Mullerthal Trail

Wandern in der Luxemburgerischen Schweiz

Tag 1: Echternach bis Consdorf

Wer von euch kennt das Mullerthal?

Um ehrlich zu sein habe ich bis vor kurzem noch nie davon gehört. Doch jetzt, nach zwei Tagen Wandern auf dem Mullerthal Trail, bin ich einfach nur noch hingerissen und begeistert von dieser wunderschönen Wanderregion in Luxemburg. Deswegen zeige ich euch jetzt dieses wunderbare Fleckchen und nehme euch mit auf die Routen 2 und 3. Macht euch also gefasst auf große Felsen, viel Herbstfeeling und ganz viel Mullerthal.

Tag 1: Echternach bis Consdorf

Ab ins Auto und los geht’s nach Echternach. So war es auf jeden Fall gedacht, doch der Stau macht meiner Wanderpartnerin Jana und mir direkt mal ein Strich durch die Rechnung. Bei so schönem Wetter im Stau zu stehen anstatt draußen zu wandern ist echt mies und ich kann es kaum erwarten endlich anzukommen. Gegen 11 Uhr ist es geschafft und bei strahlend blauem Himmel laufen wir zunächst durch das kleine und malerisch schöne Echternach. Ich bin ganz verliebt in dieses Städtchen mit den schmalen Gassen und alten Häusern. Besonders die vielen kleinen Cafés und Geschäfte am Straßenrand laden förmlich zum Bummeln und Verweilen ein.

Doch daraus wird heute nichts. Wir sind ja zum Wandern hier und es liegen noch 25km vor uns.

„Dort ist der Mullerthal Trail!“ heißt es für uns und wir folgen der tollen Ausschilderung, die ein Verlaufen kaum möglich macht. Genau das Richtige für mich, wo ich doch so gut darin bin, mal vom Weg abzukommen. Es geht vorbei an dem vor sich hin plätschernden Fluss Sauer, welcher die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland bildet. Durch die Nähe zu Deutschland sind hier auch die meisten Informationen und Ausschilderungen nicht nur auf französisch sondern ebenfalls auf deutsch vorhanden. Sehr praktisch, da unser Schulfranzösisch ziemlich eingerostet ist.

Wir lassen die Stadt hinter uns und wandern einen kleinen Hügel hinauf, von dem aus wir einen tollen Blick auf Echternach geboten bekommen. Dieser strahlend blaue Himmel zaubert mir sofort ein großes Lächeln ins Gesicht. Bei so einem Wetter macht das Wandern gleich noch mehr Spaß.

Nun geht es in den Wald hinein und es tauchen direkt die ersten gigantischen Felsformationen vor uns auf. Diese sind absolut charakteristisch für das Mullerthal, genau wie die vielen Treppen, auf denen sich der Weg durch die Felsen schlängelt.

„Ein Weg zum Genießen“, heißt es und dem kann ich nur zustimmen. Wenige Höhenmeter, einfach begehbare Wege und eine super Ausschilderung geben uns Zeit zum Staunen und Quatschen. Auch Fotos kann ich gar nicht genug machen, denn es tun sich immer neue grandiose Bildaussichten vor uns auf.

Ich fühle mich ein wenig wie in der Sächsischen Schweiz. Und das obwohl ich bisher noch gar nicht dort war. Doch zumindest nach den Bildern, die ich bisher gesehen habe, glaube ich, dass die beiden sich in einigen Punkten sehr ähneln. Natürlich dürfen mir diejenigen von euch, die bereits in der Sächsischen Schweiz waren, an dieser Stelle auch gerne widersprechen 😉 . Sobald ich dann selbst endlich mal dort wandern war, kann ich das dann auch besser beurteilen. Vom Namen her würde es auf jeden Fall schonmal passen, denn das Mullerthal ist auch als Luxemburgerische Schweiz bekannt.

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Die großen massiven Felsen sorgen bei uns für viele Aussagen wie „Oh schau mal!“ oder „Wow, wie schön!“.  Kurz gesagt: Wir sind schon am ersten vollkommen eingenommen und fasziniert vom Mullerthal.

Den ganzen Weg über ragen die Gesteine weit in den Himmel hinauf. Moosbedeckte Bäume, ein belaubter Boden und kältere Temperaturen mit leuchtender Sonne sprechen für einen perfekten Herbsttag. Da weicht mir das Lächeln gar nicht mehr von den Lippen, denn ich liebe den Herbst. Besonders gerne laufe ich ja durch die knisternden Blätter. Wer macht das auch so gerne gerne? 😀

Mittags verlassen wir den Wald und werden vom blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein begrüßt. Da heißt es sofort „Pausenzeit“ und wir lassen uns die mitgebrachten Brote schmecken. Gut gestärkt kann es weiter gehen. Durch Felsschluchten, Höhlen und Wälder bis zu dem idyllischen Ort Consdorf. Dort haben wir für diese Nacht eine kleine Hütte auf dem Campingplatz La Pinede gebucht. Als wir erfahren, dass diese auch noch beheizt ist, freuen wir uns umso mehr und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 2: Consdorf bis Medernach

„Plitsch, Platsch“ tropft der Regen auf das kleine Hüttendach und weckt uns früh am Morgen. Da wird das Bett direkt noch gemütlicher und das Aufstehen fällt umso schwerer. Aber es hilft nichts und um 8 Uhr geht es raus aus den Federn. Wir ziehen uns unsere Regenklamotten an, schnüren die Wanderschuhe und laufen erstmal zur Rezeption, um unsere bestellten Brötchen abzuholen. Die leckeren Schokocrossiants bewirken wahre Wunder und so können wir voller Elan die nächste Etappe starten:

Vor uns liegt noch der restliche Teil der Route 2, von Consdorf bis Echternach.

Was uns erwartet sind enge und dunkle Felsen, in denen wir ohne Stirnlampe nichts erkennen können. Aufregung macht sich in mir breit und ich taste mich langsam voran. Mit den großen Rucksäcken kommen wir an manchen Stellen fast nicht durch die schmalen Felsen und das Ganze ist auch ein wenig beängstigend. Doch als wir wieder Tageslicht entdecken bin ich schlicht und weg begeistert. „Was für ein Abenteuer!“.

Mittags kehrt der Regen zurück und mit ihm kommen auch Tini und Seb an, die die heutige Etappe mit uns laufen. Die beiden nehmen uns mit dem Auto mit und gemeinsam fahren wir nach Mullerthal. Jetzt steht die Route 3 an und trotz Regen bin ich total gespannt, was uns erwartet.

Mit der Zeit wird der Regen immer stärker und dicke Tropfen perlen an unseren Klamotten ab. Da bin ich umso dankbarer für meine tolle Regenjacke und den sehr praktischen Regenrock.img_6017

Auf rutschigen und matschigen Wegen folgen wir einem herrlichen Bachverlauf. Unter einem Felsvorsprung kommen wir sogar noch in den Genuss von einer trockenen Pause bevor wir zu einer Burgruine kommen.

Eine kurze Besichtigung lassen wir uns nicht entgehen. Für Studenten ist der Eintritt sogar kostenlos, weshalb wir schon wenig später durch die alten Gemäuer wandern. Die Zeit in den trockenen Burgmauern ist aber viel zu schnell wieder vorbei und es geht wieder ab in den Regen.

Wirklich weit voran kommen wir jedoch nicht. Tini hat leider Blasen bekommen und die sehen echt schlimm aus. „Aua!“, da ist an weiterwandern nicht zu denken und wir kürzen die Strecke ab. Aber auch so ziehen sich die letzten Kilometer bis zum Campingplatz und ich weiß vom PCT noch zu gut, wie schmerzhaft Blasen sein können.

Da kommt ein kleiner Wasserspielplatz doch gerade richtig als Ablenkung 😉 . Um 18 Uhr ist es endlich soweit und wir erreichen den Campingplatz. Wir sind alle klatschnass, das Wasser steht uns in den Schuhen und ich bin einfach nur hundemüde.

Auch diese Nacht verbringen wir in einer kleinen Campinghütte, die wir direkt für uns vereinnahmen. Überall hängen unsere nassen Klamotten rum und die Heizung wird sofort auf Höchststufe aufgedreht. Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich eine kleine Frostbeule bin?! 😉

Regen und Kälte haben heute kaum Zeit für Pausen gelassen und unsere Mägen knurren schon. Da ist eine große Portion Nudeln mit Tomatensoße genau das Richtige, um unsere Speicher wieder aufzufüllen.

„Gut, dass ich meinen Kocher dabei habe“, denke ich mir, kurz bevor dieser den Geist aufgibt. Die erste Portion Nudeln ist zum Glück schon fast fertig, doch die zweite Packung muss nun verschlossen bleiben. Dafür fällt der Nachtisch umso größer aus und wir gönnen uns viel Schoki und Pommes aus dem Campingplatz Restaurant.

Tipp an dieser Stelle: Mit den Hausschuhen zum Restaurant laufen, wenn es den ganzen Tag geregnet hat ist eine sehr sehr schlechte Idee! Auch wenn der Weg noch so kurz ist 😀

Nach dem Abendessen schläft Jana sofort ein. Und was machen Tini , Seb und ich? Wir spielen eines meiner Lieblingsspiel „Halt mal kurz„.

Tag 3: Medernach bis Mullerthal

Mit einem lauten „Guten Morgen“ wecke ich die anderen auf. Bereits seit 5 Uhr liege ich wach im Bett und brenne förmlich darauf wieder loszuwandern 😉 .

Ein Blick nach draußen verrät: Kein Regen mehr, dafür aber ordentliche Windböhen. Während für Seb und Tini die Wanderung auch schon wieder vorbei ist, erwartet Jana und mich der letzte Tag auf dem Mullerthal Trail. Daher heißt es für uns: „Loswandern und genießen“.img_6071

Der Wind pfeift uns um die Ohren und ich genieße diesen stürmischen Herbsttag. Ich finde das Rauschen vom Wind immer sehr beruhigend.

Und nun ein kleines Rätsel für euch: 2 Mädels, seit ca. 10 Jahren befreundet und ganze 3 Monate nicht mehr gesehen. Was bedeutet das?

Quatschen, Quatschen, Quatschen 😀 Wir haben ja immerhin einiges nachzuholen und dieser zauberhafte Steeg ist ein perfekter Pausenplatz.

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Die letzten Kilometer bis nach Mullerthal führt uns der Weg über Holzsteege an einem Bach entlang. Während wir unserem Ziel mit jedem Schritt näher kommen, lasse ich die vielen schönen Eindrücke dieses einzigartigen Wanderweges Revue passieren.

Als wir an unserem Zielort Mullerthal ankommen, ist mir eines bewusst: „Hier gehe ich auf jeden Fall nochmal wandern!“

Doch jetzt müssen wir leider zurück nach Hause. Bei der Frage Bus oder Trampen? gewinnt der Bus und so warten wir in einem kleinen Unterstand neben der Haltestelle.

Laut dem Fahrplan sollte der Bus nach Echternach direkt an unserer Haltestelle halten. Auf die Minute pünktlich kommt dieser auch angefahren. Nur leider genau auf der anderen Straßenseite.

