Pacific Crest Trail

Erste Schritte auf dem PCT – Tag 4 bis 10

Meine Wanderung auf dem Pacific Crest Trail beginnt

Tag 4:

„Es geht los!“ Wir stehen schon um 4.30 Uhr auf und ich kann es kaum erwarten zum Trail zu kommen. Während wir unsere Rucksäcke packen, die Wasservorräte auffüllen und frühstücken steigt meine Aufregung immer mehr. Von dem leckeren French Toast (Arme Ritter) mit frischem Obst kann ich leider nicht viel essen. Stattdessen sitze ich als eine der ersten im Auto, mit dem wir zur mexikanischen Grenze fahren. Die Fahrt und vor allem die Gespräche mit den anderen Wandernden lassen die Vorfreude weiter wachsen. Als die Autos langsamer fahren werden wir alle ganz ruhig. „Dort ist es, das Monument, der Start vom Pacific Crest Trail (PCT)“. IMG_2720Ich klettere hinauf und alles in mir kribbelt. Wie ich mich fühle? Euphorisch, Glücklich, Gespannt, Aufgeregt und auch ein wenig ängstlich.

Kaum zu glauben das mein Traum nun wirklich wahr wird. Die ersten Schritte fühlen sich noch ungewohnt und unwirklich an. Doch bereits nach kurzer Zeit verdrängt die Freude endlich auf dem PCT unterwegs zu sein diese Gefühle. Die Wüste zeigt sich für uns heute von ihrer besten Seite. Laut den Amerikaner ist es wohl ein sehr kühler Tag, mit 25-30 Grad. Davon habe ich beim wandern leider nicht viel gemerkt und ich möchte gar nicht wissen wie  sich hier dann ein heißer Tag anfühlt 😀

Mittags ist es schon so heiß, dass wir zwei Stunden Siesta im Schatten (in der Wüste wirklich eine Rarität) machen. Und direkt am ersten Tag begegnet uns die erste Trail magic: ein Wanderer schenkt uns eine Orange und singt ein Lied für uns. Unfassbar wie herzlich und offen viele hier sind. Für die ganze Anstrengung des ersten Tages werden wir mit einem tollen Ausblick belohnt.

Aber die Wüste in Südkalifornien ist gar nicht so flach wie ich vorher dachte, sondern sogar ziemlich hügelig. So laufen wir den ganzen Tag auf und ab, insgesamt 24 km, bis zum Hauser Creek. An diesem kleinen Fluss bauen wir unsere Zelte und kuscheln uns nach dem Abendessen sofort in den Schlafsack. Es ist zwar erst 19 Uhr aber wir sind einfach unglaublich müde und die Beine sind schwer, sodass wir jetzt nur noch schlafen wollen… Es war auf jeden Fall ein sehr schöner erster Tag auf dem Trail und wir hatten eine Menge Spaß. Ich bin schon jetzt gespannt, was mich noch alles erwartet.

Tag 5:

Meine erste Nacht im Zelt war super und ich habe geschlafen wie ein Baby. Um 6 Uhr krabbeln wir bereits aus den Zelten und starten den Wandertag. Der Trail führt zunächst ca. eine Stunde lang einen Berg hinauf. Als wird oben angekommen sind gibt es erstmal Frühstück und Kekse An die schöne Aussicht beim Frühstück kann ich mich auch wirklich gewöhnen.

Gegen 10 Uhr erreichen wir einen Campingplatz am Lake Morena. Da gönne ich mir eine Portion mac and Cheese (Nudeln mit Käse) . Das ist auch der Zeitpunkt meiner Trailtaufe: Ich, als Käse Liebhaberin, wurde auf den Namen Cheese 😀 getauft Teresa hat den Namen Brownie bekommen. Auf dem PCT ist es nämlich schon seit Jahren Brauch, dass sich die Wanderer gegenseitig Trailnamen geben und sich ausschließlich mit diesen auf dem Trail ansprechen. Die Trailnamen haben meistens etwas mit der eigenen Persönlichkeiten, Vorlieben oder Hobbys zu tun, die für diejenige Person charakteristisch sind. Nach unser kleinen Pause wandern wir weiter durch die Wüste.img_2746

Dort begegnete uns direkt die erste Schlange. Die war Gott sei Dank so schnell weg, dass ich nicht einmal genug Zeit hatte um ein Foto zu machen. Nach diesem Schrecken erreichten wir einen großen Campingplatz wo auch schon die zweite Trail Magic auf uns wartete. Diesmal gab es frisches Obst, Wasser und Gulasch (leider nicht vegetarisch, deshalb nichts für mich). Nach dieser Stärkung folgte der letzte Anstieg und wir kamen beide nochmal ins schwitzen. Doch das hat sich wirklich gelohnt, denn jetzt haben wir einen Schlafplatz ganz für uns alleine.

