieb von den beiden und ich bin sehr froh sie getroffen zu haben 🙂

Also starten wir heute morgen Richtung Crater Lake. Auf dem Weg dahin schauen wir uns auch gleich die Redwoods an. Das sind riesige Bäume in Amerika, die zum Teil schon über 500 Jahre alt sind. Das ist echt beeindruckend und neben diesen mächtigen Bäumen komme ich mir ganz klein vor.

Anschließend geht die Autofahrt weiter. Wir nutzen diese, um uns über alle möglichen Dinge auszutauschen. So erfahre ich viel über die Geschichte Amerika’s. Morgen ist ja schließlich Independence Day und jetzt bin ich gut darauf vorbereitet und bestens informiert Ich erzähle ihnen auch eine Menge aus Deutschland und bin überrascht, was die Amerikaner alles über Deutschland wissen. Sie kennen sogar Heidi und viele deutsche Marken sind hier sehr bekannt. Als wir bei dem Haus der beiden ankommen (liegt auf dem Weg) zeigen sie mir auch ein riesiges Puzzle von Ravensburger, an dem sie gerade herumbasteln.

Den kleinen Zwischenstopp nutzen wir, um etwas zu essen und um das Auto zu wechseln. Denn der Wohnwagen bleibt zusammen mit dem Hunden daheim, während wir weiterfahren. Nachmittags kommen wir dann zu Crater Lake und was soll ich sagen, es ist beeindruckend… Schaut einfach selbst:

Der See ist strahlend blau und es ist wunderschönes Wetter, für diesen Ausflug. Wir laufen ein wenig den See entlang, besuchen das kleine Museum und machen uns nach ca. einer Stunde wieder auf den Heimweg. Denn es liegen noch ca. drei Stunden Fahrt vor uns. Als wir Ashland erreichen, weiß ich gar nicht, wie ich den beiden danken soll. Sie haben mir einen wunderschönen Tag geschenkt und ermöglicht doch noch Crater Lake zu besuchen. Ein großes Dankeschön an diese beiden lieben Menschen! In Ashland schlafe ich eine Nacht bei einem Trailangel, bevor es morgen wieder zurück auf den PCT geht.

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