Nordkalifornien Tag 56 bis 60

Nordkalifornien begrüßt mich mit einer Menge Regen. Trotzdem fühle ich mich gleich wohl in den grünen Wäldern. Während die beiden Schweitzer Michael und Martin noch das Auto zurückbringen wandere ich schon wieder los. Wir verabschieden uns voneinander und schießen zusammen mit vier anderen Wanderern ein Erinnerungsfoto. Ich bin den beiden sehr dankbar, dass sie mich mit nach Nordkalifornien genommen und sich so lieb um mich gekümmert haben. Dann geht es auch schon ab in den Wald.

Es ist fast kein anderer Wanderer unterwegs. Die sitzen vermutlich alle noch in Kennedy Meadows fest oder haben eine andere Option gefunden, um ihre Wanderung fortzusetzen. Erst gegen Mittag treffe ich einen anderen Wanderer, der am Wegesrand sitzt. Er möchte den Fluss nicht alleine überqueren und wartet auf jemanden der mitkommt. Das kann ich gut verstehen, denn der Fluss ist nicht ganz ungefährlich. Wir suchen uns eine bessere Stelle und überqueren den Fluss. Das Wasser reicht mir dabei bis zu den Oberschenkeln und ich bin froh als ich auf der andern Seite stehe.

Meine Füße sind klitschnass und eiskalt, weshalb ich schnell weiterwandere. Der andere Wanderer bleibt am Fluss zurück und baut dort sein Zelt auf. Als ich einige Zeit später um eine Ecke biege sind da auf einmal drei Bären und starren mich an. Zwei sind weit entfernt und laufen direkt weg, sobald ich meine Pfeife benutze. Der andere ist jedoch nur ca. 15 Meter entfernt und will einfach nicht verschwinden. Ich brülle, schwenke mit den Stöcken und pfeife so laut es geht. Doch er bleibt ungerührt stehen und starrt mich an. Mir ist zum heulen zumute. Schließlich bin ich so verzweifelt, dass ich anfange Karnevalslieder zu singen, um den Bären zu vertreiben. Und sie an: Es hilft und der Bär sucht endlich das Weite. Doch ich habe riesige Angst, dass er zurück kommt und renne fast weiter. Das Rennen ist jedoch bald auch nicht mehr möglich, da ich in den Schnee komme. Der Trail ist nicht mehr zu sehen und ich navigiere die ganze Zeit mit meinem Handy. So erreiche ich die Spitze des Berges und baue mein Zelt auf der Schneedecke auf.

Mein Essen und die Zahnpasta hänge ich sicherheitshalber in einen Baum, der weit genug entfernt ist. Als ich im Zelt liege spüre ich wie fertig ich bin. Ich denke ich werde morgen auf andere Wanderer warten oder versuchen so schnell wie möglich die nächste Stadt zu erreichen. Denn das war heute eine Nummer zu viel für mich.

Tag 57:

Die Nacht war der Horror, denn es war die ganze Zeit eiskalt. Ich hatte alles an, was ich dabeihabe und habe trotzdem gefroren. Zudem hatte ich Angst, dass der Bär zurückkommt und konnte so gut wie gar nicht schlafen. Also packe ich früh meine Sachen zusammen und beginne den Abstieg. Der stellt sich als sehr kompliziert heraus. Denn es geht steil bergab und obwohl ich Microspikes trage rutsche ich dauernd aus. Das macht echt keinen Spaß. Zumindest wird der Schnee mit dem Schritt bergab weniger.

Der Trail ist dennoch nur schwer zu finden und ich laufe im Zick Zack durch den Wald. Irgendwann habe ich einfach keine Lust mehr und setze mich an den Wegesrand, in der Hoffnung das andere Wanderer vorbeikommen. Ich habe Glück und nach einer Stunde kommt tatsächlich jemand vorbei. Wir laufen gemeinsam weiter und ich bin froh nicht mehr alleine unterwegs zu sein. Zu zweit macht die Schneewanderung direkt viel mehr Spaß und auf einer Lichtung werden wieder Schneeengel gemacht.

Den Weg zu finden wird immer mehr zur Herausforderung. Es ist fast wie an Ostern. Nur das wir keine Ostereier, sondern kleine silberne Tafeln an den Bäumen suchen. Ich habe mich heute gefühlt 15 Mal verlaufen und den Trail verloren. Ich freue mich einfach nur noch darauf in die Stadt zu kommen und hoffe ich erreiche diese morgen.

Tag 58:

Ein weiterer Tag im Schnee…
Es ist ziemlich zermürbend die ganze Zeit im Schnee zu wandern. Ich komme kaum vorwärts und muss die ganze Zeit den Weg suchen. Besonders der Abstieg macht mir zu schaffen. Es geht sehr steil den Berg hinunter. Auf einmal mache ich einen falschen Schritt und Rutsche schon meterweit den Berg hinab. Ich kann mich gerade noch an einem Baum festhalten, bevor ich noch weiter hinunterrutsche. Ich bin echt am Ende und beschließe, dass es so nicht weitergehen kann. Ich checke meine Karte und sehe, dass nicht weit entfernt von mir eine Straße den Berg runter in die Stadt führt. Diese ist zwar deutlich länger als der PCT, ist aber niedriger gelegen und ich hoffe dort nicht so viel Schnee vorzufinden. Ich kämpfe mich also die letzten Meilen durch den Schnee bis ich auf die Straße treffe. Es ist viel mehr ein Schotterweg, doch zumindest gut erkennbar und ich versuche mein Glück. Tatsächlich geht es recht schnell hinunter und der Schnee wird weniger. Ohne diesen komme ich auch wieder viel schneller vorwärts und so erreiche ich die Stadt (Chester) schon am Nachmittag. Das war eine wirklich gute Alternativroute und besonders auch eine sehr schöne.

So gefällt mir das Wandern gleich viel besser. In der Stadt angekommen geht’s als erstes zu Subway. Danach treffe ich Mike, Jacquline und Stefanie vor der Kirche. Auf der Wiese hinter der Kirche dürfen wir diese Nacht nämlich schlafen. Da mal wieder alles gewaschen werden muss, laufe ich heute mal wieder mit meinen Regenklamotten durch die Stadt. Und alle schauen mich komisch an 😀 . Doch viele wissen Bescheid und fragen direkt „PCT Hiker?“. Es ist toll wie positiv die meisten Menschen auf uns Wanderer reagieren. Zum Abendessen gibt es dann noch Burger und zwar meinen bisher besten vegetarischen Burger auf dem Trail. Gut gesättigt ziehe ich mich in mein Zelt zurück, nachdem ich mit den anderen die Startzeit für morgen abgesprochen habe. Die nächsten Tage bleibe ich in der Gruppe, da ich einfach genug davon habe allein zu wandern. Bei dem ganzen Schnee und den vielen Bären fühle ich mich mit mehreren doch sicherer.

Tag 59:

Heute bin ich zur Abwechslung einmal nicht alleine unterwegs, sondern habe mich drei anderen Wanderern angeschlossen. Das ist für die Strecke durch den Schnee wohl das Beste. Der Abschnitt ist sehr schön und wir laufen durch den Lassen Nationalpark. Kurz nachdem wir die Stadt verlassen erwartet uns schon die erste Trailmagic und es gibt frisches Obst und Chips zum Frühstück. Danach wird dann gewandert und die Landschaft gefällt mir richtig gut. Es ist sehr grün und überall sind Seen und Flüsse zu sehen, die zu einer Pause einladen.

Ich nutze die Gelegenheit und gehe wieder einmal schwimmen bevor wir den Berg hochsteigen. Und wie ist es anders zu erwarten?! Oben liegt natürlich wieder Schnee…. Dieses Mal zum Glück nicht annähernd so viel, wie auf der letzten Etappe. Trotzdem mehr als genug für mich 😀 . Durch den Schnee brauchen wir sehr lange und erreichen das Camp erst am späten Abend.

Tag 60:

Stefanie und ich wachen heute vor den beiden anderen auf. Da es richtig kalt ist bauen wir schnell die Zelte ab und laufen los. Es geht den Berg hoch, meine Stärke 😉 Als ich mich umdrehe ist Stefanie schon außer Sichtweite. Na ja wir treffen uns sicher spätestens in der Pause wieder. Das dachte ich zumindest… Denn oben auf dem Berg liegt wieder einmal eine Menge Schnee. Das lädt nicht wirklich zu einer längeren Pause ein und so wandere ich schnell weiter. Vorbei an zugeschneiten Landschaften und Seen.

Ich komme mir vor wie im Winterwunderland. Das Wandern im Schnee ist sehr anstrengend und ich brauche wesentlich länger. Daher freue ich mich, als ich am Nachmittag auf einen schneefreien Weg treffe. So geht es flott voran und ich erreiche am Abend einen schönen Zeltplatz. Die anderen kommen leider nicht mehr an und ich hoffe sie in den nächsten Tagen wiederzusehen. Zumindest sollen die folgenden Etappen weitestgehend schneefrei sein. Das sind doch gute Nachrichten.

Nordkalifornien Tag 61 bis 67

Mein Zeltplatz mitten im Wald war genial und ich habe toll geschlafen. Morgens bin ich schon voller Vorfreude, denn heute gehe ich zu einem kleinen Café (ca. eine Meile vom Trail entfernt). Für frisches, leckeres Essen nehme ich diese Extrameile gerne in Kauf ;). Ich bin die erste im Café und die nette Besitzerin kocht mir sofort eine heiße Schokolade. Morgens und nachts ist es so kalt hier. Da ist etwas warmes zu trinken genau das richtige. Danach beginnt dann das Essen… Ich bestelle dreimal, weil ich so großen Hunger habe. Als erstes gibt es eine Art Reibekuchen (Hash Browns), gefolgt von Kartoffeln mit Eiern und Gemüse. Zu guter Letzt nehme ich noch ein Avocado Sandwich mit für unterwegs. Um 9 Uhr kann ich mich dann auch endlich losreißen und breche auf. Auf dem Trail ist keiner außer mir unterwegs. Durch den Flip Flop (das Überspringen der Berge), ist es viel ruhiger geworden.

Die schier unendliche Weite lässt mich immer wieder staunen. Die schneebedeckten Berge lassen mich zwar nicht gerade aufjubeln, doch ich hoffe der Schnee schmilzt bis ich ankomme noch… In der Pause gibt es den frischen Salat und das Sandwich. Das ist mit Abstand einer meiner gesündesten Mahlzeiten auf dem Trail 😀 Nach dem Essen bin ich echt müde und lege mich für eine Weile schlafen. Nach meinem kleinen Mittagsschlaf komme ich nicht wieder in Schwung. Deshalb beschließe ich heute nur 20 Meilen (32km) zu wandern. So habe ich viel Zeit, um die tolle Landschaft zu genießen.

Tag 62:

Als ich heute morgen aufwache ist meine Motivation am Nullpunkt. Ich habe Muskelkater und bin einfach nur müde. Die ganze Nacht hat mich nämlich eine Kuhherde wachgehalten, die neben unseren Zelten hin und hergerannt ist. Auch Randy und Can, die mit mir zusammen gezeltet haben, sind dementsprechend müde. Nachdem ich meinen inneren Schweinehund endlich überwunden habe geht’s los. Während ich wandere bessert sich meine Laune und ich bin schnell unterwegs. Nur die ganzen Mücken gehen mir ziemlich auf die Nerven. Zum Schutz trage ich schon mein Mückennetz und in den Pausen die Daunenjacke. Und das trotz 30 Grad…

Auf dieser Etappe fühle ich mich wieder, wie in der Wüste. Von den schönen Wäldern ist nichts mehr zu sehen und hier wimmelt es nur so von Schlangen. Alleine heute sehe ich drei Stück. Immerhin ist hier ab und zu ein schattiges Plätzchen zu finden und auch an Wasser mangelt es nicht so sehr, wie in der Wüste.

Sogar ein See zum schwimmen liegt auf meinem Weg und diese Gelegenheit lasse ich natürlich nicht entgehen. Das Wasser ist eisig und ich halte es nur ein paar Minuten aus nach solch einer Abkühlung lässt es sich gleich viel besser wandern. Dann folgt noch ein weiteres Highlight: Ich entdecke ein Wegweiser zu einer Ranch, bei der es Eis, Duschen, Waschmaschinen und Essen geben soll. Ich biege gleich ab und steuere die Ranch an.

Als ich ankomme begrüßt mich sogleich die Besitzerin und bringt mit erstmal ein Erdbeereis. Während ich esse warnt sie mich vor den vielen Pumas in der Gegend und erklärt mir, wie ich mich verhalten soll, wenn ich einem begegne. Ist bei meinem „Glück“ ja auch gar nicht so unwahrscheinlich… Vorerst möchte ich aber gar nicht hier weg. Vielmehr verbringe ich den ganzen Nachmittag zusammen mit einem anderen Wanderer namens Kevin (Super K) auf der Terrasse. Zwischendurch gehe ich noch kurz in dem kleinen Laden einkaufen.

Falls man das überhaupt noch als Laden bezeichnen kann. Das war auf jeden Fall ein wunderschöner und sehr abwechslungsreicher Nachmittag. Nachdem Kevin aufgebrochen ist und ich zu Abend gegessen habe raffe auch ich mich hoch. Schließlich habe ich versprochen ihn einzuholen 😀 . Doch das wird heute nichts mehr, denn mit so vollem Magen wandert es sich nicht gut und ich baue nicht weit hinter der Ranch mein Zelt auf. Ich starte morgen früh und hole ihn dann hoffentlich im Laufe des Vormittags ein.

Tag 63:

Der entspannte Tag gestern hat mir richtig gut getan und ich fühle mich ausgeruht und fit. Ich habe heute auch eine Nachricht von Mike bekommen. Die drei sind ganze zwei Tage hinter mir und lassen es langsam angehen. Da ich leider nicht wie sie bis Oktober Zeit habe wandere ich alleine weiter. Mein Morgen beginnt mit Trailmagic und….

….bis Kanada ist es jetzt auch nicht mehr weit. Wobei ich ja noch die 600 übersprungenen Meilen nachholen möchte und somit noch ein ganzes Stück vor mir habe.

Nach einer Stunde hole ich schon Kevin ein und wandere eine Zeit lang mit ihm zusammen weiter. Als wir an die Abzweigung zu den Wasserfällen kommen, biege ich ab, während er weiter läuft. Diese Attraktion möchte ich mir nicht entgehen lassen. Besonders, weil die Wasserfälle (Burney Falls) nicht weit vom Trail entfernt sind. Und der kleine Umweg hat sich gelohnt:

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Ich bleibe lange hier und genieße die Aussicht. Da die Wasserfälle auch mit dem Auto erreichbar sind, ist hier gleich viel mehr los. Es ist schön mal wieder unter Menschen zu sein und so rede ich mit einer Gruppe Angler über meine Wanderung und den vielen Schnee (das Gesprächsthema Nummer eins). Irgendwann muss ich dann los, denn ich möchte heute 23 Meilen wandern. Der Weg führt steil den Berg hinauf und auf einmal kommt mir ein Wanderer namens Burkard entgegen. Er sagt oben auf dem Berg liegt eine Menge Schnee und es ist kein durchkommen möglich. Na toll 😦 Das senkt meine Stimmung erstmal und ich weiß nicht was ich machen soll. Ich beschließe zumindest einmal hochzulaufen und mir selbst einen Überblick zu verschaffen. Ich kann ja schließlich immer noch umkehren. Auf dem weiteren Weg nach oben treffe ich noch einen weiteren Wanderer, der mir entgegen kommt. Er wandert Southbound (von Kanada nach Mexiko) und hat das Schneestück gemeistert. Also doch nicht so unmöglich wie Burkard meinte
Von dem Southbounder bekomme ich viele Tipps für das Stück mit Schnee, welches mich morgen erwartet. Mittlerweile nervt mich der Schnee nur noch. Es ist Juni und es ist kein Ende in Sicht, denn am Wochenende soll es Neuschnee geben. Ich kann es kaum glauben…. So habe ich mir meine Wanderung nicht vorgestellt. Es kommt halt meistens ganz anders als man denkt.

