Reiseberichte Stubaier Höhenweg

Stubaier Höhenweg

Tag 1

Heute beginnt die Wanderung auf dem Stubaier Höhenweg. Es geht also früh morgens mit Bus und Bahn auf nach Neustift. Erst am späten Nachmittag laufen Jana und ich los und beginnen den Aufstieg zur Innsbrucker Hütte. Noch gut 4 1/2 Stunden Wandern liegen vor uns. Dabei müssen 1400 Höhenmeter geschafft werden und es geht auch direkt steil hinauf. Zu Beginn ist es noch sehr heiß und zum Glück ist der Weg großteils von Schatten bedeckt. Später fängt es dann sogar noch an zu regnen und es kühlt deutlich ab. Das macht den Aufstieg viel angenehmer. Die Pause verbringen wir dann auch unter einem Baum, während es mittlerweile in Strömen schüttet. Doch unter dem Baum sind wir gut geschützt und es ist sogar richtig gemütlich.

Bis zur Pinnisalm führt die Strecke dann über eine breite, gut ausgebaute Straße. Dieses Stück kann auch mithilfe des Pinnisalm Shuttle abgekürzt werden. Ab der Pinnisalm geht es auf einem kleinen Wanderweg steil hinauf zur Innsbrucker Hütte. Dabei haben wir bereits einen tollen Blick auf die Berge. Als wir den Sattel zur Innsbrucker Hütte überwinden, erstreckt sich vor und das gesamte, wunderschöne Bergpanorama.

 

Die Hütte ist mit 130 Plätzen relativ groß und auch schon gut gefüllt. Im Matratzenlager finden wir zum Glück noch zwei Plätze nebeneinander. Danach geht es zum Essen in den gemütlichen Gastraum und es gibt die typische deftige Bergsteigerkost, bestehend aus Käsknödel und Bratkartoffeln mit Ei. Wenig später quetschen wir uns in das mittlerweile sehr volle Lager. Die Nacht verbringe ich zum großen Teil wach Schulter an Schulter mit anderen Wanderern. Typisches Hüttenleben also 😀

Tag 2 

Als der Wecker um 6 Uhr klingelt bin ich noch ziemlich müde. Dennoch bin ich sehr motiviert, da die Besteigung des 3277m hohen Habicht ansteht. Von der Innsbrucker Hütte sind dafür ca. 900hm zu erklimmen. Diese erweisen sich als sehr steil und anspruchsvoll. Oft ist der Weg ausgesetzt und viele Stellen sind mit Drahtseilen gesichert.

 

Bei dem Aufstieg haben wir bereits eine tolle Aussicht und wenn auch langsam steigen wir immer höher. Besonders die letzten Meter werden nochmal richtig anstrengend. Das Atmen fällt doch ein wenig schwer und ich merke wie müde und erschöpft ich bin. Die Freude endlich am Gipfel zu stehen ist wenig später umso größer und wir schießen das obligatorische Gipfelfoto.

 

Danach wird die traumhafte Aussicht genossen. Wir haben heute wirklich Glück mit dem Wetter und können in weiter Ferne viele andere Gipfel erkennen. Darunter sollen sogar Watzmann und Dachstein zu sehen sein. Lange halten wir es oben jedoch nicht aus, denn es ist eisig kalt. Selbst dick eingepackt mit Daunenjacke friere ich und so beginnen wir den Abstieg. Der zieht sich gewaltig in die Länge und an manchen Kletterstellen ist mittlerweile so viel los, dass wir warten müssen, um diese zu passieren. An der Innsbrucker Hütte angekommen gönnen wir uns als Belohnung einen Kaiserschmarren und eine kalte Dusche. Den restlichen Nachmittag verbringen wir auf der Terrasse mit Lesen, Reden und Sonnen, sofern die denn mal scheint. Und heute Abend haben wir mal richtig Glück: wir haben das Matratzenlager ganz für uns alleine. Besser geht es ja wohl mal gar nicht.

Tag 3

Gut ausgeschlafen starten wir in unseren dritten Wandertag. Nach einem kleinen Frühstück beginnen wir den Aufstieg zum Sendesgrad auf ca. 2540hm. Das ist für heute auch schon der höchste Punkt. Anschließend führt uns der Weg rauf und runter, vorbei an fantastischen Ausblicken auf die Stubaier Alpen.

