Mullerthal Trail Reiseberichte

Mullerthal Trail

Wandern in der Luxemburgerischen Schweiz

Tag 1: Echternach bis Consdorf

Wer von euch kennt das Mullerthal?

Um ehrlich zu sein habe ich bis vor kurzem noch nie davon gehört. Doch jetzt, nach zwei Tagen Wandern auf dem Mullerthal Trail, bin ich einfach nur noch hingerissen und begeistert von dieser wunderschönen Wanderregion in Luxemburg. Deswegen zeige ich euch jetzt dieses wunderbare Fleckchen und nehme euch mit auf die Routen 2 und 3. Macht euch also gefasst auf große Felsen, viel Herbstfeeling und ganz viel Mullerthal.

Tag 1: Echternach bis Consdorf

Ab ins Auto und los geht’s nach Echternach. So war es auf jeden Fall gedacht, doch der Stau macht meiner Wanderpartnerin Jana und mir direkt mal ein Strich durch die Rechnung. Bei so schönem Wetter im Stau zu stehen anstatt draußen zu wandern ist echt mies und ich kann es kaum erwarten endlich anzukommen. Gegen 11 Uhr ist es geschafft und bei strahlend blauem Himmel laufen wir zunächst durch das kleine und malerisch schöne Echternach. Ich bin ganz verliebt in dieses Städtchen mit den schmalen Gassen und alten Häusern. Besonders die vielen kleinen Cafés und Geschäfte am Straßenrand laden förmlich zum Bummeln und Verweilen ein.

Doch daraus wird heute nichts. Wir sind ja zum Wandern hier und es liegen noch 25km vor uns.

„Dort ist der Mullerthal Trail!“ heißt es für uns und wir folgen der tollen Ausschilderung, die ein Verlaufen kaum möglich macht. Genau das Richtige für mich, wo ich doch so gut darin bin, mal vom Weg abzukommen. Es geht vorbei an dem vor sich hin plätschernden Fluss Sauer, welcher die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland bildet. Durch die Nähe zu Deutschland sind hier auch die meisten Informationen und Ausschilderungen nicht nur auf französisch sondern ebenfalls auf deutsch vorhanden. Sehr praktisch, da unser Schulfranzösisch ziemlich eingerostet ist.

Wir lassen die Stadt hinter uns und wandern einen kleinen Hügel hinauf, von dem aus wir einen tollen Blick auf Echternach geboten bekommen. Dieser strahlend blaue Himmel zaubert mir sofort ein großes Lächeln ins Gesicht. Bei so einem Wetter macht das Wandern gleich noch mehr Spaß.

Nun geht es in den Wald hinein und es tauchen direkt die ersten gigantischen Felsformationen vor uns auf. Diese sind absolut charakteristisch für das Mullerthal, genau wie die vielen Treppen, auf denen sich der Weg durch die Felsen schlängelt.

„Ein Weg zum Genießen“, heißt es und dem kann ich nur zustimmen. Wenige Höhenmeter, einfach begehbare Wege und eine super Ausschilderung geben uns Zeit zum Staunen und Quatschen. Auch Fotos kann ich gar nicht genug machen, denn es tun sich immer neue grandiose Bildaussichten vor uns auf.

Ich fühle mich ein wenig wie in der Sächsischen Schweiz. Und das obwohl ich bisher noch gar nicht dort war. Doch zumindest nach den Bildern, die ich bisher gesehen habe, glaube ich, dass die beiden sich in einigen Punkten sehr ähneln. Natürlich dürfen mir diejenigen von euch, die bereits in der Sächsischen Schweiz waren, an dieser Stelle auch gerne widersprechen 😉 . Sobald ich dann selbst endlich mal dort wandern war, kann ich das dann auch besser beurteilen. Vom Namen her würde es auf jeden Fall schonmal passen, denn das Mullerthal ist auch als Luxemburgerische Schweiz bekannt.

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Die großen massiven Felsen sorgen bei uns für viele Aussagen wie „Oh schau mal!“ oder „Wow, wie schön!“.  Kurz gesagt: Wir sind schon am ersten vollkommen eingenommen und fasziniert vom Mullerthal.

