Fischerweg: Küstenwanderung in Portugal
Reiseberichte

Fischerweg – Küstenwanderweg am Atlantik

Im Winter hatte ich einen richtigen Wanderblues. Die eisigen Temperaturen, die nicht enden wollenden grauen Tage haben mir nicht Wirklich viel Wanderlust bereitet. Aber auch die neue Arbeit hat dafür gesorgt, dass meine Draußenliebe bissel hinten anstehen musste. Doch nun heißt es wieder: Ab nach draußen. Ich habe richtig Lust auf Sonne, Wärme und natürlich Wandern. Und da es mir in Deutschland noch zu kalt ist geht es nach Portugal. Der Fischerweg an der portugiesischen Küste ist ein wunderbares Ziel, um einfach mal abzuschalten, durchzuatmen und den Kopf frei zu bekommen.

Fischerweg Karte von Komoot

Strecke:

Auf ca. 95 km führt der Fischerweg als Teil des Weitwanderweges Rota Vicentina entlang der portugiesischen Küste.

Weg:

Der Fischerweg ist in meinen Augen ein leichter bis mittelschwerer Wanderweg. An manchen Stellen führt der Weg an ausgesetzten Stellen gleich an der Küste entlang. Zudem kostet das Laufen im weichen Sandstrand einiges an Kraft.

Der Weg ist hervorragend mit blau-grünen Schildern und Zeichen an Bäumen und Steinen markiert. Zudem zeigen manchmal Hinweistafeln die Kilometeranzahl an. Ich hatte zudem auch noch die GPS Daten von Komoot dabei.

Wanderzeit:

Der Fischerweg kann das ganze Jahr über bewandert werden. Allerdings ist es in den Wintermonaten mit einem Temperaturspektrum zwischen 9 und 16 Grad doch noch recht kühl und es regnet mehr. Außerdem ist es tagsüber nicht so lange hell, was für die Etappenplanung beachtet werden muss.

Ich bin Anfang März gewandert und hatte bis auf den ersten Tag, an dem es leicht geregnet hat, echt Glück mit dem Wetter. Die meiste Zeit konnte ich in kurzer Kleidung unterwegs sein und hatte einige Sonnenstunden, zum Vitamin D tanken.

Anreise:

Am besten fliegst Du nach Lissabon und fährst von dort aus mit dem Bus oder Taxi zu dem Busbahnhof Sete Rios. Von dort aus fahren täglich mehrere Busse von Redo-Express nach Porto Covo, wo die Wanderung startet. Das Busticket kann entweder für ca. 15 Euro an dem Busbahnhof gekauft werden oder auch über die App der Busgesellschaft online bestellt werden. Innerhalb von drei Stunden bist du auch schon in dem kleinen Dorf Porto Covo. Aber Achtung die Toiletten im Bus sind leider oft nicht geöffnet oder befinden sich in einem sehr schlechten Zustand.

Etappen:

Das ist meine Etappenplanung des Fischerwegs:

  1. Porto Covo – Vila Nova de Milfontes: 22,7 km – 180m auf, 180m ab
  2. Vila Nova de Milfontes – Almograve: 17,6 km – 180m auf, 190m ab
  3. Almograve – Zambujeira do mar: 27,8 km – 560m auf, 540m ab
  4. Zambujeira do mar – Odeceixe: 25,2 km – 260m auf, 270m ab

Schlafen:

In den Orten gibt Unterkünfte oder Appartements, die meist zwischen 20-40€ pro Nacht kosten. Wild zu zelten ist in Portugal leider nicht erlaubt. Dafür gibt es in den meisten Orten aber sehr schöne Campingplätzen, auf denen du für ca. 7-10 Euro zelten kannst.

Verpflegung:

Essen muss auf dieser Wanderung nicht viel herumgetragen werden. Jeder Ort besitzt eine kleine Einkaufsmöglichkeit, in der Du ein wenig Essen und vor allem Wasser kaufen kannst. Das gibt es auf dem Trail nämlich überhaupt nicht und muss in den Orten gekauft werden. Das Leitungswasser solltest du dabei allerdings besser meiden, da dieses oft stark gechlort ist.