Tag 6:

Der verflixte dritte Tag… Ich habe schon davon gelesen, dass der dritte Tag einer Wanderung oft einer der schlimmsten Tage ist und genauso ist es auch bei uns. Die letzte Nacht war ziemlich kalt und durch den Vollmond war es so hell, dass ich kaum schlafen konnte.

Der Morgen hat beginnt erstmal super und wir legen viele Kilometer zurück. Besonders die Ausblicke waren wieder einfach nur beeindruckend und ich kann mich kaum satt sehen.

Gegen Mittag wird es dann wieder richtig heiß und die ersten Blasen und Druckstellen machen sich bei uns beiden bemerkbar. Obwohl ich die laufend Wasser trinke (ich glaube insgesamt waren es heute über vier Liter) habe ich die ganze Zeit einen trockenen Hals und fühle mich nicht so gut.
Deswegen nutze ich auch wirklich jede Minute zum Ausruhen :D.

Nachmittags kommen bei mir dann auch noch Schienbeinschmerzen und bei Teresa Fußschmerzen dazu und so schleppen wir uns die letzten Kilometer nach Mount Laguna hoch. Die Landschaft hier oben ist einfach toll und ich kann gar nicht glauben, dass wir noch in der Wüste sind. Wir haben heute ca. 1000 Höhenmeter überwunden und sind 22 km gewandert.
In Mount Laguna angekommen nehmen wir uns erstmal ein Zimmer im Motel , duschen und waschen unsere Wäsche. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie dreckig ich nach nur drei Tagen wandern bin 😀 Wir sind halt schon vollkommen integriert und gehören jetzt mit zum Hiker Trash.
Und ja auch diese Seite gehört zum Wandern dazu. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt auf den morgigen Tag, den wir etwas ruhiger angehen möchten.

Tag 7:

Die Nacht im Motel war einfach himmlisch und ich habe super geschlafen. Bei dieser Wanderung lerne ich solche alltäglichen und normalen Dinge, wie eine Dusche oder ein Bett erst richtig zu schätzen. Heute haben wir einen ruhigeren Tag eingeplant und verbringen den Vormittag noch in Mount Laguna. Dort kaufe ich mir in einem genialen Outfitter neue Socken. So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen: Dieser kleine Laden ist so mit allem möglichen Ausrüstungszeug vollgestopft, dass er ein Wanderer Herz höher schlagen lässt. Bevor wir Mount Laguna dann gegen Mittag wieder verlassen essen wir im Restaurant noch leckere Frittata.

Somit also wieder „Hello Wüste“. Und zwar was für eine… Die Landschaft ist einfach nur atemberaubend und wir kommen heute aus dem Staunen fast nicht mehr raus.

So fällt uns das Wandern direkt viel leichter und wir legen noch 18km zurück. Die Schmerzen im Schienbein merke ich heute gar nicht mehr und auch die Blasen sind durch die neuen Socken kaum noch zu spüren. Auf den letzten Kilometern wird es dann noch richtig windig und kalt. Als wir an dem Zeltplatz ankommen hängt dort ein „Campen verboten“ Schild. Also schlagen wir unsere Zelte direkt neben dem Trail, mitten am Hang auf. Hier ist es so steil, dass ich nach vorne rutsche sobald ich auf meiner Isomatte liege. Das kann ja eine lustige Nacht werden… 😀

Tag 8:

Als heute morgen die Sonne aufgeht sind wir beide wirklich erleichtert. Denn die Nacht am Hang war sehr anstrengend. Die ganze Zeit hat es gestürmt und die Zelte haben laut geraschelt. Alle paar Stunden bin ich aufgewacht, weil ich bis zum unteren Ende des Zelt gerutscht bin. Nach dieser Nacht gibt es im Schlafsack erstmal ein paar Kekse zur Motivation. Morgens ist es nämlich noch sehr kalt und das Aufstehen ist manchmal eine echte Herausforderung. Doch diese zu überwinden lohnt sich jedes Mal, denn auch heute wurden wir wieder mit tollen Panoramen belohnt.

Die Bilder können leider nicht einmal annähernd die Weite auffangen, die ich hier zu sehen bekomme. Mitten in der Natur schmecken die Nudeln, die wir uns zum Frühstück genehmigen, direkt noch viel besser.

Während der Mittagspause hole ich ein wenig Schlaf nach. Am Nachmittag ist es so stürmisch, dass wir Mühe haben uns auf dem Weg zu halten. Da muntert es uns umso mehr auf, als wir den 100 km Meilenstein entdecken.

Wir tanzen erstmal eine Runde ab vor lauter Freude. Das Pärchen hinter uns denkt schon wir haben eine Schlange gesehen. Als ob ich dann tanzen würde… 😀
Nach diesem Highlight wandern wir immer weiter durch den Sturm und ich höre in Dauerschleife „Here comes the sun“ von den Beatles. Der Sturm ist mittlerweile so heftig, dass wir es gerade so zu zweit schaffen die Zelte aufzubauen. Ich hoffe in der Nacht beruhigt er sich ein wenig und wir können gut schlafen.
Ach ja zu guter Letzt noch ein Tipp: Geht niemals hungrig einkaufen Das hat bei mir dazu geführt, dass ich Essen für 5 Tage mit mir rum schleppe obwohl wir schon morgen nach Julian kommen, wo wir wieder einkaufen können.