Den ganzen Weg über ragen die Gesteine weit in den Himmel hinauf. Moosbedeckte Bäume, ein belaubter Boden und kältere Temperaturen mit leuchtender Sonne sprechen für einen perfekten Herbsttag. Da weicht mir das Lächeln gar nicht mehr von den Lippen, denn ich liebe den Herbst. Besonders gerne laufe ich ja durch die knisternden Blätter. Wer macht das auch so gerne gerne? 😀

Mittags verlassen wir den Wald und werden vom blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein begrüßt. Da heißt es sofort „Pausenzeit“ und wir lassen uns die mitgebrachten Brote schmecken. Gut gestärkt kann es weiter gehen. Durch Felsschluchten, Höhlen und Wälder bis zu dem idyllischen Ort Consdorf. Dort haben wir für diese Nacht eine kleine Hütte auf dem Campingplatz La Pinede gebucht. Als wir erfahren, dass diese auch noch beheizt ist, freuen wir uns umso mehr und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 2: Consdorf bis Medernach

„Plitsch, Platsch“ tropft der Regen auf das kleine Hüttendach und weckt uns früh am Morgen. Da wird das Bett direkt noch gemütlicher und das Aufstehen fällt umso schwerer. Aber es hilft nichts und um 8 Uhr geht es raus aus den Federn. Wir ziehen uns unsere Regenklamotten an, schnüren die Wanderschuhe und laufen erstmal zur Rezeption, um unsere bestellten Brötchen abzuholen. Die leckeren Schokocrossiants bewirken wahre Wunder und so können wir voller Elan die nächste Etappe starten:

Vor uns liegt noch der restliche Teil der Route 2, von Consdorf bis Echternach.

Was uns erwartet sind enge und dunkle Felsen, in denen wir ohne Stirnlampe nichts erkennen können. Aufregung macht sich in mir breit und ich taste mich langsam voran. Mit den großen Rucksäcken kommen wir an manchen Stellen fast nicht durch die schmalen Felsen und das Ganze ist auch ein wenig beängstigend. Doch als wir wieder Tageslicht entdecken bin ich schlicht und weg begeistert. „Was für ein Abenteuer!“.

Mittags kehrt der Regen zurück und mit ihm kommen auch Tini und Seb an, die die heutige Etappe mit uns laufen. Die beiden nehmen uns mit dem Auto mit und gemeinsam fahren wir nach Mullerthal. Jetzt steht die Route 3 an und trotz Regen bin ich total gespannt, was uns erwartet.

Mit der Zeit wird der Regen immer stärker und dicke Tropfen perlen an unseren Klamotten ab. Da bin ich umso dankbarer für meine tolle Regenjacke und den sehr praktischen Regenrock.img_6017

Auf rutschigen und matschigen Wegen folgen wir einem herrlichen Bachverlauf. Unter einem Felsvorsprung kommen wir sogar noch in den Genuss von einer trockenen Pause bevor wir zu einer Burgruine kommen.

Eine kurze Besichtigung lassen wir uns nicht entgehen. Für Studenten ist der Eintritt sogar kostenlos, weshalb wir schon wenig später durch die alten Gemäuer wandern. Die Zeit in den trockenen Burgmauern ist aber viel zu schnell wieder vorbei und es geht wieder ab in den Regen.

Wirklich weit voran kommen wir jedoch nicht. Tini hat leider Blasen bekommen und die sehen echt schlimm aus. „Aua!“, da ist an weiterwandern nicht zu denken und wir kürzen die Strecke ab. Aber auch so ziehen sich die letzten Kilometer bis zum Campingplatz und ich weiß vom PCT noch zu gut, wie schmerzhaft Blasen sein können.

Da kommt ein kleiner Wasserspielplatz doch gerade richtig als Ablenkung 😉 . Um 18 Uhr ist es endlich soweit und wir erreichen den Campingplatz. Wir sind alle klatschnass, das Wasser steht uns in den Schuhen und ich bin einfach nur hundemüde.

Auch diese Nacht verbringen wir in einer kleinen Campinghütte, die wir direkt für uns vereinnahmen. Überall hängen unsere nassen Klamotten rum und die Heizung wird sofort auf Höchststufe aufgedreht. Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich eine kleine Frostbeule bin?! 😉

Regen und Kälte haben heute kaum Zeit für Pausen gelassen und unsere Mägen knurren schon. Da ist eine große Portion Nudeln mit Tomatensoße genau das Richtige, um unsere Speicher wieder aufzufüllen.

„Gut, dass ich meinen Kocher dabei habe“, denke ich mir, kurz bevor dieser den Geist aufgibt. Die erste Portion Nudeln ist zum Glück schon fast fertig, doch die zweite Packung muss nun verschlossen bleiben. Dafür fällt der Nachtisch umso größer aus und wir gönnen uns viel Schoki und Pommes aus dem Campingplatz Restaurant.

Tipp an dieser Stelle: Mit den Hausschuhen zum Restaurant laufen, wenn es den ganzen Tag geregnet hat ist eine sehr sehr schlechte Idee! Auch wenn der Weg noch so kurz ist 😀

Nach dem Abendessen schläft Jana sofort ein. Und was machen Tini , Seb und ich? Wir spielen eines meiner Lieblingsspiel „Halt mal kurz„.

