Outdoorhygiene

Mitten in der Wildnis zu wandern bedeutet auch: tagelang keine Dusche, eine Menge Dreck und Schmutz, stinkende Kleidung…. Wie Du auf einer Weitwanderung sauber bleiben kannst und was ein Schneehering mit dem Toilettengang zu tun hat verrate ich Dir hier. Also dran bleiben und gespannt sein 😉

Outdoorhygiene

1. Feuchttücher

Ich schwöre auf Feuchttücher. Wieso? Damit bekomme ich den gröbsten Dreck abends weg, bevor ich mich in den Schlafsack kuschel. Als netter Bonus fühle ich mich danach gleich viel sauberer. Alternativ funktioniert das auch super mit der umweltfreundlicheren Variante in Form von einem kleinen Baumwolltuch, was Du mit ein wenig Wasser befeuchtest.

2. Deo, Seife und Duschen

Deo und Seife auf dem Trail? Vollkommen überbewertet und nicht wirklich hilfreich.  Viel sinnvoller sind da Merino Shirts, die nicht so schnell nach Schweiß stinken und Merino Socken gegen Stinkefüße.

Alles, was ich auf dem Trail nicht machen kann, hole ich dafür umso ausführlicher in der Stadt nach. Die Dusche bei jedem Stadtaufenthalt ist ein wahrer Genuss und erfährt eine völlig neue Wertschätzung. Ich habe meistens sogar eine kleine Seife und einen Rasierer dabei, um das nicht jedes Mal in der Stadt neu kaufen zu müssen.

3. Schlafsack Inlet

Mittlerweile habe ich oft ein Inlet (ein dünner Stoffschlafsack) dabei, damit der dicke Daunenschlafsack nicht ganz so dreckig wird. Das Inlet lässt sich leicht und problemlos waschen und erhöht zudem auch die Temperatur im Schlafsack. Apropos waschen: Das erledige ich immer in der Stadt. Im Besten Fall in der Waschmaschine oder alternativ auch mit einem Stück Kernseife per Hand. Währenddessen Regensachen anziehen oder ein Handtuch umbinden, damit auch alles gewaschen werden kann.

4. Periode beim Weitwandern

Die meisten Wanderrinnen nehmen für die Zeit der Weitwanderung die Pille durchgehend und verhindern somit ihre Tage zu bekommen. Da ich jedoch von hormonellen Verhütungsmethoden nicht sonderlich überzeugt bin, hatte ich auf dem Pacific Crest Trail, genau wie Cheryl Strayed damals, zwei kleinen Levantiner-Schwämme dabei.

Diese mussten nach der Benutzung ausgewaschen werden und in der Stadt auch ab und an mit Essig desinfiziert werden. In der Wüste hatte ich für den Notfall auch noch Tampons dabei, weil aufgrund der Wasserknappheit nicht immer genug Wasser zum auswaschen verfügbar war. Die Tampons mussten nach Benutzen allerdings auch in die Stadt transportiert und dort entsorgt werden. Dagegen bieten mittlerweile auch Menstruationstassen sind eine super Alternative.

5. Baden im See

Ein See in Sicht? Da gibt es für mich kein zögern und ich springe sofort an. Das ist nicht nur unglaublich erfrischend, sondern danach bin ich auch ein wenig sauberer. Dabei habe ich natürlich nie Seife oder anderes benutzt. Bitte auch keine ökologisch abbaubare direkt am oder im Gewässer nutzen, denn ja diese enthalten zwar weniger schädliche Stoffe, sollten aber trotzdem nicht direkt an Trinkwasserquellen verwendet werden.

Wenn Du dennoch nicht darauf verzichten möchtest, dann füll Dir am Besten Wasser in Flaschen ab und benutze Deine Seife möglich sparsam weit genug (ca. 50m) von der Wasserquelle entfernt.

6. Haarpflege

Ich habe das Gefühl meinen Haaren tut es richtig gut mal nicht jeden Tag gewaschen zu werden. Sie fühlen sich nach einer langen Wanderung meist besser an und fetten auch nicht so schnell nach wie früher. Bereits nach wenigen Tagen auf dem Trail gewöhnen sich meine Haare daran.

Ich binde sie meistens zusammen und wasche und kämme sie erst in der Stadt nach einer Dusche. Unterwegs sind sie sowieso meistens unter Mütze oder Hut versteckt.  Sollte Dir das jedoch sehr unangenehm sein kannst du ein wenig Trockenshampoo oder Babypuder mitnehmen, sodass die Haare nicht ganz so fettig aussehen. Oder du ziehst ein Haarband oder ein Buff an, was deinen nicht mehr ganz so frischen Haaransatz einfach verdeckt.

