Inhaltsverzeichnis PCT

1. Vor dem Trail

Vorbereitung
Meine Packliste

2. Erste Tage in Amerika

San Diego – Tag 1 bis 3

3. Südkalifornien

Erste Schritte auf dem PCT – Tag 4 bis 10
Südkalifornien – Tag 11 bis 20
Südkalifornien – Tag 21 bis 30
Südkalifornien – Tag 31 bis 40
Südkalifornien – Tag 41 bis 50
Südkalifornien – Tag 51 bis 55

4. Nordkalifornien

Nordkalifornien – Tag 56 bis 60
Nordkalifornien – Tag 61 bis 67

5. Oregon Coast Trail

Oregon Coast Trail – Tag 68 bis 80
Oregon Coast Trail – Tag 81 bis 89

6. Nordkalifornien 

Nordkalifornien – Tag 90 bis 100
Nordkalifornien – Tag 101 bis 110

7. High Sierra

High Sierra – Tag 111 bis 120
High Sierra – Tag 121 bis 130
High Sierra – Tag 131 bis 135

8. Pause bei Paula & Wendell

Pause bei Paula & Wendell – Tag 136 bis 138

9. Washington

Washington – Tag 139 bis 150
Washington – Tag 151 bis 162
Kanada – Tag 163

10. Nach dem Trail 

Das Puzzlestück

 

Der Pacific Crest Trail

PCT Karte

Strecke:

Der Trail ist ca. 4300km lang und es werden 120.000 Höhenmeter überwunden.

Weg:

Der Pacific Crest Trail startet an der mexikanischen Grenze. Er verläuft durch die drei Bundesländer Kalifornien, Oregon und Washington. Das Ende des Trails stellt die kanadische Grenze dar.

Wanderzeit:

Wer den ganzen Pacific Crest Trail wandern möchte und an der mexikanischen Grenze startet kann wetterbedingt im März, April oder Mai starten. Ein Großteil der Wandernde startet an der mexikanischen Grenze und auch ich habe es aus drei Gründen so gemacht:

  • Einfachere Logistik am Anfang, denn in der Wüste kommst du öfter in Städte und hast häufiger Einkaufsmöglichkeiten, zudem hat man dort auch relativ oft Handyempfang.
  • Bei mir hat der Zeitraum besser gepasst, da ich im Oktober für mein Studiums Beginn wieder in Deutschland sein musste.
  • Die Wüste eignet sich hervorragend zum Warmlaufen. Es gibt verhältnismäßig wenige Höhenmeter und der Trail ist sehr gut ausgeschildert. Das Wandern in Washington ist dagegen anspruchsvoller.

Natürlich könnt ihr auch an der kanadischen Grenze starten. Dann solltet ihr wetterbedingt ca. im Juni oder Juli starten, da vorher noch Schnee in Washington liegen kann.

Etappen: 

Die Etappen habe ich mithilfe der Navigationsapp Guthooks immer sehr spontan geplant. Dafür habe ich meistens geschaut wie viele Kilometer es bis in die nächste Stadt sind und dann ausgerechnet wie lange ich dafür brauche. Am Anfang habe ich mit 20km wandern pro Tag kalkuliert und später meist mit ca. 30km. Die App zeigt dir auch Wasserstellen, mögliche Zeltplätze sowie Höhenmeter.

Schlafen:

Auf dem PCT gibt es keine regelmäßigen Unterkünfte vorhanden. Daher brauchst du ein Zelt, Tarp oder ähnliches, um den Trail zu wandern.

Verpflegung: 

Ich habe meistens in den Städten eingekauft. Diese sind sehr gut auf die Wandernde eingestellt und bieten oft das passende Essen an. So habe ich mir Arbeit und Versandkosten von einer Verpflegung mit Essenspaketen per Post gespart. Ich würde es auch immer wieder so machen, da sich auch einfach der Geschmack mit der Zeit verändert und ich meine Ernährung so immer wieder variieren und anpassen konnte.

Für die Wasserversorgung ladet ihr euch am besten den Pacific Crest Trail Water Report herunter. Dort tragen andere Wandernde und am besten auch ihr selbst den Wasserstand an Quellen ein. Also ob noch Wasser fliest oder wie viel Wasser noch vorhanden ist. Das ist besonders in der Wüste wirklich wichtig.

Infos:

Die Seite von der PCTA ist wirklich toll und sehr hilfreich. Dort findet ihr alle Informationen zum Pacific Crest Trail.

 

Vorbereitung für den Pacific Crest Trail

Was braucht ihr alles um den Pacific Crest Trail zu wandern? Was solltet ihr erledigen bevor ihr eure große Wanderung startet? Wie viel Geld muss ich für den PCT einplanen?

Diese Fragen beantworte ich hier für euch und gebe euch einige Tipps für die Planung des Pacific Crest Trails.

Meine To-Do Liste für den Pacific Crest Trail:

1) Sammlung von Informationen

Ich habe mir erstmal sehr viele Blogs und Bücher durchgelesen und so viele Infos wie nur möglich über Amerika und den Pacific Crest Trail gesammelt. Sehr hilfreich ist dabei auch die PCTA Seite, mit allen wichtigen Informationen zum Trail.

2) Einreisedokumente

Für die Einreise nach Amerika wird ein B2 Visum benötigt. Dafür habe ich als erstes einen Antragsbogen ausgefüllt und danach die Visumsgebühr von ca. 160 USD überwiesen. Als letztes habe ich dann noch einen Termin für das Interview bei dem Konsulat in Frankfurt vereinbart. Das Interview war recht unspektakulär und ich wurde nur gefragt was ich in Amerika machen möchte und schon war das Visum genehmigt.

3) Wanderdokumente

  1. Hiking Permission: Um die Natur und den PCT zu schützen dürfen pro Tag nur 50 Wanderer*innen ihre Wanderung auf dem Weg starten. Auf der PCTA Seite wird meist im September der Termin veröffentlicht, an dem diese Genehmigungen vergeben werden.  Das Ganze funktioniert per Losverfahren und es gehört ein wenig Glück dazu, ein gutes Los zu erwischen. Die Monate in denen man starten darf, wenn man von Mexiko bis Kanada wandern möchte sind März, April und Mai.
  2. California Fire Permit: Damit ich meinen Kocher auch benutzen darf habe ich mir ein Video zum Umgang mit Feuer angeschaut und danach einen kleinen Test gemacht. Danach nur noch die Genehmigung ausdrucken und unterschreiben.
  3. Canada Entry Permit: Um in Kanada einreisen zu dürfen habe ich das auf der Pacific Crest Trail Association Seite zu findende Einreiseformular ausgefüllt. Dieses dann an die Kanadische Grenzkontrolle geschickt und kurze Zeit später per Mail die Bestätigung bekommen.

Mehr Infos zu den Wanderdokumente findet ihr unter der Webseite der PCTA.

4) Kündigung laufender Verträge 

Für mich war das nur der Vertrag bei meinem Fitnessstudio. Bei vielen anderen sind hier vermutlich auch noch Sachen wie Wohnung, Sparverträge oder Ähnliches relevant.

5) Kündigung Job

Einen Punkt den ich nicht auf meiner To-Do Liste stehen hatte, zu dem ich aber immer wieder fragen bekomme. Ich bin kurz vor dem PCT mit meiner Ausbildung fertig geworden und habe anschließend noch drei Monate in dem Unternehmen gearbeitet. Ich habe das schon zuvor mit meinem früheren Arbeitgeber abgesprochen, sodass der Vertrag nur auf drei Monate aufgesetzt war und Ende März ausgelaufen ist. Falls ihr gerade eine Festanstellung habt kann ich euch nur empfehlen mal mit euren Vorgesetzen über ein Sabbatjahr oder ähnliches zu sprechen. Vielleicht findet ihr ja einen guten Kompromiss, sodass eurem großen Abenteuer nichts mehr im Weg steht. Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen 🙂

6) Vollmachten 

Ich habe für meine Eltern eine Vollmacht bei der Bank eingerichtet. Und da ich zur Studiumsbewerbung noch in Amerika war, hat meine Schwester eine Vollmacht für die Immatrikulation ausgestellt bekommen.

7) Ausrüstung für den Pacifc Crest Trail

Für mich als Wanderneuling war es eine große Herausforderung die richtige Ausrüstung zu finden. Da wurden Packlisten verglichen, Kritiken gelesen und Ausrüstung im Wohnzimmer nachgewogen. In den Monaten war ich Stammgast bei Walkonthewildside, die mir wahnsinnig bei der Zusammenstellung meiner Ausrüstung geholfen haben. Ich denke schlussendlich habe ich einen guten Kompromiss zwischen Gewicht und Komfort gefunden und ich bin schon gespannt wie sich die Ausrüstung so in der Praxis bewährt.

8) Flüge und erste Unterkunft 

Ich habe bereits meinen Hin- und Rückflug gebucht, da ich gehört habe, dass die Einreise sonst problematisch werden könnte. Die ersten Tage in San Diego verbringen wir bei den schon berühmten Trail Angeln Scout und Frodo, bei denen wir im Garten campen dürfen.

9) Auslandskrankenversicherung für den Pacific Crest Trail

Ich habe eine Kranken- sowie eine Unfallversicherung über die RundV abgeschlossen. Wichtig dabei ist darauf zu achten, dass auch eine Bergung mit dem Helikopter mit versichert ist.

10) Kreditkarten und Bargeld

Bei mir waren zwei Kreditkarten und zu Beginn 150 USD Bargeld in Gepäck.

11) Etappen und Versorgung auf dem PCT

Die ersten Etappen habe ich mir bereits angeschaut und am Anfang beginne ich mit 20 Kilometern am Tag. Für die Navigation habe ich mir die PCT Halfmile und die PCT Guthook App heruntergeladen. Die restlichen Etappen habe ich mithilfe von Guthook von Stadt zu Stadt geplant. Dafür habe ich einfach einen Richtwert genommen, wie viele Kilometer ich jeden Tag ungefähr wandere und habe meistens einen Tag oben drauf gerechnet, falls ich doch mal langsam unterwegs war.

Was die Versorgung angeht, habe ich mir unterwegs in den Städten Essen gekauft. Pakete habe ich nur eins geschickt (Warner Springs). Denn bei Pakten seid ihr einerseits abhängig von den Öffnungszeiten der Poststation und könnt andererseits euer Essen auch nich so gut variieren. So habe ich die ersten Wochen z.B. Haferflocken geliebt aber konnte sie nach der Hälfte des Trails einfach nicht mehr sehen und bin auf Brot mit Käse fürs Frühstück umgestiegen. Da die meisten Städte auf die Wanderer*innen eingestellt sind kann ich euch nur empfehlen vor Ort einzukaufen.

12) Handy Flat für den Pacific Crest Trail

Diese habe ich mir vor Ort (in San Diego) besorgt. Ich hatte einen Vertrag von AT&T für 40$ im Monat. Dafür bin ich einfach in ein AT&T Geschäft gegangen und habe dort den Vertrag eingerichtet und die neue Simkarte ausgehändigt bekommen. Besonders in Südkalifornien hatte ich auf dem Trail erstaunlich oft Empfang und konnte eigentlich täglich eine Nachricht nach Hause schicken und Blog schreiben. In der High Sierra und in Washington hatte ich dagegen fast nie Empfang und musste meistens bis zur nächsten größeren Stadt warten, um wieder Netz zu haben.

13) Sportliche Vorbereitung für den PCT 

Ich denke diesen Punkt geht jeder ganz unterschiedlich an. Ich habe versucht das Ganze ein wenig in meinen Alltag zu integrieren und bin jeden Tag ca. 8 km zu Arbeit gewandert.  Am Wochenende habe ich dann mit Freunden und Familie auch mal größere Touren, mit meinem vollgepackten Rucksack unternommen. Die sportliche Vorbereitung erleichtert die ersten Tage auf dem Trail ein wenig, doch die wirkliche Fitness und Ausdauer kommt sowieso ganz automatisch im Laufe der Wanderung.

14) Kosten auf dem Pacific Crest Trail

Eine grobe Faustregel besagt, dass man für jeden Kilometer auf dem PCT ungefähr einen Euro einplanen sollte. Das heißt für die gesamte Strecke solltet ihr mindestens 4300 Euro einkalkulieren. Ich habe für meinen gesamten Trip, also einschließlich Flug, Visum und Ausrüstung ca. 6000-7000 Euro ausgegeben. Geld sparen könnt ihr, indem ihr z.B. öfter bei Trail Angeln anstatt im Hotel schlaft. Für eine Nacht habe ich den Trail Angeln meistens ca. 20 Dollar gegeben, wobei die meisten partout kein Geld von mir annehmen wollten und sich einfach gefreut haben mir zu helfen.

 

San Diego – Tag 1 bis 3

Die letzten Tage waren sehr aufregend und ich habe vermutlich meinen ganzen Familien- und Freundeskreis ein wenig in den Wahnsinn getrieben. Doch heute geht es  endlich los und ich bin schon jetzt unglaublich aufgeregt und kann es kaum erwarten die Wanderung zu starten.

Alleine wandern? Ist für mich und vor allem auch meine Eltern zunächst keine Option. Meine große Reise auf dem Pacific Crest Trail werde ich daher nicht alleine antreten. Durch einen riesigen Zufall habe ich Teresa kennengelernt und bin wirklich sehr froh darüber. Sie wohnt auch in Nordrhein-Westfalen und nachdem wir uns kennengelernt haben stand fest, dass wir das Ganze zusammen planen werden.

So fliegen wir beide heute morgen von Düsseldorf nach San Diego. Zwischendurch steht dann noch ein kleiner Zwischenstopp in London an, bei dem wir etwas essen und uns ein wenig die Füße vertreten. Ich finde Langstreckenflüge immer ein wenig anstrengend und besonders das lange Sitzen ist überhaupt nicht meins.

„Welcome to San Diego“ heißt es einige Stunden später. Bevor wir den Flughafen verlassen dürfen geht es allerdings noch durch das Immigration Office. Hier wird entschieden, wie lange das Visum gültig ist und es kann sogar noch abgelehnt werden. Als ich vortrete bin ich dementsprechend nervös. Doch der nette Officer fragt mich nur kurz nach Kreditkarten dem Bargeld und dem Grund meiner Reise. Schon ist mein Visum für 180 Tage genehmigt und ich darf in Amerika einreisen.

Als wir den Flughafen endlich verlassen ist es bereits dunkel und wir sind beide einfach nur müde und platt. Da ist die Freude groß, als wir kurze Zeit später von den Trail Angeln Frodo und Scout abgeholt werden. Wir dürfen bei den beiden für drei Tage im Garten campen, bevor es am Sonntag den neunten April losgeht.