Erst im letzten Moment merken wir das und rennen mit einigen anderen Personen zum Bus. Und beim Umsteigen wieder dasselbe. Der Bus fährt wieder genau von der Seite ab, auf der er nicht angeschrieben ist. Ist das normal so in Luxemburg? 😀

Für uns Touris auf jeden Fall sehr verwirrend und ich bin echt froh als wir in Echternach ankommen. Das Auto steht noch auf dem kostenlosen Parkplatz und wir begeben uns schweren Herzens auf die Heimreise.

Das Mullerthal hat mir wahnsinnig gut gefallen. Der Mullerthal Trail ist für mich:  super vielseitige Wege, tolle kleine Hütten zum Schlafen, eine grandiose Beschilderung (weiß ich seit dem Peaks of the Balkans noch mehr zu schätzen) und eine ganze Menge Abenteuer.

Na hast du jetzt auch Lust auf eine Wanderung im schönen Mullerthal bekommen oder  warst du sogar schon selbst dort? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

 

Vorbereitung – Peaks of the Balkans

Dieses Jahr möchte ich im August zusammen mit meinem Freund Matthias den Peaks of the Balkans wandern und werde euch natürlich wieder mitnehmen, indem ich jeden Tag über meine Erlebnisse berichten werde. Peaks of the Balkans.jpg

Strecke:

Als Dreiländerweg führt der Peaks of the Balkan 185km und über 11.500hm durch Montenegro, Albanien und Kosovo.

Weg:

Ein anspruchsvoller Wanderweg, durch die wunderschönen und zum Großteil unberührten Bergwelten des Balkans. Durch das hochalpine Prokletije-Gebirges geht es vorbei an rauschenden Wasserfällen und kristallklaren Bergseen. In den alten, ursprünglichen Dörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Erst 2011 wurde die Trekkingroute eingeweiht, um die drei Länder nach dem Krieg näher zubringen.

Wanderzeit:

Der beste Zeitraum um den Peaks of the Balkans Weg zu wandern ist Mitte Juni bis Mitte September. Wenn ihr früher oder später wandern möchtet solltet ihr mit Schnee und geschlossenen Hütten rechnen. Besonders im Herbst ziehen neben den niedrigeren Temperaturen auch noch viele Regenperioden über das Land.

Genehmigungen: 

Für die Grenzüberschreitung benötigt ihr Genehmigungen, welche mindestens zwei Wochen vor Beginn der Wanderung beantragt werden müssen. Insgesamt benötigt ihr also drei Genehmigungen, wobei in Montenegro zusätzlich zu der elektronischen Genehmigung auch noch vor Ort eine Zahlung von ca. 10 Euro bei der Polizei geleistet werden muss. Erst danach wird auch die Genehmigung ausgestellt. Wir haben die Genehmigungen über Zbulo beantragt. Zbulo kümmert sich gegen eine kleine Gebühr, von ca. 45 Euro für zwei Personen um die Beantragung und erleichtert unsere Planung somit um einiges.

Anreise:

Wir fliegen mit Montenegro Airlines von Frankfurt nach Podgorcia. Von dort aus geht es mit dem Bus für ca. 11,50 Euro nach Plav, von wo aus wir den Rundweg starten. Alternativ ist auch eine Anreise über Tirana möglich. Von dort aus gibt es Busverbindungen nach Shkodra und weiter bis nach Theth. Auch die Anreise über Peja ist möglich, in dem ihr zu dem Flughafen Prishtina fliegt und von dort aus mit Bus oder Taxi nach Peja fahrt. Von Peja aus fährt zweimal am Tag ein Bus in die Rugova Schlucht, von wo aus ihr eure Wanderung starten könnt.

Etappen:

Das sind die offiziellen Etappen vom Rother. Wenn ihr ohne Zelt unterwegs seid solltet ihr euch daran orientieren, weil das meist die einzigen Unterkünfte am Trail sind. Wir waren stattdessen mit Zelt unterwegs und konnten unsere Etappen dadurch flexibler gestalten.

  1. Plav – Vusanje: ca. 8h – 21, 5km, 1370m auf, 1300m ab
  2. Vusanje – Thethi: ca. 8h – 21,3km, 1150m auf, 1400m ab
  3. Thethi – Valbona: ca. 6:30h – 17,6km, 1220m auf, 1040m ab
  4. Valbona – Ceremi: ca. 4h – 10,7km, 670m auf, 410m ab
  5. Ceremi – Doberdol: ca. 6h – 16,5km, 1290m auf, 680m ab
  6. Doberdol – Milishevc: ca. 7h – 18,5km, 1060m auf, 1180m ab
  7. Milishevc – Reke e Allages: ca. 6h – 15,7km, 970m auf, 1360m ab
  8. Reke e Allages – Guri i Kuq: ca. 7:30h – 23km, 1420m auf, 1310m ab
  9. Guri i Kuq – Babino Polje: ca. 7h – 16km, 1220km auf, 1120m ab
  10. Babino Polje – Plav: ca. 7:30h – 21km, 800m auf, 1350m ab

Schlafen: 

Sowohl in einfachen Hütten als auch mitten in der Natur im Zelt kann geschlafen werden. Wir haben uns fürs zelten entschieden, da wir damit flexibler sind und bei gutem Wetter noch einige Gipfelabstecher mitnehmen können. Denn außer im Nationalpark von Montenegro ist wild campen auf dem Trail erlaubt. Wenn ihr lieber in den Hütten schlafen wollt bezahlt ihr meist 20-25 Euro pro Person pro Nacht. Dabei werdet ihr mit Abendessen, Frühstück und Lunchpaket versorgt. Die Hütten könnt ihr meist spontan vor Ort buchen. Nur wenn ihr eine größere Gruppe seid solltet ihr besser im voraus reservieren.

Verpflegung: 

Den einzigen Supermarkt auf dem Rundweg gibt es in Plav. Daher sollten dort alle nötigen Lebensmittel gekauft werden. Auch Gaskartuschen gibt es im Supermarkt in Plav zu kaufen. Jedoch gibt es dort und meines Wissens auch in Podgorica ausschließlich Stechkartuschen, weshalb wir uns für diese Wanderung einen neuen Kocher angeschafft haben. Auf dem Trail können bei den Hirten und bei den Gästehäusern Käse, Brot, Eier und Gemüse erworben werden. Wenn ihr in den Gästehäusern schlaft bekommt ihr sowieso eine Vollverpflegung.

Geld: 

Bei allen Hirten und in allen Gästehäusern könnt ihr ganz problemlos in Euro bezahlen und braucht daher nicht extra Geld zu wechseln. Ihr solltet aber auf jeden Fall genug Bargeld mitnehmen, da es nur in Plav einen Geldautomaten gibt und in den Bergen alles nur mit Bargeld bezahlt werden kann.

Müll: 

Ein Thema was mir wirklich wichtig ist, denn leider haben wir auf unserer Wanderung einige illegale, wilde Müllkippen gesehen. Da es in den Bergdörfern keine Müllentsorgung gibt werfen die Bewohner ihren Müll meistens einfach in die Natur. Daher nehmt ihr eurem Müll am besten während der ganzen Wanderung mit und entsorgt diesen erst in der Stadt.

Handyempfang und Stromversorgung: 

In den meisten Dörfern besitzen die Gästehäuser Solaranlagen, wodurch warmes Wasser zu Verfügung steht und elektrische Geräte aufgeladen werden können. Wir hatten zur Sicherheit noch eine Powerbank dabei aber haben diese gar nicht benötigt. In einigen Dörfern oder auf den Berg gibt es auch mal Handyempfang. Besonders in Valbona und Plav könnt ihr mit sehr gutem Netz rechnen.

Infos:

Wenn ihr selbst den Peaks of the Balkans wandern möchtet, informiert ihr euch am besten über die Internetseite vom Trail oder ihr kauft euch den Wanderführer.

Der Rother Wanderführer ist wirklich Gold wert, denn dort findet ihr alle Informationen zur Planung, zum Trail und auch noch Karten (die Karte oben stammt auch aus dem Rother). Zusätzlich empfehle ich euch noch die Mitnahme von einem GPS Gerät oder einer entsprechenden App auf dem Handy, da der Trail manchmal wirklich schwer zu finden ist.

 

Peaks of the Balkans – Teil 1

Tag 1

Nachdem Matthias und ich bereits gestern von Frankfurt nach Podgorica geflogen sind und uns dort am Bahnhof die Bustickets nach Plav gekauft haben, geht es heute morgen zunächst in die Innenstadt. Dort kaufen wir uns beim Supermarkt Idea in der Mall of Montenegro zwei Stechkartuschen. Die kosten hier tatsächlich nur 0,68€ und auch die anderen Preise sind sehr niedrig.

Da wir so schnell fündig geworden sind, treffen wir bereits 50min vor Abfahrt des Busses am Bahnhof ein und werden von den bereitstehenden Mitarbeitern zu einem kleinen Bus gewunken, in den wir einsteigen sollen. Da wir noch über 45min Zeit haben stehen wir zunächst draußen rum und warten. Doch bereits kurze Zeit später drängt der Busfahrer zur Abfahrt und wir fahren viel zu früh los. Zunächst wundern wir uns, doch der Fahrer versichert uns, dass wir im  richtigen Bus sind. Also fahren wir durch gewaltige Schluchten über kurvige Straßen den Berg hinauf. An einem kleinen Busbahnhof mitten im nirgendwo ist dann auf einmal Schluss für uns und der Fahrer signalisiert uns auszusteigen. Hier sollen wir auf unseren Anschlussbus warten, der zum Glück auch wenig später eintrifft. Doch da gibt es ein kleines Problem, denn unsere Tickets wurden vom ersten Busfahrer bereits entwertet und wir müssen mit Händen und Füßen erklären, was passiert ist und weshalb wir in den anderen Bus gesteckt worden sind. Denn eigentlich hätten wir gar nicht umsteigen brauchen, sondern mit dem Bus, in den wir jetzt einsteigen, direkt von Podgorica nach Plav durchfahren können. Soviel also zum richtigen Bus :D.

Als der Busfahrer die Situation begriffen hat, nimmt er uns mit und wir fahren mit aus dem Radio schallenden montenegrinischen Schlagern weiter nach Plav. Dort kaufen wir noch kurz Essen und werden immer wieder von Menschen und vor allem Kindern auf Geld angesprochen. Zum Teil sogar sehr aufdringlich, weshalb wir froh sind, als wir die Stadt verlassen und zunächst am großen See von Plav entlang wandern. Wenig später führt der Weg dann den Berg hinauf. Zunächst relativ flach über eine asphaltierte Straße, dann steiler über einen Forstweg und am Schluss geht es auf einem kleinen Wanderweg steil den Berg hinauf. Gerade als Matthias sagt, dass er glaubt es kommt keine Quelle mehr, erreichen wir nach ca. drei Stunden eine kleine Wasserquelle und füllen die Flaschen auf, bevor wir wenig später auch schon an unseren Zeltplatz auf einem Hochplateau ankommen.