Tag 64:

Als ich aufwache regnet es in Strömen und innerhalb von wenigen Minuten bin ich plitsch nass. Dabei ist es auch noch sehr kalt und ich kann meine Finger kaum bewegen, weil sie so steifgefroren sind. In der Pause baue ich mein Zelt auf, um zumindest ein wenig Schutz zu haben. Das dauert mit den kalten Finger doppelt so lange und auch im Zelt ist es kalt und nass. Der Nachmittag wird dann richtig heftig, denn ich komme in den Schnee. Der Weg führt die ganze Zeit am steilen Hang entlang und da der Schnee schon angetaut ist passiert es wieder einmal… Ich mache einen falschen Schritt und rutsche den Hang hinab. Ich kann mich gerade noch an einem kleinen Baum festhalten. Nach diesem Sturz schmerzt mein linker Oberschenken und ein paar meiner Finger haben Schrammen und bluten. Das ist der Moment, an dem ich einfach nicht mehr weiter möchte und überlege den Notruf zu rufen.

Doch nachdem ich mein Bein untersucht habe und feststelle, dass ich noch laufen kann, wandere ich weiter. Ich bin fix und fertig mit den Nerven. Das ist auch der Grund, wieso es heute das erste Mal kein Bild gibt und der Blogeintrag erst Tage später online kommt. Da ich nur noch raus aus dem Schnee möchte beeile ich mich. Dann habe ich es endlich geschafft und komme wieder auf den Trail, diesmal sogar schneefrei. Wenig später sehe ich drei andere Wanderer, um ein Lagerfeuer stehen. Ich bin unglaublich erleichtert. Die drei sind für eine Woche zum Wandern auf dem PCT unterwegs und helfen mir meine Sachen zu trocknen. Ich bin total unterkühlt und aufgelöst. Sie können kaum glauben, dass ich durch den Schnee gewandert bin und wollen alles über meine Wanderung wissen. Also erzähle ich von den letzten Tagen, Wochen und Monaten. Alle sind sehr gespannt und am Ende sagt der eine: You are a tough girl.

Das war ich die letzten Wochen wohl tatsächlich, doch so möchte ich nicht mehr weiter machen. Ich habe keinen Spaß mehr am Wandern im Schnee und ich bin echt nochmal mit einem blauen Auge davongekommen. Im Gegensatz zu mir hatten viele andere Wanderer (z.B. auch Patrick und Chae) nicht so viel Glück wie ich. Patrick ist genau wie ich den Berg hinab gerutscht, hat sich dabei an der Hand und auch am Fuß verletzt, weswegen er jetzt eine Pause einlegen muss. Chae ist bei einer Flussüberquerung in den Fluss gefallen und konnte gerade noch gerettet werden. Jetzt beendet er seine Wanderung auf dem PCT. Da ich meine Wanderung nicht beenden möchte, jedoch nicht weiterhin jeden Tag mein Leben und meine Gesundheit aufs Spiel setzen möchte, entscheide ich mich 1-2 Wochen Pause zu machen. Ich hoffe in dieser Zeit schmilzt der Schnee und ich kann meine Wanderung danach fortsetzen.
Denn die letzten Tage waren sowohl psychisch als auch körperlich sehr anstrengend. Das ständige Wandern im Schnee, die Bären, der Regen…. Ich fühle mich einfach nur noch ausgelaugt und gönne mir selbst jetzt ein wenig Zeit um mich auszuruhen. Was ich in dieser Zeit mache steht noch nicht fest, aber ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Tag 65:

Ein schneefreier Tag 🙂 Es ist so toll ohne Schnee zu wandern. So schaffe ich deutlich mehr Meilen und das Wandern macht mir richtig Spaß. Und das trotz verhangenem Himmel. Leider sind die Abschnitte ohne Schnee nur von kurzer Dauer und fast überall liegt noch eine Menge Schnee. Daher freue ich mich umso mehr darauf erstmal eine Pause einzulegen. Danach kann ich meine Wanderung hoffentlich ohne solche riesigen Schneemengen fortsetzen. Ich bin mit einem der drei Wanderer (Ken) von gestern unterwegs. Wir wandern zusammen in Richtung Stadt. Morgen Nachmittag holt uns seine Frau dann an der Straße ab und fährt uns in die Stadt (Mount Shasta). So habe ich mir schon einmal Trampen gespart.

Die Pause genießen wir heute am Fluss und Ken packt seine Angel raus. Es beißt sogar ein Fisch an und so gibt es für ihn frischen Fisch zum Mittagessen, während ich meine Instantnudeln esse. Als wir abends beim Zeltplatz ankommen treffen wir noch auf einen anderen Wanderer namens Nathan. Wir machen ein Feuer und wärmen uns auf. Ich kann es kaum erwarten morgen endlich in die Stadt zu kommen. Wohin mich meine Reise führt werde ich den nächsten Tagen entscheiden…

Tag 66:

Da wir heute nicht viel zu wandern haben, gehe ich den Tag ruhig an. Ich lasse mir viel Zeit, schlafe aus und mache lange Pausen. Trotzdem sind wir schon vormittags an der Straße und warten noch bis zum Nachmittag, bis Ken’s Frau Carol uns abholen kommt. Das hat sich auch wirklich gelohnt, denn sie bringt uns Schokolade, Getränke und ganz viele andere Snacks mit. Die beiden sind wirklich lieb und fahren extra einen Umweg, um mich in Mount Shasta abzusetzen. Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie hilfsbereit und freundlich die meisten Menschen sind. In der Stadt checke ich ins Motel ein, gehe einkaufen und mache mir den restlichen Nachmittag Gedanken über meine Pausenzeit. So wie es aussieht geht es nach Südkalifornien aber mehr Infos gibt es erst in den nächsten Tagen. Lasst euch also überraschen.

Tag 67:

Heute geht es nach Etna. Dort warten ein paar Pakete in der Post auf mich, die ich noch abholen möchte, bevor ich meine Pause einlege. Von Mount Shasta fahre ich also zusammen mit Tyler nach Weed. Dort trinken wir erstmal ein Kaffee und machen eine Pause. Tyler ist so ein richtiger Backpacker und jetzt schon seit 4 Jahren unterwegs. Er erinnert mich ein wenig an Alexander Supertramp aus „Into the wild“. Es ist auf jeden Fall echt spannend Fotos und Geschichten auszutauschen. Wir bleiben lange in dem Café und spielen noch ein wenig Schach, mit einem kleinen Jungen namens Kay, der auf einmal einfach zu uns gekommen ist.

Irgendwann muss ich dann leider wirklich los und verabschiede mich von den beiden. Als eine andere Frau in dem Café hört, dass ich nach Etna fahren muss erklärt sie sich kurzerhand bereit mich zu fahren. Und das obwohl es eine Stunde entfernt ist und sie da gar nicht hin muss… Die Gastfreundschaft, die mir jeden Tag entgegen gebracht wird ist einfach unglaublich.

Etna ist eine kleine, süße Stadt in der ich sofort freundlich begrüßt werde. Sobald ich aus dem Auto ausgestiegen bin kommt schon ein Mann namens Jamie auf mich zu und zeigt mir die Stadt. Der letzte Stopp ist das Hostel „Hikers Hut“, in dem ich diese Nacht bleibe. Ich habe den ganzen Schlafsaal für mich alleine und die Besitzer bringen mir abends was zu essen vorbei. Morgen werde ich meine Pakete abholen und schlussendlich entscheiden wo es in meiner Wanderpause hingeht. Es bleibt also spannend!

 

 

Oregon Coast Trail – Tage 68 bis 80

Tag 68

Es geht an’s Meer 😀

Ich habe tatsächlich noch eine Alternative gefunden. Statt den PCT, welcher durch die Berge von Oregon führt, zu laufen geht’s für mich an die Küste von Oregon.


Ich laufe den Oregon Coast Trail. Dieser führt auch quer durch Oregon und wir wandern die meiste Zeit am Strand entlang. Und das absolut wichtigste: Er ist schneefrei 🙂 Ich freue mich schon riesig auf das Meer. Mein Thru Hike führt mich zwar auf ganz verschiedenen Wegen kreuz und quer durch Amerika doch ich laufe immer noch Richtung Kanada 🙂 Dieses Jahr ist halt alles ein wenig komplizierter, wenn man nicht gerade Wochenlang im Schnee wandern möchte.

Morgen früh geht es auf jeden Fall los und ich starte zusammen mit einem anderen Wanderer namens Peter Pan den Oregon Coast Trail.

Tag 69:

Ganz nach dem Motto viele verschiedene Wege führen ans Ziel (bzw. nach Kanada) setze ich meine Wanderung Richtung Kanada morgen auf dem Oregon Coast Trail fort. Heute fahre ich erstmal Bus. Da wir den Oregon Coast Trail southbound laufen werden (von Norden nach Süden) fahren wir zuerst an die Grenze Washington/Oregon. Peter Pan treffe ich im Bus und so fahren wir gemeinsam nach Astoria.

Jetzt erkläre ich euch auch nochmal meine Wanderung, die ja doch ein wenig verwirrend geworden ist. Also den rot markierten Teil bin ich bereits gelaufen. Somit habe ich den Teil des PCT’s in Südkalifornien beendet. Den mittleren Teil (die High Sierras) habe ich wegen dem vielen Schnee vorerst übersprungen. In Nordkalifornien habe ich dann 214 Meilen zurückgelegt und werde nun den Ocean Coast Trail (auf der Karte lila markiert) wandern. Diesen laufe ich als Alternative zu dem PCT in Oregon (mit schwarzen Kreuzen markiert), da dieser noch total verschneit ist.
Mein Plan für die Zukunft:

1) Den OCT von Norden nach Süden wandern
2) Die restlichen ca. 200 Meilen in Nordkalifornien wandern
3) Washington durchwandern
4) High Sierras (den mittleren Teil von Kalifornien) wandern

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Ich hoffe, dass ich euch mit dieser Erklärung ein wenig helfen konnte und meine Wanderung verständlicher machen konnte.

Hier ein paar Infos zu den Oregon Coast Trail:
Er verläuft parallel zu dem PCT und ist 370 Meilen (595 km). Die meiste Zeit führt der Weg am Strand entlang und ca. alle zwei Tage sollten wir eine Stadt erreichen. Das bedeutet das ich nicht so viel Essen mitschleppen muss. Zudem ist es die meiste Zeit relativ flach und am Strand dürften sich auch keine Bären rumtreiben. Und das wichtigste: kein Schnee 😀 Also sehr gute Wanderbedingungen.

Wir nutzen die lange Busfahrt, um unsere Wanderung ein wenig vorzubereiten. So besorgen wir uns einen Plan über die Gezeiten, besprechen die Reiseroute und checken das Wetter für die ersten Tage. Unseren kleinen Zwischenstopp in Portland nutzen wir um etwas zu essen und uns die Stadt ein wenig anzuschauen. Und der kleine Teil den wir zu Gesicht bekommen gefällt mir richtig gut.

Und nachmittags zeigt sich uns dann auch der Ozean, der uns die nächsten Wochen begleiten wird.

Tag 70:

Die letzte Nacht haben wir in einem kleinen, alten Bus geschlafen. Auf jeden Fall mal was anderes als mein Zelt ;).  Morgens besichtigen wir noch die kleine Hafenstadt Astoria.

Nach der kleinen Besichtigungstour fährt uns der nette Besitzer unserer Unterkunft zum Startpunkt des Trails. Der ist an einer alten Militärstation, die im zweiten Weltkrieg errichtet wurde. So legen wir eine kleine Geschichtsstunde ein und schauen uns die alten Bunker an.

Und dann geht’s endlich an den Strand. Ans Meer zu kommen ist für mich fast wie nach Hause kommen….Vorbei an einem alten Schiffswrack führt der Weg die ganze Zeit am Strand entlang. Da kann ich der Versuchung einfach nicht wiederstehen und ziehe sofort meine Schuhe aus.

Der Strand ist sehr sauber und hier liegen keine Glasscherben oder Müll herum. So macht das Wandern richtig viel Spaß. Wir sind recht schnell unterwegs, bis wir auf eine militärische Sperrzone treffen. Dort werden Schießübungen abgehalten und wir dürfen die Zone nicht passieren. So müssen wir eine Stunde lang warten und nutzen die Zeit, um etwas Yoga und Meditation am Strand zu machen. Was gibt es schöneres…

Als die Stunde verstrichen ist werden wir mit dem Auto die halbe Meile durch die Sperrzone gefahren. Jetzt bin ich sogar schon mit der Army getrampt :D. Abends fühle ich mich zwar erschöpft, doch vor allem sehr glücklich. Mein erster Tag am Meer war wunderschön und ich bin froh, mich für diese Alternative entschieden zu haben.

Handy kaputt:

Erstmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich so lange nicht mehr geschrieben habe. Wie der Titel schon sagt ist mein Handy leider kaputt gegangen. Ich hoffe ihr habt euch nicht allzu große Sorgen gemacht….
Ich habe natürlich weiterhin handschriftlich Tagebuch geführt und werde in den nächsten Tagen die Blogeinträge der nächsten Tage nachholen
Als Tipp: Ihr könnt meinem Blog auch folgen,  dann bekommt ihr eine Mail, sobald ein neuer Eintrag veröffentlicht wird

Tag 71:

Die Nacht am Strand war leider nicht so entspannt wie gedacht. Es war sehr windig und da wir in der Nähe einer größeren Stadt gezeltet haben waren auch nachts noch viele Menschen am Strand, wodurch es alles andere als leise war. Sogar ein Helikopter ist in der Nacht dicht über mein Zelt hinweg geflogen und hat mich aus dem Schlaf gerissen. Ich bin froh als wir am Morgen aufbrechen und diesen Zeltplatz hinter uns lassen.
Es ist wieder einmal toll am Strand entlang zu wandern und ich bin hochmotiviert.

Da es ein wenig stürmt kehren wir in einem kleinen Strandcafé ein, um eine heiße Schokolade zu trinken. Als wir dieses wieder verlassen regnet es in Strömen. Doch auch das hält mich nicht von einem kurzen Stopp auf der Schaukel ab 🙂

Kurze Zeit später verlässt der Trail den Strand und führt eine lange Strecke durch den Wald. Es stürmt jetzt wie verrückt und der Weg ist ein einziges Schlammfeld. Es ist mir ein Rätsel, wie wir bei diesem Sturm die Zelte aufbauen sollen. Und dann passiert es auch noch: Mein Handy funktioniert nicht mehr. Na toll! Zumindest bin ich gerade nicht alleine unterwegs und bisher hat sich ja immer eine Lösung gefunden. Für den heutigen Tag ist die Lösung recht schnell gefunden: Wir laufen in die nächste Stadt, Übernachten dort in einem Motel und schauen was wir wegen meinem kaputten Handy machen können. Gesagt getan. Doch auch in der Stadt finden wir nicht heraus, was mit meinem Handy los ist. Der Bildschirm ist schwarz und egal was ich versuche, es funktioniert nicht mehr. Da kein Handygeschäft weit und breit in Sicht ist bestelle ich mir ein günstiges, neues Handy in die nächste kleine Stadt. Ich brauche es einfach für die Navigation, zum Blog schreiben, Fotos machen… Die nächsten 5-6 Tage bin ich aber vorerst ohne Handy unterwegs. Das wird sicherlich auch eine interessante Erfahrung.

Tag 72:

Wir verlassen bereits um 9 Uhr das Motel und gehen zurück auf den Trail. Auch heute regnet es ein wenig, doch es ist deutlich besser als gestern und wir kommen gut voran. Vorbei am Cannon Beach, einem bezaubernder kleiner Ort mit einem wunderschönen Strand, der auch im Regen noch seinen Charme hat.
Die Mittagspause findet heute in einer kleinen Höhle statt.

Da meine Wanderbegleitung Peter Pan ziemlich heftige Fußschmerzem hat schaffen wir nicht viele Meilen und müssen einige Pause machen. Als wir dann auch noch einen Fluss überqueren müssen (ja die gibt es leider auch am Meer und dieser geht mir sogar bis zum Bauchnabel) ist die Stimmung am Boden. Ich habe mir ein paar neue Schrammen, an den spitzen Felsen unter dem Wasser, geholt und Peter Pan hat keine Lust mehr.Da Campen in diesem Abschnitt jedoch verboten ist müssen wir weiter. Und zwar weg vom Strand, hinein in den Wald.

Dort wandern wir noch eine Weile durch den Schlamm, bevor wir die Zelte aufbauen. Ich hoffe Peter Pan’s Füße erholen sich bis morgen und wir können in den nächsten Tagen ein paar mehr Meilen wandern.