7. Toilettengang beim Weitwandern

Großes Geschäft:

Jetzt kommt der Schneehering ins Spiel. Aber was hat der mit dem großen Geschäft zu tun? Ganz einfach: Er war meine Schaufel. Damit habe ich ein Loch gegraben, meine Notdurft verrichtet und das Loch anschließend einfach wieder verschlossen. Aber was ist mit dem Toilettenpapier? Einfach mit vergraben? Geht gar nicht! Je nach Toilettenpapier und Vergrabungsbedingungen kann es Monate bis Jahre dauern, bis das Material verrottet.

Ach ja und neugierige Eichhörnchen oder andere Waldbewohner buddeln das Klopapier auch immer wieder aus. Das Papier daher am Besten in einem verschließbaren Zip lock Beutel verstauen und erst in der Stadt fachgerecht entsorgen. Anschließend die Hände desinfizieren und das war es schon. So einfach geht’s 😀 Wenn Dich dieses Thema noch genauer interessiert, kann ich Dir das Buch „How to shit in the Woods“ empfehlen.

Kleines Geschäft:

Eine wunderbare Möglichkeit um Toilettenpapier zu sparen ist das Pee Rag. Das ist ein einfaches Stofftuch aus Baumwolle, was Du ganz genau wie Toilettenpapier fürs Kleine Geschäft verwenden kannst. Unterwegs wasche ich es manchmal mit Wasser aus  und in der Stadt kommt es einfach in die Waschmaschine. Aber Vorsicht: Beim Auswaschen ist es sehr wichtig das Tuch nicht direkt an der Wasserstelle auszuwaschen, da das Trinkwasser nicht verunreinigt werden soll.

Toilettengang beim Wandern

8. Sonnenschutz

Die Sonne strahlt, es ist ein perfekter Sommertag. Doch genau da schlummert die Gefahr eines schlimmen Sonnenbrands. Die Lösung: Sonnencreme. Am besten mit einem hohen Lichtschutzfaktor und mehrmals im Tagesverlauf nachcremen. Aber reicht das? Bei mir leider nicht, deshalb ist immer der Sonnenhut auf dem Kopf und für besonders empfindliche Haut empfehle ich einen zusätzlichen Sonnenschutz in Form von Shirts mit einem hohem UV Schutzfaktor. Merino Shirts sind auch da aufgrund der feinen Struktur die beste Wahl und bilden einen perfekten Schutz gegen die Sonne. Auch ein Wander- Sonnenschirm ist eine Option, allerdings bin ich besonders bei Wind kein großer Fan davon.

9. Zahnpflege

Ich bin mit einer Zahnbürste aus Bambus, einer kleinen Reisepackung Zahnpasta und Zahnseide unterwegs. Eine leichtere und plastikfreie Alternative für die Zahncreme bieten auch Denttabs. Ich habe bisher aber leider noch keine gefunden, die gut schäumen und bleibe daher bisher bei der Pasta.

Ganz harten Thru hikern reicht das alles noch nicht und einige sägen ihre Zahnbürste ab und trocknen ihre Zahnpasta mithilfe eines Dörrautomaten, um noch mehr Gewicht zu sparen.

10. Nagelpflege

Kennst Du es? Dreckige Nägel nach ein paar Tagen in der Natur. Der Schmutz sammelt sich anscheinend liebend gerne unter den Nägeln an. Um Entzündungen zu vermeiden kann ich dir das Mitnehmen einer Nagelpfeile und einer Schere sehr ans Herz legen.

Das Reinigen und Kürzen der Nägel kann schmerzhafte Entzündungen verhindern. Deswegen nehme ich die paar Gramm gerne in Kauf. Die Schere ist auch nicht nur zum Nägel schneiden nützlich, sondern war mir viel öfter eine Hilfe und fast jeden Tag in Gebrauch.

Meine Bitte zum Schluss:

Bitte lass keine Hygieneartikel in der Natur zurück, sondern nimm alles mit in die Stadt und entsorge es fachgerecht.  Auch ökologisch abbaubare Produkte brauchen teilweise Jahre, um vollständig abgebaut zu werden und haben daher in der Natur und vor allem auch in Gewässern nichts zu suchen.

 

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5 Gedanken zu “Outdoorhygiene

  1. Barbara

    Liebe Caroline,
    danke für den wieder sehr informativen und hilfreichen Artikel. Toll auch die Verlinkungen. Die aktuelle Fassung des Buches ist schon fast bestellt 😊.

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      1. Also warm im Sinne von, die Sonne sollte möglichst viel scheinen und hoch stehen. Je mehr UV-Strahlung, desto besser. Das is ja das selbe Prinzip, wie beim pee rag, was du am Rucksack fest machst, damit die UV-Strahlung der Sonne die Bakterien abtötet.

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