Pyrenäen Durchquerung

Pyrenäendurchquerung: Ab in die Berge

Tag 6

„Hach habe ich gut geschlafen“ murmle ich aus meinem Schlafsack hinaus. Da packen sich die Sachen gleich noch flinker zusammen und wir folgen, zusammen mit der aufgehenden Sonne, der spanisch-französischen Grenze. Von Grenztürmen begleitet führt uns der HRP den Berg hinauf. Dass hier gekämpft wurde, Schüsse gefallen sind und Menschen ihr Leben gelassen haben, ist für uns fast unvorstellbar. Was für ein riesiges Glück es ist in Frieden aufzuwachsen wird mir in diesem Moment wieder vor Augen geführt.

Friedlich kreisen auch die riesigen Greifvögel durch die Lüfte. Mit ausgebreiteten Flügeln, die wirklich eine beträchtlich Spannweite von etwa zwei Meter haben, schweben sie über unsere Köpfe hinweg.

Unserem ersten Gipfelglück steht nun nichts mehr im Wege. Wir kämpfen uns die letzten Meter empor und werden mit einem grandiosen Weitblick belohnt. Lange halten wir es allerdings nicht aus. „Brrrrr“ klappern wir mit den Zähnen und beschließen zügig abzusteigen.

Rein in eine Nebelsuppe, in der wir keine 20 Meter weit sehen können. Statt auf dem HRP zu bleiben wählen wir eine Schlechtwetter Variante an der Straße entlang. Dick und schwer hängt der Nebel in den Berghängen und nur mit Mühe finden wir die kleine Kabine, in der wir die Nacht verbringen wollen.

„Wollen wir wirklich hier schlafen?“ raune ich Jana zu als wir die muffige kleine Hütte betreten. Eine Maus huscht vor uns über den Boden und unsere Entscheidung ist getroffen. „Wir schlafen hier nicht, sondern bauen unser Zelt lieber in der Nähe auf.“

Es ist erst 16 Uhr und so lesen und faulenzen wir bis zum Schlafen gehen. Das haben wir uns nach dem ganzen Wandern auch echt mal verdient.

Tag 7

Sobald ich aufwache ziehe ich neugierig den Reißverschluss unseres Zeltes hinauf und spähe nach draußen. „Oh toll der Nebel ist weg“ rufe ich und wecke damit auch gleich Jana auf.

Wenig später sind wir auch schon wieder am Wandern. Was auch sonst? 🙂 Wandern, Essen, Schlafen ist schließlich unser gewohnter Tagesablauf. Als wir zum Punkt „Essen“ übergehen wollen, stürmt auf einmal eine Pferdeherde auf uns zu. Anscheinend hat die auch ganz schön Apettit und möchte etwas von unserem Festschmaus abhaben. „So aber nicht“ beschließen wir und suchen uns einen neuen Platz zum Essen.

Nachmittags folgen wir zur Abwechslung einmal einem super ausgebauten und sogar markierten Weg, was wahre Begeisterungsströme in uns hervorruft. Ich hätte nicht gedacht, wie sehr ich mich über sowas mal freuen kann.

Genauso sehr wie über die Berghütte, die wir erreichen und wo wir ein leckeres Essen genießen, bevor wir uns durch den Wald zum unendlichen Tal aufmachen.

Das haben wir so getauft, weil wir es gefühlt gar nicht mehr verlassen. Jedes Mal wenn ich denke wir verlassen das Tal, geht es in Wirklichkeit immer weiter durch die seichten Wiesen.

Und auch wenn die schroffen Felsformatiomen, die an beiden Seiten emporragen, wirklich malerisch sind, bin ich froh als wir das „unendliche“ Tal dann doch verlassen. Wir steigen zu einem kleinen Bach ab und treffen dort während dem Abendessen Kochen einen anderen Wanderer. Während ich die Nudeln in das dampfende Wasser schütte kommen wir ins Gespräch. „Ihr wollt noch eine Stunde wandern?“ fragt er ganz entsetzt als wir ihm von unseren Plänen erzählen. „Aber das geht doch nicht, mindestens zwei Stunden vor dem Schlafen sollten Wandernde am Camp sein“ belehrt er uns. Ach ist das so? 😀

Na ja manchmal ist es auch einfach wichtig seine eigene Entscheidungen zu treffen. Und die ist bei uns: Abstieg. Wir kommen zügig voran und erreichen ein wunderschönes Hochplateau mit einem brausenden Wasserfall. Auf den flachen grünen Wiesen haben es sich schon einige Campervans und Zelte gemütlich gemacht und wir gesellen uns dazu.

