Pyrenäen Durchquerung

Pyrenäendurchquerung: Baskenland

Tag 1

Da ist es wieder – dieses Kribbeln bevor es losgeht. Los in ein neues Abenteuer.

Und Überraschung: Das starte ich dieses Mal nicht alleine. Denn spontan hat sich Jana, mit der ich schon die Alpen überquert habe, entschlossen mich die ersten Tage auf meiner Pyrenäendurchquerung zu begleiten. So machen wir uns zu zweit bereits um 6 Uhr morgens über einen schmalen Küstenpfad auf zum Startpunkt.

„Da ist er“ rufen wir beide aus einem Mund als sich der 3km lange Strand von Hendaye vor uns erstreckt. Sofort streifen wir die Schuhe ab und lassen den noch kühlen Sand unsere Füße kitzeln. Wir lauschen dem Rauschen der Wellen und ich fange an es zu realisieren.

Hier geht sie los. Meine 800km lange Pyrenäendurchquerung. Und wenn alles gut läuft werde ich schon in ca. 35 Tagen wieder das Rauschen der Wellen hören und den Sand unter meinen Füßen spüren. Nur dann wird es hoffentlich am Mittelmeer sein.

Ein äußerst reizvoller Gedanke, der mich anspornt. Wir schultern die Rucksäcke und wandern aus der Stadt hinaus bis zu den sanften Grünen Hügeln des Baskenlandes. Bei ca. 30 Grad steigen wir eine schattenlose Südflanke auf einem kleinen, nicht ausgebauten und sehr bewachsenen Pfad hinauf. Dort gibt es auch gleich den ersten Beerenangriff 😉 Allerdings zum Glück nur von Brombeeren, die den Weg zuwachsen und zugleich Schrammen an unseren Beinen zurücklassen.

Als wir diesen kleinen Dornenpfad endlich hinter uns lassen, sind nicht nur die Beine mit blutigen Kratzern übersät, sondern der Motivation wurde auch ein ordentlich Dämpfer versetzt. „Ob mich wohl mehr solcher Wege erwarten?“ frage ich mich, während wir in einen kleinen touristenüberlaufenden Ort in den Bergen einlaufen. Hier reihen sich Reisebusse vor den Souvernirgeschäften in langen Schlangen aneinander.

Statt hier eine Pause zu machen geht es für uns weiter zu einem wunderschönen Picknick Platz, den wir ganz für uns haben. Ein frischer Apfel, ein wenig Erholung und schwups ist sie wieder da die Motivation. Die können wir auch dringend gebrauchen, denn es folgt ein zweiter langer Aufstieg in der prallen Sonne. Mit Genuss oder Wanderlust hat das wenig zu tun. Erst oben können wir einmal durchatmen und mit hunderten Touristen, die mit der Zahnradbahn bequem hier hoch gebracht wurden, die Aussicht genießen.

Auf dem Abstieg lassen wir diese alle hinter uns und zelten auf einer Lichtung vor einer kleiner Hütte. Es dämmert schon während wir hurtig das Zelt aufbauen und Essen kochen. „Wahnsinn bin ich platt“ murmel ich bevor meine Augen alsbald zufallen.

Tag 2

Erst in den frühen Morgenstunden öffne ich die noch etwas müden Äuglein wieder. Für die erste Nacht habe ich sogar halbwegs gut geschlafen. Und das ist auch gut so, denn heute stehen 27 km bis zur nächsten Wasserquelle auf dem Programm. Bereits um 9 Uhr knallt die Sonne wieder auf unsere Köpfe und ein strahlend blauer Himmel erstreckt sich über uns. Aber weißt Du, was das wirklich schlimme ist? Es ist die wahnsinnig hohe Luffeuchtigkeit. Besonders beim Aufstieg habe ich das Gefühl als könnte ich die dicke Luft schneiden. Als wir das Dorf mit der Wasserquelle erreichen, entscheiden wir uns kurzerhand einfach hier zu bleiben und eine Nacht im Hostel zu verbringen.

Zwei Tage und ich fühle mich als wären wir schon ganze zwei Wochen unterwegs. Ich bin dreckig, müde und platt und frage mich wie das wohl die nächsten Tage weitergehen soll.