Geld:

Da Portugal zur EU gehört wird in Euro bezahlt. Ich habe vieles bar bezahlt, wobei es in vielen Orten auch Geldautomaten gibt oder Du mit Karte bezahlen kannst. Ausgegeben habe ich für 4 Tage auf dem Fischeweg ca. 450 Euro. Die Kosten setzten sich wie folgt zusammen:

  • Hin- und Rückflug: 270€
  • Busfahrten: 30€
  • 1 Nacht im Hotel: 40€
  • 3 Nächte auf Campingplätzen: 30€
  • Essen & Trinken: 80€

Handyempfang:

Fast überall an der Küste ist Handyempfang vorhanden. Durch das EU Roaming musst Du einfach nur die Roaming Daten einschalten und kannst auch auf dem Fischerweg dein Handy nutzen.

Infos:

Die Routenplanung und viele nützliche Infos gibt’s bei Komoot. Diese App macht die Planung von Wanderungen super einfach und bietet zudem unglaublich viele Inspirationen.

Nicht nur GPS Daten, sondern auch Höhenprofil, Wegbeschaffenheit, topographische Informationen und Wanderhighlights findest Du hier. Kurz gesagt ein Rund um Sorglos Paket für meine und auch Deine? nächsten Wandertouren. Auch mich findest Du jetzt auf Komoot. Schau doch einfach mal vorbei und begleite mich so auf meinen Wanderungen.

Tag 1: Bon dia Fischerweg

Vögel zwitschern mich früh morgens aus dem Schlaf. „Wo bin ich?“ Frage ich mich noch. Doch schon ist es mir wieder bewusst. Ich bin in Portugal. Heute wird gewandert. Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht flitze ich runter an den Strand. Dieser liegt noch ganz einsam und verlassen dar. Der Atlantik braust vor sich hin und heißt mich mit tosenden Wellen bekommen. Ich liebe diesen rauen Ozean und fühle mich ab der ersten Sekunde angekommen.

Mein Startort Porto Covo hat mich sogleich für sich eingenommen. Die kleine Stadt mit ihren pittoresken weißen Häusern und den bunten Fenstern und Türen ist ein typisches Fischerdorf, wie es im Buche steht.

Von hier aus folge ich der steilen Küste. Schroffe Felsen und Höhlen und zarte Blumen bilden ein wundersames Gesamtbild ab. Das Wetter lässt mich hingegen etwas im Stich und so fängt es mittags an zu regnen.

Dicke Regentropfen fallen vom Himmel hinunter und perlen an mir ab. Der Sand ist kühl und nass und weit und breit ist leider kein Pausenplatz in Sicht. Also baue ich kurzerhand mein Zelt auf und lasse mir mein Käsebrot im Trocknen schmecken. Erst am Nachmittag spinkst langsam wieder die Sonne zwischen den dunklen Wolken hervor. Das bedeutet für mich: Sofort raus aus den Schuhen! Die nächsten Kilometer laufe barfuß durch den tiefen Sand. „Puh ist das anstrengend“ keuche euch am Anstieg. Denn ja die Dünen halten auch einige Höhenmeter für mich bereit. Und so liege ich einige Stunden später ziemlich platt in meinem Schlafsack. Ob sich das viele barfuß laufen morgen noch mit einem Muskelkater rächt?😅

Tag 2: Ewige, einsame Strände

Es rächt sich und meine Waden brennen als ich die ersten Schritte gehe. Zum Glück stehen heute nur 15km an. Die ersten davon sind ziemlich unspektakulär und ich folge einer lauten, breiten Autostraße aus der Stadt heraus. Doch dann bin ich wieder an der Küste, höre wieder das Meer rauschen und stapfe wieder durch den Sand. Und gleich geht wieder mein Herz auf.

Wunderschöne, bunte Blumen säumen den Wegesrand. Sie schillern in den schönsten Farben und sind für mich herrliche Geschenke und kleine Wunder der Natur. Zwischendurch durchquere ich heute kleine Waldstücke bis ich schließlich zu einem ewig langem, einsamen Sandstrand komme. „Der perfekte Platz für eine Mittagspause“ seufze ich und lasse mich in den weichen Sand fallen.

