Reiseberichte

Alleine auf dem Pacific Crest Trail

Warst du schonmal mehrere Tage ganz alleine Wandern?

Wenn du es bisher noch nicht ausprobiert hast, dann wird es vielleicht einmal Zeit. Denn alleine reisen und insbesondere alleine wandern ist eine wirklich tolle Erfahrung. Deshalb berichte ich dir hier über meine eigenen Erfahrungen und möchte dir ein paar Tipps an die Hand geben, damit diejenigen, die noch zögern, den Mut fassen können um auch einmal alleine loszuziehen.

Meine Erfahrungen vom alleine Wandern:

„Und das hast du dich getraut?“ ist eine der häufigsten Fragen, die ich nach meiner Wanderung auf dem Pacific Crest Trail gestellt bekommen habe. Und ja, ich habe mich getraut, auch wenn es am Anfang nicht ganz einfach für mich war.

Denn als ich bereits nach drei Wochen plötzlich alleine auf dem PCT unterwegs war, war dies ein richtiger Sprung ins kalte Wasser für mich. Da meine Wanderpartnerin Teresa aufgehört hat, war ich auf einmal auf mich alleine gestellt und um ehrlich zu sein, war das im ersten Moment ein ganz schreckliches Gefühl. Mir fiel ein großes Stück Sicherheit weg und zurück blieb eine Menge Angst und Unsicherheit.

Doch ich habe all meinen Mut zusammengenommen und diese Bedenken und Ängste  beiseite geschoben, bin über meinen Schatten gesprungen und habe es einfach gemacht.

Und was soll ich sagen, es war wohl eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe so viele tolle, liebe Menschen kennengelernt, sodass ich eigentlich selten wirklich alleine war. Viele haben sich rührend um mich gekümmert oder mich sogar bei sich aufgenommen. Aber nicht nur das, sondern ich hatte einfach die vollkommene Freiheit und konnte an einem Ort, der mir gut gefallen hat, solange verweilen wie ich nur wollte. Auch die Landschaft und die Natur habe ich deutlich intensiver wahrgenommen, da ich meistens von nichts abgelenkt war und oft einfach nur die Stille genießen konnte.

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Natürlich habe ich auch nicht nur Positives erlebt und so war es für mich bis zum Ende eine kleine Herausforderung mitten in der Wildnis alleine zu zelten. Auch bei den Begegnungen mit wilden Tieren wie z.B. Bären oder beim Trampen habe ich mir oft jemanden an meiner Seite gewünscht.

Trotzdem würde ich es immer wieder tun und ich habe mir fest vorgenommen, jedes Jahr zumindest einmal ganz alleine zu verreisen. Falls du es bisher noch nicht gemacht hast, solltest du es unbedingt mal ausprobieren, denn es ist echt unglaublich, was für tolle Erfahrungen einem das bescheren kann…

Meine Tipps zum alleine Wandern:

Mittlerweile mache ich jedoch einiges anders als auf meiner ersten alleinigen Wanderung und habe ein paar kleine Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Deshalb folgen nun meine Tipps für deine erste Wanderung alleine.

  1. Achtsam sein:

    Das ist wohl der allerwichtigste Punkt. Wenn du alleine unterwegs bist, dann sei sehr aufmerksam. Hör vor allem auf dein Bauchgefühl! Kommt dir etwas seltsam vor oder hast du ein komisches Gefühl dabei, dann hör auf dieses Gefühl und versuche etwas zu verändern oder aus der Situation herauszukommen. Zum Beispiel habe ich einmal einen guten Zeltplatz ausgeschlagen, da ein sehr seltsamer Mann dort bereits sein Nachtlager aufgeschlagen hat und mir die Situation nicht ganz geheuer war. Dann doch lieber noch paar Meilen weiter Wandern!

  2. Spot:

    Der Spot ist ein wahrer Segen für Alleinwanderer*innen. Mit diesem kleinen Helfer kannst du Hilfe rufen, wenn du verletzt bist oder du dich in einer Notsituation befindest. Zudem können Familie und Freunde deine Wanderung mitverfolgen und sehen, wo du dich befindest, wenn du deine Wanderung trackst. Auch kurze Nachrichten kannst du deinen Liebsten dadurch zukommen lassen. Das Ganze funktioniert mithilfe von GPS / Satelliten, weshalb der Spot sehr nützlich ist, wenn das Handy mal keinen Empfang hat.

  3. Bärenspray:

    Das lässt sich nämlich nicht nur gegen Bären, sondern in Notfall auch gegen andere Tiere oder sogar Menschen einsetzen. Mittlerweile hat es einen festen Platz in meinem Rucksack (natürlich schnell und leicht erreichbar im Notfall).

  4. Trillerpfeife:

    Bei einer Verletzung oder einer Gefahr können dadurch andere Menschen in der Nähe auf dich aufmerksam werden. Zudem lassen sich damit auch sehr gut Bären verscheuchen, das habe ich ja bereits selbst getestet.