Tag 73:

Der erste Tag ohne Regen. Da wandert es sich direkt viel besser. Besonders nachdem wir den Wald verlassen und an den Strand zurückkehren. Nach kurzer Zeit erreichen wir einen Fluss, der viel zu hoch ist, um ihn zu durchqueren. So rufen wir ein Bootstaxi und befinden uns bereits 5 Minuten später auf der anderen Seite. Natürlich nicht ohne die Schwimmweste 😉

Der restliche Tag ist recht unspektakulär. Wir wandern die meiste Zeit am Strand entlang und lassen uns viel Zeit, da Peter Pan immer noch Schmerzen hat. Abends erwartet uns noch ein Highlight, denn wir treffen die ersten anderen Oregon Coast Trail Wanderer. Ein Pärchen namens Tanner und Laura, die ihre Ferien auf dem Trail verbringen. Zusammen mit den beiden Zelten wir auf dem nächsten Campingplatz, weil auch auf diesem Abschnitt das Campen am Strand verboten ist. Das ist hier echt schwieriger als auf dem PCT…

Tag 74:

Der heutige Teil des Trails führt 20 Meilen an dem Highway entlang. Was??? Einen ganzen Tag lang direkt den Highway entlang wandern? Nein danke! Also suchen wir eine eine Alternative und wir werden tatsächlich fündig. Wir können versuchen von Gibraldi (einer kleinen Stadt, mit einem Hafen) eine Überfahrt mit einem Schiff auf eine parallel zum Highway verlaufende Landzunge zu bekommen. Auf dieser können wir unsere Wanderung dann in der Natur fortsetzen. Das klingt doch viel attraktiver Zusammen mit Laura und Tanner wandern wir Richtung Gibraldi. Dort angekommen versuchen wir dann ein Schiff zu chartern. Das ist nicht so einfach, wie trampen mit dem Auto und so dauert es 2 Stunden bis wir einen Fischer finden, der uns übersetzt. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn nun wandern wir mitten im Grünen und haben gleichzeitig einen tollen Ausblick auf den Ozean. Mittags gelangen wir an einen wunderbaren Aussichtspunkt und nutzen diesen für eine lange Pause.img_0008

Nach der Pause führt uns der Weg quer durch einen Wald, in dem wir den berühmten Oktopus Baum zu Gesicht bekommen. Und er ähnelt wirklich ein wenig einem Oktopus .

Nachdem wir den Wald durchquert und eine kleine Ortschaft passiert haben geht es zurück auf die Straße. Bis zum Campingplatz müssen wir dieser 5 Meilen folgen. Na ja zumindest ist es kein Highway und es sind keine 20 Meilen. Peter Pan ist ziemlich fertig und kann nur noch humpeln, da seine Füße so schmerzen. Deshalb überspringt er die 5 Meilen und trampt zum Campingplatz.

So wandern Laura, Tanner und ich zu dritt weiter und haben eine Menge Spaß. Die beiden sind echt super lustig. Tanner ist der festen Überzeugung, dass wir schneller unterwegs sind wenn wir unsere Arme wie verrückt mitschwingen. Das sieht einfach unglaublich lustig aus und Laura und ich lachen uns kaputt Es ist schön mit den beiden unterwegs zu sein und ich genieße die gemeinsame Zeit.

Tag 75:

1000 Meilen

Wow! Was für ein tolles Gefühl. Ich bin tatsächlich schon 1000 Meilen (1609 km) zu Fuß gewandert. Ich kann es selbst kaum glauben Doch langsam wächst die Gewissheit, dass ich auch noch die verbleibenden 1600 Meilen schaffen kann
In den letzten Tagen hatte ich eine Menge Zeit zum nachdenken und ich möchte diesen Moment nutzen, um mich bei einigen Menschen zu bedanken.

Danke an…

… meine Familie, die immer für mich da ist und mich sehr unterstützt. Ich bin froh, dass ihr hinter mir steht und ich freue mich jetzt schon auf den Moment euch wieder in die Arme zu schließen.
… meine Freunde. Denn ihr seid immer da wenn ich ein offenes Ohr brauche oder mich das Heimweh überrollt. Ich weiß wirklich nicht was ich ohne euch machen würde. Jedes Mal wenn ich Nachrichten von euch bekomme oder wir telefonieren fühle ich mich sofort viel besser. Ihr könnt also gerne so weiter machen
… meine Leser für die unglaublich lieben und motivierenden Nachrichten und Kommentare. Besonders nach einem anstrengenden Tag bringt ihr mich oft wieder zum Lächeln.
… die vielen Menschen, denen ich auf meiner Reise begegne und die mich auf dieser begleiten. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben und habe so viele nette Menschen kennengelernt. Ein besonders großes Dankeschön geht an Paula und Wendell. Die beiden unterstützen mich die ganze Zeit auf meiner Reise und machen mir so oft bewusst, dass sie für mich da sind. Das ist echt lieb von den beiden und sie haben mich schon das ein oder andere Mal zu Tränen gerührt.

Tag 76:

Gestern Abend waren wir zur Feier meines 1000 Meilen Tages Pizza essen. Da haben wir uns schon den ganzen Tag drauf gefreut und es war ein super schöner und lustiger Abend. Es bleibt sogar noch ein wenig Pizza übrig und so gibt es für mich heiße Schokolade und Pizza zum Frühstück. Ein Traum 😉  So lecker, dass auch die Hasen was abhaben wollen.

Nach dem Frühstück waschen wir unsere Kleidung und starten daher erst recht spät. Die heutige Route verläuft leider die meiste Zeit am Highway entlang Und so schön es auch ist am Strand entlang zu wandern, so nervig ist es an der Autobahn entlang zu laufen. Ich glaube dieser Trail ist besser für Tageswanderungen geeignet, denn die Strecken über die Autobahn braucht wirklich keiner. Es ist sehr laut und alle paar Sekunden rast ein Auto dicht an mir vorbei. Ich verstehe nicht, wie jemand einen Trail auf den Seitenstreifen einer Autobahn legen kann. Das ist einfach nur gefährlich und wir beeilen uns, um diesen Abschnitt schnell hinter uns zu bringen.

So schaffen wir die 4 Meilen am Highway in gut einer Stunde. Und es geht die meiste Zeit auch noch bergauf. Meine Waden brennen wie Feuer. Zum Glück werden wir nach diesem harten Stück mit einem kleinen Abschnitt im Wald belohnt. Dieser ist atemberaubend…

Nach dem kleinen Abstecher in die Natur geht es zurück auf den Highway. Einzig und allein die Motivation die nächste Stadt, mit einem Mc Donalds, zu erreichen lässt und weiter wandern. Dort angekommen gibt es ein Eis und wir gehen einkaufen. Die anderen wollen noch zu einem Outdoorladen, doch ich brauche nichts und laufe schon mal alleine zum Campingplatz. Dafür hat mir Tanner sein Handy geliehen und so finde ich den Weg sehr schnell und warte im Camp auf die anderen. Sie kommen auch schon wenige Minuten nach mir an und nach dem gemeinsamen Abendessen geht es schnell ins „Bett“.

Tag 77:

Der Oregon Coast Trail (OCT) hat auch so seine Vorteile: fast jeden Tag die Möglichkeit zu duschen, einzukaufen und die Wäsche zu waschen. So gibt es eine Menge Essen für mich und ich bin fleißig dabei meinen Hüftgurt vom Rucksack wieder passend zu machen Obwohl ich jetzt auch eine gute Alternative dafür gefunden habe:

Das Tollste am OCT ist aber das Wandern am Meer. Das tägliche barfuß laufen im Sand tut meinen Füßen sehr gut und es ist fast, wie ein kleiner Urlaub vom PCT. Das einzige was ich ein wenig vermisse ist die Ruhe und Abgeschiedenheit vom PCT.
Auch heute sind wir wieder zu viert unterwegs und der Trail führt abwechselnd am Highway und am Strand entlang. Die Abschnitte am Strand sind uns natürlich deutlich lieber und so freuen wir uns jedes Mal dieses Zeichen zu sehen:

Denn das Laufen auf Asphalt ist auf Dauer echt anstrengend und unsere Füße schmerzen. Besonders Tanner und Peter Pan haben starke Schmerzen und können teilweise nur noch humpeln. Als wir endlich das Camp erreichen ist Tanner’s Knöchel geschwollen und er versucht ihn mit Eis zu kühlen. Die beiden beschließen einen Tag Pause in der nächsten Stadt (Newport) einzulegen und den morgigen Tag sehr langsam anzugehen.

Tag 78:

Tanner und Laura starten heute später und so sind Peter Pan und ich wieder alleine unterwegs. Wir wandern die Meilen bis nach Newport recht schnell hinunter.

Da wartet schließlich das Paket mit meinem neuen Handy auf mich… Bevor ich das in den Händen halte wird jedoch erst noch eingekauft. Da ich hungrig bin kaufe ich wieder einmal viel zu viel 😀 . Danach machen wir uns auf den Weg zur Touristeninformation, wo mein Paket auf mich wartet. Denn Amazon Pakete zur Post schicken funktioniert in Amerika nur gegen eine hohe Gebühr. Bis ich das neue Handy dann endlich funktionstüchtig gemacht habe vergehen Stunden. Und ich schaffe es nur mit der Hilfe meiner beiden lieben Geschwister. Danke ihr zwei, dafür habt ihr was gut bei mir

Die Zeit ohne ein Handy war auch mal ganz schön und ich hatte viel Zeit zum nachdenken. Die Gedanken kreisen dabei auch oft, um meine Familie und meine Freunde. Mein Heimweh war riesig in den letzten Tagen und ich habe heute lange Zeit mit allen telefoniert bzw. geschrieben. Das hat mir sehr gut getan und abends fühle ich mich gleich viel besser. Während Peter Pan schon schlafen geht bleibe ich noch etwas wach, um Blog zu schreiben. Später kommen dann noch vier Fahrradfahrer ins Camp und wir essen zusammen und tauschen uns über unsere Erlebnisse und Erfahrungen aus. Es ist immer wieder toll Gleichgesinnte zu treffen Als ich dann im Zelt liege kann ich einfach nicht einschlafen. Die 10 gelaufenen Meilen machen mich wohl einfach nicht mehr müde…

Tag 79:

Für heute ist mein erstes 30 Meilen Tag geplant und als ich aufwache bin ich schon ganz aufgeregt. Wir starten schon um 6:30 und wandern die erste Zeit am Strand entlang. Es ist das perfekte Wetter: strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. So nutze ich die Pause, um ein wenig Yoga zu machen.

Der Trail ist auch mal richtig gut ausgeschildert und so folgen wir den blauen Zeichen in den Wald hinein. Nach dem Wald führt der Trail leider wieder zurück auf den Highway und den ganzen Nachmittag wandern wir an diesem entlang. Peter Pan hat irgendwann keine Lust mehr und trampt in die nächste Stadt. So bin ich wieder alleine unterwegs. Ich bekommen einen wunderbaren Sonnenuntergang zu sehen, den ich leider nicht genießen kann.

Er zeigt mir, dass es bald dunkel sein wird und ich möchte vor der Dunkelheit noch das Camp erreichen. Also beeile ich mich und schaffe es um 21.30 Uhr ins Camp zu kommen. Die Besitzerin öffnet für mich extra nochmal die „Rezeption“ und ich bin super erleichtert. Nach einem schnellen Abendessen kuschel ich mich in meinen Schlafsack. Als ich anschaue wie viele Meilen ich heute tatsächlich gelaufen bin, verschlägt es mir die Sprache. Denn ich habe 37-38 Meilen, also rund 60 km bewältigt. Einerseits ein tolles Gefühl, anderseits tun meine Beine jetzt auch echt weh und die letzten Meilen waren sehr hart. So schnell werde ich das nicht nochmal machen.

Tag 80:

Als ich aufwache bin ich noch ein wenig müde von meinem gestrigen Tag und starte daher ganz langsam und gemütlich. Peter Pan hat genug vom Wandern und beendet seine Wanderung hier. Er trampt in die nächste, größere Stadt und ich setze meinen Weg alleine fort. Die ersten Meilen wandere ich auf dem Highway und heute ist sehr viel Verkehr. Zudem ist der Seitenstreifen ziemlich schmal und es ist ziemlich stressig dauernd den Autos auszuweichen. Besonders in den Kurven muss ich aufpassen, dass die Autofahrer mich auch sehen und ausweichen. Nachdem ich diesen Teil überstanden habe erreiche ich wieder den Strand.

Ich bin ganz alleine unterwegs und fühle mich richtig gut. Erst Stunden später treffe ich ein Ehepaar am Strand. Die beiden sammeln Muscheln und so kommen wir ins Gespräch. Beide sind total nett und der Mann (Rich) spricht sogar ein wenig deutsch. Er ist zusammen mit seiner Frau Jacquie oft in Europa unterwegs und als ich von meiner Reise erzähle sind beide begeistert. Sie laden mich ein mit Ihnen nach Hause zu kommen, um etwas zu essen, zu waschen und zu duschen. Ein Angebot was ich einfach nicht ablehnen kann. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg zu ihrem Ferienhaus, direkt am Strand. Ich bin begeistert, denn das Haus aus Holz ist wunderschön und bietet einen tollen Ausblick auf den Strand.

Nachdem ich geduscht habe und die Wäsche in der Waschmaschine ist gibt es schon essen. Ich fühle mich wirklich wie zuhause und es tut mir sehr gut hier zu sein, nachdem ich in den letzten Tagen so großes Heimweh hatte.
Später fahren die beiden mich auch noch zum Supermarkt und Jacquie kauft mir direkt mal Sonnencreme diesmal 60+, damit ich auch ja keinen Sonnenbrand mehr bekomme. Ich weiß gar nicht wie ich den beiden für das alles danken soll. Bevor ich aufbreche schenken sie mir noch eine der vielen Muscheln, die sie gesammelt haben.
Die werde ich als Erinnerung auf jeden Fall mit auf meine Reise nehmen.

 

Oregon Coast Trail Tag 81 bis 89

Heute bin ich einfach nur müde. Den ganzen Tag über werde ich nicht richtig wach, sondern würde mich am liebsten einfach zuhause in mein Bett kuscheln und schlafen. Doch daraus wird nichts und ich wandere stattdessen ganz alleine am Strand entlang. Außer mir ist kein Mensch unterwegs und ich genieße die Ruhe. Nach ein paar Stunden wird es ein wenig langweilig und ich beginne wieder einmal alle möglichen Lieder zu singen. Dadurch vergeht die Zeit wesentlich schneller und ich komme gut vorwärts.

Doch auf einmal stehe ich vor einem großen Fluss. Laut meiner Karte soll der Trail geradeaus weiter führen. Soll ich durch den Fluss schwimmen oder was? 😀 Der OCT ist wohl so eine Art Triathlon… Schwimmen gestaltet sich mit meinem großen Rucksack nur etwas schwierig, Weswegen ich lieber einen großen Umweg in Kauf nehme. Da es nach diesem schon sehr spät ist und ich eine Familie treffe, die am Strand zeltet, schließe ich mich Ihnen an und baue mein Zelt noch vor meinem heutigen Etappenziel (dem Campground Umpqua Lighthouse) auf. Die verbleibenden 10 Meilen bis zum Camp nehme ich morgen früh in Angriff und mache den restlichen morgigen Tag einen Ruhetag im Camp.

Tag 82:

Und ich weiß das erste Mal nicht worüber ich schreiben soll 😮 Denn heute ist wirklich rein gar nichts spannendes passiert. Also ein ganz ruhiger und entspannter Tag für mich. Das hat mir mal sehr gut getan. Besonders, weil ich nur heute Vormittag gewandert bin und den Nachmittag zum Ausruhen und Faullenzen genutzt habe. So wurden mal alle Nachrichten beantwortet, ich habe meine weitere Strecke geplant und bin gerade dabei mir ein neues Langarmshirt im Internet zu bestellen. Meins bekommt mittlerweile nämlich größere Löcher und ist schon sehr abgetragen. Ist ja auch kein Wunder, nachdem es jetzt seit zwei Monaten fast täglich getragen wird.