 

Wir kommen zügig voran und treffen am Mittag auf viele Wanderer, die uns entgegen kommen. Es sind doch einige unterwegs, wobei der Weg längst nicht so überlaufen ist wie die Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran. Heute bekommen wir auch einige Tiere zu Gesicht, darunter Schafe, Gämse, Murmeltiere und einen schwarzen Salamander.
Da wir bereits am frühen Vormittag die Hälfte des Weges geschafft haben, machen wir eine lange Pause an einem schönen, kleinen Bergsee. Als wir wieder losgehen passiert es dann: ich passe einen kleinen Moment nicht auf und knicke mit dem linken Fuß um. So schnell kann es gehen… Der Fuß tut zwar ein wenig weh aber bis zur Bremer Hütte schaffe ich es auf jeden Fall noch. Wie es dann weitergeht möchte ich erst später entscheiden. Das Laufen funktioniert auf jeden Fall noch erstaunlich gut, solange ich möglichst gerade auftrete und den Fuß nicht viel verdrehe. Daher entscheiden wir uns auch für den kürzeren Weg zur Bremer Hütte, welcher über einen kleinen Klettersteig (Kategorie B) führt. Der Stubaier Höhenweg führt stattdessen zunächst ins Tal und man verliert so einige Höhenmeter. Das kurze Kletterstück macht uns beiden dann auch ziemlich Spaß und wir sind froh uns für diese Variante entschieden zu haben. Zusätzlich haben wir von dort einen ganz besonders schönen Ausblick ins Tal. img_3710
Kurze Zeit später erreichen wir auch schon unser heutiges Ziel, die Bremer Hütte. Es ist noch sehr früh und ich nutze die Zeit, um meinen Fuß zu kühlen und hochzulegen. Ohne die Stütze des Wanderschuhs fällt mir das Laufen leider ein wenig schwerer und ich hoffe, dass es morgen früh besser klappt…

Tag 4

In der Nacht tut leider immer noch mein Knöchel weh. Doch als ich an diesem Morgen aufstehe, ist es schon deutlich besser als am vorherigen Tag und ich möchte zumindest versuchen weiterzuwandern. Das klappt dann auch erstaunlich gut und wir meistern schnell den Aufstieg zum Simmingjöchl.
Der Weg ist zunächst recht leicht und erst zum Ende hin müssen wir ein wenig klettern. Hoch oben gibt es dann erstmal eine Frühstückspause bevor der Abstieg Richtung Nürnberger Hütte folgt. Wir kommen an einem wunderschönen Hochmoor vorbei und genießen die Stille.

Die ist vorbei als wir ca. eine Stunde später die Hütte betreten, denn da schallt uns laut Weihnachtsmusik entgegen. Das ist doch super, in meinem Sommerurlaub bekomme ich Weihnachtslieder zu hören 😀 Da fehlt ja eigentlich nur noch der Schnee… Wir erkundigen uns kurz nach dem Wetter und entscheiden uns auch noch die zweite Etappe bis zur Sulzenau heute zu wandern. Dafür steigen wir wieder einmal steil hinauf zum Niederl. Das letzte Stück ist ziemlich ausgesetzt und wir klettern über die Felsen hinauf. Von oben haben wir eine tolle Aussicht in die beiden Täler. Doch leider ziehen am Himmel dunkle Wolken auf und wir beginnen schnell den Abstieg. Zunächst wird wieder geklettert und mithilfe von am Berg befestigen Drahtseilen steigen wir hinab. Zum Ende hin wird der Weg einfacher und kurz vor der Hütte – am Grünausee – machen wir unsere Mittagspause.

Bei mir gibt es Nudelsuppe, die ich kurz auf meinem Kocher erwärme. Gut gestärkt laufen wir die letzten Kilometer zur Hütte und kommen noch gerade vor dem Regen an. Und auch heute haben wir Glück, denn zu Beginn haben wir das Matratzenlager ganz für uns alleine. So verbringen wir einen gemütlichen Nachmittag mit Reden, Lesen und Schokolade naschen. Ich finde es schön endlich mal wieder zum Lesen zu kommen, da es im Alltag manchmal einfach viel zu kurz kommt. Und so beende ich nicht nur das Buch „In eisigen Höhen“, sondern schaffe auch noch einige Seiten in „Picknick mit Bären“. Mein Kindle möchte ich beim Wandern wirklich nicht mehr missen. Der Tag endet mit einem Abendessen in der Hütte und einer kleinen Spielerunde.

Tag 5

Für heute ist leider schlechtes, aber zumindest beständiges Wetter angesagt. Das heißt es regnet den ganzen Tag. Für Jana ist das heute die letzte Etappe. Sie wandert nur bis zur Dresdner Hütte und steigt morgen von dort nach Neustift ab. Da für morgen noch schlechteres Wetter und sogar Schnee angesagt ist, entscheide ich mich dazu auch die heutige Etappe zu doppeln. Somit ist mein neues Tagesziel die Neue Regensburger Hütte.
Doch zunächst starten wir noch gemeinsam bei ziemlich schlechtem Wetter und so gut wie gar keiner Sicht. Wir überqueren das Peiljoch, auf dem viele Steinhaufen aufgebaut sind. In Kombination mit dem bewölkten Himmel wirkt das Ganze ein wenig mystisch.