Tag 2:

Hier seht ihr das Haus von den Trail Angel Scout und Frodo, bei denen wir momentan zu Gast sind. Die beiden sind wirklich unglaublich lieb und hilfsbereit und lassen jedes Jahr sehr viele Wanderer*innen in ihrem Garten übernachten. Und nicht nur das, sondern wir bekommen auch noch frisch gekochte, super leckere Mahlzeiten und werden von ihnen bei den letzten Vorbereitungen unterstützt.

Heute sind wir zum Outdoor Store, zum Handygeschäft und zum Supermarkt gefahren. Dort wurde die Verpflegung für die nächsten paar Tage gekauft:img_2656-1

Wie ihr sehen könnt ist alles sehr gesund :D. Mein Speiseplan für die nächsten Wochen sieht so aus:

Frühstück: Haferflocken mit Trockenobst oder Nutella, Brot mit Käse

Mittagessen: Wraps mit Käse und Avocado, Suppe

Abendessen: Mac n Cheese (Nudeln mit Käse), Kartoffelpüree, Reis

Snacks: Nüsse, Trockenobst, Riegel, Gummibärchen, Käse, Chips, Kekse…

Tag 3:img_2660

Heute ist unser letzter Tag bei Scout und Frodo und ich muss gestehen, dass ich ein bisschen traurig bin. Die Menschen hier sind alle einfach so lieb und ich habe mich hier wirklich sehr wohlgefühlt. Daher auch ein riesiges „Thank you“ an unsere tollen Gastgeber.

Den restlichen Tag hatten wir dann noch unseren Spaß und haben ein wenig Friseur gespielt :D. Dafür haben Alex und Felix (zwei andere deutsche Hiker, die am selben Tag wie wir starten) den Nachmittag über Modell gesessen. Was dabei rausgekommen ist könnt ihr euch selbst anschauen.

Ich finde ja für meinen ersten Versuch ist es ziemlich gut geworden ;). Jetzt sind wir alle bestens auf den PCT vorbereitet und können morgen früh auf unsere große Wanderung starten.

Erste Schritte auf dem PCT – Tag 4 bis 10

Meine Wanderung auf dem Pacific Crest Trail beginnt

Tag 4:

„Es geht los!“ Wir stehen schon um 4.30 Uhr auf und ich kann es kaum erwarten zum Trail zu kommen. Während wir unsere Rucksäcke packen, die Wasservorräte auffüllen und frühstücken steigt meine Aufregung immer mehr. Von dem leckeren French Toast (Arme Ritter) mit frischem Obst kann ich leider nicht viel essen. Stattdessen sitze ich als eine der ersten im Auto, mit dem wir zur mexikanischen Grenze fahren. Die Fahrt und vor allem die Gespräche mit den anderen Wandernden lassen die Vorfreude weiter wachsen. Als die Autos langsamer fahren werden wir alle ganz ruhig. „Dort ist es, das Monument, der Start vom Pacific Crest Trail (PCT)“. IMG_2720Ich klettere hinauf und alles in mir kribbelt. Wie ich mich fühle? Euphorisch, Glücklich, Gespannt, Aufgeregt und auch ein wenig ängstlich.

Kaum zu glauben das mein Traum nun wirklich wahr wird. Die ersten Schritte fühlen sich noch ungewohnt und unwirklich an. Doch bereits nach kurzer Zeit verdrängt die Freude endlich auf dem PCT unterwegs zu sein diese Gefühle. Die Wüste zeigt sich für uns heute von ihrer besten Seite. Laut den Amerikaner ist es wohl ein sehr kühler Tag, mit 25-30 Grad. Davon habe ich beim wandern leider nicht viel gemerkt und ich möchte gar nicht wissen wie  sich hier dann ein heißer Tag anfühlt 😀

Mittags ist es schon so heiß, dass wir zwei Stunden Siesta im Schatten (in der Wüste wirklich eine Rarität) machen. Und direkt am ersten Tag begegnet uns die erste Trail magic: ein Wanderer schenkt uns eine Orange und singt ein Lied für uns. Unfassbar wie herzlich und offen viele hier sind. Für die ganze Anstrengung des ersten Tages werden wir mit einem tollen Ausblick belohnt.

Aber die Wüste in Südkalifornien ist gar nicht so flach wie ich vorher dachte, sondern sogar ziemlich hügelig. So laufen wir den ganzen Tag auf und ab, insgesamt 24 km, bis zum Hauser Creek. An diesem kleinen Fluss bauen wir unsere Zelte und kuscheln uns nach dem Abendessen sofort in den Schlafsack. Es ist zwar erst 19 Uhr aber wir sind einfach unglaublich müde und die Beine sind schwer, sodass wir jetzt nur noch schlafen wollen… Es war auf jeden Fall ein sehr schöner erster Tag auf dem Trail und wir hatten eine Menge Spaß. Ich bin schon jetzt gespannt, was mich noch alles erwartet.

Tag 5:

Meine erste Nacht im Zelt war super und ich habe geschlafen wie ein Baby. Um 6 Uhr krabbeln wir bereits aus den Zelten und starten den Wandertag. Der Trail führt zunächst ca. eine Stunde lang einen Berg hinauf. Als wird oben angekommen sind gibt es erstmal Frühstück und Kekse An die schöne Aussicht beim Frühstück kann ich mich auch wirklich gewöhnen.

Gegen 10 Uhr erreichen wir einen Campingplatz am Lake Morena. Da gönne ich mir eine Portion mac and Cheese (Nudeln mit Käse) . Das ist auch der Zeitpunkt meiner Trailtaufe: Ich, als Käse Liebhaberin, wurde auf den Namen Cheese 😀 getauft Teresa hat den Namen Brownie bekommen. Auf dem PCT ist es nämlich schon seit Jahren Brauch, dass sich die Wanderer gegenseitig Trailnamen geben und sich ausschließlich mit diesen auf dem Trail ansprechen. Die Trailnamen haben meistens etwas mit der eigenen Persönlichkeiten, Vorlieben oder Hobbys zu tun, die für diejenige Person charakteristisch sind. Nach unser kleinen Pause wandern wir weiter durch die Wüste.img_2746

Dort begegnete uns direkt die erste Schlange. Die war Gott sei Dank so schnell weg, dass ich nicht einmal genug Zeit hatte um ein Foto zu machen. Nach diesem Schrecken erreichten wir einen großen Campingplatz wo auch schon die zweite Trail Magic auf uns wartete. Diesmal gab es frisches Obst, Wasser und Gulasch (leider nicht vegetarisch, deshalb nichts für mich). Nach dieser Stärkung folgte der letzte Anstieg und wir kamen beide nochmal ins schwitzen. Doch das hat sich wirklich gelohnt, denn jetzt haben wir einen Schlafplatz ganz für uns alleine.

Tag 6:

Der verflixte dritte Tag… Ich habe schon davon gelesen, dass der dritte Tag einer Wanderung oft einer der schlimmsten Tage ist und genauso ist es auch bei uns. Die letzte Nacht war ziemlich kalt und durch den Vollmond war es so hell, dass ich kaum schlafen konnte.

Der Morgen hat beginnt erstmal super und wir legen viele Kilometer zurück. Besonders die Ausblicke waren wieder einfach nur beeindruckend und ich kann mich kaum satt sehen.

Gegen Mittag wird es dann wieder richtig heiß und die ersten Blasen und Druckstellen machen sich bei uns beiden bemerkbar. Obwohl ich die laufend Wasser trinke (ich glaube insgesamt waren es heute über vier Liter) habe ich die ganze Zeit einen trockenen Hals und fühle mich nicht so gut.
Deswegen nutze ich auch wirklich jede Minute zum Ausruhen :D.

Nachmittags kommen bei mir dann auch noch Schienbeinschmerzen und bei Teresa Fußschmerzen dazu und so schleppen wir uns die letzten Kilometer nach Mount Laguna hoch. Die Landschaft hier oben ist einfach toll und ich kann gar nicht glauben, dass wir noch in der Wüste sind. Wir haben heute ca. 1000 Höhenmeter überwunden und sind 22 km gewandert.
In Mount Laguna angekommen nehmen wir uns erstmal ein Zimmer im Motel , duschen und waschen unsere Wäsche. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie dreckig ich nach nur drei Tagen wandern bin 😀 Wir sind halt schon vollkommen integriert und gehören jetzt mit zum Hiker Trash.
Und ja auch diese Seite gehört zum Wandern dazu. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt auf den morgigen Tag, den wir etwas ruhiger angehen möchten.

Tag 7:

Die Nacht im Motel war einfach himmlisch und ich habe super geschlafen. Bei dieser Wanderung lerne ich solche alltäglichen und normalen Dinge, wie eine Dusche oder ein Bett erst richtig zu schätzen. Heute haben wir einen ruhigeren Tag eingeplant und verbringen den Vormittag noch in Mount Laguna. Dort kaufe ich mir in einem genialen Outfitter neue Socken. So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen: Dieser kleine Laden ist so mit allem möglichen Ausrüstungszeug vollgestopft, dass er ein Wanderer Herz höher schlagen lässt. Bevor wir Mount Laguna dann gegen Mittag wieder verlassen essen wir im Restaurant noch leckere Frittata.

Somit also wieder „Hello Wüste“. Und zwar was für eine… Die Landschaft ist einfach nur atemberaubend und wir kommen heute aus dem Staunen fast nicht mehr raus.

So fällt uns das Wandern direkt viel leichter und wir legen noch 18km zurück. Die Schmerzen im Schienbein merke ich heute gar nicht mehr und auch die Blasen sind durch die neuen Socken kaum noch zu spüren. Auf den letzten Kilometern wird es dann noch richtig windig und kalt. Als wir an dem Zeltplatz ankommen hängt dort ein „Campen verboten“ Schild. Also schlagen wir unsere Zelte direkt neben dem Trail, mitten am Hang auf. Hier ist es so steil, dass ich nach vorne rutsche sobald ich auf meiner Isomatte liege. Das kann ja eine lustige Nacht werden… 😀

Tag 8:

Als heute morgen die Sonne aufgeht sind wir beide wirklich erleichtert. Denn die Nacht am Hang war sehr anstrengend. Die ganze Zeit hat es gestürmt und die Zelte haben laut geraschelt. Alle paar Stunden bin ich aufgewacht, weil ich bis zum unteren Ende des Zelt gerutscht bin. Nach dieser Nacht gibt es im Schlafsack erstmal ein paar Kekse zur Motivation. Morgens ist es nämlich noch sehr kalt und das Aufstehen ist manchmal eine echte Herausforderung. Doch diese zu überwinden lohnt sich jedes Mal, denn auch heute wurden wir wieder mit tollen Panoramen belohnt.

Die Bilder können leider nicht einmal annähernd die Weite auffangen, die ich hier zu sehen bekomme. Mitten in der Natur schmecken die Nudeln, die wir uns zum Frühstück genehmigen, direkt noch viel besser.

Während der Mittagspause hole ich ein wenig Schlaf nach. Am Nachmittag ist es so stürmisch, dass wir Mühe haben uns auf dem Weg zu halten. Da muntert es uns umso mehr auf, als wir den 100 km Meilenstein entdecken.

Wir tanzen erstmal eine Runde ab vor lauter Freude. Das Pärchen hinter uns denkt schon wir haben eine Schlange gesehen. Als ob ich dann tanzen würde… 😀
Nach diesem Highlight wandern wir immer weiter durch den Sturm und ich höre in Dauerschleife „Here comes the sun“ von den Beatles. Der Sturm ist mittlerweile so heftig, dass wir es gerade so zu zweit schaffen die Zelte aufzubauen. Ich hoffe in der Nacht beruhigt er sich ein wenig und wir können gut schlafen.
Ach ja zu guter Letzt noch ein Tipp: Geht niemals hungrig einkaufen Das hat bei mir dazu geführt, dass ich Essen für 5 Tage mit mir rum schleppe obwohl wir schon morgen nach Julian kommen, wo wir wieder einkaufen können.

Tag 9:

Unsere zweite stürmische Nacht und Teresa kann so gut wie gar nicht schlafen. Ich bin öfter mal wach, weil der Wind gegen das Zelt geschlagen hat. Heute morgen sind wir beide noch ziemlich müde. Deshalb packen wir schnell die Zelte zusammen und laufen los. Nach dieser Nacht steht für uns beide fest, dass wir heute nach Julian trampen und dort ein Zero Day (einen Tag Pause) einlegen. Mit der Aussicht auf eine Dusche, ein warmes Bett und frisches Essen wandert es sich gleich viel besser. img_2893So legen wir zügig, im Laufe des Vormittags, viele Kilometer zurück. Der Trail schlängelt sich am Berg entlang hinab ins Tal. Am Wegrand stehen wunderschöne Kaktusblüten, von denen wir viele Bilder machen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Wüste mich landschaftlich so begeistert.

Die letzten Kilometer Richtung Highway sind nochmal richtig hart und wir haben beide keine Lust mehr. Denn mittlerweile ist es irrsinnig heiß und weit und breit ist kein Schatten in Sicht. Wir laufen immer und immer weiter bis wir endlich den Highway erreichen, von welchem wir nach Julian trampen wollen. Das ist eine Stadt, die ein Stück vom Trail entfernt ist und die für ihren kostenlosen Apfelkuchen für Wanderer berühmt ist. Das wohl wichtigste Argument, um hier einen Stopp einzuplanen 😉

Aber erstmal ist Trampen angesagt und da haben wir super viel Glück. Als wir an die Straße kommen steht da schon ein Auto und die Fahrerin fragt uns ob sie uns nach Julian mitnehmen soll. Die Frau heißt Grandma und ist mit ihrem Enkel Austin unterwegs. Sie ist letztes Jahr selbst Etappen vom PCT gelaufen und freut sich nun anderen Wanderern helfen zu können.

In Julian angekommen wird als Erstes geduscht . Wir habe sogar Shampoo und Bodylotion (ein wahrhafter Luxus :D) und fühle mich wieder richtig sauber. Nach einem Mittagsschläfchen ging es dann ab zu Mom’s und wir genießen den wohlverdienten Apple Pie.  Da bei uns wohl der Hiker Hunger eingetreten ist essen wir direkt danach noch Abendessen bei Carmen´s. Die Besitzerin ist super lieb und knuddelt uns zur Begrüßung erstmal. Julian ist echt eine tolle Stadt und ich fühle mich hier sehr wohl.

Tag 10:

Wir haben eine wunderbare Nacht im Hotel verbracht. Teresa ist heute leider ein wenig krank, weshalb wir noch einen Tag in Julian bleiben wollen. Auch wenn mir die Stadt sehr gut gefällt, freue ich mich jetzt schon wieder auf den Trail. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage und meine Isomatte einem warmen Bett vorziehe :D. Den Vormittag verbringen wir mit frühstücken, im Bett liegen, einkaufen und Wäsche waschen. Mittags gehen wir wieder zu Carmen essen, es ist einfach so lecker…

Am Nachmittag schlendern wir noch ein wenig durchs Dorf und schauen uns die Bibliothek an. Dort bekommen wir frische Orangen aus dem eigenen Garten geschenkt, es gibt wirklich so viele liebe Menschen hier. Als wir um die nächste Ecke biegen steht auf einmal ein Orchester auf dem Gehweg und spielt Musik. Diese Stadt ist wirklich genial und hält immer neue Überraschungen bereit. Die Gebäude hier sehen aus, wie die aus einem alten Western Film und ich habe das Gefühl hier ist die Zeit stehengeblieben.