Tag 3

Neuer Tag, neues Glück, neuer Aufstieg. Bis zum Gipfel des Burga und von dort aus querfeldein über den Kamm durch Wiesen und Wälder. Wir kommen flott voran und ein leichter Wind streift uns durch die Haare und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. „So macht Wandern doch Spaß!“

Auch der Abstieg über grüne Wiesenhänge und farngesäumte Wege geht fast wie von alleine. Das sind wir hier übrigens auch: ganz alleine. Nun ja, aber auch nur fast, denn in einer Pause schreckt uns ein Grunzgeräusch auf. Ein Schwein? Hört sich fast so an. Doch herausfinden werden wir es wohl nie. Auf einer asphaltierten Straße steigen wir bis ins kleine Dorf Aldudes ab.

Auf dem Weg malen wir uns schon aus, was wir alles zu Essen kaufen und träumen von Kuchen, Kartoffelsalat, Baguette und frischem Obst. Im Dorf dann aber der Schock: Die Läden haben hier Montags geschlossen. Also kein neues Essen für uns? Wir überschlagen gerade, ob unsere Vorräte auch die nächste Etappe reichen, als ein Franzose mit seinen Kindern vorbeikommt. Wir kommen ins Gespräch und kurzerhand nimmt er uns mit nach Hause und Stockt unsere Essensvorräte für die nächsten Tage auf. Trailmagic gibt es also auch auf dem HRP 🙂 Danach ruhen wir uns noch ein wenig in der Bar im Dorf aus und verputzen Pommes und Eiscreme. „Hach tat das gut“ seufze ich mit gut gefülltem Bauch.

Es kann weiter gehen, schließlich habe ich noch ein ganzes Stück vor mir bis zum Mittelmeer. Über einen steilen Wiesenhang laufen wir Schritt für Schritt den Berg hinauf. Oben werden wir von einer frischen Brise und einem gigantischen Ausblick belohnt. „Es reicht für heute“ entscheiden wir wenig später an einer Wasserquelle.

Tag 4

Straße hier und Straße da – Straße laufen ist so wunderbar. Zumindest versuche ich mir das heute einzureden und immer wieder vorzusingen. Denn an diesem Tag wandern wir auf sehr, sehr vielen Straßen. Dafür warten aber auch Highlights wie eine alte Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg und ein Stück auf dem Camino Frances auf uns. Eben noch einsam den Berg hinaufgestiegen, befinden wir uns plötzlich auf der Camino Autobahn und unzählige Wandernde strömen uns entgegen. „Buen Camino“ sag ich da nur.

Abends erreichen wir einen Schäfer, der den besten Käse der Pyrenäen verkaufen soll. Nur der ist leider nicht zu Hause und so gibt’s auch nach einer Stunde vergeblichem Warten keinen leckeren Käse für uns. Stattdessen entpuppt sich unser geplanter Zeltplatz am Fluss als viel zu steil und so müssen wir noch eine Stunde bergauf steigen. Doch es lohnt sich, denn oben erwartet uns eine wunderschöne Aussicht und wir können nicht widerstehen gleich unser Zelt aufzubauen.

Tag 5

Was für eine falsche Entscheidung…

Früh morgens werden wir von tosendem Wind aus dem Schlaf gerissen.

Die Zeltstangen biegen sich im Wind und wir lehnen uns gegen das Zelt. Zu groß ist die Angst vor brechenden Zeltstangen. Um 6Uhr entscheiden wir uns abzubauen und müssen höllisch aufpassen, dass uns nichts wegfliegt. Träge und müde schleppen wir uns den Berg hinunter und machen an einem kleinen Bach eine Pause.

Schlafen, Essen, Erholen und anschließend weiterlaufen. Der Weg führt gerade aus über die Wiese den Berg hinauf. Der Wind fegt über unsere Köpfe hinweg und hätte mich das ein oder andere Mal fast umgeworfen. Da sind die Stöcke mal wieder Gold wert 🙂

Zusammen mit einem Hochplateau, was und an eine Savannenlandschaft erinnert, erreichen wir auch den GR10 (einem ausgeschilderten Wanderweg) und folgen diesem. Es geht mitten durch helle Gräser und wir haben einen grandiosen Weitblick über die französische Landschaft.