  5. Alleine Trampen:

    Beim Trampen solltest du auf gar keinen Fall bei jedem ins Auto einsteigen. Schau dir die Person, mit der du trampen willst, vorher genau an. Ich habe am liebsten  mit Pärchen, Familien oder Frauen getrampt. Mache auch gerne Fotos vom Nummernschild und von dem Ausweis der Person, die dich mitnimmt, um auf Nummer sicher zu gehen.

    Falls du kein gutes Gefühl hast: Steigt nicht ein! Such dir lieber eine Ausrede und sag z.B., dass du doch noch kurz auf einen Freund wartest, um mit dem zu trampen oder irgendetwas anderes. Behalte euer Gepäck außerdem immer bei dir. Denn es ist schon vorgekommen, dass Autos mit dem Gepäck von Wandernden im Kofferraum einfach abgehauen sind.

  6. Alleine Zelten:

    Das habe ich ja versucht bestmöglich zu umgehen, doch alleine Zelten kann auch sehr schön sein, wenn du einige Punkte beachtest. Da ist natürlich als erstes die Wahl des Zeltplatzes wichtig. Schlaf am besten nicht nah an einer Stadt oder einer Straße und auf keinen Fall auf einer der Dirt Roads, die es in Amerika so oft gibt. Denn dort fahren nachts oft Autos und in der Dunkelheit kann man so ein Zelt mit dir drin schnell übersehen. Auch an steilen Klippen oder in ehemaligen Waldbrandgebieten kann es gefährlich werden.

    Daher bevorzuge ich beim Campen große weite Flächen oder geschützte Stellen im Wald. Ich habe außerdem mit Ohrstöpseln geschlafen und zum Einschlafen immer noch ein Hörbuch gehört. Wieso? Weil ich sonst bei jedem kleinen Geräusch aufgewacht bin. Außerdem hat mir mein Zelt echt geholfen, da drin habe ich mich relativ sicher gefühlt und habe mir immer wieder gesagt, dass da keiner reinkommen kann und mir im Zelt nichts passieren kann.

  7. Fang klein an:

    Es muss ja nicht gleich der Pacific Crest Trail sein 😉 Wie wäre es erstmal mit einer Tagestour alleine?! Anschließend dann vielleicht mal mehrere Tage mit Übernachtung und als nächste Stufe dann mehrere Wochen. So tastest du dich langsam an das alleine Wandern heran und musst nicht gleich ins kalte Wasser springen.

  8. Orientierung:

    Wenn du alleine unterwegs bist, nimmst du am besten ein GPS Gerät oder Offline Karten als auch ausgedruckte Karten und einen Kompass mit. Lerne vor deiner Tour den Umgang damit, denn wenn das Handy mal nicht funktioniert, können diese sehr wichtig werden. Auch meines war zwischendurch kaputt, sodass ich einige Tage ohne Handy auskommen musste. Auf dem Oregon Coast Trail haben mir dann ganz klassische Karten sehr geholfen.

    Auch die Zeitplanung ist neben der Orientierung sehr wichtig, daher solltet ihr eure Etappen sinnvoll planen. Denn alleine im Dunkeln zu wandern ist nochmal eine viel größere Gefahr als am Tag unterwegs zu sein. Plant die Etappen und Pausen also am besten so, dass ihr bei Helligkeit das Camp erreicht.

  9. Kontaktperson:

    Es ist sehr sinnvoll eine Kontaktperson in eurer Heimat zu haben, die du regelmäßig über den Stand deiner Reise und deine weiteren Pläne informierst. Auf dem Pacific Crest Trail habe ich regelmäßig meine Eltern kontaktiert und mit ihnen meinen weiteren Reiseverlauf besprochen.

    So konnten sie diesen von zuhause aus nachverfolgen und wussten wann ich ungefähr das nächste Mal in einer Stadt sein sollte. Allerdings kann ich dir nur den Tipp geben deine Kontaktperson vorher darüber zu informieren, dass es je nachdem wo du unterwegs bist, auch mal einige Tage kein Handynetz geben kann.

  10. Motivationsliste: 

    „Wieso mache ich das überhaupt?“ Genau auf diese Frage habe ich mir vor meiner Wanderung Antworten überlegt und aufgeschrieben. Wenn diese Frage auf dem Trail früher oder später aufkommt, lese ich mir einfach meine Liste mit den Antworten durch. Das gibt mir immer neue Motivation und führt mir den Sinn des Ganzen wieder vor Augen. Als Teresa aufgehört hat, habe ich diese Liste um Gründe ergänzt, wieso ich alleine weiter wandere und was ich daran gerne mag.

Deswegen warte nicht zu lange, sondern probiere es einfach mal aus. Du kannst extrem stolz auf dich sein, wenn du deine Angst überwunden hast und alleine losgezogen bist.

Wo warst du schonmal alleine unterwegs? Was für Erfahrungen hast du gemacht? Lass mir gerne einen Kommentar dar, ich freue mich darüber.