Tag 3: Medernach bis Mullerthal

Mit einem lauten „Guten Morgen“ wecke ich die anderen auf. Bereits seit 5 Uhr liege ich wach im Bett und brenne förmlich darauf wieder loszuwandern 😉 .

Ein Blick nach draußen verrät: Kein Regen mehr, dafür aber ordentliche Windböhen. Während für Seb und Tini die Wanderung auch schon wieder vorbei ist, erwartet Jana und mich der letzte Tag auf dem Mullerthal Trail. Daher heißt es für uns: „Loswandern und genießen“.img_6071

Der Wind pfeift uns um die Ohren und ich genieße diesen stürmischen Herbsttag. Ich finde das Rauschen vom Wind immer sehr beruhigend.

Und nun ein kleines Rätsel für euch: 2 Mädels, seit ca. 10 Jahren befreundet und ganze 3 Monate nicht mehr gesehen. Was bedeutet das?

Quatschen, Quatschen, Quatschen 😀 Wir haben ja immerhin einiges nachzuholen und dieser zauberhafte Steeg ist ein perfekter Pausenplatz.

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Die letzten Kilometer bis nach Mullerthal führt uns der Weg über Holzsteege an einem Bach entlang. Während wir unserem Ziel mit jedem Schritt näher kommen, lasse ich die vielen schönen Eindrücke dieses einzigartigen Wanderweges Revue passieren.

Als wir an unserem Zielort Mullerthal ankommen, ist mir eines bewusst: „Hier gehe ich auf jeden Fall nochmal wandern!“

Doch jetzt müssen wir leider zurück nach Hause. Bei der Frage Bus oder Trampen? gewinnt der Bus und so warten wir in einem kleinen Unterstand neben der Haltestelle.

Laut dem Fahrplan sollte der Bus nach Echternach direkt an unserer Haltestelle halten. Auf die Minute pünktlich kommt dieser auch angefahren. Nur leider genau auf der anderen Straßenseite.

Erst im letzten Moment merken wir das und rennen mit einigen anderen Personen zum Bus. Und beim Umsteigen wieder dasselbe. Der Bus fährt wieder genau von der Seite ab, auf der er nicht angeschrieben ist. Ist das normal so in Luxemburg? 😀

Für uns Touris auf jeden Fall sehr verwirrend und ich bin echt froh als wir in Echternach ankommen. Das Auto steht noch auf dem kostenlosen Parkplatz und wir begeben uns schweren Herzens auf die Heimreise.

Das Mullerthal hat mir wahnsinnig gut gefallen. Der Mullerthal Trail ist für mich:  super vielseitige Wege, tolle kleine Hütten zum Schlafen, eine grandiose Beschilderung (weiß ich seit dem Peaks of the Balkans noch mehr zu schätzen) und eine ganze Menge Abenteuer.

Na hast du jetzt auch Lust auf eine Wanderung im schönen Mullerthal bekommen oder  warst du sogar schon selbst dort? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

 

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6 Kommentare

  1. Stefan says:

    Hallo Caroline,
    ja, das ist ein tolles Wandergebiet mit perfektem ÖPNV. Ich bin Tour 3, 2 und 1 (in der Reihenfolge) in drei Tagen gelaufen. Mein Stützpunkt war der Campingplatz in Larochette. Abends bin ich immer wieder zurück auf den Platz. Schön das es Dir auch gefallen hat und Du diesen schönen Bericht geschrieben hast. Irgendwie ist es ja immer noch ein Geheimtipp. Schöne Touren, Stefan

    1. Hallo Stefan,
      oh ja das Mullerthal ist wirklich ganz fantastisch zum Wandern und zum Glück noch ein kleiner Geheimtipp. Cool, dass Du sogar schon alle drei Touren gewandert bist 🙂 Welche hat Dir denn am besten gefallen? Den Campingplatz in Larochette fanden wir auch sehr schön. Freut mich sehr, dass Dir mein Bericht gefallen hat. Ich muss gestehen, am liebsten würde ich gleich wieder dorthin.
      Ich wünsche Dir auch viele weitere schöne Touren, Caroline

      1. Stefan says:

        Tour 3 und 2 waren für mich die Schönsten. Tour 1 ist etwas „zäh“. Viele Forstwege und urbane Strecke – das war nicht so meins. LG Stefan

      2. says:

        Oh super, dann haben wir auf Tour 1 ja nichts verpasst. Die sind wir aus zeitlichen Gründen nämlich nicht gewandert 😉

  2. Christian says:

    Das ist schon sehr schön dort.

    Nicht zu vergessen: Die Luxemburger sind alle super nett!

    1. Oh ja mir hat es auch super gut gefallen und ich möchte auf jeden Fall nochmal hin 😍 Ich habe leider sehr wenige Luxemburger kennengelernt aber auf die wenigen trifft das auf jeden Fall absolut zu.

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