Dahinten ist Julian auch schon wieder zu Ende. Gegen Nachmittag packt uns beide dann doch die Sehnsucht und da es uns beiden schon besser geht trampen wir zurück zum Trail. Das ist auch diesmal ein Kinderspiel, denn ein ehemaliger Wanderer hat sich sofort angeboten uns zu fahren. Am Trail angekommen, treffen wir auf eine große Hiker Party.img_2932

Viele bekannte Gesichter sind dabei und wir freuen uns die anderen Wanderer wiederzusehen. So treffen wir hier auch wieder auf Mike, Christian, Caddyshack, Peppa und viele andere…. Zusammen wird gegessen, gesungen und gelacht. Wir verabschieden uns später zusammen mit einem anderen Mädchen namens Io und beginnen den nächsten Aufstieg. So schaffen wir heute sogar noch 8 Kilometer und finden einen fantastischen Zeltplatz mitten in der Wüste.

 

Südkalifornien Tag 11 bis 20

Heute sind wir genau seit einer Woche auf dem Trail und langsam stellt sich eine Routine ein. Ich wache um 5.30 Uhr auf, futtere erst einmal ein paar Kekse im Schlafsack, ziehe mich an, packe meinen Rucksack und baue das Zelt ab. Besonders anziehen geht einfach viel schneller als Zuhause 😀 Ich habe ja nur drei Shirts dabei und je nach Temperatur wird halt das Passende angezogen. Anschließend wird meistens ca. eine Stunde gewandert und sobald die Sonne etwas stärker scheint gibt es Frühstück.

Am heutigen Tag  fällt uns das Wandern wirklich leicht und das obwohl es steil bergauf geht. Der Weg ist wirklich nichts für Menschen mit Höhenangst, denn auf der einen Seite geht es sehr steil bergab. Ich bin heilfroh meine Stöcke dabei zu haben.img_2943

Der weitere Verlauf des Weges ist sehr angenehm und wir steigen immer weiter hinauf. Als dann auch noch „California“ aus meinen Ohrstöpseln schallt kann ich es kaum glauben. Ich bin tatsächlich in Kalifornien, mitten in der Wüste und wandere auf dem Pacific Crest Trail. Ein tolles Gefühl 🙂 Mittags machen wir dann zusammen mit Bleech und Clubk Pause im Schatten. Das ist ein Vater, der zusammen mit seinem Sohn wandert und wir treffen sie fast jeden Tag. Einige Meter von unserem Pausenplatz entfernt finden wir das erste Trail Register und tragen uns sofort ein.

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Nach diesem Highlight müssen wir vom Trail runter, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Doch auch das ist schnell erledigt und wir wandern immer weiter und sind super drauf. Wir ahnen ja auch noch nicht was uns noch erwartet… Nach 25 km werden wir langsam müde und halten nach einem Zeltplatz Ausschau. Nur da ist keiner. Also geht’s weiter und unsere Laune, wie auch unsere Kräfte nähern sich langsam aber sicher dem Nullpunkt an. Ein paar Kilometer später finden wir dann endlich einen Platz, wo wir die Zelte aufstellen können. Wir freuen uns riesig und lassen und uns erstmal einfach ins Gras fallen. Danach werden die Zelte aufgebaut, wir essen etwas und hören Musik. Und zwar Weihnachtslieder 😀 ja wir sitzen mitten in der Wüste und hören Rolf Zukowski, einfach weil uns so danach ist. Dabei wird natürlich laut mitgesungen und so findet dieser Tag doch noch ein schönes Ende.

Tag 12:

Erstmal möchte ich mich heute bedanken. Denn ich bekomme so viel Unterstützung von Familie, Freunden, ehemaligen Kollegen und vielen anderen lieben Menschen. An euch alle ein großes Dankeschön, ich freue mich immer sehr über eure Nachrichten und Kommentare. Die geben mir eine Menge Kraft 🙂

So jetzt zu unserem heutigen Tag. Die Nacht war erstmal ziemlich mies, weil meine Isomatte anscheinend ein Loch hat und langsam Luft entwichen ist. Und das gleich in der ersten Woche… na toll. Aber Trübsal blasen bringt auch nichts. Schließlich kommen wir heute in ein Dorf, wo ich versuchen kann sie zu flicken. Doch dafür müssen erstmal einige Kilometer zurückgelegt werden und so wird wieder einmal gewandert. Heute überschreiten wir die 100 Meilenmarke und haben somit schon 160 km zurückgelegt.

Mittags erreichen wir dann Eagle Rock, dass ist ein Fels der einfach mal aussieht wie ein Adler. So etwas habe ich noch nie gesehen und es ist echt cool. Nach einer kurzen Pause wandern wir weiter Richtung Warner Springs (dem nächsten kleinen Ort). Auf einmal ist es dann soweit und wir sehen unsere erste Klapperschlange. Sie liegt zusammengerollt unter einem Baum, direkt neben dem Trail. Wir gehen ganz vorsichtig vorbei und sie rührt sich nicht vom Fleck, Glück gehabt.
Die Landschaft durch die wir gehen erinnert mich ein wenig an die Dünen in Holland. Nur den leckeren Käse gibt es hier leider nicht und den vermisse ich mittlerweile wirklich sehr. So ein Schwarzbrot mit Käse wäre jetzt doch was tolles 😀

Später treffen wir noch vier amerikanische Frauen, die eine Tageswanderung machen. Wir unterhalten uns etwas mit ihnen und erzählen von unserer großen Wanderung. Sie finden unser Vorhaben super und schenken uns einfach 20 Dollar für ein Essen in Warner Springs. Ich bin sprachlos…
Von dem Geld gönnen wir uns eine große Pizza. In Warner Springs treffen wir auch wieder viele andere Wanderer und beschließen eine Nacht hier zu campen. Auch wenn die Duschen hier etwas bescheiden sind. Genauer gesagt gibt es einen Eimer mit Wasser, den wir uns über den Kopf schütten können. Auch mal eine neue Erfahrung.
Meine Isomatte haben wir leider nicht mehr geflickt bekommen, weil wir das Loch nicht gefunden haben. Ich werde mir morgen eine neue kaufen,  doch jetzt wird erstmal noch eine Nacht auf der alten Matte geschlafen.

Tag 13:

Die zweite Nacht, in der ich auf dem Boden schlafe… Denn schon wieder verliert die Matte Luft und ich wache nachts mehrmals auf und muss sie aufpusten. Es hilft also alles nichts und heute kaufe ich mir eine neue Matte. Ich bin jetzt auf eine Evazote Matte von Thermarest umgestiegen, die muss nicht aufgeblasen werden. Ist zwar nicht so bequem wie meine alte Isomatte, aber sie kann zumindest keine Löcher bekommen. Meine kaputte, alte Matte schenke ich dem Biker Greg. Als Dankeschön backt er für uns Pancakes auf seinem Kocher. Das ist mal ein leckeres Frühstück.

Gut gestärkt gehen wir also zurück auf den Trail. Natürlich geraten wir genau in die Mittagssonne. So wandern wir also bei gefühlten 35 Grad den Berg hinauf. Da ist von der frischen Dusche schon nach kurzer Zeit nichts mehr zu spüren. Dafür habe ich beim Wandern umso mehr Zeit zum nachdenken und seitdem ich hier bin werde ich von Tag zu Tag ein wenig entspannter. All die kleinen Sorgen und Probleme aus dem Alltag werden so unwichtig und das Einzige was meinen Tag bestimmt ist: Laufen, Essen, Schlafen. Besonders das Laufen ist funktioniert heute super, denn es geht vorbei an wunderschönen Landschaften.

Ansonsten ist der Tag heute recht unspektakulär. Abends essen wir zusammen mit Bill und Traveller zu Abend und reden dabei über Gott und die Welt. Jetzt probiere ich die neue Matte aus und bin schon sehr gespannt… Doch vorher wird natürlich noch ein wenig das Zelt aufgeräumt und wir schauen uns den Sonnenuntergang an. So lässt es sich wirklich leben.

Tag 14:

Über den Wolken…

… ist leider auch nicht immer alles so schön, wie es manchmal scheint. Dieser Tag war stattdessen ziemlich hart. Wobei ich erstmal von vorne anfangen möchte: Morgens bin ich noch ein wenig müde, denn die neue Matte ist leider nicht ganz so bequem und gemütlich, wie meine alte.
Die Natur lässt meine Müdigkeit dann jedoch schnell verschwinden und es ist wieder einmal traumhaft schön. Die Wüste zeigt sich uns heute von ihrer grünen Seite. Daran ist gut erkennbar, was für ein regen- und schneereiches Jahr wir uns für unsere Wanderung ausgesucht haben. Denn normalerweise ist es hier deutlich trockener und die ganzen Pflanzen blühen nicht. Besonders gut gefallen mir die blauen Blumen, die am Wegesrand blühen.

Nach ca. zwei Stunden setzen bei Teresa wieder die Fußschmerzen ein. Die waren zwar auch die letzten Tage immer vorhanden, doch meistens kamen sie erst am Nachmittag, nach mehreren gelaufenen Kilometern zum Vorschein. Zudem sind die heute heftiger und ziehen sich bis in das Knie hoch. Deswegen verlassen wir gegen Mittag den Trail und machen einen Abstecher zu Mike´s Place. Das ist ein einzelnes Haus in der Nähe vom Trail, bei dem viele Wanderer eine Pause einlegen. So treffen wir dort auch schon viele andere und essen Pancakes. Danach überlegen wir was wir machen sollen. Mit den Schmerzen weiterlaufen ist keine wirkliche Option und so fragen wir den Besitzer des Hauses, ob er Teresa in die nächste Stadt fahren kann. Doch wie das Glück so spielt, ist dessen Auto gerade kaputt und es kann bis zu vier Tage dauern bis er sie fahren kann. Wir sind ratlos und möchten hier keine vier Tage bleiben ohne die Gewissheit dann auch hier weg zu kommen. Weiterlaufen kommt leider genauso wenig in Frage, weil ihr Fuß noch echt weh tut. Also sitzen wir rum und warten ab. Worauf wir warten ist uns auch nicht bewusst und ich mache mir große Sorgen, so viel also zum Thema Entspanntheit…
Zwischendurch kommen dann auch noch Bill und Traveller an. Auch sie sind sehr besorgt und kümmern sich um Teresa. Obwohl sie die Schmerzen hat ist sie wirklich sehr entspannt. Bill sagt zu mir, dass es das erste Mal ist wo er mich nicht lächeln sieht und es stimmt momentan ist mir überhaupt nicht nach Lächeln zumute.

Doch gegen Nachmittag soll sich das ändern, denn Teresa’s Schmerzen klingen ab und wir beschließen wieder auf den Trail zu gehen, um heute noch ein wenig zu wandern.
Dabei übernehme ich einen großen Teil aus Teresa’s Rucksack, denn wir wollen nicht riskieren das die Schmerzen schlimmer werden. Zusammen mit Traveler und Bill, die sich rührend um uns kümmern, starten wir also wieder und wandern den Berg hinauf. Das ist mit ca. 2-3 kg mehr echt anstrengend und als wir oben angekommen sind brauche ich eine Pause. Ich lasse die anderen vorlaufen und genieße den Ausblick.

Es tut sehr gut einen Moment für mich zu haben und mal durchzuatmen. Als ich aufstehen möchte ist mir ein bisschen schwindelig und mir wird bewusst, dass ich seit dem Frühstück fast gar nichts gegessen habe. Also schnell einen Schokoriegel futtern und den anderen hinterher den Berg runter. Als wir zum Camp kommen krieche ich so schnell wie möglich ins Zelt und möchte nur noch schlafen…

Tag 15: 

Neuer Morgen, neues Glück. Und dieser Morgen beginnt wirklich super, denn Teresa’s Fußschmerzen sind vollkommen abgeklungen und kommen auch während dem Wandern nicht wieder. Das Tape hat wohl wirklich geholfen und wir sind beide sehr erleichtert, dass wir weiter wandern können. Heute morgen laufen wir erstmal für uns alleine, damit jeder ein wenig Zeit für sich selbst hat. Das ist auch mal ganz schön wenn man sich tagtäglich sieht. Während dem Laufen höre ich heute wieder Musik, um mich von der unglaublichen Hitze abzulenken. Diesmal läuft „I walk the line“ von Johnny Cash in Dauerschleife. Ich liebe dieses Lied 🙂 Dieser Tag ist nichts im Vergleich zu den anderen Tagen und jetzt wird uns bewusst, dass die Amerikaner Recht hatten und die letzten Tage noch sehr kühl waren.
Mittags treffen Teresa und ich uns wieder und laufen zusammen weiter. Das ist dann doch viel schöner und unterhaltsamer.

Da ich schon schlimmen Sonnenbrand habe und Teresa von ihrem Schirm ziemlich genervt ist, bekomme ich den Schirm für den Nachmittag und kann meine Haut so ein wenig vor der Sonne schützen. Dafür ein großes Dankeschön an meinen lieben Brownie.
Gegen Mittag machen wir wieder zwei Stunden Siesta im Schatten, weil es einfach viel zu heiß ist. Am Himmel ist keine einzige Wolke zu sehen und unsere Füße sind angeschwollen und dampfen. Doch natürlich geht es weiter und wir genießen die wunderschöne Natur.

Als wir im Schatten eine Pause einlegen hören wir auf einmal ein lautes Summen, was immer näher kommt. Wir schauen auf und ein riesiger Schwarm von Bienen zieht über uns hinweg. So viele Bienen habe ich noch nie gesehen wir wollen schnell aufbrechen, bevor die Bienen zurückkommen doch ich komme mit dem schweren Rucksack einfach nicht hoch. Ich fühle mich wie ein Käfer der auf dem Boden liegt und schaffe es erst mithilfe meiner Stöcke wieder auf zwei Beinen zu stehen 😀
Hier draußen sind wir also nie wirklich alleine. Wir sehen jeden Tag neue Tiere und heute begegnen uns mehrere Eidechsen und eine Schlange.

Abends erreichen wir den Zeltplatz und sind echt überrascht. Hier gibt es sogar eine Bücherbox, sowie Tische und Stühle. Traveller ist auch auch schon da und wenig später trifft auch Bill ein. Nach dem Abendessen mache ich dann noch ein wenig Yoga und wir lassen den Abend mit Gedichten von Rilke (aus dem Bücherschrank) ausklingen.