Dieses erstreckt sich gleich nach dem Wald und ist wunderschön mit Blumen bedeckt. Zwei andere Wanderer haben dort auch schon ihr Zelt aufgebaut und so gesellen wir uns zum Abendessen zu den beiden. Das Paar kommt aus der Schweiz und ist von dort aus erst mal zwei Wochen hierher getrampt. Das stelle ich mir auch sehr cool vor, wenn ich so an meine Tramperfahrungen von Amerika zurückdenke ;). Die beiden haben zuvor Pfifferlinge im Wald entdeckt und teilen diese mit uns, weshalb es heute Nudeln mit Pfifferlingen und einer Frischkäse-Soße gibt. Sehr dekadent fürs Wandern 😀 Anschließend wird der Zeltaufbau zur kleinen Herausforderung, denn einen Platz für unser großes Zwei-Personen-Zelt zu finden, der keine Disteln oder Steine vorweist, gestaltet sich zunächst etwas schwierig. Doch als es dann steht, genießen wir noch den schönen Abend hier oben.

Tag 2

Wo ist der Trail jetzt nochmal? 😀 Diese Frage stellen wir uns bereits nach dem aufstehen, denn den Peaks of the Balkans zu finden ist trotz GPS oft gar nicht so leicht. Es gibt hier so viele kleine andere Wege und so kommt es schnell mal vor, dass wir uns verlaufen. Zum Glück finden wir nach ein wenig querfeldein Laufen und Klettern wieder zurück zum Trail und uns erwartet ein wunderschöner Ausblick auf das Gebirge. Dieser lädt förmlich zu einer Pause ein und ich gönne mir ein zweites Frühstück.

Doch schneller als gedacht ist diese auch schon wieder vorbei, denn wir werden förmlich von Mücken attackiert :D. Daher packen wir die Rucksäcke schnell zusammen und beginnen den Abstieg Richtung Vusanje. Vorbei an Pferden, Kühen und einem kleinen Hirtencamp schlängelt der Trail den Berg hinunter ins Tal. Und ehe wir uns versehen, ist es schon wieder passiert und wir haben den offiziellen Trail wieder einmal verloren. Stattdessen finden wir uns auf einem kleinen Pfad einige Meter entfernt vom Peaks of the Balkans wieder und kraxeln erstmal durch Sträuche und Büsche zurück auf den Wanderweg. Es ist so angenehm wieder auf einem ausgebauten weg bergab zu wandern, weshalb wir schnell zu einer Hirtenalm kommen. Dort gibt es selbstgemachten Käse von den Schafen vor dem Haus und frisches Brot zu kaufen. Happy Cheese ist glücklich 😊

Nach einem sehr leckeren Essen machen wir uns an den letzten Abstieg bis nach Vusanje. Bereits am Mittag kommt das Dorf in Sicht und wir bestaunen die Wasserfälle, die es am Ortsausgang zu sehen gibt. In Vusanje findet sich auch ein kleiner Kiosk mit ein paar Lebensmitteln und sogar ein Restaurant. Wir sind jedoch noch sehr gut mit Essen eingedeckt und verlassen das Dorf daher, um außerhalb im Schatten Rast zu machen. Nach der Pause fällt uns beiden das Wandern dann sehr schwer, denn es ist super heiß und der Weg führt den Berg hinauf.

An der Gabelung zum Aufstieg für den Jezerca biegen wir ab, da wir diesen Umweg in Kauf nehmen wollen. Doch dafür müssen wir steil bergauf, was bei der Hitze echt anstrengend ist. An einer Hirtenalm verweilen wir etwas und reden mit den beiden Wirten, da die Frau sehr gut Englisch spricht. Bevor wir den letzten Anstieg angehen kaufen wir noch etwas Brot und Käse und erklimmen damit den steilen Anstieg durch den Wald. Und siehe da, es hat sich wirklich gelohnt, denn nach verlassen des Waldes erstrecken sich wunderschöne Seen vor uns. An einem davon bauen wir unser Zelt auf und nach einer kleinen Abkühlung im See gibt es Abendessen. Dieses Mal mit frischem Schnittlauch, den es am Seeufer zu pflücken gibt.

Tag 3

Bereits um 7 Uhr verabschieden wir uns erstmal von unserem Schnittlauchsee und verpassen wenig später auch direkt den Abzweig zu unserem nächsten Ziel Theth. Auf dem GPS wird uns nämlich leider ein ganz anderer weg angezeigt und so kraxeln wir erstmal eine Stunde im Geröllfeld umher. Als ich dann ziemlich am Ende mit den Nerven bin steigen wir wieder ab, um nochmals nach dem richtigen Abzweig zu suchen. Dabei nehmen wir dieses Mal den schnelleren Weg und rutschen über das Schneefeld den Berg hinunter. Das macht ziemlich Spaß und daher ist das vorherige Herumirren schnell vergessen.

Kurze Zeit später finden wir auch endlich den richtigen Abzweig und beginnen den Abstieg. Bei diesem kriecht uns auch die erste Schlange über den Weg und Matthias ist ganz begeistert. Vom Weg sind wir beide dagegen leider nicht ganz so begeistert, denn es ist sehr felsig und wir Knicken beide ein paar mal um und ich stürze sogar leicht, wobei dank meinen Stöcken nichts schlimmeres passiert.

Nachmittags wandern wir einen weiteren Pass hinauf und anschließend führt uns der Weg sehr steil den Berg hinab. Dieser Abstieg zieht sich wirklich in die Länge und wir verlieren insgesamt rund 1100 Höhenmeter. Zudem hätten wir uns fast wieder verlaufen, denn der Wegweiser nach Theth zeigt einfach mal in die falsche Richtung.

Auf dem Weg ins Tal zieht dann auch noch ein Gewitter auf und durch den Regen wird der Trail sehr rutschig. Daher steigen wir sehr langsam und vorsichtig bergab und treffen dabei so einige andere Wanderer. Die meisten kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz oder Frankreich und viele sind in Wandergruppen unterwegs. Desto weiter wir ins Tal kommen, desto größer wird auch der Hunger und ich träume wieder mal von leckerer Pizza. Damit kann Theth zwar nicht dienen, aber dafür mit Brotchips mit Pizzageschmack und einem leckeren Abendessen aus Oliven, Hirtenkäse und Brot. Der selbstgemachte Käse ist wirklich genial und auch noch unschlagbar günstig und ich bin voll am genießen. Mit gut gefüllten Mägen beschließen wir noch etwas weiter aufzusteigen, um an einer kleinen Hütte zu campen. Als wir dort ankommen hat jedoch eine italienische Pfadpfindergruppe fast alle Plätze belegt. Zum Glück finden wir noch ein kleines Plätzchen für unser Zelt, doch die Nacht wird dank unseren Zeltnachbarn leider nicht ganz so erholsam, da diese bis spät in die Nacht noch Lärm machen.

Tag 4

Wir beide sind noch sehr müde als morgens die ersten Sonnenstrahlen ins Zelt fallen und uns aufwecken. Trotzdem entscheiden wir uns zeitnah zusammen zu packen und erst auf dem Trail zu frühstücken. Dadurch können wir im Schatten auf den nächsten Pass hinaufsteigen und dabei atemberaubende Ausblicke genießen.img_7253 Mittlerweile befinden wir uns in Albanien und auch hier überrascht uns die vielseitige und imposante Landschaft. Unsere erste Pause genießen wir auf dem Bergpass mit einem kleinen Lüftchen und in absoluter Stille. Mir gefällt es wahnsinnig gut, dass hier noch nicht so ein großer Tourismus herrscht wie in unserem Teil der Alpen. Die ganzen Dörfer und Hütten sind zum Großteil sehr einfach und ursprünglich. Ab und an sieht man jedoch auch Spuren des Krieges und wir finden immer wieder kleine Bunker am Wegesrand. Besonders im Kosovo sollte der Trail daher auch nicht weit verlassen werden, da sehr vereinzelt noch Landminen vergraben sein können.

Nach unserer Pause wandern wir den Berg auf einem sehr steilen Pfad hinab, denn sowas wie Serpentinen gibt es hier nur sehr selten. Meistens führt der Weg sehr steil bergauf oder bergab. Bereits morgens knallt die Sonne auf den Weg und unter einem kleinen Baum treffen wir einen Kosovaren, der ohne Wasser unterwegs ist. Nichtmal eine Wasserflasche hat er dabei. Wir geben ihm von unserem Wasser zu trinken und wandern nach einem kurzen Gespräch weiter.

Nach dem steilen Abstieg erstreckt sich eine kleine Wiese mit einem großen Felsen vor uns. Dort sind einige Himbeeren zu finden und wir naschen viele bevor es weiter Richtung Tal geht. Mittags passieren wir eine kleine Hütte, in der wir zum Essen einkehren. Bei Omlette, Kartoffeln, Joghurt, Brot und Honig von den eigenen Bienen lassen wir es uns gut gehen. Ich schaffe es leider nicht Fotos vom Essen zu machen, da es so lecker ist, dass es immer zu schnell aufgegessen ist ;). Das ist auch gut so, denn darauf folgt ein sehr harter Weg durch das heiße und sonnige Flusstal und zum Ende noch an der Straße entlang. Dieses Stück kann man sich jedoch zumindest zum Teil sparen, da ab einem Hotel Taxis bis nach Valbona fahren und das heiße Stück entlang der Autostraße somit vermieden werden kann. Nächstes Mal würde ich auf jeden Fall ein Taxi nehmen, denn in Valbona angekommen bin ich durch das lange Wandern in der Sonne echt erledigt. Am Campingplatz wird geduscht und ordentlich gegessen. Die Preise hier machen uns mal wieder sprachlos, weil das Essen einfach so preiswert ist im Vergleich zu Deutschland. Wie auch zuvor verlassen wir am Abend den Ort und steigen noch zu einer bereits verlassenen Hirtenhütte hinauf, neben der wir unser Zelt aufbauen.

Tag 5

In der Nacht wütet dann ein Gewitter über uns und die hellen Blitze und der laute Donner halten uns einige Zeit wach. Auch als wir aufwachen regnet es noch und daher spielen wir zunächst Karten im Zelt.

Gegen 8:30Uhr wird der Regen dann weniger, weshalb wir zusammenpacken und den Aufstieg beginnen. Kurz vor dem höchsten Punkt rennt plötzlich ein Schäferhund bellend auf uns zu. Vor denen muss man sich echt in Acht nehmen, denn sie sind darauf erzogen ihre Herde vor jedem möglichen Feind zu schützen und greifen auch schon mal Menschen an, wenn diese der Herde zu nahe kommen. Deshalb bleiben wir stehen und warten ab, denn leider gibt es nicht wirklich eine Möglichkeit an Hund und Herde vorbeizukommen, da wir am steilen Berg sind. Der Hund beobachtet und bellt also und wir sitzen auf dem Weg und essen, spielen Karten und warten ab. Mit der Zeit beruhigt er sich ein wenig, doch sobald wir weitergehen wollen wird er sofort wieder laut. Erst als nach 30min einer der Hirten kommt und den Hund zurechtweist können wir weiter bis hoch zum Pass. Nach diesem folgt ein felsiger Abstieg und eine Eishöhle, die ihren Namen absolut verdient hat, denn die Kälte zieht förmlich aus dem Berg hinaus nach oben.

Daher verweilen wir dort auch nicht allzu lang, sondern steigen zu einem Hirtenhaus ab, an dem wir Rast machen. Wir werden sofort bestens mit Essen versorgt und ich esse meinen bisher besten Feta auf dem Trail. Anschließend führt uns der Peaks of the Balkans über schöne Blumenwiesen und Wälder bis nach Ceremi. Dort genießen wir ein sehr reichhaltiges Mittagessen im Gästehaus und steigen Abends wie auch die Tage zuvor nochmal ein Stück hinauf zum Zelten.