Tag 9:

Unsere zweite stürmische Nacht und Teresa kann so gut wie gar nicht schlafen. Ich bin öfter mal wach, weil der Wind gegen das Zelt geschlagen hat. Heute morgen sind wir beide noch ziemlich müde. Deshalb packen wir schnell die Zelte zusammen und laufen los. Nach dieser Nacht steht für uns beide fest, dass wir heute nach Julian trampen und dort ein Zero Day (einen Tag Pause) einlegen. Mit der Aussicht auf eine Dusche, ein warmes Bett und frisches Essen wandert es sich gleich viel besser. img_2893So legen wir zügig, im Laufe des Vormittags, viele Kilometer zurück. Der Trail schlängelt sich am Berg entlang hinab ins Tal. Am Wegrand stehen wunderschöne Kaktusblüten, von denen wir viele Bilder machen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Wüste mich landschaftlich so begeistert.

Die letzten Kilometer Richtung Highway sind nochmal richtig hart und wir haben beide keine Lust mehr. Denn mittlerweile ist es irrsinnig heiß und weit und breit ist kein Schatten in Sicht. Wir laufen immer und immer weiter bis wir endlich den Highway erreichen, von welchem wir nach Julian trampen wollen. Das ist eine Stadt, die ein Stück vom Trail entfernt ist und die für ihren kostenlosen Apfelkuchen für Wanderer berühmt ist. Das wohl wichtigste Argument, um hier einen Stopp einzuplanen 😉

Aber erstmal ist Trampen angesagt und da haben wir super viel Glück. Als wir an die Straße kommen steht da schon ein Auto und die Fahrerin fragt uns ob sie uns nach Julian mitnehmen soll. Die Frau heißt Grandma und ist mit ihrem Enkel Austin unterwegs. Sie ist letztes Jahr selbst Etappen vom PCT gelaufen und freut sich nun anderen Wanderern helfen zu können.

In Julian angekommen wird als Erstes geduscht . Wir habe sogar Shampoo und Bodylotion (ein wahrhafter Luxus :D) und fühle mich wieder richtig sauber. Nach einem Mittagsschläfchen ging es dann ab zu Mom’s und wir genießen den wohlverdienten Apple Pie.  Da bei uns wohl der Hiker Hunger eingetreten ist essen wir direkt danach noch Abendessen bei Carmen´s. Die Besitzerin ist super lieb und knuddelt uns zur Begrüßung erstmal. Julian ist echt eine tolle Stadt und ich fühle mich hier sehr wohl.

Tag 10:

Wir haben eine wunderbare Nacht im Hotel verbracht. Teresa ist heute leider ein wenig krank, weshalb wir noch einen Tag in Julian bleiben wollen. Auch wenn mir die Stadt sehr gut gefällt, freue ich mich jetzt schon wieder auf den Trail. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage und meine Isomatte einem warmen Bett vorziehe :D. Den Vormittag verbringen wir mit frühstücken, im Bett liegen, einkaufen und Wäsche waschen. Mittags gehen wir wieder zu Carmen essen, es ist einfach so lecker…

Am Nachmittag schlendern wir noch ein wenig durchs Dorf und schauen uns die Bibliothek an. Dort bekommen wir frische Orangen aus dem eigenen Garten geschenkt, es gibt wirklich so viele liebe Menschen hier. Als wir um die nächste Ecke biegen steht auf einmal ein Orchester auf dem Gehweg und spielt Musik. Diese Stadt ist wirklich genial und hält immer neue Überraschungen bereit. Die Gebäude hier sehen aus, wie die aus einem alten Western Film und ich habe das Gefühl hier ist die Zeit stehengeblieben.

Dahinten ist Julian auch schon wieder zu Ende. Gegen Nachmittag packt uns beide dann doch die Sehnsucht und da es uns beiden schon besser geht trampen wir zurück zum Trail. Das ist auch diesmal ein Kinderspiel, denn ein ehemaliger Wanderer hat sich sofort angeboten uns zu fahren. Am Trail angekommen, treffen wir auf eine große Hiker Party.img_2932

Viele bekannte Gesichter sind dabei und wir freuen uns die anderen Wanderer wiederzusehen. So treffen wir hier auch wieder auf Mike, Christian, Caddyshack, Peppa und viele andere…. Zusammen wird gegessen, gesungen und gelacht. Wir verabschieden uns später zusammen mit einem anderen Mädchen namens Io und beginnen den nächsten Aufstieg. So schaffen wir heute sogar noch 8 Kilometer und finden einen fantastischen Zeltplatz mitten in der Wüste.

 

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