Tag 16:

Was für eine Nacht… Bill (alias Grandfather) konnte nicht schlafen und hat sich die ganze Nacht auf seiner Isomatte rumgewälzt. Damit hat er dann wiederum auch uns alle wachgehalten. Ahhhhh… ich brauche in Idyllwild auf jeden Fall ein Bett, in dem ich eine Nacht gut schlafen kann.

Beim Wandern freuen wir uns schon die ganze Zeit auf die Stadt und können nur daran denken, was wir alles essen möchten. Da ist alles dabei von Burger, über Eis bis hin zum Obstsalat. Doch dafür müssen wir noch einige Kilometer zurücklegen. In der Ferne sehen wir sogar schon unser nächstes Ziel. Der erste richtig hohe Berg erwartet uns schon mit einer Menge Schnee. Ich freue mich riesig darauf und kann es kaum erwarten endlich in den Schnee zu kommen.

Kurz bevor wir die Stadt erreichen treffen wir dann noch eine Wandererin. Wir kommen ins Gespräch und sie schenkt uns beiden ein Armband. Davon hat sie 2600 und für jede gelaufene Meile verschenkt sie eines an einen anderen Wanderer.

Darauf steht:

PCT 2017 Be Strong – Be Courageous – Be Fearless
You are never alone.

Das ist ein sehr schönes Geschenk und es ist immer wieder toll neue und so nette Menschen kennenzulernen.
Um in die Stadt zu gelangen müssen wir heute einen Umweg laufen, da ein Abschnitt des Trails aufgrund eines Feuers gesperrt ist. So wandern wir ein Stück die Autostraße entlang.

In der Stadt angekommen gibt’s dann erstmal Burger. Wir müssen nur leider eine Stunde warten, da es noch keine Zeit für Mittagessen ist. Und die Amis haben es echt nicht drauf vegetarische Burger zu machen. Genauso wenig wie Krautsalat, der ist in Deutschland einfach viel besser. Nach dem Essen wird dann wieder getrampt, um in die nächste Stadt (Idyllwild) zu kommen.
In Idylwilld angekommen gönnen wir uns erstmal ein Hotelzimmer, denn wir werden hier einen Tag Pause einlegen. Wir sind halt richtige Genusshiker. Nach dem Duschen fühle ich mich wie neu geboren.
Nachmittags gehen wir noch shoppen (Teresa braucht neue Schuhe, eine Hose und Socken) und einkaufen, dabei treffen wir viele Wanderer wieder. Nach dem Einkaufen trampen wir dann einfach zurück zum Hotel, um uns 10-15 Minuten Fußweg zu sparen. Und wir möchten nach Kanada laufen… Das kann ja was werden 😀

Tag 17:

Laut Statistik erreichen 40% der Wanderer Idyllwild erst gar nicht, sondern brechen ihre Wanderung vorher ab. Und wir sind immer noch dabei. Das ist doch schonmal was…
Wir beginnen den heutigen Tag ganz gemütlich mit einem leckeren Frühstück und genießen es einfach rumzuhängen und nichts zu tun. Ich telefoniere mit Freunden und Familie und bekomme ein wenig Heimweh.
Mittags gehen wir dann Microspikes kaufen, denn morgen geht’s in den Schnee. Endlich! Ich kanns kaum noch erwarten in die Berge zu kommen.

Danach wird weiter gefuttert. Ich glaube so viel habe ich noch nie gegessen… Es gibt Kartoffeln mit Sour Cream, Brownies, Brote, Cornflakes, Eis und sogar den lang ersehnten Obstsalat. Also eigentlich verbringe ich den ganzen Tag nur mit essen und Nachschub kaufen 😀

Unser Hotel ist aber auch super schön und wir fangen an Idyllwild immer mehr ins Herz zu schließen. Diese kleine Stadt, mitten in den Bergen, ist einfach so süß und sehr wanderfreundlich. Ich werde diese Stadt wohl wirklich ein wenig vermissen. Deswegen lassen wir es uns heute Abend auch nochmal richtig gut gehen und essen Ben and Jerry’s Eis, während wir im Bett liegen und Filme schauen.

Tag 18:

So viel Schnee…
Aber der kommt erst später, denn der Morgen beginnt erstmal schneefrei. Wir starten zusammen mit Mary und Peter, da es in einer größeren Gruppe einfach sicherer ist. Den ganzen Morgen wandern wir den Berg hoch. Vorbei an tollen Aussichtspunkten, immer höher, bis der Schnee kommt. Zunächst sind es nur kleine Schneefelder und am Morgen ist der Schnee auch noch sehr hart und somit gut passierbar.

Dann trennen sich unsere Wege. Denn Mary und ich möchten den Gipfel von Mount Jacinto besteigen, während Peter und Teresa der Schnee hier unten schon ausreicht. Also bleiben die beiden auf dem PCT und wir wählen die Gipfelroute. Wir kommen sehr gut voran und die Schneefelder werden mit der Zeit immer größer, bis dann schließlich alles unter einer einzigen Schneedecke bedeckt ist.

Selbst der Weg ist nicht mehr erkennbar und wir müssen viel mit unseren Handys navigieren. Da ist es auch schon passiert und wir haben uns kurz verlaufen. Glücklicherweise finden wir recht schnell zurück zum Trail und es geht weiter hinauf. Desto höher wir kommen desto dünner wird auch die Luft und das Wandern wird immer anstrengender. Das Laufen auf Schnee erfordert echt viel Konzentration, denn wir sinken oft bis zu den Knien im Schnee ein oder verlieren den Halt.
Wir sind beide also umso erleichterter als wir endlich, die auf 3302 Höhenmeter liegende Spitze des Berges, erreichen. Hier werden wir dann auch für die ganze Anstrengung belohnt und genießen einen beeindruckenden Ausblick.

Leider können wir nicht so lange bleiben, denn der Schnee beginnt unter der Sonne langsam zu schmelzen. Das macht den Abstieg direkt viel schwieriger, da der Schnee nun sehr rutschig ist und wir noch öfter einbrechen oder ausrutschen. Also eigentlich rutsche ich den halben Berg nur auf meinem Hintern runter :D.
Als wir auf eine schneebedeckte Lichtung kommen koste ich den Schnee nochmal richtig aus und mache einen Schneeengel. So viel Schnee habe ich das letzte Mal im Ski Urlaub gesehen. Und uns sind heute auch tatsächlich Ski Fahrer begegnet. Ein komischer Anblick, wo wir doch gerade aus der Wüste kommen und zum Wandern unterwegs sind.
Doch der Schnee ist sogar so hoch, dass schon die Wegweiser fast vollkommen eingeschneit sind.

Meine Füße sind nur noch klitschnass und die Flussüberquerung am Nachmittag macht das Ganze auch nicht viel besser. Doch es ist fast geschafft und als wir lachend den Berg runter wandern (wir können einfach nicht glauben, dass wir es tatsächlich geschafft haben) höre ich auf einmal Teresa nach uns rufen. Ich bin unfassbar glücklich und laufe schon fast den Berg hinunter, um sie in den Arm zu nehmen. Jetzt wo ich im Zelt liege und das Ganze Revue passieren lasse bin ich wirklich stolz auf mich. Trotzdem brauche ich so etwas erstmal nicht so schnell wieder…

Tag 19:

Der heutige Tag beginnt sehr langsam. Denn ich bin noch müde von der gestrigen Gipfelbesteigung. Komischerweise habe ich nur in den Armen Muskelkater. Also liegen wir noch eine Stunde im Zelt und frühstücken, bevor es losgeht.

Unser Zeltplatz war mitten im Wald und ich habe wunderbar geschlafen.
Heute steht ein sehr langer Abstieg durch den Schnee an und dieser hat es echt in sich.

Der Weg führt steil am Berg entlang und wir müssen die ganze Zeit extrem aufpassen, um nicht abzurutschen. Dazu kommen auch noch zwei Flussüberquerungen und meine Füße sind wieder einmal durchnässt und eisig kalt. Deshalb laufen wir ganz schnell weiter und mit der Zeit wird mir wieder warm.
Wir wandern an einem Meer von Wolken vorbei und ich bin hin und weg. Das was wir hier zu sehen bekommen lässt sich gar nicht in Worte fassen, geschweige den auf Fotos festhalten. So was ist live einfach noch tausend Mal besser.

Ein paar Meter weiter treffen wir dann auch wieder auf Peter und Mary, die ein Stück weit entfernt gezeltet haben. Zusammen laufen wir den Berg hinunter.
Ich kann gar nicht genug bekommen von dem tollen Ausblick und mache viele Fotos. Desto weiter wir hinabsteigen desto windiger wird es. Es ist noch so weit bis unten und wir beschließen doch noch am Berg zu campen. Der restliche Abstieg erwartet uns dann morgen früh. Jetzt liege ich im Zelt, bin mal wieder am essen (es gibt Kekse ) und der Wind pfeift mir um die Ohren. Ich habe fast Angst, dass er mir das Zelt zerfetzt und ich hoffe in der Nacht beruhigt er sich ein wenig…

Tag 20:

Natürlich hat der Wind sich nicht beruhigt…
Vielmehr fängt es in der Nacht richtig an zu stürmen und ich kann nicht schlafen. Als es dann zu heftig wird, bauen wir die Außenzelte ab, um zumindest noch etwas Schlaf zu finden. Doch mein Innenzelt besteht nur aus einem dünnen Netz und so ist mein ganzes Zelt am Morgen voller Sand. Sogar mein Gesicht wurde nicht verschont und ist total dreckig. Da sind die Feuchttücher wieder einmal Gold wert.

Nachdem wir wieder einigermaßen sauber sind wandern wir weiter. Nach kurzer Zeit treffen wir auf eine Klapperschlange und diesmal verläuft die Begegnung nicht ganz so harmlos ab, wie die letzten Male. Denn sie liegt direkt neben dem Trail und zunächst sehe ich sie gar nicht. Doch als ich vorbeilaufe fängt sie auf einmal ganz laut an zu fauchen und zu zischen. Dabei richtet sie sich auch noch auf und sieht so aus als könne sie jeder Zeit angreifen. Ich bin zwar noch an ihr vorbeigekommen, doch Teresa steht noch auf der anderen Seite. Gerade ist es definitiv zu gefährlich an der Schlange vorbeizugehen und so warten wir ab. Ich auf der einen und Teresa auf der anderen Seite des Weges. Und wir haben Glück, es kommen noch andere Wanderer und nachdem sich die Schlange ein wenig beruhigt hat passieren sie zusammen schnell die Stelle.
Der darauf folgende Abstieg zieht sich wie Kaugummi… Wenn wir hoch schauen, sehen wir den Mount San Jacinto, auf dem ich gestern noch gestanden habe.

Jetzt sind wir schon 321 km gewandert und das in nur zwei Wochen und zwei Tagen. Wow… Die letzten Kilometer sind dann wieder einmal anstrengend und sehr windig. Als wir eine Brücke erreichen läuft uns plötzlich Frau entgegen. Sie heißt Paula und wartet zusammen mit ihrem Mann Wendell mit Essen und kühlen Getränken auf uns. Damit möchten die beiden den Wanderern eine Freude machen. Wir kommen ins Gespräch und erzählen ihr von Teresa’s geschwollenem Auge, was seit Tagen immer schlimmer geworden ist. Sie und ihr Mann sind sehr besorgt und bieten uns an uns zum nächsten Doktor zu fahren. Das nehmen wir dankbar an und so geht’s vom Trail runter. Der Arzt diagnostiziert eine Infektion und ordnet neben Medikamenten auch ein paar Tage Pause an. Und dann kommt’s: Paula und Wendell laden uns zu sich nach Hause ein. Wir dürfen in ihrer Casita schlafen und Teresa darf hier sogar bis zur Genesung bleiben. Die Castita ist fantastisch, es ist ihr Gästehaus und sieht einfach mal aus wie eine kleine Villa. Wir haben hier alles: angefangen von einem riesigen Fernseher, über eine Sofaecke, einem eigenen Bad, einer Küchenecke und das Beste kommt zum Schluss: einem gemütlichen Bett.

Für mich geht’s morgen schon wieder auf den Trail und Teresa und ich treffen uns in Big Bear wieder (wo sie von Wendell hingefahren wird).
Abends laden die beiden uns dann auch noch zum Essen ein und ich weiß gar nicht wie ich mich für all das hier bedanken soll. Paula erzählt uns beim Essen ihre Kennenlerngeschichte, die beiden sind ein so süßes Paar. Am Ende sagen sie dann noch: Wir gehören jetzt schon zur Familie und ich fühle mich hier so gut aufgehoben.

Südkalifornien Tag 21 bis 30

Tag 21:

Heute morgen heißt es für mich Abschied nehmen. Ich bin wirklich traurig Paula, Wendell und die Casita zu verlassen. Ich hatte eine tolle Zeit hier und ich verspreche den beiden die nochmal besuchen zu kommen. Auch der Abschied von Teresa fühlt sich seltsam an, obwohl dieser nur von kurzer Dauer ist. Wir haben jetzt schon über zwei Wochen jeden Tag zusammen verbracht und nun bin  ich vier Tage ohne sie unterwegs.

Als ich dann wieder auf dem Trail bin sind jedoch alle Bedenken verschwunden und ich fühle mich auch alleine sehr sicher und gut aufgehoben. Besonders, weil ich gar nicht so lange alleine bin. Nach zwei Stunden sehe ich plötzlich 12 Wanderer, direkt hinter mir. Wo kommen die denn jetzt her? Na ja egal, in der Gruppe sind auf jeden Fall viele bekannte Gesichter. Unter anderem ist auch Mike dabei und wir machen zusammen Pause. Nach der Pause laufen wir dann noch ein paar Kilometer zusammen und es ist schön nicht die ganze Zeit alleine zu wandern. Als er dann an einem Zeltplatz Halt macht, laufe ich noch etwas weiter. Ich möchte ja schließlich in vier Tagen Big Bear erreichen, um Teresa da wieder zu treffen. Die Landschaft ist heute nicht ganz so spektakulär.

Zudem ziehen auf einmal dunkle Wolken auf. Da ich geplant habe auf dem Berg zu zelten habe ich noch einen Aufstieg vor mir. Diesen Plan  verwerfe ich nun und baue mein Zelt im Tal auf. Gerade als ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden alleine zu zelten kommt ein anderer Wanderer namens Patrick vorbei. Er beschließt auch hier zu bleiben und somit bin ich auch jetzt in Gesellschaft. Es scheint also wahr zu sein: Auf dem PCT bin ich niemals wirklich alleine. Und für den Notfall hat Teresa mir netterweise auch noch ihren Spot ausgeliehen, mit dem ich jederzeit Hilfe rufen kann.