 

Peaks of the Balkans – Teil 2

Tag 6

Endlich mal eine ruhige und erholsame Nacht. Das tut echt wahnsinnig gut. Im Zelt schlafe ich einfach meist deutlich schlechter als in einem Bett. Als wir morgens aufwachen ist es noch sehr kalt und nebelig und wir frühstücken im Zelt. Am Vormittag wird dann mal wieder gewandert und wir kommen zunächst sehr gut voran, da der Weg ohne viele Höhenmeter durch einen Wald führt. Doch als wir dann die ganzen Heidelbeeren und Himbeeren am Wegesrand entdecken, kommen wir aus dem Naschen gar nicht mehr raus.

Daher gönnen wir uns bei einem Hirtenhaus auch bereits eine kleine Mittagspause. Der Hirte spricht jedoch kein Wort Englisch, weshalb die Verständigung mittels den paar Wörtern in unserem Reiseführer und mit Händen und Füßen erfolgt. Neben leckerem Käse, frischer Schafsmilch und Brot bringt er uns auch noch Joghurt. Der ist jedoch so bitter und hat rein gar nicht mit dem deutschen Standard Naturjoghurt aus dem Supermarkt zu tun, dass ich unwillkürlich das Gesicht verziehe. Die Hirten finden das urkomisch und kommen aus dem Lachen gar nicht mehr raus 😀

Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und machen uns auf in das Hirtendorf Doberdol. Dort kaufen wir Eier und Gemüse bei einer Einheimischen, die von uns überhaupt kein Geld annehmen möchte. Ein weiteres erstaunliches  Beispiel für die Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit der Menschen hier. Wir wandern noch einen Stück die steile Wiese hinter Doberdol hoch und machen eine Pause mit Käse, Brot, frischem Gemüse und Rührei. Nach diesem Festmahl fällt uns der restliche Aufstieg recht leicht und wir erreichen schnell einen Höhenkamm und wandern auf diesem über grüne Wiesen und weitere Pässe bis zum Zeltplatz. img_7463Auch das Abendessen ist mit einem Nudelsalat sehr reichhaltig und direkt noch viel leckerer, da wir dabei eine Aussicht auf die fantastische Landschaft des Kosovos geboten bekommen.

Tag 7

Zelten auf 2100hm war wohl doch keine so gute Idee. Die Nacht war zwar wahnsinnig ruhig, aber dafür ist es am Morgen super kalt und sobald die Sonne aufgegangen ist, bin ich aus dem Zelt raus und versuche mich mit Tanzen etwas aufzuwärmen.img_7473 Dazu gibt´s die Musik von Feliz navidad, was auch echt gut zu den kalten Temperaturen passt. Matthias liegt noch etwas im Zelt aber kommt dann auch schnell raus, als er den Geruch von Minztee vernimmt. Die wächst hier nämlich auch fast überall und wir haben gestern ordentlich gepflückt. Wir frühstücken nur eine Kleinigkeit und steigen schnell ins Tal ab, weil es so kalt ist. Als wir aus dem Wald herauskommen rennt auf einmal ein Hirtenhund laut bellend auf uns zu. Wir bleiben sofort stehen und ich gehe langsam zurück, doch der Hund läuft weiter auf uns zu und ist nun fast 3m neben uns, bellt und fletscht die Zähne. Ich habe sowieso schon Angst vor Hunden und so ein Hirtenhund ist nochmal viel beängstigender. Auch der Hirte ist mittlerweile auf uns aufmerksam geworden und kommt angerannt, um den Hund zu verscheuchen. Doch selbst auf den Hirten hört der Hund nicht wirklich und versucht immer wieder am Hirten vorbei auf uns zu zu rennen.

Erst als der Hirte ihn fest am Halsband packt können wir vorbei und ich bin einfach nur erleichtert, dass nichts schlimmes passiert ist. Wir steigen also schnell den Berg hinab und treffen wenig später im Dorf ein paar Einheimische, die uns sofort als Deutsche identifizieren und uns zu ihrem Haus winken. Dort ist momentan ihr Onkel aus Deutschland zu Besuch und wir kommen ins Gespräch. Im Kosovo treffen wir auf einige, die während des Kosovokriegs nach Deutschland geflohen sind und daher deutsch sprechen. Diese Begegnung ist besonders schön, denn zum Abschied bekommen wir von der Familie noch Gurke, Tomate, Brot und Käse geschenkt. Unsere Rucksäcke sind nun wieder gut gefüllt und unsere Mägen wenig später auch, da wir zum Mittagessen in Milishevc einkehren. Von dem kleinen Örtchen aus steigen wir über eine Wiese langsam querfeldein den Berg hinauf. Da es mir nicht so gut geht muss Matthias sehr oft auf mich warten und wir kommen nur langsam voran. Der Abstieg geht dann zum Glück deutlich schneller und wir erreichen nach zwei Stunden das Rugave Camp, wo wir uns eine Nacht im Motel gönnen.

Tag 8

Für heute ist eigentlich die Besteigung des Hajla geplant, doch wir wachen beide mit Bauchschmerzen und leichter Übelkeit auf. Da haben wir uns wohl irgendwo den Magen verdorben… Deshalb ist es auch gar nicht so schlimm, dass das für 7 Uhr versprochene Frühstück erst um 8:30Uhr serviert wird. Nach ein wenig Wassermelone und trockenem Brot geht es uns beiden etwas besser und wir beschließen den Aufstieg nach Reke anzugehen und dabei zu schauen, wie weit wir kommen. Der Weg führt auf einer befahrenen Autostraße den Berg hinauf und weit und breit ist kein Schatten in Sicht. Dafür erwartet uns Reke mit eiskaltem Wasser und einer Pause unter einem großem Baum. Sowohl Matthias als auch ich sind sehr geschafft und nutzen die Zeit, um zu schlafen. Nach unserem Mittagsschläfchen verlassen wir Reke und sehen dabei einige der wilden Müllhalden, die wir leider sehr oft zu Gesicht bekommen. Da die Bergdörfer keine Müllversorgung haben kippen die Menschen ihren Müll einfach in die Natur oder in den Fluss. Deshalb nehmen wir unseren Müll den gesamten Trail über mit und entsorgen ihn erst in der Stadt. Am Anfang wollte ich auch noch den anderen Müll sammeln, doch es ist einfach viel zu viel.

Wir setzen unseren Aufstieg fort und wir laufen durch den Wald hinauf bis zu einer großen Wiesenfläche. Der Aufstieg ist für mich wahnsinnig anstrengend und sobald wir oben angekommen sind lasse ich mich unter einen Baum fallen, um ein wenig auszuruhen. Wie schlecht es mir wirklich geht erfahre ich kurze Zeit später, da sich mein Mageninhalt entleert. Müde und total ausgelaugt reiße ich mich zusammen, um den Abstieg bis nach Drelaj zu schaffen. Die Gipfelbesteigung ist damit gestorben und wir laufen langsam und schweigend bergab. Zum Glück ist der Weg wirklich leicht, denn wir sind beide ziemlich fertig. Umso schöner ist das Gefühl beim Erreichen des Gästehauses Shqiponja, in dem uns gemütliche Betten, eine heiße Dusche und leckeres Essen erwartet. Spät am Abend treffen auch noch drei andere Wanderer ein und wir tauschen uns beim Abendessen über unsere Erlebnisse aus. Bei mir ist im Gegensatz zu Matthias der Appetit mittlerweile wieder zurück gekommen und ich esse eine ordentliche Portion, um wieder zu Kräften zu kommen.

Tag 9

Ich wache schon sehr früh auf und als mir bewusst wird, dass wir nur noch zwei Tage bis nach Plav brauchen macht sich große Erleichterung breit. Matthias geht es nämlich immer noch nicht so gut und auch ich bin noch erschöpft von dem gestrigen Tag. Trotzdem entscheiden wir uns fürs weiterwandern und beim Wandern geht es uns beiden etwas besser. Auf Forststraßen führt uns der Peaks of the Balkans hinauf bis Dugaive, welches durch ein kleines Schloss im mittelalterlichen Stil auffällt.

Danach führt uns der Trail leider wieder auf einer Autostraße den Berg hinauf und da es Matthias durch den heißen Aufstieg in der prallen Sonne schlechter geht, beschließen wir das letzte Stück zu trampen. So sparen wir uns ca. eine Stunde wandern an der Straße. Ein Schweizer Pärchen nimmt uns auch recht schnell mit bis Guri i Kuq. Von dort aus folgt ein heißer, steiler Aufstieg bis zum See Liqeni i Kuqishte.

Außer uns sind hier noch sehr viele Einheimische unterwegs, meist nur mit einer kleinen Plastiktüte mit ein paar Dosen Cola und Flip Flops an den Füßen ausgestattet 😀 Am See ist es dann trotz der vielen Menschen, denen wir begegnet sind, sehr leer und Matthias schläft ca. zwei Stunden. Da er leichtes Fieber und Kopfschmerzen hat bauen wir schon früh das Zelt auf und um 19 Uhr schläft er auch bereits. Ich lese dagegen noch zwei Stunden lang und hoffe, dass es ihm morgen besser geht und wir auch noch die letzten Kilometer des Trails schaffen.

 

Tag 10

Durch das frühe Schlafen gehen und das wenige Wandern gestern wachen wir schon früh auf und wandern um 6:30 Uhr an einem zweiten See vorbei den Berg hinauf. So früh morgens ist es noch schön schattig, was sehr angenehm für den steilen Aufstieg ist. Schließlich kommen wir auf einen Wiesenpass, dem höchsten Punkt für heute. Von dort aus haben wir eine tolle Weitsicht, weshalb wir eine lange Pause einlegen. Den ursprünglichen Plan heute Plav zu erreichen haben wir schon längst verworfen und gehen die letzten Tage stattdessen ruhig an. So steigen wir gemächlich bergab und verlieren wieder einmal den Weg :D. Das ist dieses Mal aber nicht ganz so schlimm, da es nur über eine Wiese den Berg hinunter geht. 2d8c12de-0617-4c3f-8ae3-25d479c323d2-1

Die ersten Häuser von Babino Polje sind schon in Sicht und wenig später laufen wir über eine Fahrstraße rein in den kleinen Ort und kehren im Triangle Woodhouse ein. Die deutschsprachige Familie Alija ist zuhause und wir werden mit leckerem Essen versorgt. Besonders die selbstgemachte Limonade aus Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren hat es mir angetan. Aber auch der Rest ist lecker und die Familie ist sehr lieb, weshalb wir insgesamt über drei Stunden dort bleiben. Die Terasse eignet sich perfekt zum Ausruhen und auch der frische Bergtee tut unseren strapazierten Mägen sehr gut. Der Bergtee ist übrigens einfach getrockneter Oregano, wie wir von Agron Alija erfahren. Nach diesem wunderbaren Aufenthalt, den ich euch wirklich nur empfehlen kann, wandern wir auf der Alternativroute hoch zum See.