 

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9 Kommentare

  1. Barbara says:

    Liebe Caroline,
    danke für diesen tollen Post mit den hilfreichen Hinweisen!!! Das hast Du für mich zum richtigen Zeitpunkt geschrieben 😉👍
    Liebe Grüße sendet Dir Barbara 🤗😘

    1. Liebe Barbara,
      freut mich, dass dir der Post so kurz vor deinem großen Trip noch helfen konnte 😉 Ich bin schon ganz gespannt auf deine Erlebnisse 😍
      Ganz liebe Grüße
      Caroline

  2. Caroline Hegedus says:

    Hi Caro,

    ich würde auch gern den PCT laufen, vielleicht im Jahr 2021, wenn ich den Start meiner kleinen Weltreise plane. Allerdings würde ich gerne von Kanada nach Mexiko laufen. Kannst du mir diesbezüglich Tipps geben und mir deine Packliste (Zelt usw.) mal schreiben.

    Vielen lieben Dank dir

    1. Hallo Caro,

      Oh das ist ja toll und den PCT als Start einer Weltreise zu wandern hört sich echt toll an. Meine Packliste findest du auf meinem Blog, wenn du den Reiter Packliste auswählst. Da steht auch das Gewicht der einzelnen Ausrüstungsgegenstände direkt dabei. Southbound (von Kanada nach Mexiko) zu laufen ist auf jeden Fall weniger los 👍🏻 Wie du vermutlich schon längst weißt kannst du erst später starten und es ist ein wenig schwerer an die Grenze zu gelangen. Wir können uns aber auch gerne per E-Mail austauschen, wenn du noch weitere Fragen hast.
      Ganz liebe Grüße
      Caroline

      1. Caroline Hegedus says:

        Hallo Caro,

        vielen lieben Dank für deine Antwort. Die Packliste hab ich beim Stöbern schon gefunden ☺️

  3. Richard Mücke says:

    Hi Caro,

    das mit dem alleine Reisen kann ich sehr gut nachvollziehen. Das tue ich auch öfter.
    Ich liebe die Freiheit, alles selbst entscheiden zu können und alles so machen zu können, wie ich es will.

    Ich zelte dabei immer auf Campingplätzen. Wildcampen, ganz alleine, habe ich nur einmal versucht und war ständig wach und hatte einfach Bammel.

    Dieses Jahr wollte ich wieder mit dem Roller ans Mittelmeer und drei Wochen die Landschaft erkunden. Corona kam dazwischen.

    Umso genialer finde ich, dass Du trotzdem unterwegs bist.

    Guten Weg!

    Viele Grüße
    Richard

    1. Hey Richard,

      Oh ja diese Freiheit ist wirklich unbezahlbar und ich genieße die auch immer sehr. Finde ich sehr schön, dass es Dir da genauso geht.

      Das mit dem Zelten ist echt schade, denn mir geht es da genau wie Dir. Nur leider gibt es auf meinen Touren nicht immer Campingplätze. Deswegen versuche ich gerade meine Angst vorm Alleine Zelten ein wenig in den Griff zu bekommen.

      Das ist ja schade, dass dieser tolle Plan in diesem Jahr nicht klappt. Willst Du das dann einfach nächstes Jahr nachholen?

      Ich habe tatsächlich auch lange gezögert und mich sehr spontan entschieden es zu wagen. Muss aber gerade auch schauen, wie sich die Lage in Spanien entwickelt und ggf. meine Wanderroute anpassen…

      LG Caro

  4. Richard Mücke says:

    Hi Caro,

    danke für Deine Antwort.

    Danke für Deine sehr inspirierenden Blogbeiträge. Tatsächlich haben mich Deine Bericht motiviert wandern zu gehen. Das ist klasse, habe ich das doch früher sehr gerne gemacht.

    Daher plane ich gerade einen kleinen Wanderurlaub im Schwarzwald oder so. Keine Riesentour wie Du sie machst, aber Laufen, Essen und Schlafen sind eine wundervolle Möglichkeit abzuschalten.

    Also nochmals Danke für die Inspiration.

    Nächstes Jahr… mal sehen. Ich habe die Befürchtung, dass Corona noch länger zu Gast sein wird und Reisen komplizierter werden.

    Guten Weg Dir weiterhin, Freue mich schon auf neue Einträge zu Deiner aktuellen Tour.

    Liebe Grüße
    Richard

    1. Hey Richard,

      vielen lieben Dank 😊 Und es freut mich echt riesig dich motiviert zu haben nun auch wandern zu gehen. Dabei wünsche ich Dir schonmal ganz viel Spaß.

      Der Schwarzwald ist ja auch wirklich toll zum Wandern und das wichtigste ist doch eigentlich das abspannen und genießen 😉

      Ja, ich befürchte auch das dieses Thema uns noch eine ganze Weile begleiten wird…

      Vielen lieben Dank, bald gibt’s wieder neues zu lesen 😉

      LG Caro

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