Tag 22:

Ich hatte Glück und es hat in der Nacht weder geregnet, noch gewittert. Viel mehr war es eine sehr warme Nacht und ich habe ganz gut geschlafen. Als die Sonne aufgeht wache ich schon wieder auf. Ich brauche gar keinen Wecker mehr zum Aufstehen. Morgens bin ich alleine unterwegs und genieße die Stille.

Doch schon am Vormittag treffe ich Tom aus Deutschland und bis zum Mittag wandern wir zusammen. Das wir beide deutsch sprechen merken wir lustigerweise erst nachdem wir uns minutenlang auf englisch unterhalten :D.Es ist echt toll immer wieder neue Leute kennenzulernen. Er ist einfach mal ein richtiger Weitwegwanderer, zumindest so wie ich ihn mir vorstelle. Tom hat einen ultraleichten Rucksack mit dem er viele Meilen am Tag läuft, hat bisher noch nicht im Hotel geschlafen und rechnet seinen Kalorienbedarf genau aus. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich viel zu wenige Kalorien zu mir nehme. Anscheinend sollte ich pro Tag ca. 5000 kcal zu mir nehmen und ich bin gerade mal bei ungefähr 2000 kcal. Da ich am Bauch schon ein wenig abgenommen habe ist jetzt mehr essen angesagt. Also ganz viele Kekse für mich 😉
Mittags mache ich dann Pause am Fluss, während Tom noch weiter wandert. Ich lasse meine Füße in den Fluss hängen, esse Wraps und entspanne.

Der Fluss ist wie eine kleine Oase. Drum herum wachsen viele Pflanzen und alles blüht. Sobald ich mich ein Stück von ihm entferne ist alles wieder trocken und verdorrt.
Den Nachmittag über wandere ich immer wieder ein Stück mit Tom oder Patrick. Bis ich dann schließlich mein Zelt aufbaue und die beiden noch weiter wandern. Die Zeit abends im Camp, ist alleine echt langweilig. Ich esse und höre noch Hörbuch, bis dann endlich Schlafenszeit ist. Die ist meistens schon so um 20 Uhr. Zumindest passiert auch heute nichts außergewöhnliches und ich weiß diese Tage mittlerweile wirklich zu schätzen. Nachdem in den letzten Wochen doch immer wieder irgendetwas passiert ist, tut es richtig gut ein paar entspannte Tage zu haben. Vielleicht bleibt das ja jetzt ein wenig länger so…

Tag 23:

Meine erste Nacht in der ich ganz alleine gecampt habe war schon ein wenig komisch., doch auch diese habe ich gemeistert. Hoffentlich bleibt es vorerst auch die letzte. Denn heute kommt Teresa zurück auf den Trail und wir wandern zusammen weiter. Um sie wiederzusehen müssen jedoch erst über tausend Höhenmeter, sowie 28 km bewältigt werden. Der Weg führt zunächst durch ein abgebranntes Gebiet. Hier hat vor ein paar Jahren ein Waldbrand gewütet und alles ist sehr kahl. Ich laufe lange Zeit einen steilen Berg hinauf und bin oben erstmal aus der Puste. Nach einer kleinen Frühstückspause geht es weiter. Mit der Zeit verändert sich die Landschaft und ich komme in einen Wald. Hier lässt es sich super wandern, da der Boden schön weich ist und ich immer wieder auf Schatten treffe. Das ist viel angenehmer als in der Wüste.

In der Mittagspause kommen viele Wanderer vorbei und ich frage mich ob ich hier überhaupt irgendwann mal alleine bin… Ich unterhalte mich eine Weile mit einem Mann namens Paul und seinem Sohn. Die beiden bieten mir an zusammen weiter zu wandern, damit ich nicht ganz alleine bin. Schade, dass ich sie erst heute treffe, denn sonst hätte ich das Angebot gerne angenommen. Die beiden sind super nett als ich erfahre, dass Paul ist Arzt erzähle ich ihm von Teresa’s Augeninfektion. Er weiß direkt was sie hat, da solche Infektionen hier oft vorkommen. Den hätten wir mal vor zwei Tagen gebraucht… Ich verabschiede mich von den beiden und wandere schnell weiter, um Teresa nicht zu lange am Treffpunkt warten zu lassen. Bevor ich dort ankomme sehe ich noch etwas sehr trauriges. In der Nähe vom Trail ist ein privater Zoo und dort wird ein Bär in einem sehr kleinen Käfig gehalten.

Ich möchte den Armen am liebsten direkt freilassen und verstehe nicht wie jemand einem Tier so etwas antun kann… Doch der Tag hält noch eine tolle Überraschung für mich bereit, die mich sehr aufmuntert. Denn ein wenig später treffe ich Teresa wieder und bin überglücklich. Wir laufen uns entgegen, umarmen uns und haben uns unendlich viel zu erzählen. Dann kommt das Beste: Sie hat einfach Brownie-Kekse, Käse, Orangen, Pizza, Cookies und Wasser dabei. Das ist mein bisher leckerstes Abendessen auf dem Trail und ich esse soviel wie ich kann.

Tag 24:

Als ich morgens aufwache ist es eiskalt. Auch in der Nacht habe ich oft gefroren und das trotz Daunenjacke und Merino Schlafsachen. Sogar das Wasser in meiner Flasche ist heute Nacht zu Eis geworden. Die Überwindung aus dem Schlafsack zu krabbeln, zu frühstücken und mich anzuziehen ist riesig. Deswegen gibt’s das Frühstück heute ausnahmsweise mal im Schlafsack. Danach fällt mir das Aufstehen zumindest ein wenig leichter. Den Morgen über sind wir beide jedoch ziemlich müde und das Wandern fällt uns schwer.

Wir wollen schnell in die Stadt kommen und wandern fast ohne Pause immer weiter. Dabei treffen wir auch Patrick wieder und ich freue mich sehr ihn wiederzusehen. Wir tauschen uns über die letzten Tage aus und singen deutsche Lieder (z.B. 99 Luftballons). Der einzige deutsche Satz den er kennt ist „Haben sie einen Bleistift?“ What?! 😀 Es ist auf jeden Fall wieder sehr lustig mit ihm zusammen zu wandern. So schaffen bis zum Mittag 22 km und erreichen den Parkplatz, von wo aus es in die Stadt geht.

Wir haben Glück: Auf dem Parkplatz wartet ein Trail Angel auf uns. Er nimmt uns mit nach Hause, wo wir duschen und unsere Wäsche waschen können. Eigentlich dürfen wir hier auch schlafen, doch wir fühlen uns aus mehreren Gründen nicht so wohl hier und fahren abends wieder zurück zum Trail. Davor machen wir noch einen kurzen Stopp beim Supermarkt.

Tag 25:

Heute feiern wir drei Wochen Trailleben mit Apfeltaschen Ein kurzes Fazit an dieser Stelle:

  • ich habe bereits 449 km geschafft
  • ein paar Blasen sind leider noch vorhanden
  • wir haben gefühlt unsere halbe Ausrüstung ausgetauscht (weil irgendwas kaputt gegangen ist)
  • wir haben eine Menge tolle Menschen kennengelernt
  • so viele tolle Erfahrungen gemacht
  • wunderschöne Landschaften zu sehen bekommen

Der Spaß und die Freude am Wandern, sowie die schönen Momente, überwiegen für mich auf jeden Fall. Ich bin schon gespannt, was mich noch so erwartet.
Heute erwartet mich ein schwerer Rucksack. Denn Essen für sechs Tage und drei Liter Wasser wiegen mehr als ich gedacht habe. Mit diesem Monstrum geht’s also den Berg hinauf. Durch den großen Rucksack sind nur noch meine Beine zu sehen. Es ist schrecklich, darin was wiederzufinden. Teresa nennt meinen Rucksack schon das Bermuda Dreieck 😀 Denn manchmal verliere ich Sachen in ihm und Tage später tauchen sie irgendwo wieder auf…

Wir wandern also Schritt für Schritt den Berg hinauf. Vorbei an dem Big Bear Lake, in dem ich jetzt am liebsten schwimmen gehen würde.Daraus wird leider nichts. Stattdessen steht die Mittagspause an und wir finden eine wunderschöne Lichtung mitten im Wald, wo wir unseren Hunger zumindest ein wenig stillen können. Dabei werden dann deutsche Lieder umgedichtet, wobei sich beinah jedes Lied bei uns um Essen dreht und das machen wir nun auch. Mit vollem Magen legen wir uns schlafen und ich merke wieder wie müde ich vom ganzen wandern bin.

Tag 26:

Heute morgen wache ich mit einer Erkältung auf. Ich habe die kalten Nächte dann doch nicht so gut weggesteckt, wie gedacht. Mit Kopfschmerzen wandern macht leider nicht ganz so viel Spaß. Es wird zwar am Vormittag was besser, doch ich bin trotzdem ziemlich fertig. Deswegen lasse ich den Tag ganz ruhig angehen und mache viele Pausen. Das ist sowieso nicht so verkehrt, denn in der Nähe vom Trail ist ein Feuer ausgebrochen. In dessen Richtung wandern wir leider, weshalb wir schauen müssen wie sich dieses entwickelt. Doch vorerst ist wandern angesagt und bis zum Feuer sind es noch gute 80 km. Der Weg ist heute sehr verwachsen und gleicht einem Hindernisparcours. Alle paar Meter liegt ein Baumstamm, über den wir klettern müssen oder Büsche versperren den Weg.

Dafür bekommen wir auch heute wieder schon einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Es geht wieder mal in den Schnee. Der weiße Berggipfel dort hinten auf dem Foto ist nämlich unser nächstes großes Ziel. Bis dahin ist es jedoch noch lange hin und ich genieße gerade den Abend zusammen mit Teresa und Asia.

Tag 27:

Ein fantastischer Tag. Denn meine Erkältung ist schon viel besser geworden. Den ganzen Tag an der frischen Luft zu verbringen tut mir wohl sehr gut. Daher fällt mir das Wandern heute viel leichter und wir schaffen wieder einmal einige Kilometer. Wir knacken sogar gleich zwei Marken. Vormittags die 300 Meilen Marke…

…Und nachmittags dann auch noch die 500 km Marke, für die es leider keinen Meilenstein gibt. Denn Kilometer interessieren hier überhaupt keinen. Tagsüber wandern wir mit Chay, der uns morgens schon mit seinem Gesang geweckt hat :D. Zusammen erreichen wir auch eine Oase. Da können wir einfach nicht widerstehen:    Die dreckigen Wanderklamotten werden ausgezogen und wir springen ins Wasser.

Die Abkühlung tut super gut, sodass wir danach noch einige Kilometer schaffen wir finden dann eine wunderschöne Sandbank, auf der wir unsere Zelte aufschlagen. Dort treffen wir auch Patrick wieder und lassen den Tag zusammen ausklingen. Die Zeit vor dem Schlafen gehen nutze ich, um ein wenig Yoga zu machen. Das ist hier draußen auch einfach sehr entspannend. Jetzt liege ich in meinem Schlafsack eingekuschelt im Zelt und betrachte die Sterne. Davon gibt es hier draußen wesentlich mehr, als in der Stadt und sie scheinen auch deutlich heller. Ein traumhaft schöner Anblick zum Einschlafen

Tag 28:

Die für Südkalifornien angekündigte Hitzewelle erreicht uns…
Wir verlassen früh am Morgen, zusammen mit Patrick und Chay, unseren Zeltplatz und setzen unsere Wanderung fort. Schon jetzt ist es sehr warm, sodass ich in Shorts und T-Shirt laufen kann. Im Laufe des Tages wird die Sonne immer stärker und die Hitze unerträglich. Doch nirgendwo ist Schatten in Sicht. Zudem habe ich eine fiese Blase, die bei jedem Schritt schmerzt. So geht es nicht weiter. Also wird die Blase verarztet und wir suchen unter einem verbrannten Baum Zuflucht im Schatten.
Das ist einer der unbequemsten Pausenplätze, denn wir liegen mitten im Hang und nutzen den wenigen Schatten den der Baum spendet. Doch Weitergehen ist bei der Hitze keine Option, weshalb wir bis zum Nachmittag ausharren. Da hilft nur noch eins: Musik aufdrehen, singen und langsam weiterwandern. Als wir dann auf einen See treffen flippen wir total aus.

Es ist so kühl und tut einfach nur unbeschreiblich gut. Das hat meinen Tag um so einiges verschönert. Er wird sogar noch besser, denn abends gibt’s Pizza am Campingplatz. Ja, hier mitten in der Wildnis ist tatsächlich ein Campingplatz, zu dem wir Pizza bestellen können. Und alle sind mal wieder verwundert, wie viel ich kleines Persönchen essen kann :D.

Tag 29:

Diesmal sind wir schlauer und starten morgens schon um 4:30 Uhr, um der Hitzewelle aus dem Weg zu gehen. So ist es noch dunkel als wir loswandern und ich futtere auf den ersten Metern noch Pizza von gestern Abend. Während dem Wandern geht dann langsam die Sonne auf und es wird wieder richtig heiß. Der Sonnenaufgang ist trotzdem wunderschön und wird beim Aufstieg bewundert.

Ich bin so froh, dass wir früh gestartet sind. Die Hitze ist bereits um 8 Uhr unerträglich. Dabei den Berg hochzuwandern macht das Ganze auch nicht angenehmer. Deswegen bin ich umso glücklicher, als wir die Spitze erreichen und der Abstieg folgt. Mit der Motivation den Mc Donalds (der in der Nähe vom Trail liegt) zu erreichen, geht es immer weiter den Berg runter.img_3460

Ich freue mich riesig als wir endlich den Mc Donalds sehen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich über diesen Anblick so sehr freuen kann :D. Dann wird erstmal bestellt… Ich probiere mich durch das gesamte vegetarische Angebot. Mein Favorit ist eindeutig der Erdbeermilchshake. Doch wir sind nicht die einzigen Wanderer, denn der ganze Mc Donalds ist von Wanderern bevölkert. Wir verbringen hier tatsächlich 5 Stunden trinken Milchshakes, laden unsere Handys auf und ich schlafe sogar ein wenig. Unfassbar: ich bin echt so müde, dass ich im Mc’s schlafe… 😀 Chay hält das natürlich direkt auf einem Foto fest.

Als wir uns nachmittags wieder aufraffen ist mein Rucksack bis oben hin voll mit Wasser. Denn die folgenden Tage werden heiß und die nächste Wasserstelle ist weit entfernt. Daher trage ich auch noch 5,5 Liter Wasser mit mir den Berg hinauf. Das zusätzliche Gewicht macht uns beiden zu schaffen und meine Füße tun weh. Besonders die Blasen stören mich und ich werde mir in der nächsten Stadt auf jeden Fall neue Schuhe kaufen. Ich kann es kaum erwarten und muss mich nur noch zwei Tage gedulden bis es soweit ist.