Diese führt gleich hinter dem Woodhouse entlang und darf von den Gästen genutzt werden. Statt dem Peaks of the Balkans führt uns die Alternativroute im Wald entlang den Berg hinauf und nicht auf der Autostraße. Drei Stunden später lichtet sich der Wald endlich und vor uns erstreckt sich der Bergsee Hridsko jezero, um den sich eine schöne Sage dreht. Es ist bereits früher Abend und wir sind ganz alleine. Ich kann nicht widerstehen, streife die dreckigen Klamotten ab und genieße ein Bad im See. Matthias geht es dagegen leider immer noch nicht so gut, weshalb er den See nicht so ganz genießen kann. Stattdessen bauen wir schnell das Zelt auf, Essen noch eine Kleinigkeit und gehen früh schlafen. Morgen folgt dann unsere letzte Etappe bis nach Plav.

 

Tag 11

Die Nacht am See war einfach traumhaft schön und ruhig. Vor dem Schlafen gehen habe ich noch einige Zeit den Sternenhimmel beobachtet. Auch am Morgen genießen wir noch etwas die Aussicht auf den See und packen schließlich das Zelt und unsere Sachen zusammen, um nach Plav zu wandern. 73829fe5-7158-433c-8d45-c72e54e789e4Im Gegensatz zu den anderen Peaks of the Balkans Etappen steht heute ein blauer (sehr einfacher) Weg an und wir kommen schnell voran. Die meiste Zeit geht es auf gut ausgebauten Wegen den Berg hinunter, bis am frühen Mittag auf einmal Plav vor uns auftaucht. Große Freude aber vor allem auch Müdigkeit machen sich auf den letzten Kilometern bis in die Stadt in mir breit. Wir kaufen noch kurz eine Kleinigkeit zu essen, bevor es auch schon in den Bus Richtung Podgorica geht. Dort steigen wir sofort in einen Bus Richtung Meer um, da wir unsere letzten zwei Tage in Ulcinj verbringen möchten. Jetzt steht nach dem ganzen Wandern also entspannen und ausruhen an… 🙂

 

Alleine auf dem Pacific Crest Trail

Warst du schonmal mehrere Tage ganz alleine Wandern?

Wenn du es bisher noch nicht ausprobiert hast, dann wird es vielleicht einmal Zeit. Denn alleine reisen und insbesondere alleine wandern ist eine wirklich tolle Erfahrung. Deshalb berichte ich dir hier über meine eigenen Erfahrungen und möchte dir ein paar Tipps an die Hand geben, damit diejenigen, die noch zögern, den Mut fassen können um auch einmal alleine loszuziehen.

Meine Erfahrungen vom alleine Wandern:

„Und das hast du dich getraut?“ ist eine der häufigsten Fragen, die ich nach meiner Wanderung auf dem Pacific Crest Trail gestellt bekommen habe. Und ja, ich habe mich getraut, auch wenn es am Anfang nicht ganz einfach für mich war.

Denn als ich bereits nach drei Wochen plötzlich alleine auf dem PCT unterwegs war, war dies ein richtiger Sprung ins kalte Wasser für mich. Da meine Wanderpartnerin Teresa aufgehört hat, war ich auf einmal auf mich alleine gestellt und um ehrlich zu sein, war das im ersten Moment ein ganz schreckliches Gefühl. Mir fiel ein großes Stück Sicherheit weg und zurück blieb eine Menge Angst und Unsicherheit.

Doch ich habe all meinen Mut zusammengenommen und diese Bedenken und Ängste  beiseite geschoben, bin über meinen Schatten gesprungen und habe es einfach gemacht.

Und was soll ich sagen, es war wohl eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe so viele tolle, liebe Menschen kennengelernt, sodass ich eigentlich selten wirklich alleine war. Viele haben sich rührend um mich gekümmert oder mich sogar bei sich aufgenommen. Aber nicht nur das, sondern ich hatte einfach die vollkommene Freiheit und konnte an einem Ort, der mir gut gefallen hat, solange verweilen wie ich nur wollte. Auch die Landschaft und die Natur habe ich deutlich intensiver wahrgenommen, da ich meistens von nichts abgelenkt war und oft einfach nur die Stille genießen konnte.

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Natürlich habe ich auch nicht nur Positives erlebt und so war es für mich bis zum Ende eine kleine Herausforderung mitten in der Wildnis alleine zu zelten. Auch bei den Begegnungen mit wilden Tieren wie z.B. Bären oder beim Trampen habe ich mir oft jemanden an meiner Seite gewünscht.

Trotzdem würde ich es immer wieder tun und ich habe mir fest vorgenommen, jedes Jahr zumindest einmal ganz alleine zu verreisen. Falls du es bisher noch nicht gemacht hast, solltest du es unbedingt mal ausprobieren, denn es ist echt unglaublich, was für tolle Erfahrungen einem das bescheren kann…

Meine Tipps zum alleine Wandern:

Mittlerweile mache ich jedoch einiges anders als auf meiner ersten alleinigen Wanderung und habe ein paar kleine Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Deshalb folgen nun meine Tipps für deine erste Wanderung alleine.

  1. Achtsam sein:

    Das ist wohl der allerwichtigste Punkt. Wenn du alleine unterwegs bist, dann sei sehr aufmerksam. Hör vor allem auf dein Bauchgefühl! Kommt dir etwas seltsam vor oder hast du ein komisches Gefühl dabei, dann hör auf dieses Gefühl und versuche etwas zu verändern oder aus der Situation herauszukommen. Zum Beispiel habe ich einmal einen guten Zeltplatz ausgeschlagen, da ein sehr seltsamer Mann dort bereits sein Nachtlager aufgeschlagen hat und mir die Situation nicht ganz geheuer war. Dann doch lieber noch paar Meilen weiter Wandern!

  2. Spot:

    Der Spot ist ein wahrer Segen für Alleinwanderer*innen. Mit diesem kleinen Helfer kannst du Hilfe rufen, wenn du verletzt bist oder du dich in einer Notsituation befindest. Zudem können Familie und Freunde deine Wanderung mitverfolgen und sehen, wo du dich befindest, wenn du deine Wanderung trackst. Auch kurze Nachrichten kannst du deinen Liebsten dadurch zukommen lassen. Das Ganze funktioniert mithilfe von GPS / Satelliten, weshalb der Spot sehr nützlich ist, wenn das Handy mal keinen Empfang hat.

  3. Bärenspray:

    Das lässt sich nämlich nicht nur gegen Bären, sondern in Notfall auch gegen andere Tiere oder sogar Menschen einsetzen. Mittlerweile hat es einen festen Platz in meinem Rucksack (natürlich schnell und leicht erreichbar im Notfall).

  4. Trillerpfeife:

    Bei einer Verletzung oder einer Gefahr können dadurch andere Menschen in der Nähe auf dich aufmerksam werden. Zudem lassen sich damit auch sehr gut Bären verscheuchen, das habe ich ja bereits selbst getestet.

  5. Alleine Trampen:

    Beim Trampen solltest du auf gar keinen Fall bei jedem ins Auto einsteigen. Schau dir die Person, mit der du trampen willst, vorher genau an. Ich habe am liebsten  mit Pärchen, Familien oder Frauen getrampt. Mache auch gerne Fotos vom Nummernschild und von dem Ausweis der Person, die dich mitnimmt, um auf Nummer sicher zu gehen.

    Falls du kein gutes Gefühl hast: Steigt nicht ein! Such dir lieber eine Ausrede und sag z.B., dass du doch noch kurz auf einen Freund wartest, um mit dem zu trampen oder irgendetwas anderes. Behalte euer Gepäck außerdem immer bei dir. Denn es ist schon vorgekommen, dass Autos mit dem Gepäck von Wandernden im Kofferraum einfach abgehauen sind.

  6. Alleine Zelten:

    Das habe ich ja versucht bestmöglich zu umgehen, doch alleine Zelten kann auch sehr schön sein, wenn du einige Punkte beachtest. Da ist natürlich als erstes die Wahl des Zeltplatzes wichtig. Schlaf am besten nicht nah an einer Stadt oder einer Straße und auf keinen Fall auf einer der Dirt Roads, die es in Amerika so oft gibt. Denn dort fahren nachts oft Autos und in der Dunkelheit kann man so ein Zelt mit dir drin schnell übersehen. Auch an steilen Klippen oder in ehemaligen Waldbrandgebieten kann es gefährlich werden.

    Daher bevorzuge ich beim Campen große weite Flächen oder geschützte Stellen im Wald. Ich habe außerdem mit Ohrstöpseln geschlafen und zum Einschlafen immer noch ein Hörbuch gehört. Wieso? Weil ich sonst bei jedem kleinen Geräusch aufgewacht bin. Außerdem hat mir mein Zelt echt geholfen, da drin habe ich mich relativ sicher gefühlt und habe mir immer wieder gesagt, dass da keiner reinkommen kann und mir im Zelt nichts passieren kann.

  7. Fang klein an:

    Es muss ja nicht gleich der Pacific Crest Trail sein 😉 Wie wäre es erstmal mit einer Tagestour alleine?! Anschließend dann vielleicht mal mehrere Tage mit Übernachtung und als nächste Stufe dann mehrere Wochen. So tastest du dich langsam an das alleine Wandern heran und musst nicht gleich ins kalte Wasser springen.

  8. Orientierung:

    Wenn du alleine unterwegs bist, nimmst du am besten ein GPS Gerät oder Offline Karten als auch ausgedruckte Karten und einen Kompass mit. Lerne vor deiner Tour den Umgang damit, denn wenn das Handy mal nicht funktioniert, können diese sehr wichtig werden. Auch meines war zwischendurch kaputt, sodass ich einige Tage ohne Handy auskommen musste. Auf dem Oregon Coast Trail haben mir dann ganz klassische Karten sehr geholfen.

    Auch die Zeitplanung ist neben der Orientierung sehr wichtig, daher solltet ihr eure Etappen sinnvoll planen. Denn alleine im Dunkeln zu wandern ist nochmal eine viel größere Gefahr als am Tag unterwegs zu sein. Plant die Etappen und Pausen also am besten so, dass ihr bei Helligkeit das Camp erreicht.

  9. Kontaktperson:

    Es ist sehr sinnvoll eine Kontaktperson in eurer Heimat zu haben, die du regelmäßig über den Stand deiner Reise und deine weiteren Pläne informierst. Auf dem Pacific Crest Trail habe ich regelmäßig meine Eltern kontaktiert und mit ihnen meinen weiteren Reiseverlauf besprochen.

    So konnten sie diesen von zuhause aus nachverfolgen und wussten wann ich ungefähr das nächste Mal in einer Stadt sein sollte. Allerdings kann ich dir nur den Tipp geben deine Kontaktperson vorher darüber zu informieren, dass es je nachdem wo du unterwegs bist, auch mal einige Tage kein Handynetz geben kann.

  10. Motivationsliste: 

    „Wieso mache ich das überhaupt?“ Genau auf diese Frage habe ich mir vor meiner Wanderung Antworten überlegt und aufgeschrieben. Wenn diese Frage auf dem Trail früher oder später aufkommt, lese ich mir einfach meine Liste mit den Antworten durch. Das gibt mir immer neue Motivation und führt mir den Sinn des Ganzen wieder vor Augen. Als Teresa aufgehört hat, habe ich diese Liste um Gründe ergänzt, wieso ich alleine weiter wandere und was ich daran gerne mag.