Ich schließe die Augen und lausche einfach nur dem konstanten Rauschen des Atlantiks. Was für eine ungeheure Kraft dieser riesige Ozean hat ist kaum vorstellbar. Wenige Momente später nicke ich ein. Als ich die Augen wieder öffne strahlt mir die Sonne mitten ins Gesicht. Müde strecke ich meine Arme in die Luft und räkle mich ein bissel im Sand. Ich glaube leider, es ist gleich Zeit weiterzuwandern.

Doch bevor ich meinen großen, roten Rucksack schultere nutze ich dieses wunderschöne Fleckchen für eine Runde Yoga. Ich beuge mich herab in den Hund und dehne meine schmerzenden Waden. Bei der Cobra lacht mir die Sonne ins Gesicht und ich kann gar nicht anders als auch zu lachen. Ich fühle mich hier pudelwohl.

Kurz bevor ich mein heutiges Ziel Almograve erreiche treffe ich eine andere Wanderin und wir kommen gleich ins Gespräch. Susan ist aus Dänemark, wohnt aber die meiste Zeit in Lissabon und arbeitet von unterwegs. Als wir feststellen das wir uns heute eine Unterkunft teilen machen wir uns gemeinsam auf den Weg.

Während Susan abends arbeitet heißt es für mich kochen, waschen, duschen, telefonieren und Sonnenuntergang schauen. Immer viel zu tun nach einem langen Wandertag.

Tag 3: Buen Camino

Als ich morgens durch den Sand stapfe summe ich „Coastline“ vor mich hin. Die sanften Töne des Liedes begleiten mich auf meinem ersten Stück auf dem Fischerweg. Doch heute bin ich zeitgleich mit den anderen gestartet und so sehe ich die sieben anderen Wandernden, die am selben Tag wie ich gestartet sind immer wieder.

Wir kommen ins Gespräch, laufen auch mal zusammen und sitzen in der Pause zusammen im Café und trinken Café oder Chá Dom Duarte Tília und essen ein Pastei de Nata.

Nach der Pause setze ich meine Wanderung zusammen mit der Ruhepottlerin Emi fort. Sie ist auch alleine unterwegs und so quatschen wir in einem durch. Das tut wirklich gut sich nach den letzten Tagen alleine 🙂

Ich stehe gerade an einem ziemlichen Wendepunkt in meinem Leben. Mein Studium ist vorbei und das Arbeitsleben beginnt. Doch irgendwie macht mir das Angst. Alles fühlt sich so endgültig an. Manchmal fühlt es sich an als wäre meine ganze Freiheit und Unbeschwertheit davongeflogen und durch Pflichten und Aufgaben ersetzt wurden. Aber es hilft darüber zu sprechen und es hilft auch hier darüber zu schreiben. Wie vereinbarst du deine Draußenliebe mit deinem Arbeitsalltag? Freue mich über Tipps in den Kommentaren.

Die letzten Kilometer des Tages sind nochmal hart für mich. Die Füße schmerzen, die Sonne brennt auf meiner Haut und ich möchte nur noch ankommen. Doch statt direkt in die Stadt zu rennen gönnen wir uns noch eine Pause am Strand nahe dem kleinen Ort. Eine grandiose Entscheidung denn die Füße nochmal in das kalte Meerwasser zu tauchen und im Schatten zu liegen ist ein Träumchen. Schlagartig hellt sich auch meine Stimmung wieder auf und ich genieße meinen restlichen Abend gemütlich auf dem Campingplatz.

Tag 4: Vitamin Sea ist aufgefüllt

Ich liebe den Fischerweg. Ich habe mich wirklich Hals über Kopf in diesen Trail verliebt. Das wird mir an meinem letzten Wandertag nochmals eindeutig klar. Ich liebe den Atlantik, der sich vor mir in den verschiedensten Blauschattierungen erstreckt. Ich liebe den weichen Sand, den ich oft barfuß zwischen meinen Zehen spüre, die Ruhe, die Stille und die Einsamkeit der portugiesischen Küste. Und ich liebe die bin leuchtenden Blumen an jeder Wegesecke. Um ehrlich zu sein möchte ich auch gar nicht weg von dieser herrlichen Küste.