Tag 30: 

Heute bin ich wieder alleine unterwegs. Wir haben gestern in der Nähe vom Highway geschlafen, da wir einfach zu müde waren um weiterzulaufen. Die Nacht war dementsprechend laut. Die ganze Zeit sind Züge vorbeigefahren und haben laut gehupt. Teresa konnte gar nicht schlafen und das jetzt schon die zweite Nacht. Also beschließt sie dieses Stück zu überspringen und in die nächste Stadt (Wrightwood) vorzufahren. So wandere ich alleine den Berg hoch. Die ersten Schritte sind zermürbend und nach einiger Zeit habe ich keine Lust mehr. Ich bin müde und möchte einfach nur nach Hause in mein Bett. Also setze ich mich einen Moment hin und mache eine Pause. Diese nutze ich um zu meditieren. Das bewirkt Wunder und mir geht es danach schon viel besser. Als mich beim Aufstieg dann mehrere Männer überholen denke ich mir “ wenn die das schaffen, dann packe ich das auch“. Also beiße ich die Zähne zusammen und laufe immer weiter rauf. Der Weg schlängelt sich in Serpentinen den Berg hinauf.

Heute bin ich wirklich ganz alleine unterwegs. Nachdem mich alle überholt haben bin ich weit und breit die Einzige auf den Trail. Ich lasse mir viel Zeit und mache alle paar Kilometer eine Pause. Die Landschaft gleicht der aus einem Märchenfilm und ich kann nicht genug davon bekommen. Gegen Mittag bin ich auf einmal hundemüde und spüre wie schlecht ich letzte Nacht geschlafen habe. Ich lege mich für eine Stunde hin und mache Mittagsschlaf. Als ich wieder aufwache ist der Himmel mit dunklen Wolken zugezogen. Also schnell weiter bevor es noch regnet. Ein paar Kilometer weiter finde ich einen schönen Zeltplatz und beschließe meinen Füßen eine Pause zu gönnen und hierzubleiben. Besonders, weil auch ein anderer Wanderer namens Randy hier ist und ich somit nicht alleine zelten muss. Er hilft mir beim Zelt aufbauen, da es sehr windet und wir reden übers Wandern. Dann gibt’s noch kalten Kartoffelpüree (die Gaskartusche ist leer) und ein Snickers. Mein Magen knurrt immer noch und ich werde wohl hungrig schlafen gehen müssen. Doch auf einmal kommt Crusher zum Zeltplatz und teilt tatsächlich seine Nudeln mit mir. Den hat der Himmel geschickt  🙂

Südkalifornien Tag 31 bis 40

Ich werde von Crusher geweckt, der bereits um 5 Uhr seine Sachen zusammen packt. Wir verabschieden uns noch voneinander und dann ist er auch schon weg. Ich lasse mir Zeit und während ich frühstücke geht gerade die Sonne auf.

Was für ein Anblick…

Als ich anfange das Zelt abzubauen kommt ein anderer Wanderer vorbei. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt mir von einer Sturmwarnung für den heutigen Tag. Bereits am Mittag soll es losgehen und den ganzen restlichen Tag regnen und stürmen. Das sind ja „tolle“ Nachrichten. Da ich keine Lust habe in den Sturm zu kommen laufe ich schnell, ohne Pause, die 22km den Berg erst hoch und dann wieder hinunter. Mein Plan geht leider nicht auf und schon am Vormittag ziehen die ersten Nebelschwaden auf. Zunächst sind es nur wenige, doch der Nebel verdichtet sich schnell und es fängt an zu regnen.

Der Weg ist fast nicht mehr zu sehen  und es stürmt heftig. Außer mir ist kein anderer Wanderer unterwegs und auf einmal habe ich den Weg verloren und tapse im Nebel umher. Ich muss ein ganzes Stück zurück laufen und bin erleichtert, als ich wieder auf dem Weg bin. Noch erleichterter bin ich, als ich auf den Highway treffe, von dem ich nach Wrightwood trampen kann. Jedoch möchte ich nicht alleine trampen und es ist kein anderer Wanderer in Sicht. Ich überlege gerade was ich machen soll, als plötzlich ein Auto mit vielen Wanderern vorbeikommt und auch mich mitnimmt. Die Fahrt ist ein wenig abenteuerlich, in dem kleinen Wagen. Doch wir kommen gut in Wrightwood an und ich treffe Teresa wieder. Nach einer Kleinigkeit zu Essen geht es mir dann auch direkt viel besser. Viele haben das letzte Stück übersprungen und ich kann das gut nachvollziehen. Denn die letzten zwei Tage waren zwar wunderschön aber auch echt hart. Ich fühle mich müde, dreckig und ausgelaugt. Im Hotel wird dann erstmal eine Stunde geduscht und ich versuche den ganzen Dreck abzuwaschen. Nach einer Woche wandern bin ich wirklich unglaublich dreckig. Danach liegen wir im Bett rum, schauen Fernsehen und essen Nudeln. Draußen hat es angefangen zu regnen/schneien und eben hat es sogar gehagelt. Ich bin echt froh im Hotel zu sein und freue mich auf den Tag Pause, den wir hier morgen einlegen.

Tag 32:

Wir machen eine Zero Day (einen Tag Pause) in Wrightwood. Eigentlich wollte ich den Tag nutzen, um mal richtig auszuschlafen. Doch um 5 Uhr werde ich schon von meinem knurrenden Magen geweckt. Also laufe ich erstmal zum Bäcker und besorge uns Frühstück. Bei der großen Auswahl fällt mir die Entscheidung echt schwer. Für mich gibt es einen Bagel mit Frischkäse, einen Schokoladen Donut und einen Walnuss Bananen Muffin. Draußen ist es verdammt kalt und ich verlasse das warme Bett den restlichen Morgen nicht mehr. Ich telefoniere mit Freunden und Familie, wasche meine Kleidung und schreibe Blog. Gegen Mittag gehen wir dann einkaufen. Schuhe gibt es hier leider keine, weshalb ich mir online welche in die nächste Stadt bestelle.

Ja, in dem weißen Sack ist nur mein Essen drin und ich fühle mich damit, als wäre ich der Weihnachtsmann :D. Für 5 Tage kommt schon so einiges zusammen. Auf dem Bild könnt ihr auch sehen was es bei mir in den nächsten Tagen zu essen gibt. Ich variiere andauernd meinen Essensplan, weil sich mein Geschmack ständig verändert. Meistens habe ich genau auf das Hunger, was ich natürlich nicht dabei habe 😉
Den restlichen Tag verbringe ich im Bett und wir planen die nächsten Etappen. Teresa wird auch das nächste Stück überspringen und so bin ich ab jetzt alleine unterwegs. Ich werde jedoch den anstehenden Gipfel auslassen und eine Alternativroute laufen, da oben in den Bergen noch der Schneesturm tobt und der Ranger vor dem Aufstieg gewarnt hat. Da ich nichts riskieren möchte laufe ich lieber den längeren Umweg zusammen mit einem anderen Wanderer.

Tag 33:

Ich bin heute die meiste Zeit zusammen mit Koen unterwegs. Er wandert noch bis zur nächsten Stadt (Aguadulce) mit mir und beendet dann dort frühzeitig seine Wanderung, um nach Hause zurück zu fliegen. In den letzten Tagen haben nochmal viele Wanderer abgebrochen oder haben Abschnitte übersprungen. Auf jeden Fall wandern wir gemeinsam die Alternativroute, um den Gipfel vom Baden Powell zu umgehen. Der Weg ist zwar nicht ganz so gut ausgebaut wie der PCT, dafür dennoch sehr schön und besonders ist hier nichts los. Wir sind den ganzen Tag über die einzigen Wanderer. Zudem haben wir auch hier eine tolle Aussicht.

Leider ist auch die Trail Ausschilderung nicht vergleichbar mit der vom PCT und wir verlaufen uns heute mehrmals. Zwischendurch funktioniert meine Navigation dann auch nicht mehr und ich bin froh auf diesem Umweg nicht alleine zu sein.
Auf dem PCT bin ich sowieso nie ganz alleine. Denn überall sind nette und hilfsbereite Menschen. Ich fühle mich absolut wohl und sicher, auch wenn ich einmal ein paar Tage ohne Begleitung unterwegs bin. Nur mein Rucksack macht mir heute ein wenig zu schaffen. Das Essen und das viele Wasser sind nicht gerade leicht und erschweren das vorankommen. Daher bin ich gerade auch einfach nur müde und freue mich auf mein „Bett“.

Tag 34:

Koan und ich werden diese Nacht von einem lauten Schrei/Brüllen aus dem Schlaf gerissen. Ich bin sofort hellwach. Was war das? Es hört sich an wie ein Puma und das erste Mal auf dem PCT habe ich wirklich Angst. Ich liege im Zelt und versuche mich zu beruhigen. Nach ein paar Minuten ist es wieder still. Doch ich kann nicht mehr schlafen und schrecke bei jedem Geräusch auf. Erst in den Morgenstunden gelingt es mir mithilfe meiner Oropax noch ein wenig Schlaf zu finden. Ich bin froh, als wir den Zeltplatz morgens verlassen und weiterwandern. Heute ist wunderschönes Wanderwetter und wir kommen gut vorwärts. Der Weg führt die meiste Zeit durch den Wald, was sehr angenehm für die Füße ist. Doch anscheinend bin ich hier auch schon im Bärengebiet, worauf mich ein Schild aufmerksam macht.

Daher bin ich besonders achtsam und singe die ganze Zeit vor mich hin, um mögliche Bären zu verscheuchen 😉 Das sieht bestimmt lustig aus, wie ich so alleine im Wald herumlaufe und alle möglichen Lieder singe. Hier ist zum Glück keiner der das sehen oder hören kann. Nachmittags überschreite ich dann auch den nächsten Meilenstein (640 km). Es ist immer wieder ein tolles Gefühl zu sehen wie viele Meilen/Kilometer ich schon geschafft habe.

Tag 35:

Als ich aufwache ist alles nass. Sogar mein Schlafsack ist ein wenig feucht geworden und ich werde ihn in der Pause trocknen müssen. Doch bevor es zu dieser kommt, wandere ich wieder einmal den Berg hinauf. Der Weg ist super schön und es geht die meiste Zeit durch den Wald. In der Mittagspause trockne ich die nass gewordenen Sachen auf einer Waldlichtung. Als dann zwei Wanderinnen dazu kommen und mit mir zusammen Pause machen freue ich mich umso mehr. Denn auf dem Trail treffe ich eher selten auf andere Frauen. Die beiden kommen aus Deutschland und Belgien und wir beschließen erstmal zusammen weiterzuwandern. Zu unserer Gruppe stößt dann noch ein weiterer Wanderer aus Deutschland und nun sind wir schon zu viert. Es ist doch schön ab und zu wieder in einer Gruppe wandern, auch wenn mir das alleine wandern mittlerweile ganz gut gefällt. Besonders abends auf dem Zeltplatz ist es viel lustiger mit mehreren Leuten.

Hier seht ihr Tine, Roland und Susie beim Essen. Gegen Abend hat es sich dann zugezogen und es regnet sogar ein wenig. Lustigerweise nur auf Susies Zelt, welches unter einem Baum steht :D. Heute habe ich sogar Partner für meine Yogagruppe und Susie, Tine und ich machen zusammen Yoga. Da es mir draußen zu kalt ist, mache ich das im Zelt und krieche danach schnell in den Schlafsack.

Tag 36:

In der Nacht regnet es und ich finde es sehr beruhigend dem Regen auf meinem Zelt zuzuhören. Da fühle ich mich direkt noch viel wohler im warmen Schlafsack und möchte diesen erst gar nicht verlassen. Es hilft nichts und ich muss raus in die Kälte. Ich laufe vor den anderen los, um die kühlen Temperaturen zu nutzen.

Doch ich muss alle paar Kilometer stoppen, um etwas zu essen. Mein Magen knurrt durchgängig und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Stadt mit leckerem Essen. Ich treffe die anderen auf dem Trail wieder und wir wandern zusammen weiter. Am Wegesrand ist überall Poodle Dog Bush zu sehen. Das ist eine giftige Pflanze und bei einer Berührung bilden sich große Blasen. Also ist aufpassen angesagt.

Die giftigen Büsche rieche ich schon von weitem. Denn sie verbreiten einen starken Geruch von Marihuana. Das wird einige Wanderer hier sicherlich freuen… 😀 Das Rauchen von Gras ist auf dem PCT nämlich leider total normal und ich muss die Angebote der anderen Wanderer oft ausschlagen. An der nächsten Wasserstelle treffe ich dann viele bekannte Gesichter wieder. Unter anderem Mike, Jaqueline und Koan… Wir quatschen ein wenig, bevor es weitergeht. Der Weg ist heute echt angenehm und führt über tolle Bergkämme.

Die meiste Zeit geht es leicht bergab und der Weg schlängelt sich langsam am Berg entlang ins Tal. So schaffen wir auch heute wieder über 30 km und erreichen bereits morgen die nächste Stadt Aguadulce. Schon beim Wandern träumen wir von Pizza und kalten Getränken. Doch heute Abend gibt es erstmal nochmal Essen aus der Tüte. Wir sitzen zusammen, hören Musik und machen nach dem Essen wieder Yoga. Wir haben unsere eigene PCT Yoga Class gegründet. Jetzt bin ich sogar schon Yoga Lehrerin 😉 . Auf dem Bild seht ihr auch mal gut, wie dreckig ich bin…

Heute habe ich auch eine Nachricht von Teresa erhalten: Sie macht jetzt zusammen mit Chae und Patrick einen Roadtrip und hat aufgehört zu wandern. Das finde ich sehr schade 😦 . Jetzt sind da nur noch ich und der PCT. Und natürlich noch die ganzen anderen Wanderer, die ich jeden Tag treffe

Tag 37:

Heute ist es soweit und es geht wieder einmal in die Stadt. Juhu 🙂 Wir wandern den Morgen über sehr zügig, um möglichst früh in Aguadulce anzukommen. Wir stoppen nur kurz auf einem Parkplatz und trocknen unsere Zelte ein wenig. So sind wir schon mittags da und gehen Burger essen.

Da ich danach immer noch nicht satt bin bekomme ich noch Pommes von Roland und Schokokuchen von Walker. Satt und zufrieden machen wir uns auf den Weg zu Hiker Heaven. Das ist eine Familie, bei der Wanderer im Garten zelten dürfen, die Möglichkeit haben zu duschen und ihre Wäsche waschen können. Ich glaube um die 40 bis 50 Wanderer sind hier und für alle gibt es genau eine Dusche. Ich habe mich sofort auf die Warteliste eingetragen und warte jetzt schon seit zwei Stunden auf meine langersehnte Dusche… Als es endlich so weit ist genieße ich es richtig und stelle mich auch direkt mal auf die Waage, die im Bad steht. Ich habe tatsächlich schon 4 kg abgenommen. Ich bin geschockt! Und das wo ich erst einen Monat hier bin. Um weiterem Gewichtsverlust vorzubeugen wird Pizza bestellt. Doch ich möchte einfach nur noch schlafen und verschwinde nach dem Essen schnell ins Zelt.