Deswegen warte nicht zu lange, sondern probiere es einfach mal aus. Du kannst extrem stolz auf dich sein, wenn du deine Angst überwunden hast und alleine losgezogen bist.

Wo warst du schonmal alleine unterwegs? Was für Erfahrungen hast du gemacht? Lass mir gerne einen Kommentar dar, ich freue mich darüber.

 

Mein Rucksack – Osprey Sirrus 50

img_3429Den Osprey Sirrus 50 habe ich ein halbes Jahr lang, auf meiner Wanderung auf dem Pacific Crest Trail getestet. 160 Tage lang habe ich in ihm meine gesamte Ausrüstung getragen.

Preis: 

Der Osprey Sirrus 50 kostet ca. 170 Euro. Damit liegt der Rucksack im mittleren Preissegment und das Preis Leistungs Verhältnis ist einfach top.

Gewicht: 

Ohne die Regenhülle wiegt der Rucksack 1440g. Die Regenhülle wiegt zusätzlich nochmal 180g und ist in dem oben genannten Preis mit inbegriffen.

Maße:

  • Volumen: 50 Liter
  • Breite: 35cm
  • Höhe: 68cm
  • Tiefe: 32 cm

Ausstattung: 

  • Seitentaschen aus Netz: für Wasserflaschen
  • zwei Deckeltaschen, eine größere und eine kleinere
  • separates, großes Bodenfach
  • Hüftgurt mit zwei Hüftgurttaschen
  • Brustgurt
  • Stockhalterung
  • Regenhülle
  • Tragesystem
  • Trinksystem kompatibel
  • Notsignalpfeife

Funktionalität:

Das Tragesystem vom Osprey Sirrus 50 hat mir sehr gut gefallen. Das Rucksackgewicht wird durch den Hüftgurt auf die Hüfte verlagert, wodurch die Schultern sehr entlastet werden. So war es zumindest am Anfang, denn dadurch das ich auf dem Weitwanderweg immer mehr abgenommen habe hat leider auch der Hüftgurt irgendwann nicht mehr gepasst und ich hatte mit starken Rückenschmerzen zu kämpfen. Als Notlösung habe ich ein Stück Schaumstoffmatte an dem Hüftgurt befestigt. Nächstes Mal würde ich jedoch einen Rucksack mit einem verstellbaren Hüftgurt wählen.img_0116

Mit der Fächeraufteilung des Rucksacks war ich hingegen sehr zufrieden. Es gibt ein kleines Bodenfach, welches ich für Kleidung oder Schlafsack genutzt habe. Im Rucksack selbst befindet sich eine Tasche für eine Wasserblase und es ist genug Platz für eine ganze Campingausrüstung. Der OspreySirrus50 lässt sich nicht nur von oben öffnen, sondern besitzt vorne auch einen großen Reißverschluss, sodass ich auch an Sachen unten im Rucksack leicht rangekommen bin, ohne gleich alles auspacken zu müssen. Das war wirklich super praktisch.

Das Deckelfach des Rucksacks gliedert sich nochmals in zwei Fächer, wo wirklich allerhand reinpasst. Dort habe ich meistens Dinge aufbewahrt, an die ich schnell dran musste, wie z.B mein erste Hilfeset. Am meisten haben mich jedoch die Seitentaschen am Hüftgurt überzeugt. Die waren einfach perfekt für die Aufbewahrung von Handy und einem Schokoriegel.img_3142-1

Regendichte:

Der Rucksack besitzt eine integrierte Regenhülle, die bei Regen einfach über den Rucksack gezogen werden kann. Bei leichtem Regen ist diese vollkommen ausreichend und der Rucksack bleibt trocken. Regnet es jedoch über mehrere Tage hilft auch die Hülle nicht mehr viel und es ist sinnvoller das Gepäck zusätzlich noch in wasserdichten Packsäcken zu verstauen. Da ich nur selten Regentage auf dem Pacific Crest Trail hatte, habe ich die Hülle nach einiger Zeit aussortiert.

Fazit:

Der Rucksack hat mich zum großen Teil überzeugt und ich war sehr zufrieden mit ihm. Er war mir ein treuer Begleiter auf meiner Wanderung und besonders das Tragesystem hat mich voll überzeugt. Denn selbst wenn ich viel Wasser dabei hatte war der Rucksack noch angenehm zu tragen. Auch die Taschenaufteilung ist gut durchdacht, denn es gibt viele kleine einzelne Taschen, sodass ich genug Platz hatte um alles ordentlich zu verstauen.

Der einzige Punkt der mir an dem Rucksack nicht so gut gefällt, ist der Hüftgurt. Denn obwohl ich extra das Frauenmodell gewählt habe wurde mir dieser schnell zu groß, wodurch meine Schultern das Gewicht des Rucksacks tragen mussten, was manchmal sehr weh getan hat. Daher möchte ich nun auf den Liteway Elementum sparen und diesen auf meiner nächsten langen Wanderung ausprobieren. Der hat zwar kein Tragesystem, ist aber leichter und hat vor allem engere und austauschbare Hüftgurte.

 

Vorbereitung – Stubaier Höhenweg

Strecke:

Der Weg ist ca. 100km lang und bei der Wanderung werden ungefähr 8000hm überwunden.

Weg:

Der Stubaier Höhenweg ist als schwarzer, also als schwerer Wanderweg ausgezeichnet. Er führt durch alpines Gelände und da auch kurze Kletterpassagen überwunden werden müssen, ist Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine Grundkondition wichtige Voraussetzung. Gletscher müssen jedoch keine überquert werden.

Wanderzeit:

Am besten lässt es sich Anfang Juli bis Ende September wandern, da die Hütten im diesem Zeitraum geöffnet sind und die Wetterverhältnisse am besten sind. Natürlich ist auch zu dieser Jahreszeit mit Schnee und einem Kälteeinbruch zu rechnen, da der Weg auf 2000-3000hm verläuft.

Etappen:

Die Etappen habe ich mithilfe des Rother Wanderführers geplant. Insgesamt werde ich neun Tage unterwegs sein. Start und Endpunkt ist dabei Neustift.

Unsere Etappen sehen wie folgt aus:

1. Neustift – Innsbrucker Hütte

2. Besteigung des Habichts

3. Innsbrucker Hütte – Bremer Hütte

4. Bremer Hütte – Nürnberger Hütte

5. Nürnberger Hütte – Sulznau Hütte

6. Sulznau Hütte – Neue Regensburger Hütte

7. Pause auf der Neuen Regensburger Hütte wegen Schnee

8. Neue Regensburger Hütte – Franz Senn Hütte

9. Franz Senn Hütte – Starkenburger Hütte

10. Starkenburger Hütte – Neustift

Schlafen:

Auf dieser Wanderung bleibt mein Zelt leider mal zuhause und ich werde in Hütten schlafen. Diese habe ich bereits im Voraus gebucht, da es besonders zum Wochenende auch mal voll werden kann.

Verpflegung:

Ich werde mir für morgens und mittags Essen mitnehmen und nur abends auf der Hütte essen. Ansonsten ist es mir einfach zu teuer. Was ich dabei so esse werdet ihr dann in den nächsten Tagen sicher mal wieder zu sehen bekommen 😉

Infos:

Ich kann euch den Rother Wanderführer und die Website des Stubaier Höhenwegs für die Planung und weitere Informationen sehr empfehlen.

Stubaier Höhenweg

Tag 1

Heute beginnt die Wanderung auf dem Stubaier Höhenweg. Es geht also früh morgens mit Bus und Bahn auf nach Neustift. Erst am späten Nachmittag laufen Jana und ich los und beginnen den Aufstieg zur Innsbrucker Hütte. Noch gut 4 1/2 Stunden Wandern liegen vor uns. Dabei müssen 1400 Höhenmeter geschafft werden und es geht auch direkt steil hinauf. Zu Beginn ist es noch sehr heiß und zum Glück ist der Weg großteils von Schatten bedeckt. Später fängt es dann sogar noch an zu regnen und es kühlt deutlich ab. Das macht den Aufstieg viel angenehmer. Die Pause verbringen wir dann auch unter einem Baum, während es mittlerweile in Strömen schüttet. Doch unter dem Baum sind wir gut geschützt und es ist sogar richtig gemütlich.

Bis zur Pinnisalm führt die Strecke dann über eine breite, gut ausgebaute Straße. Dieses Stück kann auch mithilfe des Pinnisalm Shuttle abgekürzt werden. Ab der Pinnisalm geht es auf einem kleinen Wanderweg steil hinauf zur Innsbrucker Hütte. Dabei haben wir bereits einen tollen Blick auf die Berge. Als wir den Sattel zur Innsbrucker Hütte überwinden, erstreckt sich vor und das gesamte, wunderschöne Bergpanorama.

 

Die Hütte ist mit 130 Plätzen relativ groß und auch schon gut gefüllt. Im Matratzenlager finden wir zum Glück noch zwei Plätze nebeneinander. Danach geht es zum Essen in den gemütlichen Gastraum und es gibt die typische deftige Bergsteigerkost, bestehend aus Käsknödel und Bratkartoffeln mit Ei. Wenig später quetschen wir uns in das mittlerweile sehr volle Lager. Die Nacht verbringe ich zum großen Teil wach Schulter an Schulter mit anderen Wanderern. Typisches Hüttenleben also 😀

Tag 2 

Als der Wecker um 6 Uhr klingelt bin ich noch ziemlich müde. Dennoch bin ich sehr motiviert, da die Besteigung des 3277m hohen Habicht ansteht. Von der Innsbrucker Hütte sind dafür ca. 900hm zu erklimmen. Diese erweisen sich als sehr steil und anspruchsvoll. Oft ist der Weg ausgesetzt und viele Stellen sind mit Drahtseilen gesichert.

 

Bei dem Aufstieg haben wir bereits eine tolle Aussicht und wenn auch langsam steigen wir immer höher. Besonders die letzten Meter werden nochmal richtig anstrengend. Das Atmen fällt doch ein wenig schwer und ich merke wie müde und erschöpft ich bin. Die Freude endlich am Gipfel zu stehen ist wenig später umso größer und wir schießen das obligatorische Gipfelfoto.

 

Danach wird die traumhafte Aussicht genossen. Wir haben heute wirklich Glück mit dem Wetter und können in weiter Ferne viele andere Gipfel erkennen. Darunter sollen sogar Watzmann und Dachstein zu sehen sein. Lange halten wir es oben jedoch nicht aus, denn es ist eisig kalt. Selbst dick eingepackt mit Daunenjacke friere ich und so beginnen wir den Abstieg. Der zieht sich gewaltig in die Länge und an manchen Kletterstellen ist mittlerweile so viel los, dass wir warten müssen, um diese zu passieren. An der Innsbrucker Hütte angekommen gönnen wir uns als Belohnung einen Kaiserschmarren und eine kalte Dusche. Den restlichen Nachmittag verbringen wir auf der Terrasse mit Lesen, Reden und Sonnen, sofern die denn mal scheint. Und heute Abend haben wir mal richtig Glück: wir haben das Matratzenlager ganz für uns alleine. Besser geht es ja wohl mal gar nicht.