Wenn das erledigt ist geht es ab ins Zelt, wo mein warmer Schlafsack schon auf mich wartet. Irgendwie ist mir den ganzen Tag über echt kalt und trotz warmer Temperaturen habe ich die meiste Zeit meine Mütze und Daunenjacke an. Die Schützen mich heute nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor den vielen Mücken. Bevor ich schlafen gehe, kommt das Essen noch in den dafür vorgesehenen Schrank, da die Eichhörnchen ganz scharf darauf sind etwas abzubekommen. Ich bin nur zwei Minuten weg und schon knabbern sie an meinem Packsack mit dem Essen herum. Und die kleinen Tiere sind überhaupt nicht scheu. Vermutlich, weil sie oft genug von anderen Menschen gefüttert werden und das obwohl überall Schilder hängen „wilde Tiere bitte nicht füttern“…

Tag 83:

Um Punkt 5 Uhr klingelt der Wecker, um 6 Uhr bin ich Abmarschbereit. Denn heute sind es wieder über 30 Meilen (ca. 50 km) zum nächsten Campingplatz. Diesmal möchte ich nicht erst im Dunkeln ankommen und mich auch nicht so beeilen müssen. Als ich mein Essen aus dem Schrank hole erwartet mich eine Überraschung. Die nette Frau, die neben mir campt hat mir Kirschen hingelegt. Die werden auf dem Weg zum Strand direkt gegessen 🙂

Der Weg verläuft heute die meiste Zeit am Strand entlang und die gesamte Zeit über sehe ich keinen einzigen Menschen. Nur ein paar Robben, die es sich auf einer Sandbank gemütlich gemacht haben, sind auch hier.

Ich fühle mich heute ein wenig einsam und auch das Heimweh ist wieder da. Diesmal noch stärker als je zuvor. Um mich abzulenken wird gesungen, ich zähle meine Schritte und schmiede Pläne für die Zukunft. Da ist auf jeden Fall die ein oder andere gute Idee dabei. Mittags erreiche ich dann die Straße, die mich zur Stadt führen soll. Doch diese ist gesperrt…Da es keine andere Möglichkeit gibt laufe ich trotzdem weiter. Nach einer Weile weiß ich dann auch warum die Straße gesperrt ist. Denn ein Teil von ihr steht unter Wasser. Na gut das bin ich jetzt ja schon gewohnt.

Das Wetter ist heute nur leider nicht so sonnig, weshalb meine Füße den ganzen restlichen Tag nass bleiben. Und sie fangen an zu schmerzen. Die letzten drei Stunden auf Asphalt laufen strengt ungemein an und als ich das Camp erreiche bin ich am Ende meiner Kräfte.

Tag 84:

Auch heute morgen spüre ich meine Füße noch. Erst nach einer heißen Dusche fühle ich mich ein wenig besser und bin bereit meine Wanderung fortzusetzen. Heute stehen zum Glück nicht ganz so viele Meilen an. Ganz langsam geht es zurück zum Strand. Das Wetter ist traumhaft und lädt zu vielen Pausen ein. Die mache ich auch, denn das laufen in dem weichen Sand ist sehr anstrengend. In einer meiner Pausen treffe ich dann eine Frau mit einem Hund (Misty und Zoey).

Sie macht Trailmagic auf dem Oregon Coast Trail und bietet mir an eine Nacht bei ihr Zuhause zu schlafen. Eine Nacht nicht in meinem Zelt schlafen klingt auch mal sehr verlockend. So mache ich mich mit ihr zusammen auf den Weg in die Stadt. Nachdem wir angekommen sind und sie mir mein kleines Zimmer gezeigt hat schlafe ich sofort auf dem Sofa ein. Ich bin einfach unglaublich müde und die letzten waren sehr anstrengend für mich. Deshalb bin ich sehr froh eine Nacht hier schlafen zu können und mich ein wenig auszuruhen. Als ich drei Stunden später wieder aufwache ist es schon abends und ich fühle mich viel besser. Deswegen gehe ich noch einkaufen und besorge mir frisches Obst, Brot und Kartoffelsalat zum Abendessen. Auf den habe ich nämlich seit Tagen Heißhunger 😀 Mein Appetit spielt auf dieser Wanderung wirklich ein wenig verrückt…

Tag 85:

Als ich aufwache fühle ich mich richtig gut. Die Nacht in warmen hat mir sehr geholfen und nach dem vielen Schlaf bin ich endlich mal wieder fit und ausgeruht. Somit bin ich bereit die heutigen 30 Meilen (ca. 50 km) anzugehen. Das Wetter spielt auch mit und es ist ein wunderschöner Tag zum wandern am Meer. Ich bin mal wieder ganz alleine unterwegs und es stimmt wirklich, was viele Einheimische sagen: Der Süden ist viel einsamer als der Norden und ich sehe oft stundenlang niemanden. Auch der Sand ist hier im Süden von Oregon etwas anders und leider nicht mehr so fest, wie der im Norden. Das Laufen in denn weichen Sand ist deutlich anstrengender und ich nutze meine Stöcke, um besser voranzukommen.

Da ich heute gleich zwei Flüsse zu durchqueren laufe ich recht schnell, um beide bei Ebbe und Niedrigem Stand überqueren zu können. Bei dem ersten Fluss gelingt mir das auch gut und ich stehe schnell auf der anderen Seite. Der zweite Fluss ist jedoch deutlich höher und der Sand ist sehr weich, sodass ich sehr weit einsinke und das Gefühl habe der Boden wird mir unter den Füßen weggezogen. Das ist dann doch echt beängstigend und ich entscheide mich diesen Fluss zu umgehen. Ich möchte ja nichts riskieren, besonders nicht wenn ich alleine unterwegs bin. Also laufe ich vorbei an einem See namens Floras Lake Richtung Autostraße.

Dieser Folge ich dann eine Weile, bis ich wieder zurück auf den Trail komme und schon ein wenig später den Campingplatz erreiche. Dort treffe ich sogar ein bekanntes Gesicht wieder. Denn Claire eine Radfahrerin, mit der ich schon vor ein paar Tagen zusammen gecampt habe, ist auch da und so verbringen wir der Abend gemeinsam. Was für ein glücklicher Zufall, dass wir uns nochmal Wiedersehen.

Tag 86:

Meine Tage an der Küste Oregon’s neigen sich langsam dem Ende zu. Deswegen genieße ich die letzte Zeit noch und gehe die heutige Etappe etwas ruhiger an. Es sind auch nur 15 Meilen (ca. 24 km) bis zum nächsten Campingplatz. Das ist schon komisch, am Anfang habe ich einen ganzen Tag für 15 Meilen gebraucht und war danach echt fertig. Mittlerweile sind 15 Meilen ein ruhiger Tag für mich und ich laufe normalerweise um die 22 Meilen. Langsam gewöhnt sich mein Körper wohl an das tägliche Laufen.
Die Küste zeigt sich mir heute nochmal von ihrer schönsten Seite.

In der nächsten Stadt angekommen laufe ich eine Menge essen ein und mache am Strand ein kleines Picknick. Es gibt Baguette, Käse Kartoffelsalat, frisches Obst und als Nachtisch Erdbeereis. Lecker 🙂 Ich wandere noch die restlichen Meilen bis zum Campingplatz an der Straße entlang. Was wäre auch ein Tag auf dem Oregon Coast Trail ohne ein Abschnitt auf der Straße?! Diesmal sind zum Glück so gut wie gar keine Autos unterwegs und neben der Straße ist sogar ein kleiner Weg den ich nutzen kann.

Nach einer Stunde kommt auch schon der Campingplatz in Sicht und was für eine Überraschung: Hier treffe ich auch Claire wieder. Sie geht die kommenden Tage langsam an und fährt nicht ganz so viele Meilen mit ihrem Fahrrad. Es ist toll auch heute wieder mit ihr zusammen zu zelten. Und es wird sogar noch besser. Auf dem Campingplatz sind auch zwei andere deutsche Fahrradfahrer, die mich zum Essen einladen. So gibt es für mich zum Abschluss dieses tollen Tages auch noch Nudeln mit Mangold.

Tag 87:

Ich kann einfach nicht genug vom Meer bekommen… Die Ausblicke sind auch einfach fantastisch. Der heutige Tag verläuft wie die vorherigen Tage: Ich wandere den ganzen Tag, teils am Strand und teilweise an der Straße entlang und durchquere wieder einige Flüsse. Diese sind diesmal nicht so tief und bereiten mir somit keine Probleme. Abends komme ich dann in die Stadt Gold Beach und hier darf ich bei einem ganz lieben Ehepaar im Garten zelten. Und das sogar obwohl die beiden über das Wochenende selbst nicht da sind. So baue ich mein Zelt in ihrem schönen Garten auf:

Tag 88:

Mein letzter Tag auf dem Oregon Coast Trail Zeit für ein kleines Fazit und eine Zusammenfassung meiner letzten Tage. Ich habe 20 Tage gebraucht, um die ca. 370 Meilen (595 km) zu wandern. Somit habe ich jetzt Oregon einmal durchquert und setze meine Wanderung in den nächsten Tagen auf dem PCT fort. Dabei starte ich in Ashland und wandere als erstes das noch verbleibende Stück in Nordkalifornien. Jetzt aber zu meiner kleinen Zusammenfassung:

1) Der Oregon Coast Trail
Ich habe gehört der Wanderweg führt statistisch gesehen ca. 50% am Strand entlang, 30% an der Straße und weitere 20% im Wald. Das kann ich nur bestätigen. Die Strecken am Strand sind wirklich toll, nur auf die Abschnitte an der Straße hätte ich verzichten können. Der Sand ist die meiste Zeit sehr hart und es lässt sich gut darauf wandern. Die Flussüberquerungen sollten gut geplant sein, da viele der Flüsse wirklich nur bei Ebbe überquert werden können und auch dann teilweise noch sehr hoch sind.

2) Die Landschaft
Wunderschön… Ich habe es sehr genossen an der Küste entlang zu wandern. Der pazifische Ozean ist wirklich traumhaft schön und ich bin ein großer Fan von Oregon geworden.

3) Das Wetter
An der Küste kann es auch sehr stürmisch sein. Das habe ich in den letzten Tagen allzu oft zu spüren bekommen. Am Strand ist es wirklich schwierig ein wenig Schutz vor dem Sturm zu finden. Ich würde jedem, der den OCT wandern möchte empfehlen southbound zu laufen (von Norden nach Süden). Denn ich hatte die meiste Zeit Rückenwind, was zum wandern sehr angenehm war.

4) Das Camping auf dem Oregon Coast Trail
Dieser Punkt war teilweise sehr kompliziert, da campen an den meisten Stränden verboten ist. So musste jede Etappe von Campingplatz zu Campingplatz geplant werden. Das hat dazu geführt, dass ich an manchen Tagen 30 Meilen, an anderen dann wieder nur 15 Meilen zu wandern hatte. Die Campingplätze (State Parks) auf denen ich meistens übernachtet habe sind dafür auch sehr schön. Eine Nacht im Hiker/Biker Camp kostet meistens 5-6$. Das finde ich echt in Ordnung. Besonders, weil ich mich immer sicher auf den Campingplätzen gefühlt habe und dort sehr nette Menschen kennengelernt habe

5) Die Navigation auf dem Oregon Coast Trail
Auch so ein Thema… Der Weg ist leider relativ schlecht markiert. Zudem gibt es keine App zu dem Trail und so war ich beim Navigieren auf Karten und Google Maps angewiesen. Laura und Tanner haben das Buch „Oregon Coast Day Hiking“ genutzt. Das würde ich mir nächstes mal auch holen, denn damit gestaltet sich das Weg finden ein wenig einfacher.
http://www.oregon.gov/oprd/PARKS/Pages/OCT_main.aspx

6) Das Resupply
Die Versorgung mit neuem Essen und Wasser war ein Kinderspiel. Denn fast jeden Tag haben wir eine neue Stadt erreicht, in der wir Essen kaufen konnten. So hatte ich auch den Luxus frisches Obst, Brot und Käse dabei zu haben.
Ich hatte meistens um die 2 Liter Wasser dabei und habe dieses in Städten und auf den Campingplätzen aufgefüllt.

7) Fazit
Ich denke für mich war der Oregon Coast Trail genau die richtige Alternative, um dem Schnee eine Zeit lang aus dem Weg zu gehen. Ich habe das barfuß laufen am Strand sehr genossen und die paar Wochen waren fast wie ein kleiner Urlaub für mich. Trotzdem freue ich mich jetzt wieder zurück auf den PCT zu gehen und bin gespannt, was mich da alles erwartet…

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Tag 89:

Ein kleiner Ausflug in die Redwoods und zu Crater Lake…
Doch ich fange mal ganz von vorne an: Gestern Abend hat mich ein sehr nettes Ehepaar auf dem Campingplatz zum Essen eingeladen. Die beiden heißen Annette und Kurt und sie sind mit ihren zwei Hunden zum Urlaub hier. Annette ist auch eine leidenschaftliche Wanderin und so reden wir viel übers Wandern, Ausrüstung… Als sie dann hören, dass ich nach Ashland fahren möchte bieten sie mir an mich mitzunehmen. Und nicht nur das, sie wollen auch extra noch den langen Umweg zu Crater Lake fahren, damit ich auch diesen noch zu sehen bekomme. Das ist so lieb von den beiden und ich bin sehr froh sie getroffen zu haben 🙂

Also starten wir heute morgen Richtung Crater Lake. Auf dem Weg dahin schauen wir uns auch gleich die Redwoods an. Das sind riesige Bäume in Amerika, die zum Teil schon über 500 Jahre alt sind. Das ist echt beeindruckend und neben diesen mächtigen Bäumen komme ich mir ganz klein vor.

Anschließend geht die Autofahrt weiter. Wir nutzen diese, um uns über alle möglichen Dinge auszutauschen. So erfahre ich viel über die Geschichte Amerika’s. Morgen ist ja schließlich Independence Day und jetzt bin ich gut darauf vorbereitet und bestens informiert Ich erzähle ihnen auch eine Menge aus Deutschland und bin überrascht, was die Amerikaner alles über Deutschland wissen. Sie kennen sogar Heidi und viele deutsche Marken sind hier sehr bekannt. Als wir bei dem Haus der beiden ankommen (liegt auf dem Weg) zeigen sie mir auch ein riesiges Puzzle von Ravensburger, an dem sie gerade herumbasteln.

Den kleinen Zwischenstopp nutzen wir, um etwas zu essen und um das Auto zu wechseln. Denn der Wohnwagen bleibt zusammen mit dem Hunden daheim, während wir weiterfahren. Nachmittags kommen wir dann zu Crater Lake und was soll ich sagen, es ist beeindruckend… Schaut einfach selbst:

Der See ist strahlend blau und es ist wunderschönes Wetter, für diesen Ausflug. Wir laufen ein wenig den See entlang, besuchen das kleine Museum und machen uns nach ca. einer Stunde wieder auf den Heimweg. Denn es liegen noch ca. drei Stunden Fahrt vor uns. Als wir Ashland erreichen, weiß ich gar nicht, wie ich den beiden danken soll. Sie haben mir einen wunderschönen Tag geschenkt und ermöglicht doch noch Crater Lake zu besuchen. Ein großes Dankeschön an diese beiden lieben Menschen! In Ashland schlafe ich eine Nacht bei einem Trailangel, bevor es morgen wieder zurück auf den PCT geht.

Nordkalifornien Tag 90 bis 100

Tag 90:

Es ist alles eingekauft, der Rucksack ist vollgepackt mit Essen, ein neues Hörbuch ist runtergeladen (Alles Licht das wir nicht sehen können) und in bin bereit wieder zurück auf den Trail zu gehen. Das ist mein Essen für ca. vier Tage.

Ich  starte zusammen mit einem anderen deutschen Wanderer namens Jan von Ashland aus und es ist auch mal wieder sehr schön gemeinsam unterwegs zu sein. Wir finden auch relativ schnell eine Mitfahrgelegenheit und ein ehemaliger PCT Wanderer fährt uns zum Trail. Von dort laufen wir dann los und zwar die ganze Zeit den Berg hinauf. Es ist super heiß und schon nach einer Stunde brauchen wir beide eine Pause im Schatten. Diese nutzen wir dann auch, um unsere GPS Daten zu checken und da wird uns bewusst das wir einfach mal in die falsche Richtung laufen. Ich wusste ja, dass dieser Moment irgendwann kommen wird und deshalb nehme ich es mit Humor 😀 den Rückweg müssen wir dann ja auch nur noch runter laufen. So schaffen wir dann heute leider nicht ganz so viele Meilen.

Tag 91:

Die Hälfte des Weges ist jetzt geschafft. Das ist doch mal ein Grund zum Feiern. Ich kann es noch gar nicht richtig realisieren… Jetzt bin ich schon 1325 Meilen (2132 km) gelaufen. Ich habe schon unglaublich viel erlebt, eine Menge tolle Erfahrungen gesammelt und unglaublich liebe Menschen kennengelernt.