Tag 8

Ein richtig fauler Wandermorgen sieht bei uns so aus: eine Stunde in die kleine Stadt Lescun laufen, einkaufen, telefonieren und direkt gegenüber vom Supermarkt ein Picknick veranstalten. Wir sitzen auf dem kleinen Dorfplatz umringt von kleinen Steinhäusern und lassen uns Schokocrossaints, Baguette, Käse und Obst so richtig schmecken.

Danach schleppen wir uns mehr den heißen und langen Aufstieg hinauf als das wir wandern. Aber so haben wir Zeit zum quatschen und um die Landschaft ausgiebig zu bewundern.

Wir folgen wieder einmal der Grenze bis zu dem Refuge d’Arlet. Direkt an einem See gelegen bietet die Berghütte nicht nur Übernachtungsplätze sondern auch eine weite Zeltfläche. „Sollen wir?“ frage ich Jana mit Blick auf den in der Sonne glitzernden See. „Na aber klar“ ist die Antwort und wir stürzen uns ins kühle Nass.

Danach lassen wir die Wassertropfen auf unserer Haut von der Sonne trocknen. Auf einmal grummelt es laut. „Ups, da hat sich wohl mein Magen gemeldet“. Höchste Zeit zum Kochen. Doch als wir enthusiastisch den Kocher auf die neue Gaskartusche schrauben wollen will es einfach nicht passen. Anscheinend ist unser Kocher nicht kompatibel, was für ein Schmarn. Zum Glück haben die Jungs vom Nachbarzelt einen passenden Kocher, den sie uns ausleihen. Das Nudelwasser blubbert noch vor sich hin als sich der Himmel schlagartig verdunkelt. Ein Sturm zieht auf und dicke kugelrunde Hagelkörner regnen auf uns hinab. Jetzt aber hurtig. Alles rein ins trockene Zelt. Was für ein abenteuerlicher Abend.

Tag 9

Wie immer geht es auch heute auf und ab durch die Berglandschaften der Pyrenäen. Schroffe Gipfel, grüne Wiesen mit Murmeltieren und wunderschönen Wildblumen erwarten uns. Zwischendrin ist auch mal ein wenig Action angesagt und wir kraxeln eine steile Leiter empor.

Ein großer Bergsee erstreckt sich am Mittag direkt vor uns und wir faulenzen zwei Stunden am See bevor es weitergeht. Unser heutiges Ziel ist Candanch – ein touristischer Skiort. Aber im Sommer ist es hier ziemlich ausgestorben und unsere Hoffnung hier einkaufen zu können sinkt. Doch wir werden positiv überrascht. Es gibt einen kleinen Laden und der hat sogar Sonntag geöffnet. Mit vollbepackten Rucksäcken und Einkaufstüten mit Essen für die nächsten drei Tage geht es zum Hostel. Welche eine Wohltat Duschen und Waschen nach vier Tagen ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Tag 10

„Tschüss gemütliches Bett“ heißt es erst um 9 Uhr, denn das war einfach zu verführerisch. Ganz genau wie auch die Schokocrossiants, die wir uns zum Frühstück genehmigen. Die schmecken hier einfach am besten 😉

Über eine breite Autostraße gelangen wir zu einem Wanderweg. Mit einigen Tagestouristen wandern wir durch die traumhafte Bergkulisse. „Wow ist hier was los“ denke ich. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt nach einigen Tagen auf dem HRP. Auch an der Hütte ist einiges los. Da es noch früh ist, steigen wir bis in einen Wald hinab, wo wir unser Zeltlager errichten.

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1 Kommentar

  1. Hallo liebe Caroline,
    danke für‘s Mitnehmen auf den HRP! Die Bilder und Dein Bericht sind beeindruckend und begeistern mich, auch wenn es wohl sehr anstrengend ist! Aber Du weißt ja: was uns nicht umbringt macht uns stark 😉. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht.
    Liebe Grüße sendet Dir Barbara

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