Tag 3

Gut ausgeschlafen starten wir in unseren dritten Wandertag. Nach einem kleinen Frühstück beginnen wir den Aufstieg zum Sendesgrad auf ca. 2540hm. Das ist für heute auch schon der höchste Punkt. Anschließend führt uns der Weg rauf und runter, vorbei an fantastischen Ausblicken auf die Stubaier Alpen.

 

Wir kommen zügig voran und treffen am Mittag auf viele Wanderer, die uns entgegen kommen. Es sind doch einige unterwegs, wobei der Weg längst nicht so überlaufen ist wie die Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran. Heute bekommen wir auch einige Tiere zu Gesicht, darunter Schafe, Gämse, Murmeltiere und einen schwarzen Salamander.
Da wir bereits am frühen Vormittag die Hälfte des Weges geschafft haben, machen wir eine lange Pause an einem schönen, kleinen Bergsee. Als wir wieder losgehen passiert es dann: ich passe einen kleinen Moment nicht auf und knicke mit dem linken Fuß um. So schnell kann es gehen… Der Fuß tut zwar ein wenig weh aber bis zur Bremer Hütte schaffe ich es auf jeden Fall noch. Wie es dann weitergeht möchte ich erst später entscheiden. Das Laufen funktioniert auf jeden Fall noch erstaunlich gut, solange ich möglichst gerade auftrete und den Fuß nicht viel verdrehe. Daher entscheiden wir uns auch für den kürzeren Weg zur Bremer Hütte, welcher über einen kleinen Klettersteig (Kategorie B) führt. Der Stubaier Höhenweg führt stattdessen zunächst ins Tal und man verliert so einige Höhenmeter. Das kurze Kletterstück macht uns beiden dann auch ziemlich Spaß und wir sind froh uns für diese Variante entschieden zu haben. Zusätzlich haben wir von dort einen ganz besonders schönen Ausblick ins Tal. img_3710
Kurze Zeit später erreichen wir auch schon unser heutiges Ziel, die Bremer Hütte. Es ist noch sehr früh und ich nutze die Zeit, um meinen Fuß zu kühlen und hochzulegen. Ohne die Stütze des Wanderschuhs fällt mir das Laufen leider ein wenig schwerer und ich hoffe, dass es morgen früh besser klappt…

Tag 4

In der Nacht tut leider immer noch mein Knöchel weh. Doch als ich an diesem Morgen aufstehe, ist es schon deutlich besser als am vorherigen Tag und ich möchte zumindest versuchen weiterzuwandern. Das klappt dann auch erstaunlich gut und wir meistern schnell den Aufstieg zum Simmingjöchl.
Der Weg ist zunächst recht leicht und erst zum Ende hin müssen wir ein wenig klettern. Hoch oben gibt es dann erstmal eine Frühstückspause bevor der Abstieg Richtung Nürnberger Hütte folgt. Wir kommen an einem wunderschönen Hochmoor vorbei und genießen die Stille.

Die ist vorbei als wir ca. eine Stunde später die Hütte betreten, denn da schallt uns laut Weihnachtsmusik entgegen. Das ist doch super, in meinem Sommerurlaub bekomme ich Weihnachtslieder zu hören 😀 Da fehlt ja eigentlich nur noch der Schnee… Wir erkundigen uns kurz nach dem Wetter und entscheiden uns auch noch die zweite Etappe bis zur Sulzenau heute zu wandern. Dafür steigen wir wieder einmal steil hinauf zum Niederl. Das letzte Stück ist ziemlich ausgesetzt und wir klettern über die Felsen hinauf. Von oben haben wir eine tolle Aussicht in die beiden Täler. Doch leider ziehen am Himmel dunkle Wolken auf und wir beginnen schnell den Abstieg. Zunächst wird wieder geklettert und mithilfe von am Berg befestigen Drahtseilen steigen wir hinab. Zum Ende hin wird der Weg einfacher und kurz vor der Hütte – am Grünausee – machen wir unsere Mittagspause.

Bei mir gibt es Nudelsuppe, die ich kurz auf meinem Kocher erwärme. Gut gestärkt laufen wir die letzten Kilometer zur Hütte und kommen noch gerade vor dem Regen an. Und auch heute haben wir Glück, denn zu Beginn haben wir das Matratzenlager ganz für uns alleine. So verbringen wir einen gemütlichen Nachmittag mit Reden, Lesen und Schokolade naschen. Ich finde es schön endlich mal wieder zum Lesen zu kommen, da es im Alltag manchmal einfach viel zu kurz kommt. Und so beende ich nicht nur das Buch „In eisigen Höhen“, sondern schaffe auch noch einige Seiten in „Picknick mit Bären“. Mein Kindle möchte ich beim Wandern wirklich nicht mehr missen. Der Tag endet mit einem Abendessen in der Hütte und einer kleinen Spielerunde.

Tag 5

Für heute ist leider schlechtes, aber zumindest beständiges Wetter angesagt. Das heißt es regnet den ganzen Tag. Für Jana ist das heute die letzte Etappe. Sie wandert nur bis zur Dresdner Hütte und steigt morgen von dort nach Neustift ab. Da für morgen noch schlechteres Wetter und sogar Schnee angesagt ist, entscheide ich mich dazu auch die heutige Etappe zu doppeln. Somit ist mein neues Tagesziel die Neue Regensburger Hütte.
Doch zunächst starten wir noch gemeinsam bei ziemlich schlechtem Wetter und so gut wie gar keiner Sicht. Wir überqueren das Peiljoch, auf dem viele Steinhaufen aufgebaut sind. In Kombination mit dem bewölkten Himmel wirkt das Ganze ein wenig mystisch.

 

Wir verweilen jedoch nicht lange, da es einfach zu kalt ist, um eine lange Pause zu machen. Der Abstieg entpuppt sich als sehr angenehm, denn die Steine sind treppenförmig angeordnet, wodurch wir ziemlich schnell zur Dresdner Hütte gelangen. Dort frage ich den Hüttenwirt nach dem Wetter. Auch er ist sich nicht sicher und so beschließe ich nach langer Beratschlagung den Aufstieg zur Neuen Regensburger Hütte zu versuchen. Falls das Wetter doch zu schlecht ist werde ich einfach wieder absteigen. Ich verabschiede mich von Jana und breche alleine auf. Es ist irgendwie schön und seltsam zugleich wieder alleine unterwegs zu sein. Ich habe den PCT in den letzten Monaten doch sehr vermisst und es fühlt sich ein wenig wieder so an wie damals. Andererseits vermisse ich auch die Gespräche, das Singen und Lachen mit Jana und besonders vor den Abenden alleine auf der Hütte habe ich sogar ein wenig Angst. Während dem langen Aufstieg zum Grawagrubennieder begegne ich keinem Menschen. Erst beim Abstieg sehe ich weiter vorne vier Wanderer. Der Abstieg gestaltet sich als sehr schwierig, da er über ein loses Steinfeld erfolgt. Die Steine sind sehr locker und mithilfe eines langen Seils klettere ich ganze langsam hinab. Der Regen hat sich mittlerweile zu einem Schneeregen entwickelt, weshalb mein Handy im Rucksack bleibt und ich keine Bilder mehr mache. Ich konzentriere mich viel mehr darauf das Geröllfeld sicher zu durchqueren und die Hütte zu erreichen. Die vier anderen Wanderer hole ich kurz vor der Hütte ein und mit ihnen zusammen laufe ich durch ein sehr matschiges Moorgebiet zur Hütte. Die Sicht hat sich weiter verschlechtert und ich bin heilfroh als wir in der warmen Hütte ankommen. Es ist sogar noch recht leer und so kann ich mir einen Platz im Hochbett sichern. Ich lerne auch direkt einen anderen Wanderer namens Jan kennen und wir quatschen etwas und essen später gemeinsam zu Abend. Heidi, die im selben Zimmer schläft, gesellt sich auch noch dazu und es wird ein richtig gemütlicher und schöner Tagesabschluss.

Tag 6

Es hat geschneit…

Das bedeutet für mich ein Ruhetag auf der Hütte. Dadurch, dass ich einige Etappen gedoppelt habe, kann ich mir den auch mit gutem Gewissen gönnen. Bei dem Schnee würde ich auch wirklich nicht wandern wollen und so verbringe ich einen sehr entspannten Tag in der Neuen Regensburger Hütte. Heidi bleibt auch noch eine weitere Nacht in der Hütte und so bin ich auch nicht ganz alleine. Der Tag ist gefüllt mit Reden, Essen und mal wieder ganz viel Lesen. Zum Glück habe ich mir genügend Bücher heruntergeladen. Denn ich beende heute „Picknick mit Bären“ und kann direkt „Die geheimnisvolle Insel“ weiterlesen. Die meisten anderen Wanderer steigen ins Tal hinab, fahren das Stück mit dem Bus und steigen zur nächsten Hütte auf. So kommt es, dass bereits am Nachmittag die ersten von Ihnen eintreffen. Damit ist Schluss mit der Stille in der Hütte und zusammen mit drei anderen Jungs spielen Heidi und ich Mau Mau. Nach dem Abendessen gesellen sich zwei Australier zu der Spielerunde dazu und es wird ein sehr lustiger Abend. Der Ruhetag hat mir sehr gut getan und ich freue mich schon darauf morgen wieder weiterzuwandern. Während dem Tagesverlauf ist der Schnee auch bereits deutlich geschmolzen und ich sollte die nächste Etappe morgen früh gut meistern können.

Tag 7

Wie bereits gestern erwartet, sieht es heute morgen schon deutlich besser aus. Der Schnee rund um die Hütte (auf ca. 2200hm) ist geschmolzen und der Himmel ist klar und legt eine wunderschöne Aussicht frei. Sogar der Habicht ist gut erkennbar und wird von der Morgensonne angestrahlt.

 

Die heutige Etappe startet gemächlich und gibt mir genügend Zeit, um richtig wach zu werden. Es geht zunächst sehr langsam, mit nur wenig Steigung den Berg hinauf. Selbst die Schafe sind um diese Uhrzeit noch nicht wach und haben es sich auf und neben dem Wanderweg gemütlich gemacht.
Erst als ich komme stehen die meisten auf und geben den Weg frei. Nur vier Schafe scheinen das wohl leider nicht ganz zu verstehen und laufen eine ganze Weile vor mir her.

 

So geht es eine Zeit lang den Berg hinauf, bis die Schafe dann doch genug vom Wandern haben und den Weg freigeben. Ich muss noch weiter hinauf und mit der steigenden Höhe kommt auch wieder der Schnee. Der Boden und besonders die Steine sind vereist und ich muss sehr aufpassen, um nicht auszurutschen. Dennoch komme ich gut voran und überquere schon bald den Sattel.

 

Für den Abstieg lasse ich mir mehr Zeit und passe noch genauer auf. Dabei begegne ich auch den ersten anderen Wanderern, die mir entgegenkommen. Ich unterhalte mich mit einigen und mache eine lange Frühstückspause, ich habe schließlich eine Menge Zeit. Trotzdem bin ich viel zu früh an der Franz Senn Hütte und muss mich noch zwei Stunden gedulden, bis ich ins Lager kann. Die Zeit nutze ich für eine heiße Dusche, die hier tatsächlich kostenlos und zeitlich unbegrenzt sind. Das nenne ich mal einen Luxus. Frisch geduscht lege ich mich etwas in die Sonne und lasse meine Haare trocknen. Da es hier sogar WLAN gibt schaffe ich es auch mal wieder zu bloggen und Nachrichten zu beantworten.