Dafür möchte ich auch etwas zurückgeben und auch anderen Menschen helfen ihre Ziele und Träume zu verwirklichen. Daher sammele ich Spenden für die Kinderabteilung des deutschen Rollstuhlverbandes. Den Rollikids soll damit ermöglicht werden schwimmen zu lernen und die Schwimmgruppe wurde auch bereits eröffnet. Und ich finde 1325 gelaufene Meilen sind doch mal ein guter Grund zu spenden! 😉 Denn so wie auf meiner Reise jeder Schritt zählt, zählt auch jeder Euro der dem Projekt zu Gute kommt. Es ist auch gar nicht schwer:

Die Spende einfach an das Konto der Rollikids überweisen.
DE29 3806 0186 5333 3330 33
GENO DE D1 BRS
Und nicht vergessen „Lauf Ludwig“ in den Verwendungszweck zu schreiben.

Ich bedanke mich bei allen Menschen die mich und mein Projekt unterstützen.

Tag 92:

Teil 2 meiner Schneewanderung…

Der Schnee ist tatsächlich immer noch nicht überall geschmolzen und auch heute kommen wir wieder in den Schnee. Diesmal erwartet uns eine scheinbar unüberwindbare Schneewand. Und da müssen wir hoch. Also geht Jan mit seinem Eispickel vor und hackt Stufen in die Schneewand.

Ich warte unten und folge ihm erst, als er oben angekommen ist. Ich bin schrecklich nervös und habe Angst abzurutschen. Ich muss ein paar mal tief durchatmen und als ich die Spitze erreiche zittere ich am ganzen Körper. Doch es ist geschafft! So geht es weiter auf dem PCT und den restlichen Tag erwarten uns nur noch kleine Schneefelder. Der meiste Teil des Weges führt zum Glück an Wiesen, wunderschönen Blumen vorbei.

An der Grenze treffen wir auch viele bekannte Gesichter wieder, die uns entgegen kommen. So wird heute viel gequatscht und ich freue mich sehr alle wiederzusehen
Meilentechnisch kommen wir deswegen leider auch heute nicht so weit. Doch ich glaube meinen Füßen tut die kleine Pause sehr gut.

Tag 93:

Heute steht noch einmal ein langer Tag an. 27 Meilen und einige Höhenmeter sind zu überwinden, um in die „Stadt“ zu kommen. Diese ist, wie sich im Endeffekt herausstellt, nur ein kleines Dorf, was aus einem Campingplatz, einem kleinen Einkaufsladen und einem Café besteht. Doch der Gedanke an Essen und besonders einer kalten Cola motiviert mich ungemein und so bin ich sehr schnell unterwegs. Die Landschaft ist wieder einmal atemberaubend und besonders von den vielen Blumen kann ich nicht genug bekommen.

Nach der gemeinsamen Mittagspause entscheidet Jan es ein wenig ruhiger anzugehen und die Stadt erst morgen früh zu erreichen. So wandere ich alleine los. Durch grüne Wiesen, immer weiter den Berg runter. img_0481

In der Stadt kaufe ich als erstes paar Kleinigkeiten ein und treffe danach eine Menge anderer Wanderer auf dem Campingplatz. Und natürlich sind auch wieder zwei andere Deutsche dabei. Es ist echt erstaunlich wie viele andere deutsche Wanderer hier unterwegs sind. Allein gestern habe ich acht getroffen…

Tag 94:

Nach dem gestrigen Tag gehe ich den heutigen Tag sehr entspannt an. Ich schlafe aus und gehe zusammen mit Florian, Kerstin und Denise im Café frühstücken. Es schmeckt wieder einmal sehr gut. Besonders nach wochenlangem Tütenessen lerne ich eine frisch gekochte Mahlzeit zu schätzen. Vormittags kommt dann auch Jan an und wir verbringen den Nachmittag zusammen auf dem Campingplatz.

Florian bastelt sich neue Campschuhe und wir anderen dösen in der Sonne. Es sind tatsächlich 35 Grad. Und ich dachte immer es wird kühler, sobald ich die Wüste überstanden habe… Jan hat schon seit Tagen Probleme mit seinem einem Knie. Nach einem Unfall in den Sierras (ja er ist da wirklich in dem ganzen Schnee herumgeklettert 😮 ) schmerzt es beim Wandern ein wenig und der lange Abstieg macht das nicht gerade besser. Er beschließt wieder zurück nach Deutschland zu fliegen und ich wandere am Abend alleine weiter. Echt schade, denn es war eine sehr lustige Zeit und ich hatte eine Menge Spaß. Außerdem fühle ich mich viel sicherer, wenn ich zusammen mit anderen unterwegs bin. Und es ist sehr nett, dass er mir seinen Bärekanister ausleiht 🙂 So spare ich mir eine Menge Geld.

Tag 95:

Ich bin gestern Abend noch ein Stück aus dem Dorf herausgewandert und habe an einem Fluss gezeltet. Um 6 Uhr morgens wandere ich dann auch schon wieder weiter, um die Kühle des Morgens auszunutzen. Nach wenigen Metern begegne ich einem Bär. Diesmal ist er schwarz und im Gegensatz zum ersten Mal rennt dieser Bär sofort weg. So ist das doch schön 🙂 Der Weg führt die ganze Zeit den Berg hinauf (um die 2300 Höhenmeter).

All das, was ich vorgestern noch runterlaufen konnte muss ich heute wieder hinauf wandern, denn Seiad Valley liegt genau in einem Tal. Außerdem bin ich mittlerweile der festen Überzeugung, dass der PCT eine Art Trimm dich Pfad ist. Der nicht nur wandern umfasst, sondern auch klettern, schwimmen und vieles mehr Alleine heute klettere ich über unzählige umgefallene Bäume hinüber, krabble unter anderen durch oder überquere Flüsse. Zudem ist der Weg sehr verwachsen und ich schlage mich die meiste Zeit durchs Gebüsch. Das Gebüsch besteht leider zu einem großen Teil auch aus dem giftigen Poison Oak. Deswegen trage ich trotz 35 Grad Celsius meine langen Leggins. Es ist unfassbar heiß und ich trinke sehr viel Wasser.

Als ich dann an die Quelle komme, an der ich meine Wasservorräte ausfüllen wollte, ist dieser kleine Bach ausgetrocknet. Zum Glück habe ich immer etwas zu viel Wasser dabei und so mache ich mich schnell auf dem Weg zum nächsten Fluss. Als ich da bin und Wasser vorfinde bin ich echt erleichtert. Durch meinen Flip Flop ist der Wasserreport leider nicht immer auf dem neusten Stand, deswegen bin ich ab jetzt besonders vorsichtig was das angeht. Nach einer Pause mit ein paar anderen Wanderern laufe ich weiter den Berg hoch und bin nach wenigen Meilen wieder einmal im Schnee. Der ist schon ziemlich matschig und im Hang, weshalb ich mal wieder wegrutsche. Zumindest sind es nur kleinere Schneefelder.

Tag 96:

Was für ein Tag! Es fängt damit an, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte, weil ich schreckliche Bauchschmerzen habe. So bin ich am Morgen sehr müde und fühle mich schwach. Und das wo heute eine lange Etappe ansteht…
Als ich dann auch noch nach wenigen Meilen in den Schnee komme ist meine Motivation am Ende. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich so fertig bin aber ich verlaufe mich auch noch und muss über ein Geröllfeld klettern, um wieder zurück zum Trail zu gelangen. Dafür bekomme ich einen traumhaft schönen Bergsee zu Gesicht. Der ist so klar, dass ich sogar von hier oben die Steine auf dem Grund sehen kann.

Ganz in der Nähe von diesem wütet ein großes Feuer und bald laufe ich nur noch im Rauch umher. Ich treffe ca. 30 Feuerwehrmänner und erkundige mich nach der Lage des Feuers und ob ich sicher weiterwandern kann. Da sie meinen das Feuer ist noch weit genug weg wandere ich weiter durch den Rauch. Über mir kreisen Helikopter und Löschflugzeuge am Himmel. Das ganze ist schon ein wenig beängstigend…

Doch der Tag hält auch noch erfreuliches bereit und so treffe ich heute Caddyshack und die andere Caroline wieder. Abends beeile ich mich, um die Straße zu erreichen, die in die Stadt führt. Doch hier fährt kein einziges Auto. Erst nach einer Stunde klappt es und ich werde von vier Jungs mitgenommen. Alle vier sind Studenten und wandern auch oft. So kommt das Gespräch auf meine Reise und meine Wanderung und die vier kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus als sie hören, wie viele Kilometer ich schon zurückgelegt habe 😀 In der Stadt kaufe ich zunächst ein und mache mich dann auf dem Weg zum Campingplatz. Dort treffe ich dann auch Susie und Tine wieder und so sitzen wir stundenlang zusammen und tauschen und aus. Es ist so schön, die beiden wiederzusehen.

Tag 97:

Wir machen heute einen Tag Pause in der kleinen Stadt Etna. Das tut mir sehr gut und ich nutze die Zeit, um mich zu erholen und um eine Menge zu essen. Morgens gehen wir zusammen mit Becca frühstücken. Das ganze Essen zahlt sich auch aus, denn als ich mich am Nachmittag wiege bin ich schon fast wieder bei meinem Ursprungsgewicht.
Nach dem Einkaufen ist dann auch mein neuer Bärenkanister vollgepackt mit Essen und ich bin bereit morgen wieder auf den Trail zu gehen. Dieses Mal zusammen mit Susie, Tine und Becca 🙂

Tag 98:

Nach einem Frühstück in einem kleinen Café trampen wir zurück zum Trail. Das klappt dieses Mal auch wirklich gut und innerhalb von ein paar Minuten hält eine Frau, die uns zurückfährt. So sitzen wir auf der Ladefläche von ihrem Pick up truck und fahren durch die Wälder in Richtung PCT.

Für Becca ist das der erste Tag nach einem Monat wanderpause, weshalb wir sehr langsam starten. Dafür haben wir umso mehr Spaß. Becca kommt aus Amerika und war für eine Zeit lang zum Studium in Deutschland. Und da hat sie das Wichtigste überhaupt gelernt: das Fliegerlied 😀 und so singen wir: Und ich flieg flieg flieg… Es ist super lustig und die Zeit vergeht in Flug.

Wir durchqueren einen abgebrannten Wald und klettern wieder unter einigen Baumstämme hindurch. Die ganze Zeit führt der Weg steil den Berg hinauf oder hinunter. Es geht ständig auf und ab und zwischendurch schmerzen meine Knie ein wenig. Zudem ist es sehr heiß und ich fühle mich fast wieder, wie in der Wüste.

Tag 99:

Susie und ich wachen als erstes auf, frühstücken im warmen Schlafsack und packen unsere Sachen zusammen. Auch Tine und Becca sind wenig später startbereit und so wandern wir los. Wir kommen sehr gut voran und treffen auch heute viele bekannte Gesichter wieder. Gegen 10 Uhr gönnen wir uns eine Kaffeepause und für mich gibt es eine heiße Schokolade und ein Käsebrot. Nach der Pause hängt Becca dann ein wenig hinter her und mittags warten wir lange, bis sie uns wieder einholt. Währenddessen haben wir wieder einen wundervollen Ausblick.

Doch auch nach der Mittagspause fällt es ihr sehr schwer weiterzuwandern und sie macht viele Pausen, sodass wir sie bald aus den Augen verlieren. Wir warten zwar noch eine Stunde am Nachmittag auf sie, aber sie kommt nicht… der erste kleine Zeltplatz ist leider schon belegt und wir laufen weiter. Nur wenige Meilen hinter diesem finden wir eine schöne Wiese auf der wir die Zelte aufbauen. Doch Becca erscheint auch am Abend nicht mehr und ich hoffe wirklich, dass wir sie morgen wiedersehen.

Tag 100:

Ich habe wunderbar geschlafen und fühle mich richtig fit und ausgeruht. Ich kann es kaum glauben, dass ich schon 100 Tage lang unterwegs bin. Das Heimweh hat zum Glück nachgelassen, seitdem ich nicht mehr die ganze Zeit alleine unterwegs bin. Auch den anderen geht es sehr gut und wir sind flott unterwegs. Auf dem Weg ins Tal treffen wir dann noch einen Trailangel und bekommen Saft geschenkt. In der Mittagspause holt uns Becca wieder ein und so wandern wir gemeinsam weiter
Die meiste Zeit führt der Weg am Hang entlang und wir haben die ganze Zeit die Berge vor Augen. Es geht über Geröllfelder den Berg hinab zu unserem kleinen Zeltplatz. Diesmal müssen wir uns aufteilen und so schlafen Susie und ich direkt neben dem Fluss, während Tine und Becca ein Stück weiter entfernt schlafen. Es ist so idyllisch…

 

 

 

Nordkalifornien Tag 101 bis 110

Tag 101:

In den letzten Tagen habe ich oft hin- und her- gerechnet wie viele Meilen ich täglich laufen muss, um Kanada zu erreichen. Doch heute ist mir bewusst geworden, dass das wirklich nicht das wichtigste ist. Viel mehr möchte ich diesen Sommer genießen. Ich möchte genügend Zeit haben, um einen schönen Ausblick zu genießen, in Seen zu schwimmen und auch mal einen Tag Pause zu machen. Deswegen habe ich jetzt beschlossen einfach zu schauen, wie weit ich in meiner verbleibenden Zeit noch komme. Das Ende bleibt also noch offen 😉 So beginne ich den Tag ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Ich war in einem fantastischen See schwimmen, war die ganze Zeit mit Susie und Tine unterwegs und habe so viel gelacht wie schon lange nicht mehr.

Ich bin wirklich glücklich und ich glaube das ist das wichtigste 🙂

Tag 102:

Das Stück zwischen Etna und Castella ist bisher definitiv mein Lieblingsstück auf dem PCT. Überall flattern Schmetterlinge umher und ich bekomme traumhaft schöne Blumen zu Gesicht. Heute folgt dann auch noch eine tolle Aufsicht auf den Mount Shasta, den Mount Lassen und die Castle Crags. Wir finden einen perfekten Pausenplatz und ruhen uns ein wenig aus. Es gibt Kaffee und Kakao und ich mache wieder ein wenig Yoga…img_0603

Am Nachmittag folgen wir dann dem Weg hinunter ins Tal. Desto weiter wir hinab steigen, desto heißer wird es auch und die uns entgegenkommenden Wanderer, die dieses Stück hinauflaufen müssen, tun mit echt Leid. Unten im Tal wandern wir im Wald weiter und es ist überraschenderweise angenehm kühl und fast in jeder Kurve ist ein kleiner Bach. So können wir öfter mal die Füße ins Wasser halten und ihnen eine kleine Pause gönnen. Abends zelten wir in der Nähe von einem kleinen Bach, an dem ich von den Mücken mal wieder durchgestochen werde.

Tag 103:

Aufstehen, Zelt einpacken, losgehen… Es ist schon so normal geworden und ich habe mich vollkommen an das Leben auf dem Trail gewöhnt.
Bis zur nächsten Stadt (Mount Shasta) sind es nicht mehr viele Meilen, weshalb wir diese am Morgen recht zügig herunterlaufen. Der Weg ist sehr breit und es geht quer durch den Wald, was das wandern sehr einfach macht. Und heute habe ich dann auch die 1500 Meilen Marke geknackt.

An der Straße angekommen finden wir dann zunächst keine Mitfahrgelegenheit in die Stadt, da die Straße wenig befahren ist. Schließlich hält ein junger Mann an. Doch sein Auto ist vollgestopft mit einem Fahrrad und vielen anderen Dingen. Da passen keine drei Wanderer mit einem Rucksack rein. Der Typ ist jedoch mega cool drauf und überlässt uns einfach sein Auto 😀 Er nimmt stattdessen das Rad. So fährt Tine also das Auto und Susie und ich sitzen hinten drin. Auch mal eine Möglichkeit zu trampen…

Auch in der Stadt hat sich eine Routine eingespielt und ich weiß genau was alles zu tun ist: Einkaufen, Duschen , Waschen, Wetter und mögliche Trailsperrungen checken… Die Einkaufsliste habe ich schon im Kopf und so bin ich recht schnell fertig. Danach gehen wir noch shoppen und ich laufe mir ein neues T-Shirt (mein altes bekommt schon Löcher) und einen neuen Packsack (diesmal von Osprey). Voll bepackt geht’s zum Restaurant Black Bear essen. Ich habe auch schon riesigen Hunger, wie eigentlich immer
Und nach dem Essen gibt es auch noch ein Foto mit dem Bären. Diesmal sogar ganz aus der Nähe…

Tag 104:

Mein letzter Tag zusammen mit Susie und Tine. Denn unsere Wege trennen sich heute schon wieder. Während sie weiter wandern, mache ich mich jetzt auf In Richtung High Sierra (den hohen Bergen, die ich wegen dem vielen Schnee übersprungen hatte). Den kommenden Streckenabschnitt bin ich ja bereits vor ca. einem Monat gelaufen. Meine Wanderung ist fast eine Art Puzzle das sich langsam zusammensetzt
Einerseits bin ich ein wenig traurig jetzt wieder alleine unterwegs zu sein, anderseits tut auch genau das mir richtig gut. Ich wachse an der Herausforderung und die vielen Situationen die ich alleine bewältigen muss lassen mich stärker werden.