 

Wir verweilen jedoch nicht lange, da es einfach zu kalt ist, um eine lange Pause zu machen. Der Abstieg entpuppt sich als sehr angenehm, denn die Steine sind treppenförmig angeordnet, wodurch wir ziemlich schnell zur Dresdner Hütte gelangen. Dort frage ich den Hüttenwirt nach dem Wetter. Auch er ist sich nicht sicher und so beschließe ich nach langer Beratschlagung den Aufstieg zur Neuen Regensburger Hütte zu versuchen. Falls das Wetter doch zu schlecht ist werde ich einfach wieder absteigen. Ich verabschiede mich von Jana und breche alleine auf. Es ist irgendwie schön und seltsam zugleich wieder alleine unterwegs zu sein. Ich habe den PCT in den letzten Monaten doch sehr vermisst und es fühlt sich ein wenig wieder so an wie damals. Andererseits vermisse ich auch die Gespräche, das Singen und Lachen mit Jana und besonders vor den Abenden alleine auf der Hütte habe ich sogar ein wenig Angst. Während dem langen Aufstieg zum Grawagrubennieder begegne ich keinem Menschen. Erst beim Abstieg sehe ich weiter vorne vier Wanderer. Der Abstieg gestaltet sich als sehr schwierig, da er über ein loses Steinfeld erfolgt. Die Steine sind sehr locker und mithilfe eines langen Seils klettere ich ganze langsam hinab. Der Regen hat sich mittlerweile zu einem Schneeregen entwickelt, weshalb mein Handy im Rucksack bleibt und ich keine Bilder mehr mache. Ich konzentriere mich viel mehr darauf das Geröllfeld sicher zu durchqueren und die Hütte zu erreichen. Die vier anderen Wanderer hole ich kurz vor der Hütte ein und mit ihnen zusammen laufe ich durch ein sehr matschiges Moorgebiet zur Hütte. Die Sicht hat sich weiter verschlechtert und ich bin heilfroh als wir in der warmen Hütte ankommen. Es ist sogar noch recht leer und so kann ich mir einen Platz im Hochbett sichern. Ich lerne auch direkt einen anderen Wanderer namens Jan kennen und wir quatschen etwas und essen später gemeinsam zu Abend. Heidi, die im selben Zimmer schläft, gesellt sich auch noch dazu und es wird ein richtig gemütlicher und schöner Tagesabschluss.

Tag 6

Es hat geschneit…

Das bedeutet für mich ein Ruhetag auf der Hütte. Dadurch, dass ich einige Etappen gedoppelt habe, kann ich mir den auch mit gutem Gewissen gönnen. Bei dem Schnee würde ich auch wirklich nicht wandern wollen und so verbringe ich einen sehr entspannten Tag in der Neuen Regensburger Hütte. Heidi bleibt auch noch eine weitere Nacht in der Hütte und so bin ich auch nicht ganz alleine. Der Tag ist gefüllt mit Reden, Essen und mal wieder ganz viel Lesen. Zum Glück habe ich mir genügend Bücher heruntergeladen. Denn ich beende heute „Picknick mit Bären“ und kann direkt „Die geheimnisvolle Insel“ weiterlesen. Die meisten anderen Wanderer steigen ins Tal hinab, fahren das Stück mit dem Bus und steigen zur nächsten Hütte auf. So kommt es, dass bereits am Nachmittag die ersten von Ihnen eintreffen. Damit ist Schluss mit der Stille in der Hütte und zusammen mit drei anderen Jungs spielen Heidi und ich Mau Mau. Nach dem Abendessen gesellen sich zwei Australier zu der Spielerunde dazu und es wird ein sehr lustiger Abend. Der Ruhetag hat mir sehr gut getan und ich freue mich schon darauf morgen wieder weiterzuwandern. Während dem Tagesverlauf ist der Schnee auch bereits deutlich geschmolzen und ich sollte die nächste Etappe morgen früh gut meistern können.

Tag 7

Wie bereits gestern erwartet, sieht es heute morgen schon deutlich besser aus. Der Schnee rund um die Hütte (auf ca. 2200hm) ist geschmolzen und der Himmel ist klar und legt eine wunderschöne Aussicht frei. Sogar der Habicht ist gut erkennbar und wird von der Morgensonne angestrahlt.