Tag 38:

Ich werde bereits um 6 Uhr vom krähenden Hahn geweckt. Das ist auch mal ein interessanter Wecker. Also raus aus den Federn und ab zum Frühstück. Es gibt Waffeln mit Obst und Sirup in einem Café in der Nähe. Hoffentlich habe ich die verlorenen Kilos bald wieder drauf, wenn ich so weiter esse.

Wir sind alle noch ein wenig müde und lassen den Tag sehr langsam angehen. Ich nutze die Zeit, um einfach mal nichts zu tun. Denn die anderen Pausentage musste immer irgendetwas organisiert, besorgt oder eingekauft werden. Erst nachmittags breche ich wieder auf. Bevor mich der Trail wieder zurück hat gehen wir noch gemeinsam etwas essen. Die Meile zum Restaurant werden wir netterweise von Jim mitgenommen.Gut gestärkt werden dann heute noch einige Kilometer und der nächste Berg bewältigt.

Tag 39:

Das Wandern ist heute sehr monoton. Schritt für Schritt geht es immer weiter. Manchmal ist es ein bisschen langweilig und ich beginne zur Ablenkung Hörbücher zu hören. Am heutigen Tag sind alle möglichen Geschichten von Jules Verne an der Reihe. Während dem Wandern bietet sich viel Zeit, um sich in ein Hörbuch zu vertiefen. Dabei habe ich jedoch immer nur einen Ohrstöpsel im Ohr, um Klapperschlangen oder andere Tiere nicht zu überhören. Ich fühle mich ein wenig erschöpft und mache viele Pausen und nutze diese, um immer wieder ein wenig zu schlafen. Der Weg führt heute quer durch grüne Hügelketten.

Es geht fast die ganze Zeit am Hang entlang und ich merke, dass meine Schuhe ihre beste Zeit hinter sich haben. Meine Knöchel und Knie beginnen zu schmerzen und die Vorfreude auf meine neuen Schuhe wird noch größer. Abends wandere ich dann einen Berg hinauf und es wird immer später. Ich möchte einfach nur noch etwas warmes zu essen und mich in meinen Schlafsack kuscheln. Doch weit und breit ist kein flacher Platz in Sicht, auf dem ich mein Zelt aufbauen kann. Irgendwann ist die Erschöpfung zu groß und ich baue mein Zelt am Wegesrand auf. Ich hoffe die Nachtwanderer und Tiere kommen so noch an mir vorbei.

Tag 40:

Ich habe fantastisch geschlafen. Vermutlich, weil ich gestern einfach so unglaublich müde war. Als ich das Zelt heute morgen verlasse sehe ich nur eine weiße Wand. Ich kann den Trail nur erahnen und während dem Wandern fängt es dann auch noch an zu regnen. Soviel also zum Thema „It never rains in southern California“…. Na ja immerhin wird mein Rucksack mal sauber. Immer das positive sehen 😉 Außerdem habe ich beim Regen nicht viel Lust lange Pausen zu machen und so schaffe ich heute viele Kilometer.

Der Himmel bleibt den ganzen Tag wolkenbedeckt und mittags beginnt es sogar zu hageln. Damit hätte ich jetzt echt nicht gerechnet. Doch der Trail hat ja immer eine neue Überraschung parat. Die Mittagspause verbringe ich unter einem Baum und versuche mir unter meinem Regenrock etwas warmes zu essen zu kochen. Das klappt auch gar nicht so schlecht und so gibt es Kartoffelpüree, der mich ein wenig aufwärmt.
Erst gegen Abend klart sich der Himmel wieder auf und gibt den Blick auf das Wüstental preis. Das ist doch mal ein schöner Tagesabschluss. Besonders, weil abends noch Caleb vorbeikommt und wir noch was quatschen.

Südkalifornien Tag 41 bis 50

Tag 41:

Auf eine meiner besten Nächte auf dem Trail folgt eine der schlechtesten. In der Nacht wird es eisig kalt. Ich rolle mich in meinem Schlafsack wie ein Baby zusammen und versuche mich so warmzuhalten. Doch nichts hilft und ich zittere bis in die frühen Morgenstunden vor mich hin. Irgendwann reicht es mir und ich packe meine Sachen. In meiner Daunenjacke laufe ich so schnell es nur geht los. Mit der Zeit wird mir auch wieder warm und als ich dann die 500 Meilenmarke sehe ist alles vergessen. Die Freude ist riesig und ich bin sehr stolz auf mich.

Jetzt bin ich schließlich schon einmal den Jakobsweg (Camino Frances) gewandert. Auch wenn ich nicht die Schnellste bin und mich nur langsam steigere bin ich immer noch dabei und das ist doch die Hauptsache.

Das ich langsam bin ist auch gar nicht mal so verkehrt, denn in dem kommenden Abschnitt vom PCT liegt noch eine ganze Menge Schnee. Ich nähere mich den High Sierras, dem gebirgigen Teil des Trails. Da ich mir für meine Wanderung zufälligerweise ein Rekordschneejahr ausgesucht habe und meine Schneeerfahrung leider sehr begrenzt ist, überlege ich schon seit Tagen was ich machen soll. Ich habe folgende Optionen:

1) Mir einen Eispickel, warme Kleidung kaufen und zusammen mit einer Gruppe versuchen durch die Berge zu kommen.

2) Die Sierras vorerst überspringen und nach Northern California oder Oregon fahren. Von da aus dann bis nach Canada wandern und die Sierras am Ende nachholen.

Da jedoch auch in Northern California und Oregon noch viel Schnee liegt und ich gehört habe, dass die Navigation sich dort sehr schwierig gestaltet, werde ich vermutlich die erste Option wählen und versuchen durch den Schnee zu kommen. Mit der Entscheidung lasse ich mir aber noch bis zur nächsten Stadt (Tehachapi) Zeit.


Hier mal ein Bild von der PCTA Seite, damit ihr euch vorstellen könnt, welche Schneemassen mich erwarten. Bis dahin genieße ich die Zeit mit den anderen Wanderern.

Tag 42:

Gestern Abend haben die Jungs noch versucht mit Messer- und Axtwerfen beizubringen, damit ich mich auch selbst verteidigen kann. Sagen wir es mal so: es hat eher mäßig geklappt 😀 . Halb so schlimm denn wir hatten viel Spaß. Ich bin dann auf die glorreiche Idee gekommen noch meine Kleidung zu waschen. Das wird mir heute Morgen zum Verhängnis, denn alles ist noch plitsch nass. Na toll. Also laufe ich mit meinen Schlafleggins los und hänge die nasse Kleidung zum Trocknen an den Rucksack.
Zunächst führt der Weg an einem Fluss vorbei. Ich bin früh unterwegs, da dieser Abschnitt sehr heiß und trocken ist.

Zudem ist es unglaublich windig heute und ich habe manchmal Schwierigkeiten mich auf den Beinen zu halten. Dennoch komme ich zügig voran und erreiche das Los Angeles Aqueduct. Dieses ist sehr flach und sogar asphaltiert, weshalb ich ganze 37 km (mein persönlicher Rekord) zurücklege. Als ich zurückblicke sehe ich eine dunkle Regenfront und ein wunderschöner Regenbogen erstreckt sich am Himmel.

Dafür hat sich der Regen in den letzten Tagen doch mal gelohnt. Trotzdem bin ich froh gerade der Sonne entgegen zu wandern und den Regen hinter mir zu lassen. Als diese am Mittag ihren Höchststand erreicht suche ich mir ein kleines Plätzchen Schatten und ruhe mich aus. Kochen möchte ich zunächst nichts, da ich das Wasser lieber zum Trinken aufbewahre. Als ich an der Wasserstelle ankomme und mir etwas kochen möchte, ist die Gaskartusche leer. Nächstes Mal kaufe ich mir auf jeden Fall eine große Gaskartusche.

Die letzten Kilometer verwandelt sich der Wind dann in einen Sturm und ich werde mehrmals vom Trail geweht. Auch meine heißgeliebte Mütze fliegt weg und ich möchte nur noch hier weg. Aber nichts da. Ich muss ja irgendwo schlafen und so baue ich mein Zelt hinter einem Baum auf, in der Hoffnung dort ein wenig Schutz vor dem Wind zu finden. Kurz nach mir trifft noch ein anderes Mädchen ein. Und zwar mein Double sie heißt auch Caroline, ist genauso alt wie ich und wandert ebenfalls alleine (wenn auch wesentlich mehr Meilen als ich).

Tag 43:

Ich wache schon um 5 Uhr auf, da die andere Caroline bereits ihre Sachen packt und wenig später den Berg hoch „rennt“. Bei dem Tempo kann ich echt nicht mithalten. Also lasse ich sie vorlaufen und wandere alleine weiter. Mittlerweile finde ich es sehr schön alleine unterwegs zu sein. Denn so habe ich mein eigenes Tempo und meinen eigenen Tagesrhythmus gefunden. Außerdem lerne ich so viele neue Leute kenne, sodass ich in den Pausen und beim Zelten meistens nicht alleine bin. Nach meinem Rekordtag gestern gehe ich es was langsamer an. Ich mache früh und lange Mittagspause und genieße dabei die Natur und die Weite der Wüste.

Am Nachmittag verlässt mich auf einmal meine Wanderlust und ich möchte nur noch in die nächste Stadt. Also rechne ich die ganze Zeit aus wie viele Kilometer ich heute und morgen noch laufen muss, um diese zu erreichen. Der Wind und die Hitze macht mir heute ordentlich zu schaffen. Kein Wunder das hier so viele Windräder stehen…
Als ich dann endlich einen Zeltplatz finde bin ich ziemlich frustriert. Denn auch heute erwartet mich keine warme Mahlzeit und das wo ich doch riesen Hunger habe. Doch ich habe wieder einmal richtig Glück und Simba kommt vorbei. Als er hört, dass ich mir nichts zu essen kochen kann, gibt er mir kurzerhand Nudeln, Haferflocken und seinen Kocher. Wow, wie lieb ist das denn bitte…

Damit ist er mein Held des Abends. So koche ich mir noch zwei warme Mahlzeiten und kann satt und glücklich einschlafen.

Tag 44:

Heute komme ich in Tehachapi an und als erstes fahre ich zur Post, um meine neuen Schuhe abzuholen. Endlich ist es soweit. Als ich in der Schlange warte werde ich von vielen Kunden zu meiner Wanderung angesprochen und alle sind ganz begeistert. Einer schenkt mir sogar Gummibärchen (Haribo). Da vermisse ich Bonn doch schon wieder ein wenig… Es ist cool wie nett und aufgeschlossen die Menschen hier sind. Auch an der Bushaltestelle treffe ich eine Frau, mit der ich mich lange über den Trail unterhalte. So vergeht die Fahrt nach Mojave wie im Flug. Hier schlafe ich in einem Motel, direkt neben dem Subway. Meine Ernährung für die nächsten Tage ist also schonmal gesichert 😀
Im Motel angekommen springe ich unter die Dusche und esse mein erstes Sandwich, zusammen mit zwei Kekse. Anschließend werden die neuen Schuhe ausgepackt und anprobiert.

Tada. Ich bin auf die Altra Lone Peak 3.0 umgestiegen. Die große Mehrheit der Wanderer nutzt diese und alle die ich gefragt habe sind sehr zufrieden. Ich hoffe ich kann mich da anschließen. Im Vergleich dazu mal meine alten Schuhe, die an der Innenseite schon extrem abgelaufen sind. Ich bin froh, diese jetzt in den Mülleimer zu schmeißen. Immerhin haben sie 911 km auf dem PCT durchgestanden.

Ich laufe die neuen Schuhe direkt mal ein und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Das ist in Amerika zu Fuß gar nicht so einfach. Denn es gibt hier einfach keine Bürgersteige/Fußwege. Es geht also auf dem kleinen Schotterweg neben der Autostraße Richtung Supermarkt. Alle Amerikaner schauen mich an wie eine Außerirdische 😀 Klar, außer mir ist hier auch keiner zu Fuß unterwegs.
Immerhin hat sich der Weg gelohnt und ich esse jetzt Obst und Eiscreme im Bett. Morgen fahre ich nach Tehachapi, um ein paar andere Wanderer wiederzusehen.

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Das entdecke ich auf einer Infotafel zum Trail und ich finde es so schön, dass ich sofort ein Foto mache. Es stimmt, der PCT ist viel mehr als nur ein Wanderweg.

Tag 45:

Nachdem ich eine wunderschöne Nacht im Bett verbracht habe, gehe ich zusammen mit Chelsea frühstücken. Sie schläft zufällig direkt im Zimmer neben mir und wir haben uns gestern Abend kennengelernt. Es ist einfach so lecker… Die nächsten Stunden verbringe ich dann wieder im Bett in ruhe mich aus. 500 Meilen (ca. 800km) haben mich ganz schön müde gemacht. Außerdem plane ich meinen weiteren Streckenverlauf. Es folgt wieder ein sehr trockener Abschnitt, auf dem ich eine Menge Wasser und Essen mit mir herumtrage.

Da ich ja versuche nicht noch mehr abzunehmen, habe ich beschlossen nun zweimal am Tag warm zu kochen. Außerdem nutze ich den Tag, um Ordnung in meinen Rucksack zu bringen. Alle kleineren Gegenstände sind jetzt in Zipbeutel verpackt und befinden sich im Deckelfach meines Rucksacks. Im Hauptfach befindet sich ganz unten mein Schlafsack, darüber mein Essenssack und ganz oben das Zelt. Meine Kleidung sind in einem Extrafach, an der Unterseite des Rucksacks. Ich hoffe so kann ich Ordnung in mein Bermuda Dreieck bringen. Die 50 Liter sind manchmal auch schon fast zu klein. Besonders wenn ich viel Essen und Wasser transportieren muss, wird es eng im Rucksack und das Packen wird zu einer wahrhaften Herausforderung.
Nachmittags fahre ich nach Tehachapi und treffe Sante, Susie, Tine, Roland und Caleb wieder. Wir gehen zusammen was essen und ich freue mich alle wiederzusehen. Wir beschließen morgen wieder zusammen weiterzuwandern und somit ist der Abschied nicht für lange Zeit.

Tag 46:

Ab heute wandere ich auf Cheryl Strayed’s Spuren. Sie ist damals, im Jahr 1995 (mein Geburtsjahr), in Mojave gestartet und wanderte rund 1000 Meilen auf dem PCT. Ihr Buch „Wild-Der große Trip“ hat mich auf den PCT aufmerksam gemacht und mich zu dieser Wanderung inspiriert. Auch sie hatte damals ein extremes Schneejahr und hat die High Sierras, denen ich mich gerade mit jedem Schritt nähere, übersprungen.
Ich bin immer noch unentschlossen was ich machen soll…. Immerhin habe ich noch ein paar Tage Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Da das auch meine letzten Tage zusammen mit Tine und Susie sind verbringe ich viel Zeit mit ihnen. Die beiden fliegen in 5 Tagen nach Hawaii und machen dort Urlaub.