So fahre ich in die nächste größere Stadt, von der aus ich einen Bus Richtung Belden nehmen kann. Von dort aus möchte ich dann southbound (von Norden nach Süden) durch die Berge wandern. Da ich dort vermutlich so gut wie kein Netz haben werde, poste ich die Beiträge nur alle paar Tage. Also macht euch bitte keine Sorgen, falls ein paar Tage kein neuer Blogeintrag online kommt.

Tag 105:

Gestern Abend hat mich ein ganz liebes Pärchen bis nach Belden gefahren. Ich bin durch die PCT Trailangel Liste auf die beiden gestoßen und sie haben mich sogar von der Greyhound Station abgeholt. Der Mann (Matt) ist letztes Jahr selbst den PCT gewandert und das sogar vegan. Das finde ich echt spannend und so dreht sich unser Gespräch über den PCT, Ernährung und noch vieles mehr. In Belden angekommen machen wir noch ein Abschiedsfoto, bevor ich mich auf die Suche nach Sante machen.

Der hat nämlich extra auf mich gewartet damit wir uns auch nochmal wieder sehen. Ich freue mich sehr all die Wanderer wiederzusehen, mit denen ich in Südkalifornien gewandert bin. Am nächsten Morgen frühstücken wir gemeinsam und machen und danach auf den Weg zum Trail. Sante läuft Richtung Norden, während ich Richtung Süden laufe. Und zwar sofort steil den Berg hinauf. Nach gefühlt tausenden switchbacks komme ich endlich oben an und der Weg führt relativ flach weiter durch den Wald. Ich bin erneut begeistert von der Blumenpracht, die ich hier zu sehen bekomme.

Tag 106:

Traaaiiiilllllmmmaaagggiiccccc… und zwar was für welche 🙂

Nachdem ich den ganzen Tag rauf und runter durch den Wald gewandert bin habe ich mir die auch wirklich verdient. Es ist manchmal ziemlich zermürbend auf dem PCT zu wandern. Oft laufe ich in Schlangenlinien durch den Wald und der Weg scheint kein Ende zu nehmen. Besonders heute liegen eine Menge Baumstämme im Weg und ich bin nur am klettern.

Nachmittags bin ich dann so fertig, dass ich mich für 20min hinlege und etwas schlafe. Nach dieser Pause fühle ich mich gleich viel besser und so laufe ich weiter und treffe  dabei eine Menge Wanderer. Alle sagen mir, dass mich Trailmagic in ca. 4 Meilen erwartet, also beeile ich mich, um nicht zu spät zu kommen. Ich lege einen wahrhaften Endspurt zum Abend hin. Für diesen werde ich mit Veggie Burger, meinem heiß geliebten Kartoffelsalat 😉 , Tomatensalat, Muffins, Wassermelone, Milch, Cola und vielem mehr belohnt. Diese beiden Trailangel sind einfach der Wahnsinn.

Als ich fertig bin, fühle ich mich nicht mehr in der Lage zu wandern und so baue ich gemeinsam mit einer anderen Wanderin das Zelt nicht weit entfernt von der Straße auf. Atlas nimmt dann noch tatsächlich die halbe übrig gebliebene Wassermelone mit 😀 Ich kriege mich nicht mehr ein vor lachen als ich seinen Rucksack sehe. Das war ein super Tagesabschluss.

Tag 107:

Ich dachte ja nach über 1700 gelaufenen Meilen (ca 2700km) bin ich richtig gut in Form und laufe die Meilen locker flockig runter. Denkste! Es ist viel mehr wie eine Achterbahnfahrt. An manchen Tagen bin ich super fit, wohingegen ich an anderen Tagen das Gefühl habe 10 Meilen sind schon zu viel. Besonders heute morgen plagt mich dieses Gefühl. Ich habe nicht so gut geschlafen und den ganzen Vormittag muss ich mich durch Dornenbüsche schlagen. Teilweise kann ich den Trail nur erahnen und meine Beine sind total zerkratzt.

Gegen Nachmittag wird dann sowohl meine Stimmung, als auch der Weg besser. In der Pause erfahre ich nämlich, dass ich zum Studium zugelassen wurde und ich freue mich riesig. Die letzten Meilen laufe ich recht schnell runter. Am Campingplatz stoße ich auf zwei Schweitzer die gerade aus der Sierra kommen. Sie erzählen mir von der jetzigen Schneesituation und geben mir viele Tipps. So muss ich auch nicht alleine campen, was mir ganz recht ist.

Tag 108:

Auf dem PCT gehöre ich wohl zu den Langschläfern. Die meisten Wanderer stehen bereits um 5 Uhr auf, während ich meistens erst gegen 5.40-6Uhr aufwache.
Den Vormittag über wandere ich über Geröllfelder den Berg hinunter. Das mögen meine Füße gar nicht. Als ich fast unten angekommen bin spüre ich auf einmal einen stechenden Schmerz im Knie und muss mich setzen. Was war das denn? Ich wandere ganz langsam weiter und spüre ab und zu noch einen leichten Schmerz im Knie. Statt einfach einer Ibuprofen einzuwerfen, wie die Amerikaner es mir raten, versuche ich auf meinen Körper zu hören. Also wandere ich langsamer, mache viele Pause, dehne und massiere.

Gegen Mittag komme ich dann sowieso in das kleine Dorf Sierra City und gönne meinem Körper eine Pause. Ich treffe einige andere Wanderer, wir quatschen und tauschen uns aus.  Als ich mich einige Stunden später wieder auf den Weg zurück zum Trail machen will habe ich den coolsten Hitchike überhaupt. Ich werde auf einem Motorrad mitgenommen und die Fahrt zum Trail macht Riesen Spaß. Das ist meine erste Fahrt auf einem Motorrad und somit ist noch ein Punkt von meiner Bucket Liste abgehakt 😉 . Beim wandern schmerzt mein rechtes Knie dann noch gelegentlich und ich beschließe mir in der nächsten Stadt ein Knieschoner zu besorgen und ggf. eine Pause einzulegen, falls es nicht besser wird.

Daher laufe ich auch nicht mehr so viele Meilen, sondern geselle mich zu zwei anderen Wanderern, die auf einer schönen Waldlichtung zelten. Die beiden waren auch in den High Sierras und es ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Wanderer die Schneelage beurteilen. Während die einen sagen es ist gar nicht so schlimm, meinen die anderen es ist super anstrengend und hart. Ich bin ja mal gespannt, was mich da erwartet… Zum Schluss noch ein paar Bilder vom heutigen Tag:

Tag 109:

Auch heute erwartet mich ein wundervoller Tag auf dem Trail. Eine Menge Blumen, Schmetterlinge und tolle Landschaften hält der PCT heute für mich bereit.

Abends steht dann noch ein Highlight an. Denn ich erreiche die Peter Grubb Hütte, in der ich heute Nacht schlafen möchte. Die Hütte ist ziemlich rustikal und ein anderer Wanderer namens T-Bone ist schon da. Innerhalb der nächsten Stunden treffen noch viele andere Wanderer ein und am Ende sind wir ca. 15 Männer und 2 Frauen und ein Hund.

Hm mit 15 männlichen Wanderern und einem kleinen Hund in einer kleinen Hütte schlafen. Da ist garantiert einer dabei der schnarcht 😀 . Deswegen entscheide ich mich zusammen mit dem anderen Mädchen vor der Hütte in unseren Zelten zu schlafen. Die Stunden vor dem Schlafen gehen verbringe ich noch mit den anderen Wanderern in der Hütte und es ist spannend die Geschichten der anderen Wanderer zu hören.

Tag 110:

In der Nacht hat es angefangen leicht zu regnen und als ich morgens aufwache sind meine Sachen feucht. Ich packe mein Zeug schnell zusammen und flüchte mich zum Frühstück in die Hütte. Das ist echt toll gemeinsam mit so vielen anderen Wanderern
Während alle weiter Richtung Norden wandern, bin ich die einzige die Richtung Süden aufbricht.

Der Morgen ist dann ziemlich langweilig. Es geht die meiste Zeig bergab und ich komme gegen Mittag in die Stadt (Truckee). Nach dem Mittagessen holt mich Karen (ein Trailangel) ab. Ich darf diese Nacht bei ihr schlafen und bekomme sogar ein eigenes Zimmer. Zusammen mit ihrem Sohn Lucas fahren wir an den See und ich probiere das erste Mal stand up paddling aus. Es macht super viel Spaß und Lucas und ich paddeln um die Wette 🙂 .

Als wir zurück zum Haus kommen, ist auch Karen’s zweiter Sohn Jason da und wir essen alle gemeinsam zu Abend. Es gibt leckere Nudeln mit frischem Pesto und ich als Wanderin bekomme die größte Portion, obwohl ich sogar noch vom Mittagessen satt bin… Nach dem Abendessen wollen die beiden Jungs mir noch etwas zeigen. Und zwar ein riesiges Trampolin im Garten. Wir springen und hüpfen darauf herum und haben eine Menge Spaß 😀 .Diese Fanilie ist echt cool und ich bin froh den Tag mit ihnen verbringen zu dürfen.

 

 

 

High Sierra Tag 111 bis 120

Tag 111:

Ich werde morgens früh zurück zum Trail gefahren und starte somit erst um 8 Uhr. Heute ist der Trail sehr hügelig. Alles was ich hoch laufe, wandere ich kurze Zeit später auch wieder hinunter und das immer und immer wieder 😀 Ich laufe auch eine Menge auf einem Grat entlang und habe einen Rundumblick.

Nachmittags treffe ich einen Tageswanderer namens Al. Wir kommen ins Gespräch und laufen zusammen weiter. Er erzählt mir, dass er letzte Woche noch Skiunterricht hier gegeben hat. Und wenn ich mich so umschaue fühle ich mich auch fast wie im Skiurlaub. Als er zurück ins Tal absteigen muss verabschieden wir uns voneinander und ich wandere alleine weiter.

Tag 112:

Mein erstes Pass steht heute auf dem Programm. Er liegt auf 3200 Höhenmeter und ist mit Schnee bedeckt. Ich komme nur sehr langsam voran und bin sehr vorsichtig im Schnee. Auf dem Weg nach oben geht es an einem See vorbei. Dieser ist mir jedoch eindeutig zu kalt, um darin schwimmen zu gehen. Besonders, weil es heute seit langem mal wieder bewölkt und etwas kühler ist. Perfektes Wanderwetter also! Als ich oben ankomme erstreckt sich das Tal zu meinen Füßen und ich bin sprachlos.

Ich mache eine Pause und sitze einfach nur da und staune. Irgendwann muss ich mich dann leider an den Abstieg machen, denn es wird spät und ich bin müde. In der Nähe von einem See treffe ich auf 8 andere Wanderer und baue mein Zelt bei Ihnen auf. Alles nur Jungs die Frauenquote ist mittlerweile echt gering. So sitzen wir gemeinsam am Feuer, die Jungs erzählen mir von ihren Abenteuern in der Sierra und es gibt Essen.

Tag 113:

Vormittags wandere ich an mehreren Bergseen vorbei, einer schöner als der andere. Besonders der Lake Aloha ist atemberaubend schön und ich glaube so etwas beeindruckendes, habe ich noch nie gesehen. Der See schimmert im Sonnenlicht und die Berge spiegeln sich auf der glatten Oberfläche. Er ist so klar, dass ich den Grund sehen kann und eiskalt.

Nach einer langen Pause gelange ich am Nachmittag in die Stadt (South Lake Tahoe). Die kommt mir riesig vor und nach den vielen Tagen in der Natur fühle ich mich hier ein wenig verloren. Doch zum Glück bin ich nicht alleine, sondern viele andere Wanderer sind auch hier. Ein anderer deutscher Wanderer namens Jan leiht mir seine Eisaxt für die High Sierras aus und gibt mir noch schnell einen Grundkurs zum richtigen Umgang. Dann bin ich ja jetzt bestens vorbereitet 🙂 .

Danach geht’s ins Restaurant „Basecamp“, wo wir als PCT Wanderer jeder eine kostenlose Pizza bekommen. Und zu guter Letzt fahre ich noch kurz zur Post und hole meine Pakete ab. Es ist fast wie Weihnachten, was mich da erwartet… Es gibt neue Schuhe, eine Bärenbox und ein Überraschungspäckchen. Denn das Pärchen Angelica und Matt (die mich vor ca. einer Woche nach Belden gefahren haben) haben mir doch tatsächlich ein Essenspaket geschickt Das ist wirklich unfassbar lieb von den beiden. Und obwohl „Cheese“ draufsteht ist kein Käse drin, sondern ganz viele vegane Leckerein. Die nächste Etappe wandere ich jetzt also vegan. Das ist mein Essen dafür:

Die vegan challenge kann beginnen… 😉

Tag 114:

Die Nacht über war es super laut in dem Hostel und ich habe nicht gut geschlafen. Doch heute startet ja die vegane Challenge und so gibt es zum Frühstück Heidelbeeren, mit Bananen und Kokosmilchjoghurt. Danach fühle ich mich schon etwas besser Um 10 Uhr fahre ich wieder zurück zum Trail und wandere los. Durch meinen späten Start ist es schön sehr heiß und der Aufstieg umso anstrengender. Ich merke, dass es langsam in die Berge geht. Nachmittags bin ich dann zu gar nichts mehr zu gebrauchen und mache viele Pausen. In einer davon treffe ich Einen anderen Wanderer namens Tony und da auch er echt fertig ist machen wir zusammen eine laaaaannggeeee Pause
Die hilft mir enorm und ich fühle mich viel besser. Dieses Hochgefühl wird noch verstärkt als ich an einen See komme und noch ein paar Runden schwimmen kann.

Tag 115:

Ich kann gar nicht beschreiben, wie hart manche Tage sind. Der PCT bringt mich öfters an und über meine Grenzen hinaus. Sowohl körperlich als auch physisch ist es manchmal eine riesige Herausforderung und in diesen Momenten versuche ich mich darauf zu konzentrieren, weshalb ich das mache und wofür ich dankbar sein kann. Ich denke an all die schönen Momente zurück, die ich bereits erlebt habe.
Deswegen schreibe ich heute auf wofür ich dankbar sein kann:
Ich bin dankbar dafür, dass

… ich gesund bin

… ich die Möglichkeit habe den PCT zu wandern

… ich Familie, Freunde und Leser habe, die mich so sehr unterstützen

… ich jeden Tag neue Abenteuer erleben darf

… ich genug Essen und Wasser habe

… ich ein warmen Schlafsack habe, in den ich mich einkuscheln kann

… ich jeden Tag neue tolle Menschen kennenlernen darf

Tag 116:

Wie schnell sich das Wetter ändern kann… Morgens ist noch strahlender Sonnenschein, doch schon am Vormittag zieht sich der Himmel zu und dunkle Wolken ziehen auf. Schließlich fängt es an zu gewittern. Das ist in den Bergen ziemlich beängstigend und ich versuche so schnell wie nur möglich ins Tal zu kommen. Meine Waden fangen an zu schmerzen und es regnet in Strömen. Auf dem Weg ins Tal beruhigt sich das Wetter zum Glück wieder und das Gewitter scheint vorüber zu ziehen.

Als ich unten bin hört es auch auf zu regnen und da es noch sehr früh ist (durch das Rennen habe ich echt Zeit gespart 😀 ) wandere ich noch ein wenig weiter. Als ich vier Frauen entdecke, die an einem Fluss Zelte schließe ich mich Ihnen an und beende meine Wanderung für heute. Die vier sind echt cool drauf und sind für vier Tage unterwegs. Ich freue mich immer riesig wenn ich jemanden zum Zelten finde. Denn auch wenn ich alleine wandern echt schön finde mag ich es gerne abends mit anderen Wanderern zusammen zu essen, zu reden und zu Zelten. Da schlaf ich meistens auch besser und schrecke nicht bei jedem kleinen Geräusch hoch.

