Pyrenäen Durchquerung

Pyrenäen Durchquerung: Ein Wanderabenteuer

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Tag 26

Wenn ein Lied erklingt und mich zum tanzen bringt, dann ist das einer der schönsten Beginne eines neuen Morgens, den ich mir nur vorstellen kann. Heute sorgen die Töne von „Believe“ von Cher dafür, dass ich ausgelassen durch die Hütte tanze. Es ist befreiend und während ich tanze, fühle ich mich so zufrieden und glücklich als könne ich die ganze Welt umarmen.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Mit diesem Gefühl geht es für mich den nächsten hohen Pass hinauf. Doch bevor ich diesen erklimme treffe ich endlich mal wieder andere Haute randonnée pyrénéenne Wandernde. Das ältere Ehepaar läuft dieses Mal zwar nur ein kleines Stück des Trails, hat die ganze Pyrenäen Durchquerung aber schon vor einigen Jahren erfolgreich absolviert. Und nicht nur das, sondern auch in Deutschland waren sie schon zu Fuß unterwegs. Und zwar im Schwarzwald. Jetzt darfst Du mal raten was ihnen mit am besten gefallen hat… Die Schwarzwälder Kirschtorte 😀 So kommt es, dass ich nach diesem Gespräch von Torte träume. Statt einem leckeren Stück Torte bekomme ich vollstes Bergpanorama zum Staunen und Genießen.

Meine Füße tragen mich den ganzen Tag auf und ab über die Berge. Als Belohnung für diese anstrengende Leistung gibt es zwischendurch immer mal wieder eine kleine Massage und Ruhepause für die Füße. Trotzdem sind sie abends richtig müde. Aber ich glaube dies kann ich ihnen kaum verdenken nach zehn Stunden reinem Wandern, oder? 😉

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Zur Feier des Tages gönne ich mir eine Nacht in der Berghütte, in der ich nicht nur die Füße hochlegen kann, sondern auch mit leckerem 3 Gang Menü versorgt werde. So gibt es zum Abendessen zwar keine Schwarzwälder Kirschtorte, aber zumindest butterweichen und typisch spanischen Mandelkuchen. „Zum Anbeißen“ 😉

Tag 27

„Ist alleine Wandern eigentlich immer schön?“, werde ich oft gefragt. „Nein“ ist meine klare Antwort. Auch ich habe Momente, in denen ich mich einsame fühle, und mir eine Begleitung wünsche mit der ich lachen aber auch zusammen leiden kann. Jemanden, um die schönen aber auch die schlechten Momente zu teilen. Denn wie heißt es doch so schön? „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ und „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Jemanden zu haben, mit dem ich die schönen Erlebnisse austauschen und über die tolle Landschaft austauschen kann, wünsche ich mir auch heute. Und zu meiner Überraschung wird dieser Wunsch auch prompt erfüllt. Auf der Haute randonnée pyrénéenne sind meist sehr wenige Wandernde unterwegs und ganz anders als auf meiner Wanderung auf dem Pacific Crest Trail fast keine Deutsche.

Doch heute treffe ich Jule und Katja. Beide aus Deutschland und für Tageswanderungen hier in Andorra unterwegs. Und um ehrlich zu sein tut es einfach mal wieder gut ein wenig zu quatschen. Und das auch noch ganz ohne Verständigungsschwierigkeiten, wie es häufig mit den Einheimischen ist.

Oft sind es doch diese kleinen Momente, die einen zum Lächeln bringen können und einen Tag plötzlich in ein viel freundlicheres und positiveres Licht rücken. Leider funktioniert es genauso anders herum und ein kleiner Moment kann ordentlich auf die Stimmung schlagen.

So wie ein auf unbestimmte Zeit geschlossener Laden, der mich in der nächsten Stadt erwartet. Sowohl die Einheimischen, als auch das Internet oder ein Schild an dem Laden kann mir keine Auskunft geben wann der kleine Supermarkt wieder öffnet. „Aber ich brauche doch etwas zu essen“ jammere ich. Dann muss halt eine andere Lösung her und ich entscheide mich für einen Resupply in der Bäckerei.