 

Die heutige Etappe startet gemächlich und gibt mir genügend Zeit, um richtig wach zu werden. Es geht zunächst sehr langsam, mit nur wenig Steigung den Berg hinauf. Selbst die Schafe sind um diese Uhrzeit noch nicht wach und haben es sich auf und neben dem Wanderweg gemütlich gemacht.
Erst als ich komme stehen die meisten auf und geben den Weg frei. Nur vier Schafe scheinen das wohl leider nicht ganz zu verstehen und laufen eine ganze Weile vor mir her.

 

So geht es eine Zeit lang den Berg hinauf, bis die Schafe dann doch genug vom Wandern haben und den Weg freigeben. Ich muss noch weiter hinauf und mit der steigenden Höhe kommt auch wieder der Schnee. Der Boden und besonders die Steine sind vereist und ich muss sehr aufpassen, um nicht auszurutschen. Dennoch komme ich gut voran und überquere schon bald den Sattel.

 

Für den Abstieg lasse ich mir mehr Zeit und passe noch genauer auf. Dabei begegne ich auch den ersten anderen Wanderern, die mir entgegenkommen. Ich unterhalte mich mit einigen und mache eine lange Frühstückspause, ich habe schließlich eine Menge Zeit. Trotzdem bin ich viel zu früh an der Franz Senn Hütte und muss mich noch zwei Stunden gedulden, bis ich ins Lager kann. Die Zeit nutze ich für eine heiße Dusche, die hier tatsächlich kostenlos und zeitlich unbegrenzt sind. Das nenne ich mal einen Luxus. Frisch geduscht lege ich mich etwas in die Sonne und lasse meine Haare trocknen. Da es hier sogar WLAN gibt schaffe ich es auch mal wieder zu bloggen und Nachrichten zu beantworten.

Tag 8

Meine Wanderung auf dem Stubaier Höhenweg nähert sich dem Ende und heute bricht tatsächlich schon der letzte Tag an. Ich starte wie immer sehr früh und genieße mein Frühstück in den ersten Sonnenstrahlen am Berg. Der Weg führt mich den Berg hinauf bis zur Seducker Hochalm. Dort gönne ich mir eine Pause und ein leckeres Stück Apfelstrudel. Der Hüttenwirt hat ihn gerade erst aus dem Ofen genommen und mein Stück ist sogar noch warm. Er gesellt sich auch gleich zu mir und wir reden über Gott und die Welt.
So gut wie der Morgen begonnen hat geht es auch weiter. Das Wetter ist wunderschön und ich wandere unter strahlend blauem Himmel den Berg hinauf. Heute nehme ich mir nochmal richtig viel Zeit, um zu genießen. Als ich oben bin mache ich zwei Stunden Pause, in der ich esse, lese und die tolle Aussicht bewundere.

 

Über mir ziehen immer mal wieder Gleitschirmflieger hinweg und es ist einfach nur unglaublich entspannend alleine am Berg zu sitzen.
Das ist wieder einer der Momente, in denen ich froh bin alleine unterwegs zu sein. Denn auch wenn das bedeutet, dass ich öfter mal meine eigene Komfortzone verlassen muss, ist es für mich doch meistens eine riesige Bereicherung. Denn dadurch werde ich selbstsicherer, lerne so viele neue liebe Menschen kennen und nehme manche Momente einfach deutlich intensiver war.


Nach meiner langen Pause beginne ich schließlich den Abstieg. An felsigen Bergen vorbei geht es auf einem schmalen Pfad, immer am Berg entlang, zur Starkenburger Hütte. Dort beziehe ich das schöne und helle Matratzenlager und setze mich danach mit einer Gruppe von Holländern auf die Terrasse. Wir kommen sofort ins Gespräch und tauschen uns über bisherige Wanderungen aus. Später kommt noch das australische Ehepaar dazu, welches ich auch öfter beim Wandern getroffen habe. Es wird wieder viel gelacht und erzählt und der Abend und vor allem die Beendigung des Stubaier Höhenwegs wird genossen und gefeiert.

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2 Kommentare

  1. Ja, das mit dem Schnee kenne ich auch dem Stubaier Höhenweg. Nur schade dass man mittlerweile auf vielen Hütten trotz schlechtem Wetter vom Hüttenwirt ein schlechtes Gewissen eingeredet bekommt wenn man ohne Buchung noch einen Ruhetag anhängen will… Aber das hat bei Dir ja zum Glück geklappt 🙂

    1. Hey Thomas, wann warst du denn auf dem Stubaier Höhenweg unterwegs? Also ein schlechtes Gewissen habe ich leider auch eingeredet bekommen 😅🙈 Ich finde es sowieso schade, dass man heutzutage alle Hütten vorher buchen muss. Ich mag es eigentlich lieber flexibel zu sein und bevorzuge daher doch das Zelt 😉

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