Tag 117:

Die letzten Tage waren echt hart. Doch ich habe mir geschworen niemals an einem schlechten Tag aufzuhören. Stattdessen lege ich einen halben Tag Pause in Kennedy Meadows North ein. Bevor ich dieses jedoch erreiche, muss noch ein Berg erklommen werden und viele kleine Bäche durchquert werden. Meine Füße sind durchgehend nass und im Schnee komme ich nur äußerst langsam voran. Einzelne Schneefelder sind leider auch noch undurchquerbar und so tue ich es den anderen Wanderern gleich und klettere daran vorbei.

Das ist fast nur anstrengender, denn die Kletterpartie führt über ein steiles Geröllfeld. Als ich dieses überwunden habe bin ich fix und fertig. Die letzten Tage waren unglaublich anstrengend für mich. Deswegen freue ich mich umso mehr, als ich das kleine Resort erreiche. Leider gibt es hier weder WLAN noch Netz, sodass ich hier stundenlang rumsitze und lese, während meine Wäsche in der Waschmaschine ist. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten in dem Laden ein, bevor ich mich wieder zurück zum Trail aufmache. Wandern tue ich nicht mehr wirklich , sondern baue mein Zelt ein paar Meilen entfernt von der Straße auf.

Tag 118:

Nachdem ich ca. 10 Stunden geschlafen habe fühle ich mich viel besser und bin bereit den Sonora Pass anzugehen. In der High Sierra richte ich mich nach dem „A Pass a Day“ (ein Pass am Tag) Prinzip. Das bedeutet ich starte früh morgens den Aufstieg, wo der Schnee noch hart und fest und das Wandern einfacher ist. Besonders die Eisaxt und die Microspikes helfen mir sehr und geben mir mehr Sicherheit. Besonders das Wandern mit der Eisaxt klappt erstaunlich gut und ich finde schnell meinen Rhythmus: Schritt, Schritt, Eisaxt in die Bergseite rammen, Schritt, Schritt… Sobald ich am höchsten Punkt angelangt bin mache ich mich nach einer Pause auf den Weg zum Abstieg. Mittags/Nachmittags laufe ich dann soweit es geht in Richtung des nächsten Passes. Morgens geht das ganze dann wieder von vorne los
Hier noch ein paar Impressionen meines Tages:

Auf dem einen Bild seht ihr den schneebedeckte Pass am Morgen. Am Berg ist auch der Weg durch das Schneefeld zu erkennen. Auf dem anderen einen der vielen Flüsse die ich heute überquert habe. Meine Füße sind den ganzen Tag klitschnass. Manche Flüsse sind tief und ruhig, wie dieser hier. Andere eher flach und reißender. Bisher war jedoch keiner Tiefer als bis zur Mitte meiner Oberschenkel.

Tag 119:

Heute werde ich von Mückenschwärmen attackiert. Es sind gefühlt tausende und meine Beine bestehen nur noch aus Stichen. In den Pausen ziehe ich immer schnell die Daunenjacke an und bedecke die Beine mit der Regenjacke, um mich zumindest ein wenig zu schützen. Das ändert sich dann leider recht schnell denn schon nach der Mittagspause ziehen Wolken auf. Wie auch in den letzten Tagen wird es düster und es fängt an zu Gewittern.

Diesmal ist es noch heftiger als letztes Mal und es ist ein unheimliches Gefühl bei Gewitter alleine, ungeschützt im Wald zu sein. Ich kauere mich unter einen Felsvorsprung und warte. Die Blitze sind furchtbar grell und das Donnern unglaublich laut. Ich habe echt Angst und versuche mich mit dem Zählen zwischen Blitz und Donner abzulenken. Das macht mich jedoch nur noch nervöser, denn das Gewitter ist direkt über mir. Diesmal breche ich wirklich in Tränen aus und das Donnergrollen erstickt mein schluchzen.

Und dann passiert etwas erstaunliches: ein anderer Wanderer kommt vorbei und stellt sich als Baby Jesus vor. Ernsthaft?! 😀 ist das jetzt ein Geschenk von Gott? Wenn ja dann Dankeschön 😉 Er wandert sogar in dieselbe Richtung wie ich und so laufen wir gemeinsam weiter. Wenig später kreuzt ein Bär den Weg und Baby Jesus ist vollkommen außer sich vor Freude. Schließlich ist das sein erster Bär. Für mich ist es mittlerweile der sechste, ich scheine die ja echt magisch anzuziehen. Der Weg wird immer mehr zum Wasserfall und die Flüsse gegen Abend immer höher.

Baby Jesus möchte versuchen seine beiden Freunde einzuholen, die vor im sind. Mir wird es um 20 Uhr zu viel, ich bin müde und hungrig und lasse ihn alleine weiterziehen.
Abends fliegt dann noch ein Rettungshelikopter über mein Zelt, landet nicht weit entfernt und hebt wenige Minuten später wieder in de Luft. Wie ich am nächsten Tag erfahre musste ein anderer Wanderer aus der High Sierra geborgen werden. Ich habe immer noch großen Respekt von den Bergen und versuche hier besonders vorsichtig und aufmerksam zu sein.

Tag 120:

Bereits nach einer Stunde wandern hole ich Baby Jesus ein. Er hat seine Freunde nicht mehr einholen können und sitzt noch im Zelt. So wandere ich weiter hinauf Richtung des nächsten Passes. Plötzlich raschelt es laut im Busch und ich schrecke zurück. Doch es ist nur ein Reh, welches vermutlich genauso schreckhaft ist wie ich. Also atme ich einmal durch und wandere weiter.

Auf dem Weg nach oben kommt mir ein anderer Wanderer entgegen. Er ist ganz aufgeregt und sagt mir, dass zwei Bäume auf dem Pass Feuer gefangen haben und ich mich beeilen und aufpassen soll. Als ich außer Atem oben ankomme sehe ich den Rauch. Die Bäume sind zum Glück weiter weg und das Feuer hat sich nicht weiter ausgebreitet. Alles halb so schlimm. Weiter geht’s. Ich komme an einen wunderbaren See und gehe eine Runde schwimmen. Baby Jesus trudelt auch ein und wir machen zusammen Pause.

Ich bin früher fertig und starte schon. Denn als hätte jemand die Uhr danach gestellt ziehen auch heute wieder Gewitterwolken am Himmel auf. Diesmal fängt es sogar an zu hageln und die Murmelgroßen Hagelkörner schießen wie kleine Geschosse auf die Erde. Ich warte unter einem Baum ab bis sich das Wetter ein wenig beruhigt. Nachmittags treffe ich noch auf Jacky, Stefanie und Mike. Was für eine schöne Überraschung zum Abschluss des Tages.

High Sierra Tag 121 bis 130

Tag 121:

Ich wandere heute durch blühende Wiesen, vorbei an einem Wasserfall bis in die Stadt Tuolomee Meadow. Schon seit einigen Tagen wandere ich nun durch den Yosemite Nationalpark und von hier aus möchte ich in das Herz des Parks fahren. Es geht also nach Yosemite Valley. Ich trampe zusammen mit einer anderen Wanderin namens Diane. Wir haben Glück und ein Mitarbeiter des Nationalparks nimmt uns mit. Er zeigt und gleichzeitig auch schon eine Menge des Parks und wir halten an vielen Aussichtspunkten an.

In Yosemite Valley angekommen gehen wir erstmal Burger essen. Danach sitzen wir stundenlang vor den Restaurant und ich versuche alle Nachrichten zu beantworten. Nach 5 Tagen ohne Netz kommt schon so einiges zusammen…
Abends stoßen dann noch andere Wanderer dazu und wir sitzen noch lange auf der Terrasse des Restaurants lachen, quatschen und tauschen Geschichten aus.
Im Bus auf dem Weg ins Backpacker Camp fangen dann auf einmal ein paar Fahrgäste an zu singen und alle stimmen mit ein. Sowas habe ich echt noch nie erlebt und all diese unbeschreiblich tollen und schönen Erfahrungen werde ich nie vergessen.

Tag 122:

Diane geht es leider gar nicht gut, weshalb sie nicht mit auf unsere Tageswanderung kommt. Deswegen starten Florence und ich alleine unsere Wanderung zum Glacier Point. Ich fasse es nicht, dass ich jetzt schon an meinem „Pausen“ Tag wandern gehe
Unsere Rucksäcke dürfen wir netterweise bei zwei Rangern lassen und so können wir den 8 Kilometerlangen Aufstieg nur mit leichtem Gepäck angehen. Ich habe mir aus einem Packsack eine Art Turnbeutel gebastelt und habe Wasser, etwas zu essen und meine Wertsachen dabei. Es ist so viel einfacher ohne Rucksack zu wandern und wir überwinden die 1000 Höhenmeter in zwei Stunden. Oben wird einfach nur genossen….

Anschließend laufen wir runter ins Tal und nachdem wir eine Runde im See geschwommen sind holen wir unsere Rucksäcke ab. Während ich mich dazu entscheide für die Rückfahrt den Bus zu nehmen versucht Flo zurück zu trampen. Im Bus sitze ich neben einer anderen Wanderin, die den John Muir Trail (JMT) wandert. Der JMT ist ein ca. 340 Kilometer langer Wanderweg durch die High Sierra und er führt einen Großteil der Zeit auf demselben Weg wie der PCT. Das lässt mich auf viele Wanderer in den nächsten Tagen hoffen.
Die andere Wanderin heißt Kite (sie hat einen Drachen dabei… :D) zeltet zusammen mit mir auf einer schönen Wiese. Auch Flo kommt später dazu und wir lassen den Abend gemeinsam ausklingen. Als ich im Zelt liege denke ich über meine Reise nach. Das ist schließlich nicht nur mein erster großer Wandertrip, sondern auch meine erste Reise alleine. Und das erstaunliche am Alleine reisen ist doch immer wieder, dass ich eigentlich so gut wie nie alleine bin. Ich lerne ständig neue Leute kennen und gehe viel offener auf Menschen zu. Das ist eine sehr gute und schöne Erfahrung 🙂

Tag 123:

Heute wird das erste mal mein Permit kontrolliert. Der junge Ranger kommt vorbei als ich gerade Pause mache. Nachdem er mein Permit gesehen hat möchte er noch wissen von wo ich komme, wie weit ich noch laufe und ob ich einen Bärenkanister dabei habe. Am Ende warnt er mich noch vor einem Bär, der in der Nähe gesichtet wurde. Na toll noch einer.

Nach diesem kleinen Verhör wandere ich weiter den Pass hinauf. Ich bin bereits über der Baumgrenze als es plötzlich anfängt zu Gewittern. Und das obwohl es erst 11 Uhr ist… Bis zum höchsten Punkt sind es noch ganze 2 Meilen. Ich entscheide mich wieder zurück ins Tal abzusteigen und das Gewitter abzuwarten. Ich möchte nicht ungeschützt am Berg sein, während die Blitze einschlagen. Es geht also wieder zurück. Ich warte eine Stunde lang im Tal, bis sich das Gewitter beruhigt. Dann beeile ich mich und laufe so schnell es mir möglich ist über den Pass. Als ich oben bin fängt es wieder an zu donnern. Zum Glück ist das nur von kurzer Dauer und am Nachmittag klart sich der Himmel wieder auf. Ich komme am Thousand Island See vorbei und bin beeindruckt wie schön dieser ist.

Tag 124:

In der Nacht hat es geregnet, wie in fast jeder der letzten Nächte. Ich packe mein nasses Zelt ein und laufe los. Der Weg gleicht einer Matschgrube und ich versinke bis zu den Knöcheln in Schlamm. Als ich endlich das kleine Resort erreiche esse ich als erstes ein Sandwich und trinke einen Erdbeermilchshake. Danach fühle ich mich schon viel besser und ich Geselle mich zu zwei Wanderern, die auf einer Bank sitzen. Die Dusche kostet 1$ pro Minute. Da überlegt man sich wirklich wie lange man duscht bei mir werden es fünf Minuten und die sind echt schneller vorbei als man denkt… Doch zumindest bin ich jetzt wieder sauber und nach dem Wäsche waschen bin ich so gut wie fertig.

Nur noch einkaufen. Das erübrigt sich jedoch schnell, da viele der JMT Wanderer zu viel essen dabei haben und mir welches abgeben. So staube ich eine Menge kostenloses Essen ab und kaufe nur noch Kleinigkeiten in dem überteuerten Laden. Abends stoßen auch noch Baby Jesus und Kite (die Wanderin aus dem Bus) dazu und ich freue mich die beiden wieder zu sehen. Ich möchte fast gar nicht gehen, doch irgendwann wird es Zeit und ich wandere noch ein Stück in den Abend hinein. img_1009

Tag 125:

Die High Sierra ist sowohl richtig hart als auch atemberaubend schön. Morgens ist es immer eiskalt und es kostet mich sehr viel Überwindung aus dem Schlafsack zu krabbeln und aufzubrechen. Es wird dann jedoch sehr schnell warm und gegen Mittag ist es schön wieder sehr heiß. Nachmittags fängt es dann meistens an zu Gewittern und es kühlt wieder ab. Diese Temperaturschwankungen machen mir echt zu schaffen…
Und nicht nur die, sondern auch das dauernde auf und ab ist sehr anstrengend für mich. Ich komme nur langsam voran und brauche viele Pausen.

Dafür ist das Gefühl, wenn ich einen Pass erklommen habe oder einen wunderschönen Bergsee erreiche umso schöner. Oben am Berg zu stehen und über das Tal zu schauen ist ein tolles Gefühl. Zu wissen es aus eigener Kraft so weit geschafft zu haben und diese mächtigen Berge und Landschaften zu betrachten ist den Schmerz und die Anstrengung alle mal wert.

Tag 126:

Heute morgen ist es noch kälter als sonst. Ich mache es jetzt schon so, dass ich abends mein langes Wandershirt anziehe, damit ich mich morgens nicht mehr umziehen muss. Die Hose wechsele ich im Schlafsack, in dem ich auch solange wie nur möglich bleibe.
Danach werden die kalten, nassen Schuhe angezogen und ich wandere los. Auch heute treffe ich nach kurzer Zeit wieder auf Baby Jesus und diesmal wandern wir zusammen weiter. Wir entscheiden uns am Nachmittag noch den nächsten Pass zu besteigen und bekommen oben einen fantastischen Ausblick zu Gesicht. img_1074

Wir wandern noch ein Stück ins Tal, bevor wir unsere Zelte aufbauen und gemeinsam zu Abend essen.

Tag 127:

Wie auch sonst starte ich vor Baby Jesus. Dieses Mal bin ich besonders früh dran, da ich noch vormittags die John Muir Trail Ranch erreichen möchte. Denn da erwarten mich viele voll gefüllte Hiker Boxen. Hiker Boxen sind Boxen, in denen die Wanderer Ausrüstung und Essen hinterlassen, welches sie selbst nicht brauchen. Andere Wanderer können die Sachen, die sie selbst brauchen, dann mitnehmen. So finde ich nicht nur eine neue Faltflasche zum Wasser filtern (meine alte ist leider kaputt gegangen), sondern auch eine Menge Essen für die Etappe der nächsten drei Tage.

Ein anderer Wanderer namens Scott hat sich selbst viel zu viel essen zugeschickt und gibt mir einfach mal die Hälfte ab Wir gehen dann auch zusammen zurück zum Trail und wandern gemeinsam weiter. Das ist mir in der Etappe auch ganz recht, denn es sind viele Flüsse zu überqueren. Scott sucht die beste Stelle und überquert den Fluss als erstes. Danach wartet er auf der anderen Seite auf mich und passt auf, dass auch ich gut ins trockene komme. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Einmal werde ich durch die starke Strömung ins tiefere Gewässer abgetrieben und stehe bauchnabeltief im Wasser.
Da ist es echt gut nicht alleine unterwegs zu sein. Abends Zelten wir dann auch zusammen, kurz vor dem nächsten Pass (John Muir pass). Zum Abschluss noch ein paar Bilder des heutigen Tages:

Tag 128:

Ich wache sehr früh auf und da ich nicht mehr schlafen kann packe ich meine Sachen und wandere bereits um 6 Uhr los. Scott ist auch schon wach und wir beschließen uns auf dem Pass zu treffen. Auf dem Weg nach oben treffe ich nur sehr wenige Wanderer und es herrscht absolute Stille. In einer Pause sitze ich einfach nur da und betrachte einen See und die Berge. Oben angekommen gibt es dann erstmal eine heiße Schokolade 🙂

Auf dem Pass steht eine kleine Schutzhütte und es ist mal wieder ein tolles Gefühl einen weiteren Pass geschafft zu haben. Auch Scott trifft wenig später ein und wir machen zusammen Pause. Danach geht es den Berg wieder runter und der Abstieg ist deutlich schwieriger als der Aufstieg. Es liegt noch sehr viel Schnee und dieser ist schon ziemlich matschig, was das ganze noch ein wenig schwieriger macht. Also gehen wir ganz langsam und passen sehr gut auf.