Doch daran gibt es leider nichts zu rütteln und so genieße ich zumindest noch einmal voll und ganz meinen letzten Wandertag auf dem Fischerweg. Heute bin ich ganz alleine unterwegs und sauge letztes Mal den Duft der Küste in mir auf.

Doch schnell muss ich mich von dieser schon verabschieden. Denn das letzte Stück führt der Fischerweg die Straße entlang nach Odeceixe. Hier verbringe ich eine Nacht etwas außerhalb auf dem Campingplatz und eine weitere Nacht im Ort selbst. So gönne ich mir einen Pausentag mit Ausschlafen, leckerer Pizza und einem tollen Sonnenuntergang an der alten Mühle.

Vollgepackt mit einer großen Portion Vitamin D und einer ganzen Menge schönen Erlebnissen geht es mit dem Bus auf nach Lissabon.

Tag 5 und 6

Hallo Lissabon 👋🏼 Als ich die Metropole erreiche bin ich überwältigt. So viele Einflüsse überrollen mich direkt als ich aus dem Bus aussteige. Motorräder queren in einer rasenden Geschwindigkeit die Straßen, Autos Hupen und über mir höre ich die Flugzeuge. Nach der ganzen Ruhe und der Entspannung von der Wanderung ist das ein bissl viel. Doch die Stadt hat auch wahnsinnig viel zu bieten. Statt mir ein großes Programm für meinen kurzen Lissabon Aufenthalt vorzunehmen beschließe ich die Stadt zu spüren. Und so schlendere ich durch die Gassen der großen Stadt. An mir rauscht die kleine Tram vorbei, die Touristen und Einheimische kreuz und quer durch die ganze Stadt bringt. Überall im Wegesrand trumpfen gewaltige Prachtbauten in ihrer vollen Schönheit.

In der Stadt bieten allerlei Aussichtspunkte einen fantastischen Blick auf die orangenen Dächer und weißen Häuser der Stadt. Unter ihr erstreckt sich das weite blaue Meer. „Ein wirklich malerisches Bild“ hauche ich.

Zwischendurch gibt es herrliche Pausen und in den gewaltigen Markthallen vom Mercardo da Riberia sauge ich die verschiedenen Essensdüfte auf. Ein letztes Mal gönne ich mir Pastel de Nata. Der Blätterteig ist schön knusprig und leicht, die Füllung entaltet sich cremig und vanillig in meinem Mund. Zu Guter Letzt besichtige ich die prächtige Kirche Igreja de Santa Engracia. Die Archtitektur der Barockkirche ist beeindruckend und dient heutzutage als „Nationales Pantheon“.

Schweren Herzens packe ich am Abend meinen Rucksack. Es ist Zeit wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Zeit einen neuen Job zu beginnen. Und es ist Zeit für unseren Umzug. Aber ich habe unglaublich viele schöne Erinnerungen im Gepäck.

Warst du schonmal in Portugal, vielleicht sogar auf dem Fischerweg? Oder möchtest vielleicht noch hin? Dann lass mir doch gerne einen Kommentar da 🙂

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6 Kommentare

  1. Wolfgang Frommer says:

    Hallo Caro, gerne habe ich deine Berichte Verfolgt. Ich gehe nächstes Jahr an der Küste entlang. Von der Algarve Lagos bis Espanol Santiago Compostela

    LG Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,
      freut mich sehr das du meinen Bericht verfolgt hast 😊 Ich wünsche dir auch ganz viel Spaß für deine Wanderung nächstes Jahr. Die hört sich ja auch richtig toll an.
      LG Caro

  2. Matthias Brunnbauer says:

    Oy 🙂

    1. Mein Portugiesisch war wirklich der Hammer 😁

  3. Ein sehr inspirierender Bericht. Vielen Dank, D.

    1. Danke dir für deinen lieben Kommentar, freut mich das dir der Bericht gefällt 😊

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