Besonders nach diesem Stück ist das auch keine schlechte Idee. Denn der Abschnitt ist einer der härtesten auf dem PCT. Wir müssen jeden Tag um die 4-5 Liter Wasser mitnehmen und mit dem ganzen Essen kommt da einiges zusammen. Außerdem sind es heute über 30 Grad und es geht natürlich mal wieder den Berg hinauf. Wir überwinden ca. 1000 Höhenmeter. Mein Hals fühlt sich staubtrocken an und das obwohl ich fast durchgehend am Trinken bin. Als der Weg nachmittags flacher wird bin ich sehr erleichtert.

Noch größer ist die Freude, als wir abends endlich die Wasserstelle erreichen. Ich trinke sofort einen ganzen Liter von dem kalten Wasser und mir geht es gleich viel besser. Wir zelten gemeinsam mit vielen anderen Wanderern direkt neben der Quelle. Dann folgt meine Abendroutine auf dem Trail: Kochen, Magnesium Tablette nehmen, Zähne putzen, Yoga machen, Zelt aufräumen, Umziehen, Handy+Powerbank+Wasserfilter in den Schkafsack packen, Schlafen.

Tag 47:

Auch heute macht mir die Hitze wieder sehr zu schaffen. Sogar in der Nacht ist es nicht abgekühlt und als wir um 5 Uhr starten ist es bereits unfassbar warm. Als die Sonne aufgeht wird es richtig heiß und das Wandern fällt mir schwer.

Besonders mein Rucksack bereitet mir in den letzten Tagen Probleme. Denn ich bin mittlerweile für den Hüftgurt zu schmal geworden und so lastet viel Gewicht auf meinen Schultern. Denen gefällt das gar nicht gut und sie fangen an zu weh zu tun. In der nächsten Stadt versuche ich eine Lösung dafür zu finden, denn so geht es nicht weiter.
Aber nicht nur ich, sondern auch die anderen sind heute nicht ganz fit und jeder hat irgendwo Schmerzen. Ob im Knie, im Fuß oder wie ich im Rücken…

Deswegen legen wir eine lange Pause ein und schlafen alle ein wenig. Das steigert meine Motivation und ich überquere später am Tag die 600 Meilenmarke (ca.965km). Jetzt bin ich schon einmal quer durch Deutschland gelaufen (von Norden nach Süden). Diese Vorstellung hebt unsere Stimmung und spornt uns nochmal an.

Tag 48:

Ich liebe diese Tage, die mir immer wieder zeigen wie schön das Leben auf den Trail ist und das sich der ganze Schmerz und das Durchhalten auszahlt. Genau so einen Tag hatten wir heute. Er beginnt mit einem leckeren Frühstück (Kartoffelpüree) im Wald. Dort ist es noch sehr kalt und ich trage sogar meine Daunenjacke. Das ändert sich jedoch schnell und desto weiter wir runter ins Tal kommen, desto wärmer wird es auch.

Mein Trinkwasser ist nur noch heiß und ich freue mich riesig, als ich eine Kühlbox am Wegesrand entdecke. Da haben uns wieder einmal ganz liebe Menschen eine Freude gemacht und kalte Getränke an den Trail gebracht. Zusätzlich liegen auch noch silberne Folien bereit, die ein wenig Schatten spenden sollen. Der ist ansonsten leider überhaupt nicht vorhanden. Wir nutzen diese schöne Stelle für unsere Mittagspause. Zusammen mit vielen anderen Wanderern bleiben wir stundenlang da und warten die schlimmste Hitze ab. Ich habe meine Beine mit der Folie zugedeckt und fühle mich wie eine Ofenkartoffel, die im Backofen vergessen wurde 😀 Denn unter der Folie sammelt sich die ganze Wärme. Immer noch viel besser, als gerade zu wandern… Erst abends starten wir wieder und laufen bis in die Nacht hinein.

Dabei können wir einen tollen Sonnenuntergang betrachten und so nimmt der Tag ein wunderschönes Ende. Zumindest bis ich mein Zelt aufbaue und eine Maus oder irgendein anderes Nagetier über mein Zelt läuft. Und zwar die ganze Zeit hin und her. Ich möchte doch einfach nur schlafen…

Tag 49:

Ein perfekter Tag zum Wandern, denn das Wetter meint es heute gut mit uns. Es ist bewölkt und somit nicht allzu heiß. Auch der Weg ist angenehm, denn die meiste Zeit geht es leicht auf und ab. Jedenfalls die meiste Zeit, wenn nicht gerade wieder ein Baumstamm oder ein Fluss den Weg versperrt.

Doch uns allen stecken noch die letzten Tage in den Knochen. Jeden Tag 20 Meilen oder mehr zu laufen macht ganz schön müde. Besonders nach unserer dreistündigen Mittagspause finde ich nicht mehr ins Wandern hinein, sondern bin einfach nur noch müde. Die Meilen ziehen sich und die nächste Wasserquelle scheint ewig weit weg zu sein. Doch wir müssen diese heute erreichen, denn ansonsten haben wir nicht genug Wasser. Wir schaffen es auch tatsächlich noch und bauen in der Nähe der Quelle unsere Zelte auf. Ich muss mich diesmal wirklich zwingen etwas zu kochen und zu essen. Wir haben beschlossen den morgigen Tag etwas ruhiger anzugehen und erstmal auszuschlafen. Ich hoffe diesmal ist da keine Maus, die mir meinen Schlaf raubt.

Zudem habe ich eine Entscheidung getroffen, was die High Sierras (die Berge mit den Schneemassen) angeht. In den letzten Tagen habe ich mit vielen Wanderern über die verschiedenen Möglichkeiten gesprochen. Mir wurde berichtet, dass viele Menschen aus den Bergen geborgen werden mussten. Heute erreicht uns dann noch die schlimmste Nachricht: Eine junge Frau, die alleine in den Sierras unterwegs war ist abgestürzt und umgekommen. Nach diesem tragischen Vorfall ist meine Entscheidung getroffen. Ich möchte nicht mein Leben riskieren und werde die High Sierra deshalb vorerst überspringen. Mein Plan ist es nach Northern California zu fahren, um dort weiterzuwandern und am Ende meiner Wanderung wiederzukommen, um diesen Abschnitt nachzuholen. Denn schließlich ist dieser das Herz des PCT und das würde ich nur ungern verpassen.

Tag 50:

Als ich aufwache fühle ich mich einfach nur ausgelaugt. Mein Kopf tut weh und auch meine Beine schmerzen. Ich bin froh, dass wir heute in die Stadt (Lake Isabella) kommen. Da werde ich auf jeden Fall eine Pause einlegen, um mich von den letzten Tagen auszuruhen. Doch zuvor ist wandern angesagt. In weiter Ferne sind schon die weißen Bergspitzen der Sierra zu sehen. Ich nähere mich also langsam dem Ende der Wüste. Das ist auch gut so, denn diese hat mich einiges an Durchhaltevermögen gekostet. Auch körperlich hat sie mir viel abverlangt und ich bin froh, wenn ich diesen Abschnitt geschafft habe.

In der Stadt angekommen beziehen wir dann erstmal ein Ferienhaus zusammen mit vier anderen Wanderern. Nachdem ich etwas gegessen und getrunken habe fühle ich mich ein wenig besser. Den Nachmittag verbringe ich mit viel Tee im Bett. Später wird der Grill angeworfen und wir haben ein schönen Abend mit leckerem Essen. Dominik gibt uns mit seiner Gitarre (ja er schleppt tatsächlich eine kleine Gitarre mit sich herum 😀 ) ein kleines Privatkonzert bevor wir ins Bett gehen…

 

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Südkalifornien Tag 51 bis 55

Tag 51:

Nach langer Zeit kann ich wieder einmal ausschlafen. So stehe ich erst um 8 Uhr auf 😀 Ich bin froh, noch einen weiteren Tag Pause in Lake Isabella zu haben. Bevor die Jungs wieder auf den Trail aufbrechen frühstücken wir noch alle zusammen. Und was für ein Frühstück… Es gibt Omelette, Obstsalat, Brot, Cornflakes und alles andere, was ein Hikerherz höher schlagen lässt. Beim aufräumen entdecke ich diesen süßen Magnet am Kühlschrank.

Das ist doch mal eine super Motivation!

Dann wird es Zeit Abschied zu nehmen, denn nur Susie, Tine und ich bleiben noch eine weitere Nacht in der Stadt. Ich breche morgen wieder zum Trail auf und die beiden fliegen nach Hawaii. Ich werde sie echt vermissen, es war sehr schön die letzten Wochen mit den beiden unterwegs zu sein. Immerhin bleibt uns noch dieser gemeinsame Tag, an dem einiges erledigt werden muss. Einkaufen, Flip Flop (Überspringen der Berge) organisieren, Essen gehen, Schlafen.

Beim Einkaufen muss ich nicht mal selbst laufen, sondern habe ein kleines Auto, mit dem ich durch den Supermarkt kurve 😀 Jetzt liege ich wieder einmal mit Eis und Chips im Bett und genieße es einfach mal nichts zu tun und meinem Körper eine Pause zu gönnen. Die Stadt ist zum Glück auch nichts Besonderes und so verpasse ich nicht viel.

Tag 52:

Die kleine Pause vom Wandern hat mir sehr gut getan und ich habe nur noch leichte Kopfschmerzen, als ich heute morgen aufwache. Dennoch bin ich traurig, denn es ist Zeit mich von Susie und Tine zu verabschieden. Die beiden fliegen für einen Monat nach Hawaii und kommen erst danach wieder zurück auf den Trail. Es war sehr schön mit den beiden zu wandern und ich hoffe wir sehen uns nochmal wieder.
Doch ich bin nicht lange alleine. An der Straße treffe ich Jamie wieder und in der Mittagspause kommt Mike vorbei. Wir wandern zusammen weiter und haben wunderbare Ausblicke auf das Tal. Auch die berühmten Joshua Bäume bekomme ich heute zu Gesicht. Diese gibt es anscheinend überwiegend in der Mojave Wüste und sie sind zum Symbol dieser geworden. Es soll sogar Exemplare geben, die über 900 Jahre alt sind. Zumindest habe ich das heute morgen von meinem Fahrer gelernt. Am Abend treffen wir dann auf viele bekannte Gesichter. Auch die Jungs von unserem Grillfest in Lake Isabella sind dabei und wir zelten alle zusammen.

Tag 53:

Heute fällt mir das Wandern richtig leicht und ich komme zügig voran. Ich laufe Meile für Meile und mache zwischendurch nur kurze Pausen, um etwas zu essen. Mit jedem Schritt nähere ich mich dem Ende der Wüste und das motiviert mich ungemein. Schon jetzt freue ich mich auf die Wälder, welche mich in Northern Kalifornien erwarten. Auch die Landschaft beginnt sich zu verändern und der Sand wird zu Waldboden. Es tauchen immer mehr Bäume auf und am Wegesrand wachsen alle möglichen Blumen.

Auch der Geruch von Fichten und Waldboden verspricht das Ende der Wüste. Das ist viel mehr meine Umgebung. Als ich an den angedachten Zeltplatz komme ist es erst 15 Uhr und die anderen sind noch nicht da. Ich habe keine Lust so lange hier rumzuhängen und beschließe noch ein wenig weiter zu gehen. Im Endeffekt laufe ich noch viel weiter als geplant und lege insgesamt 40 km zurück. Mit dem Sonnenuntergang komme ich an einen Zeltplatz, an dem schon andere Wanderer schlafen. Ich koche mir schnell noch was und dehne mich ein wenig (damit der Muskelkater nicht allzu schlimm wird). Danach krieche ich hundemüde in meinen Schlafsack.

Tag 54:

Ich habe die Wüste überlebt Es ist endlich geschafft und ich erreiche das Ende dieses Abschnittes. Vor diesem habe ich mich am meisten gefürchtet und bin erleichtert, die Wüste jetzt hinter mir zu lassen. Sie hat mich landschaftlich zwar wirklich positiv überrascht, dennoch sind wir nie Freunde geworden. Dafür hat mir die Hitze doch zu oft zu schaffen gemacht und ich bin froh, dass ich mich den Wäldern nähere.

Auf der Terrasse des kleinen Haus sitzen schon viele Wanderer und jubeln mir zu. Ein tolles Gefühl und ich sehe viele Freunde wieder. Doch so schnell ich gekommen bin, so schnell bin ich auch wieder weg. Denn ich treffe zwei Schweitzer, die auch in den Norden fahren möchten und gerade aufbrechen. Ich schließe mich spontan an und verlasse nach meinem 10 minütigen Aufenthalt Kennedy Meadows auch schon wieder. Ich habe leider nicht mal Zeit mich von allen zu verabschieden und hoffe ich sehe sie auf dem Trail nochmal wieder. Schließlich habe ich jetzt schon 700 Meilen geschafft und es geht noch weiter…

Doch zunächst überspringe ich ca. 500 Meilen, um den vielen Schnee zu umgehen. Diese möchte ich dann am Ende meiner Wanderung nachholen. So fahre ich jetzt zusammen mit Shortcut und Runner nach Ridgecrest. Dort mieten wir uns ein Auto, mit dem wir in den Norden fahren. Diese Nacht verbringen wir noch im Motel, bevor es morgen früh los geht.

Tag 55:

Zur Abwechselung bin ich mit dem Auto unterwegs. Es ist komisch nicht selbst zu laufen, sondern den ganzen Tag im Auto zu verbringen. Doch die Zeit vergeht sehr schnell. Sogar hier sind Wanderer unterwegs Das sind die ganz krassen Thru Hiker. Die machen keinen Flip Flop, die laufen einfach durch. Und zwar an der Autobahn entlang. Das ist natürlich auch eine Lösung, um dem Schnee aus dem Weg zu gehen. Es heißt ja schließlich auch „Hike your own hike“ meine Wanderung geht in Belden (Nordkalifornien) weiter.

Ich hoffe, da liegt nicht mehr ganz so viel Schnee… Als wir mit dem Auto an den Bergen vorbei fahren sehen wir nämlich noch eine ganze Menge davon. Auf der Fahrt nach Belden halten wir noch in Reno beim REI (ein großer Outdoorladen in Amerika). Dort kaufe ich mir eine neue Mütze und neue Socken, da die alten schon wieder Löcher bekommen. Der Verschleiß bzw. der Verlust an Ausrüstung ist bei so einer langen Wanderung echt enorm. Durch diese kleine Shoppingtour haben wir leider etwas Zeit verloren und schlafen in einer schönen Lodge in Quincy. Ziel für morgen: Belden erreichen und die Wanderung fortzusetzen.