Wir kommen wohlbehalten unten an und in der Mittagspause baue ich mir dann meinen ganz persönlichen 2000 Meilenmarker. Jaaaa ich bin jetzt tatsächlich schon 2000 Meilen (ca. 3200km) gewandert. Ich weiß noch genau wie sehr ich mich über die ersten 100 Meilen gefreut habe und jetzt sind es bereits 2000. Unfassbar wie schnell die Zeit vergeht…

Tag 129:

Heute stehen zwei Pässe auf dem Plan. Beide liegen nah beieinander und deshalb beschließe ich beide an einem Tag zu überqueren. Vormittags besteige ich zunächst den anspruchsvolleren Mother Pass. Der Schnee ist gefroren und ich nutze meine Microspikes und die Eisaxt (wobei die nicht unbedingt notwendig gewesen wäre aber ich fühle mich einfach sicherer damit), um an die Spitze zu gelangen.

In der Mittagspause holt mich dann auch Scott ein. Das ist mir ganz recht so, denn wenig später müssen wir einen der wildesten Flüsse überqueren. Wir suchen uns oberhalb des Trails eine gute Stelle aus und machen uns nacheinander auf den Weg zur anderen Seite.
Scott möchte den zweiten Pass erst morgen früh angehen und baut sein Zelt an einem wunderschönen See auf. Da es erst früher Nachmittag ist wandere ich noch weiter und schaffe auch tatsächlich noch den zweiten Pass. Danach bin ich ziemlich fertig und fühle mich ausgelaugt.

Oben auf dem Pass begegne ich einem anderen Wanderer namens Banana man. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt mir das er täglich so um die 36 Meilen läuft. Waaaaass??? Ich bin in den Bergen nach 22 Meilen einfach schon total am Ende 😀
Ich verliere ihn beim Abstieg auch schnell aus den Augen und Zelte mit zwei anderen Wanderern.

Tag 130:

Die beiden Jungs mit denen ich gezeltet habe starten bereits um 5:30 Uhr und so wache auch ich auf und wandere bereits um 6:00 Uhr los. Wenig später taucht dann auch Baby Jesus wieder auf. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den noch einhole. Wir beschließen uns auf dem Pass wieder zutreffen und ich wandere weiter. Es geht über Geröllfelder und meine Füße beginnen extrem zu schmerzen. Hier vermisse ich doch ein wenig meine Wanderschuhe, denn das macht mit den Turnschuhen leider nicht so viel Spaß.
Da an manchen stellen noch Schnee liegt klettere ich über das Geröllfeld querfeldein den Pass hinauf. Oben angekommen mache ich erstmal eine Pause. img_1111

Es sind noch drei andere Wanderer da und mit zwei von ihnen komme ich ins Gespräch. Es ist ein Vater, der für ein paar Tage zusammen mit seinem Sohn wandern ist. Die beiden sind echt nett und schenken mir sogar Essen. Das passt mir sehr gut, da meine Bärenbox nur noch eine Packung Kartoffelpüree und Haferflocken enthält. Und wenn ich nur daran denke wird mir schon schlecht 😀

Während wir noch Mittagspause auf dem Pass machen kommen auf einmal drei Pferde um die Ecke. Auf diesem schmalen Pass auf einem Pferderücken zu sitzen wäre mir ja nicht ganz so geheuer… Den Nachmittag über wandere ich dann zusammen mit dem Sohn namens Whiskey Cough :D. Er ist ein Professor und hat in Deutschland zum Thema Klimawandel geforscht. Was er alles zu erzählen hat ist echt spannend und so lerne ich heute eine ganze Menge über den Klimawandel.

Irgendwann muss er dann auf seinen Vater wandern und ich laufe alleine weiter. An einem kleinen Fluss koche ich mir die geschenkten Tortellini mit Tomatensoße. Es schmeckt sehr gut und ist eine nette Abwechslung zu meinem sonstigen Essen. Baby Jesus stößt dazu und da er auch so gut wie kein Essen mehr hat teile ich die Nudeln mit ihm. So sind wir beide satt und gekräftigt bevor es weiter geht. Um von den Bergen in die Zivilisation zu gelangen müssen wir den PCT verlassen und über einen weiteren Pass (Kersage Pass) wandern. Dieser Umweg von 7,5 Meilen endet in einem Campingplatz von dem man in die Stadt trampen kann.

Leider fahren hier nicht viele Autos. Besonders da wir erst abends ankommen ist auf der Straße so gut wie kein Verkehr. Doch ich habe Glück. Ich sehe die beiden Reiter von der Mittagspause und frage ob sie mich mitnehmen können. So fahre ich zusammen mit Ihnen in die Stadt. Dort schlafe ich, in einem Hostelzimmer zusammen mit 8 weiteren Wanderern. Banana man, sowie ein mir bekanntes Pärchen ist auch schon da. Wir gehen zu viert etwas essen und vergessen dabei glatt die Zeit. So liege ich erst um Mitternacht hundemüde im Bett und schlafe sofort ein.

High Sierra Tag 131 bis 135

Tag 131:

In der Stadt habe ich meistens leider immer viel zu viel zu erledigen. Nach einer Woche auf dem Trail staut sich doch so einiges an: Duschen, Waschen, Einkaufen, Sachen fürs Studium erledigen, versuchen alle Nachrichten zu beantworten….
Damit bin ich den ganzen Vormittag beschäftigt. Ich verlasse das süße Hostel also erst am Nachmittag und mache mich auf den Weg zurück zum Trail.

Ich bastele mir ein Schild und versuche von der Straße aus zu trampen. Relativ schnell hält auch eine Frau an und nimmt mich mit. Sie ist sehr nett und offen und wir kommen schnell ins Gespräch. Sie ist beeindruckt von meiner großen Reise und erinnert mich selbst daran, was für eine coole Sache ich hier eigentlich mache. Manchmal verliere ich das aus den Augen und das Wandern ist teilweise recht einsilbig. Deswegen tut es gut ab und zu mal wieder daran erinnert zu werden was ich hier überhaupt mache 😉

Tag 132:

Morgens werde ich von ein paar Rehen geweckt, die ums Zelt schleichen. Da ich noch Netz habe telefoniere ich noch mit meiner Familie bevor ich loslaufe. Das tut doch immer wieder gut und gibt mir neue Kraft. Jetzt ist es ja auch nur noch ein Monat bis ich alle wiederzusehen… 🙂 Als ich den Kersage Pass überwunden habe und eine lange Pause auf dem Pass gemacht habe gelange ich wieder zurück auf den PCT.

Eigentlich wollte ich heute vor Forrester Pass campen doch als ich meinen ausgesuchten Zeltplatz erreiche ist es erst 16 Uhr. Definitiv zu früh zum campen und da das Wetter schön ist beschließe ich denn Pass heute noch zu besteigen. Soviel also zu meiner „A Pass a Day“ Planung… Der Weg nach oben ist ziemlich anstrengend. Mit fällt das Atmen schwer und mein Herz schlägt wie verrückt. Alle paar Schritte muss ich eine Pause einlegen. Zwei Stunden später stehe ich dann oben am Pass. Dem höchsten Punkt auf dem PCT (ca. 4000 Höhenmeter) und auch noch mein letzter Pass. Ich freue mich riesig 🙂 Jetzt habe ich alle Pässe geschafft und nähere mich dem Ende der Berge.

Tag 133:

Die Nacht war sehr stürmisch und besonders auch sehr kalt. Dadurch, dass ich auf über 3000 Höhenmeter gezeltet habe wurde es doch sehr frisch in der Nacht. Ich packe schnell meine sieben Sachen zusammen und wandere los. Heute treffe ich nicht mehr so viele Wanderer, denn der PCT und der JMT trennen sich wieder. Während die JMT Wanderer ihre Wanderung auf dem Mount Whitney beenden verläuft der PCT an diesem vorbei. Viele PCT Wanderer besteigen als kleines Extra auch noch den Mount Whitney, doch nachdem ich schon auf Forrester Pass mit der Höhe zu kämpfen hatte lasse ich diesen Bonus aus und folge weiterhin dem PCT.

Tag 134:

Auaaaaaa… Meine Füße bringen mich noch um. Besonders mein linker Mittelfuß hat in der High Sierra angefangen zu schmerzen und ich spüre ihn bei jedem Schritt.
Ich massiere und dehne ihn regelmäßig, doch es hilft nichts. Zudem ging es nach Forrester Pass wieder schnell bergab und nun befinde ich mich wieder in den Ausläufern der Wüste. Es ist heiß, ich finde nur wenig Wasser und viele der kleinen Bäche sind ausgetrocknet. Mittags bekomme ich dann auch noch Nasenbluten und als ich abends endlich ins Zelt verschwinde bin ich fix und fertig….

Tag 135:

Der Vormittag ist sehr anstrengend. Laut den Höhenprofil sollte es zwar den ganzen Tag bergab gehen doch der Weg führt vielmehr auf und ab und ich bin ein wenig unmotiviert. Die letzten Tage habe ich so gut wie keine anderen Wanderer getroffen und da freue ich mich heute um so mehr, als ich um die Ecke biege und einen anderen Wanderer erblicke.

Wir verstehen uns auf Anhieb, denn auch er hatte einen harten Tag und wir lästern zu erst ein wenig über den PCT ab und zählen auf, was wir an dem Trail nicht mögen. Bei mir sind es definitiv die Bären, Pumas, der viele Schnee und die Hitze
Nachdem wir damit fertig sind fragt mich der andere Wanderer, der übrigens Mike heißt, was ich am PCT liebe. Und ich muss gestehen, dass diese Seite deutlich länger ist und mir auf Anhieb einige Punkte einfallen. Den Sonnenaufgang heute morgen, das kalte Wasser aus dem Fluss, der atemberaubende Ausblick von gestern, das Gefühl etwas geschafft zu haben, der Moment wenn ich eine Stadt erreiche in der eine Dusche, eine Waschmaschine und echtes Essen auf mich wartet…. Und auch Mike hat einige Punkte hinzuzufügen und als wir uns verabschieden sind wir beide optimistischer gestimmt und ich kann kaum glauben wie sehr diese flüchtige Begegnung meinen Tag verändert hat.

So laufe ich positiv gestimmt Richtung Kennedy Meadows’s. Als ich dort ankomme wartet schon Wendell auf mich und ich kann euch gar nicht beschreiben wie schön es ist ihn wiederzusehen. Er kommt mit entgegen gelaufen und nach einer Umarmung geht es mit gleich noch besser Diejenigen von euch, die meinen Blog schon von Beginn an verfolgen erinnern sich sicher noch an Paula und Wendell. Die beiden Trailangel bei denen Teresa und ich unterkommen konnten und die uns sehr geholfen haben. Auch während der letzten Monate war ich mit Ihnen in Kontakt und besuche sie jetzt nochmal, bevor ich wieder zurück nach Deutschland fliege.

Wendell ist tatsächlich ganze 4 Stunden mit dem Auto gefahren, um mich hier abzuholen und ich weiß gar nicht wie ich mich dafür bedanken kann. Als wir ihr Zuhause und die Casita erreichen fühlt es sich an, als würde ich nach Hause kommen. Paula ist auch schon da und nimmt mich erstmal in den Arm (das habe ich in der letzten Zeit sehr vermisst). Die Casita ist schon für mich hergerichtet und neben einem wundervollem Bett, wartet eine Dusche und ein voll gefüllter Kühlschrank auf mich. Ich habe das Gefühl ich bin im Paradies… 😉

 

Pause bei Paula & Wendell Tag 136 bis 138

Tag 136:

Eine Nacht in einem Bett zu schlafen ist immer wieder himmlisch. Und dieses Mal haben nur Gummibärchen auf mich gewartet und mit die sind mir doch deutlich lieber als ihre tierischen Freunde 😉 Den Morgen über bin ich wieder mit bloggen und skypen beschäftigt. Mittags gehen wir dann Pizza essen. Lecker 😍

Und die Wüste hat mir mal wieder einen Sonnenbrand verpasst… ich freue mich ja echt schön auf Washington, mit hoffentlich vielen Wäldern. Den Nachmittag verbringen wir dann im Pool und es macht so viel Spaß Zeit mit den beiden zu verbringen. Wir trinken Limonade, hören Musik (natürlich nicht ohne manchmal auch mitzusingen oder zu tanzen) und Paula liest, während ich einfach nur entspanne und ein wenig schlafe.

Das ist wohl meine schönste Pause vom Wandern und ich bin rundum zufrieden und glücklich. Ich bin echt froh hier zu sein und genieße die Zeit mit den beiden in vollen Zügen…

Tag 137:

Und ein weiterer wunderschöner Tag bei Paula und Wendell. Morgens gehen wir zunächst zu dem wohl besten Frühstücks Restaurant, in dem ich in Amerika bisher gegessen habe. Omlette, Waffel, frisch gepresster Orangensaft… Alles was ein Wanderherz begehrt. Danach fahre ich zusammen mit Paula shoppen. Mein Smartwool T-Shirt ist nämlich schon nach nur einem Monat tragen total durchlöchert.

Im Endeffekt werden dann zwei neue T-Shirts und noch eine Menge andere Sachen gekauft. Draußen ist es schon unglaublich heiß und der Weg vom Auto bis zum Supermarkt ist mehr als genug wandern für heute In dem Pool im Garten lässt es sich dagegen sehr gut aushalten und nach einer kleinen Pause im kühlen Wasser backen wir mein geliebtes Bananenbrot.

Es macht echt Spaß Zeit mit den beiden zu verbringen und ich genieße meinen Aufenthalt hier sehr. Wendell hat mir sogar eine Rucksacktasche für den Flug besorgt, meine Stöcke repariert (die spitzen haben die High Sierra nicht überlebt), ganz zu schweigen davon das sie mir den Flug nach Portland gebucht haben. Ich weiß gar nicht wie ich mich dafür bedanken soll… ich glaube ich habe nur sehr selten in meinem Leben so liebenswürdige Menschen kennengelernt. Nachmittags folgt dann noch ein ganz besonderes Highlight für mich. Wir machen eine Bootstour auf dem See in der Nähe.

Ich darf sogar auch mal ans Steuerrad und so tuckern wir mit dem Boot über den See.
Nach diesem tollen Erlebnis essen wir noch zusammen zu Abend und schauen uns tatsächlich noch „Wild“ an. Ich habe bisher nur das Buch gelesen und es ist toll jetzt auch mal den Film zu Gesicht zu bekommen (wobei mir der Film nicht so gut gefällt). Als dann am Ende „El Condor pasa“ erklingt stimmen wir alle mit ein 🙂 .Das Lied begegnet mir auf meiner Reise auf dem PCT doch immer wieder. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich die beiden morgen schon wieder verlassen muss und mich auf den Rückweg zum PCT mache.

Tag 138:

Heute morgen ist Abschied nehmen angesagt. Nach nur vier Stunden Schlaf geht es früh morgens zum Flughafen. Die Stimmung ist ein wenig gedrückt und ich bin echt traurig die beiden verlassen zu müssen. Nach dem Abschiedsfoto rollen dann auch einige Tränen. img_1287

Als ich durch die Sicherheitskontrolle bin und die Karte lese, die mir die beiden mitgegeben habe muss ich erst richtig weinen. Ich habe die beiden echt ins Herz geschlossen und jetzt schon wieder weiterzuziehen tut weh. Doch so ist das nun mal auf einer Wanderung.

Mein Flug hat dann auch noch zwei Stunden Verpätung, wodurch ich meinen Anschlussflug verpasse. Das hebt meine Stimmung nicht gerade. Der Flug wird zwar umgebucht, doch der neue Flug landet erst um 18 Uhr in Portland und so verpasse ich auch noch den Bus nach Cascade locks (zurück zum Trail). Und als wäre das noch nicht genug erfahre ich, als ich in San Francisco gelandet bin, dass mein neuer Anschlussflug nach Portland ebenfalls Verspätung hat. Somit erreiche ich die Stadt erst um 21 Uhr abends. Da ich um diese Uhrzeit sicher nicht mehr trampen werde bestelle ich mir ein uber (eine Art Taxi) und gelange so innerhalb einer halben Stunde zu dem Campinglatz in Cascade locks. Das war echt ein langer Tag heute und ich bin froh jetzt in meinem Zelt zu liegen.