Die Verkäuferin kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus als ich Brote, Muffins, Kuchen, Kekse, Crossiants und Pizza bestelle. So ist meine Verpflegung für die nächsten Tage gesichert. Doch bevor es ein leckeres Abendessen gibt, muss ich erstmal einen Zeltplatz suchen. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Ein flacher Platz? Ist hier nicht in Sicht! Und so trage ich das Zelt von links nach rechts, unschlüssig wo es wohl am besten steht. Nach einer halben Stunde grübeln treffe ich endlich eine Entscheidung und zelte am wohl flachsten Platz direkt am See.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Tag 28

Aufgepasst, heute wird geschwärmt. Denn ich bin schlicht und weg begeistert. Begeistert von den weiten Bergseen, an denen ich abends mein Zelt aufbaue, von der puren Wildnis, die es in Europa leider nur noch selten gibt, und von der atemberaubenden Landschaft. Diese verändert sich mittlerweile wieder. Von den grünen Wiesen und schroffen Bergen komme ich nun in eine kargere Gegend. Die Hügel werden langsam wieder flacher und nur noch wenige hohe Berge sind hier zu finden.

Einen davon besteige ich heute. Den Pic du Canigou auf 2785m. Bei guter Sicht soll von oben sogar mein Ziel, das Mittelmeer, das erste Mal zu sehen sein. Mit kribbelnder Vorfreude geht es nach einem kühlen Bad im Bergsee los. Der Aufstieg ist wahnsinnig steil und der Boden besteht aus lauter kleinen Steinen. „Puh, bin ich froh hier nicht runter zu müssen“, denke ich, als ich einen anderen Wanderer vorbeilasse. Da ist es auch schon passiert und der andere Wanderer rutscht weg und rutscht ein Stück den Hang hinunter. Mein Herzschlag beschleunigt sich direkt und ich fühle mich in meinen Sturz vor ein paar Tagen zurückversetzt. Ich eile ihm gleich zu Hilfe und wir versorgen gemeinsam die Schürfungen. Zum Glück ist auch ihm nichts schlimmeres passiert.

Auch ich habe mich von meinem Sturz gut erholen können in den letzten Tagen. Die Knie tuen vor allem beim Abstieg aber immer noch oft weh. Und ich habe natürlich auch was lernen können und bin seitdem noch vorsichtiger und achtsamer unterwegs. So erreiche ich auch heute den Gipfel.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Das Mittelmeer kann ich nicht sehen, dafür ist es einfach zu diesig. Aber der Weitblick auf die Pyrenäen ist auch so unglaublich spektakulär. Diese Weite und die pure Natur und Wildnis lassen mein Wanderherz höher schlagen. Um ehrlich zu sein bin ich sogar ganz froh, das Mittelmeer noch nicht gesehen zu haben, denn das hätte mir nur noch einmal vor Auge geführt, dass meine Wanderung sich langsam dem Ende neigt. Und das möchte ich nach der Wiedergewinnung meiner Wanderlust ganz und gar nicht.

Tag 29

Ein wunderschöner Zeltplatz und trotzdem schlecht geschlafen? Auch das kann leider vorkommen. Dieses Mal lag es an einem Wildschwein, was in der Nacht nichts besseres zu tun hatte als laut grunzend um mein Zelt herumzuschnüffeln. Nachdem ich es vertrieben und ein paar Stunden geschlafen habe, fängt es auf einmal an zu nieseln und ich muss das Außenzelt aufbauen.

Gähnend krabbel ich erst „spät“ aus dem Zelt. Um meine gute Laune wiederzuerlangen gönne ich mir erstmal einen Schokoriegel. Das ist meine Wunderwaffe nach solchen Nächten 🙂 Danach gönne ich mir eine Katzenwäsche im See, bevor ich auch schon wieder mein Rucksack schultere.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Mehr Tipps zum Thema Outdoorhygiene findest Du auch auf meinem Blog. Wenig später tauche ich ein in eine mystische Wald- und Seenlandschaft. So stelle ich mir Schweden vor und wenn es dieser Vorstellung entspricht, möchte ich dort auch unbedingt noch Wandern gehen.