Den saugen wir in uns auf bevor es auf einem knackigen Abstieg bis zum Refugio Alberta geht. „Wuhu“ jubeln wir als das Refugio erscheint. Warum wir uns so freuen dort anzukommen? Uns erwarten Duschen und danach eine lange Pause am sich durch die grünen Wiesen schlängelnden Fluss. Wir lesen zusammen „Mit 50€ um die Welt“ und lassen uns gleich für neue Reiseziele begeistern und inspirieren. Doch Huch, plötzlich ist es schon 17 Uhr. Und der kleine Shop, den wir heute noch erreichen wollen, macht doch vermutlich schon um 18 Uhr zu. Aber uns trennt uns noch eine ganze Stunde Aufstieg. Jetzt ist Beeilung angesagt. Ich laufe vor und erreiche um 18:02 Uhr den Shop. Mir ist erst zum Heulen zumute doch dann verharre ich. Der Shop ist noch gar nicht geschlossen, sondern hat Dank neuer Öffnungszeiten sogar bis 19 Uhr geöffnet. So können wir in aller Ruhe neues Essen einkaufen und dieses wenig später auf unserem Zeltplatz verputzen. Was für ein schöner Abschluss des Tages.

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11 Kommentare

  1. Katja says:

    Was für ein tolles und mutiges Projekt! Einen guten Weg!

    1. Dankeschön Katja 😊

  2. Christian says:

    Neid, Neid, Neid! und ich sitze hier und arbeite …

    Nun bin ich ganz gespannt, wie es weiter geht. Weil irgendwann, will ich den nämlich auch mal machen ….

    Alles Gute und kommt sicher weiter!

    Grüße aus dem Schwarzwald.

    1. Hallo Christian,

      oh man das glaube ich Dir. Aber dafür wohnst Du ja quasi im Wanderparadies 😉 Bin seit letzen Jahr ganz begeistert vom Schwarzwald. Ich werde auf jeden Fall berichten, sobald ich mal wieder genug WLAN habe, um die neuen Beiträge hochzuladen. Das ist hier nämlich leider sehr mau…

      Ganz liebe Grüße aus den Pyrenäen.
      Caro

  3. Richard Mücke says:

    Hi Caro,

    euer Zeltplatz an Tag 4 auf 5 ist ja Hammer. Das Bild mit dem Sonnenuntergang… Wahnsinn!

    Gute Reise noch.

    Viele Grüße
    Richard

    1. Hey Richard, für diesen Sonnenuntergang mussten wir aber auch leider eine sehr sehr stürmische Nacht in Kauf nehmen 😅🙈 Schön war es aber trotzdem. Sobald ich das nächste Mal WLAN habe kommen auch die neuen Beiträge aus den Pyrenäen. Mit, wie ich finde, noch schöneren Bildern 😉

      LG Caro

    2. Hey Richard, für diesen Sonnenuntergang mussten wir aber auch leider eine sehr sehr stürmische Nacht in Kauf nehmen 😉

  4. Jürgen aus Kuchen :) says:

    Hey Caro, klasse Bericht und tolle Bilder. Was sind Deine Eindrücke vom Schwierigkeitsgrad, von den Wanderwegen? Sind die Wege gut ausgezeichnet?

    1. Hallo Jürgen, sehr gut das du Kuchen dazugeschrieben hast. So konnte ich dich direkt zuordnen 😄 Die Wanderwege sind oft sehr schwierig und anspruchsvoll. Der HRP besitzt leider keine offizielle Kennzeichnung und ich bin sehr oft auf mein GPS Gerät angewiesen.
      LG Caro

  5. Das hört sich schon spannend an – ich bin auf die weiteren Berichte und (tollen) Bilder gespannt 🙂 Viel Spaß noch! Julia

    1. Hey Julia, oh ja es ist wirklich toll und ich bin ganz beeindruckt von den Pyrenäen 😉 Hatte die bis vor kurzem gar nicht auf dem Schirm. Aber es freut mich sehr, dass du virtuell dabei bist und meine Wanderung verfolgst.
      LG Caroline

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