Tag 8

Meine Wanderung auf dem Stubaier Höhenweg nähert sich dem Ende und heute bricht tatsächlich schon der letzte Tag an. Ich starte wie immer sehr früh und genieße mein Frühstück in den ersten Sonnenstrahlen am Berg. Der Weg führt mich den Berg hinauf bis zur Seducker Hochalm. Dort gönne ich mir eine Pause und ein leckeres Stück Apfelstrudel. Der Hüttenwirt hat ihn gerade erst aus dem Ofen genommen und mein Stück ist sogar noch warm. Er gesellt sich auch gleich zu mir und wir reden über Gott und die Welt.
So gut wie der Morgen begonnen hat geht es auch weiter. Das Wetter ist wunderschön und ich wandere unter strahlend blauem Himmel den Berg hinauf. Heute nehme ich mir nochmal richtig viel Zeit, um zu genießen. Als ich oben bin mache ich zwei Stunden Pause, in der ich esse, lese und die tolle Aussicht bewundere.

 

Über mir ziehen immer mal wieder Gleitschirmflieger hinweg und es ist einfach nur unglaublich entspannend alleine am Berg zu sitzen.
Das ist wieder einer der Momente, in denen ich froh bin alleine unterwegs zu sein. Denn auch wenn das bedeutet, dass ich öfter mal meine eigene Komfortzone verlassen muss, ist es für mich doch meistens eine riesige Bereicherung. Denn dadurch werde ich selbstsicherer, lerne so viele neue liebe Menschen kennen und nehme manche Momente einfach deutlich intensiver war.


Nach meiner langen Pause beginne ich schließlich den Abstieg. An felsigen Bergen vorbei geht es auf einem schmalen Pfad, immer am Berg entlang, zur Starkenburger Hütte. Dort beziehe ich das schöne und helle Matratzenlager und setze mich danach mit einer Gruppe von Holländern auf die Terrasse. Wir kommen sofort ins Gespräch und tauschen uns über bisherige Wanderungen aus. Später kommt noch das australische Ehepaar dazu, welches ich auch öfter beim Wandern getroffen habe. Es wird wieder viel gelacht und erzählt und der Abend und vor allem die Beendigung des Stubaier Höhenwegs wird genossen und gefeiert.

Spendenlauf

Nun ist es beinah schon ein Jahr her, seitdem es für mich nach Amerika ging und ich meine Wanderung auf dem Pacific Crest Trail begonnen habe. Das ich tatsächlich bis nach Kanada komme habe ich damals jedoch noch nicht gedacht. Dennoch habe ich es geschafft und mir dadurch einen sehr großen, langersehnten Traum erfüllt.

Doch da war ja noch etwas. Denn ich wollte ja auch noch anderen Menschen dabei helfen, ihre Träume zu verwirklichen und habe meine Wanderung deshalb genutzt, um Spenden für die Kinderabteilung des Deutschen Rollstuhlverbandes zu sammeln.

Ich möchte mich für alle eingegangenen Spenden ganz herzlich bedanken. Damit habt ihr mich und mein Projekt wirklich sehr unterstützt und ich bin euch unglaublich dankbar dafür. Wir haben insgesamt 1078€ sammeln können und das Geld ist den Rollikids bereits zu Gute gekommen.  Dank den gesammelten Spenden konnten sogar zwei Projekte verwirklicht werden und mit dem Geld wurde eine Schwimmgruppe eröffnet und ein Selbstbehauptungskurs organisiert.

In der Schwimmgruppe haben acht Kinder die Möglichkeit schwimmen zu lernen, wobei ihnen eine Einzelbetreuung zu Gute kommt. Dadurch machen einige der Kinder schnelle Fortschritte und können sich den Traum, schwimmen zu lernen, erfüllen. Zwei der Kinder haben sogar schon das Seepferdchen gemacht und die meisten haben sehr viel Freude daran.S75_8390.jpg

IMAG0288-01.jpegDie Selbstbehauptungsgruppe ist ein Projekt was mir besonders am Herzen liegt, da ich es unglaublich wichtig finde, dass Kinder die Grundlagen der Selbstbehauptung lernen und sich so in gefährlichen Situation zu wehr setzen können. Zudem soll auch das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt und aufgebaut werden. Der Kurs findet an zwei Samstagen statt und ermöglicht 13 Kindern die Teilnahme. An einem der Termine war ich selbst dabei und habe mir einmal angeschaut, was wir durch unsere Spenden erreicht haben. Und ich war absolut begeistert, denn die Kinder haben so viel Spaß an dem Kurs und sind mit einer Kraft und Freude dabei, die mich volkommen überrascht hat. Neben praktischen Übungen, um sich im Alltag wehren zu können spielt auch das „Nein-Sagen“ und die innere Stärke eine sehr wichtige Rolle in dem Kurs. Da mir auf meiner Wanderung auch einiges an Stärke abverlangt wurde, habe ich den Kindern ein wenig darüber erzählt. Als ich die Bewunderung und Begeisterung der Kinder gemerkt und ihre vielen Fragen beantwortet habe, war ich wirklich gerührt.Bild Selbstbehauptungskurs.jpg

Und es gibt noch mehr tolle Neuigkeiten:

Vor kurzem war ich bei RPR 1 zu Gast und habe bei Rainer Meutsch über meine Wanderung auf dem Pacific Crest Trail berichtet. Wer sich das Ganze anhören möchte, sollte diesen Sonntag, am 1.4.2018 ab 10 Uhr das Radio angeschaltet haben oder das ganze im Webradio (https://www.rpr1.de/webradio/rpr1-live) verfolgen.

Das ist aber immer noch nicht alles:

Denn Ende dieses Jahres, genauer gesagt am 9.11.2018, halte ich beim Deutschen Alpenverein in Köln ein Vortrag über meine Wanderung. Da nur begrenzt Plätze verfügbar sind (ich halte einfach nicht gerne Vorträge vor riesigen Gruppen 😉 ), bitte ich für diejenigen die kommen möchten, um eine Reservierung unter: https://www.dav-koeln.de/cgi-bin/oam.cgi?8829&&ag&oal&atn&&&&11:47:44&&

Mein Zelt – Das MSR Hubba NX

Dieses Zelt wurde fünf Monate lang ausgiebig von mir getestet und war in dieser Zeit mein kleines Zuhause. Daher kommt hier ein kleines Review, über das MSR Hubba NX

Preis:

Der Preis des MSR Hubba NX beträgt im Durchschnitt bei ca. 400 Euro. Damit liegt es im mittleren Preissegment. Wenn man nach Angeboten schaut, kann man das Zelt aber auch deutlich günstiger bekommen. Bei Amazon ist das Zelt derzeit für ca. 300 Euro im Angebot.

Gewicht:

Wenn man wirklich nur das wichtigste bei dem Zelt mitnimmt ergibt sich ein Gesamtgewicht von 1170g.

  • Innenzelt: 390g
  • Außenzelt: 374g
  • Stangen: 340g
  • 8 Heringe: 74g

Maße:

Das MSR Hubba NX ist ein Ein-Personen Zelt, wobei es eher für kleinere Personen geeignet ist. Bis zu einer Größe von 1,65m passt man problemlos zusammen mit dem Rucksack in das Zelt, danach könnte es etwas eng werden.

  • Breite: 76cm
  • Länge: 216cm
  • Höhe: 91cm

Aufbau:

Der Aufbau vom Zelt ist wirklich kinderleicht und selbst für mich als Camping Neuling war es sehr einfach. Durch das praktische Ein- Gestänge- System müssen die Stangen nur noch zusammengesteckt werden.

Das Besonders tolle an dem Zelt ist, dass es freistehend ist und ich, wenn es mal nicht gerade stürmt, keine Heringe brauche. Das hat mir so einiges erleichtert und ich konnte auf wunderschönen Felsen und harten Böden problemlos mein Zelt aufbauen.

Bei schönem Wetter habe ich zudem oft nur das Innenzelt als Mückenschutz aufgebaut und hatte so, durch das Netz einen tollen Ausblick, auf Sonnenuntergang oder Sternenhimmel.

Beim Aufbau von Innen- und Außenzelt schaue ich als Hilfestellung auf die Ecken des Zeltes. Diese sind nämlich farblich aufeinander abgestimmt, sodass sich der Eingang am Ende auch auf der richtigen Seite befindet.

Am Ende habe ich nur  sogar unter fünf Minuten gebraucht, um das gesamte Zelt aufzubauen.

Zeltunterlage:

Auch diese kann ich nur wärmstens empfehlen. Obwohl das MSR Hubba NX Footprint mit ca. 40 Euro nicht gerade preiswert ist und somit nochmal 150g mehr Gewicht im Rucksack sind habe ich die Mitnahme der Zeltunterlage keinen Tag lang bereut. Denn durch die Zeltunterlage ergibt sich eine neue Aufbaumöglichkeit, die besonders bei Regen ein großer Vorteil ist. Diese ermöglicht es, zunächst das Außenzelt aufzubauen und das Innenzelt dann einfach einzuhängen. Dadurch bleibt das Innenzelt trocken, was ein riesiger Vorteil bei tagelangem Regen ist.

Regendichte:

Außenzelt:
20D Rispstop Nylon, mit Durashield Beschichtung – 1200mm Wassersäule.

Innenzelt:
20D Ripstop Nylon, 15D Micro-Mesh Nylon

Boden:
30 D Ripstop Nylon mit Durashield Beschichtung – 3000mm Wassersäule

Bei der Wassersäule hatte ich vor dem Kauf des MSR Hubba NX so meine Zweifel, da ich bisher nur in Zelten mit einer höheren Wassersäule geschlafen habe und Angst hatte das es mehreren Tagen Regen nicht stand halten könnte. Zum Glück war dem aber nicht so. Damit das Zelt von innen auch wirklich trocken bleibt muss es zwar gründlich abgespannt werden aber dann sind auch starke Regenschauer kein Problem.

Farbe:

Das Zelt wird in weiß und grün angeboten. Ich habe mich für das grüne Modell entschieden, da dieses weniger schmutzanfällig ist. Zudem ist es in dem Zelt dunkler, sodass auch länger schlafen kein Problem ist und die ersten Sonnenstrahlen einen nicht direkt aufwecken.

Funktionalität: 

Das Zelt ist riesen groß und ich hatte immer mehr als genug Platz, um auch meinen Rucksack darin zu verstauen. Dabei muss man natürlich sagen das ich auch nur 1,63m groß bin. Ich konnte sogar aufrecht in dem Zelt sitzen und habe abends oft auch noch Yoga im Zelt gemacht.

Fazit:

Ich liebe, liebe liebe dieses Zelt. Das Preis- Leistungsverhältnis ist einfach top und das Zelt war mir auf meiner Wanderung auf dem Pacific Crest Trail ein treuer Begleiter und ist auch danach noch sehr gut in Schuss. Nur das Innennetz hat ein kleines Loch bekommen, was ich mit Panzertape geklebt habe. Ich kann das Zelt jedem auf jeden Fall weiter empfehlen und ich denke, dass es auch bei mir noch auf vielen Wanderungen zum Einsatz kommen wird.

 

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