Nach so vielen in der Sonne glitzernden Seen führt mich der Haute randonnée pyrénéenne auf eine breite Forststraße. Dieser folge ich die nächsten Stunden Richtung Stadt. Heute bin ich richtig aufgeregt und kann gar nicht schnell genug vorwärts kommen. Wieso? Weil ich heute nach 29 Tagen endlich Matthias wiedersehe.

Er ist von Deutschland aus mit dem Auto hergefahren und hat den Weg genutzt, um viele Radtouren zu machen. Und plötzlich ist es soweit. Ich biege um die Ecke und laufe Matthias in die Arme. Was für ein schöner Moment 🙂 Der wird auch gleich noch schöner, denn Matthias hat ganz viele Schmankerl für mich mitgebracht. So gibt es leckeres selbstgebackenes Brot mit Schokocreme und Käse. „Wow sehen die schlimm aus“ bricht Matthias heraus. „Was?“ frage ich ganz überrascht. „Na deine Beine“ erwidert er, denn diese sind immer noch mit blauen Flecken und Abschürfungen übersät. Tja, das wird wohl leider noch etwas dauern bis die verheilt sind.

Wir machen uns auf den Weg nach Bolquère, einem pitoresken französischen Ort mit einem fantastisch ausgestatteten Supermarkt. Hier kaufe ich nicht nur leckere Verpflegung für die nächsten Tage, sondern auch frisches Obst und einen großen Becher Eis, der direkt gefuttert wird. Darauf folgt eine halbe Stunde Wandern auf der Straße, während die Mittagssonne auf mich hinab prallt. In dem nächsten kleinen Dorf wartet auch gleich die nächste Stärkung aus Pommes und Kuchen auf uns.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Danach wandern wir fortwährend quatschend hinauf, immer am Bach entlang. Direkt neben diesem bauen wir abends auch das Zelt auf. Das ist aber ein bisschen klein für uns beide und dank gutem Wetterbericht beschließen wir unter freiem Himmel zu schlafen. So können wir zum einschlafen den glitzernden Sternenhimmel bewundern.

Tag 30

Ein himmelblau strahlender Himmel verspricht schon früh morgens einen tollen Tag. Während ich Matthias meine super bequeme aufblasbare Isomatte überlasse, baue ich schonmal das Zelt ab und bereite Frühstück zu.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Zusammen mit dem Pfeifen der Murmeltiere beginnt dieser Wandertag. Und täglich grüßt das Murmeltier mit neuen, wunderbaren Aussichten und viel Wandern. Doch die erste Hälfte des Tages bin ich dieses Mal nicht alleine unterwegs. So können die schönen Momente geteilt und diese traumhafte Natur gemeinsam genossen werden. Der Bergkamm, auf dem wir unterwegs sind, ist aber auch einfach spektakulär und vor lauter tollen Ausblicke, weiß ich gar nicht in welche Richtung ich schauen soll.

Mittags verabschieden wir uns vorerst voneinander. Matthias steigt wieder in die kleine Stadt ab und verbringt die nächsten zwei Tage auf dem Rad, bevor wir uns auch schon wiedersehen.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

Der morgens noch so blaue Himmel wird immer mehr von Wolken bedeckt, die durch den starken Wind rasend schnell über mich hinwegziehen. Immer mehr Wolken türmen sich am Himmel und am Nachmittag bin ich im dichten Nebel unterwegs. Zu meiner Erleichterung bin ich dieses Mal auf einer flachen, breiten Wiese unterwegs. Und zu meinem geplanten Zielort, einer Schutzhütte, sind es nur noch zwei Stunden. Doch dieses Ziel verpufft in Luft als es anfängt aus Kübeln zu regnen. Ich haste nur noch zu einer metallenen Biwakbox und beschließe hier zu bleiben. Nach nur einer halben Stunde im Regen sind meine Regenklamotten pitschnass. Als erstes ziehe ich mir schnell was trockenes an und koche mir etwas warmes zu Essen.

Abends stößt noch eine andere Haute randonnée pyrénéenne Wanderin dazu, die erste Solo Wanderin die ich hier treffe. Wir haben einen lustigen und redseligen gemeinsamen Abend.

Pyrenäen Durchquerung auf der Haute randonnée pyrénéenne

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