Vorbereitung – Peaks of the Balkans

Dieses Jahr möchte ich im August zusammen mit meinem Freund Matthias den Peaks of the Balkans wandern und werde euch natürlich wieder mitnehmen, indem ich jeden Tag über meine Erlebnisse berichten werde. Peaks of the Balkans.jpg

Strecke:

Als Dreiländerweg führt der Peaks of the Balkan 185km und über 11.500hm durch Montenegro, Albanien und Kosovo.

Weg:

Ein meist roter (mittelschwerer) Wanderweg, durch die wunderschönen und zum Großteil unberührten Bergwelten des Balkans. Durch das alpine Prokletije-Gebirges geht es vorbei an rauschenden Wasserfällen und kristallklaren Bergseen. In den alten, ursprünglichen Dörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Erst 2011 wurde die Trekkingroute eingeweiht, um die drei Länder nach dem Krieg näher zubringen.

Wanderzeit:

Der beste Zeitraum um den Peaks of the Balkans Weg zu wandern ist Mitte Juni bis Mitte September. Wenn ihr früher oder später wandern möchtet solltet ihr mit Schnee und geschlossenen Hütten rechnen. Besonders im Herbst ziehen neben den niedrigeren Temperaturen auch noch viele Regenperioden über das Land.

Genehmigungen: 

Für die Grenzüberschreitung benötigt ihr Genehmigungen, welche mindestens zwei Wochen vor Beginn der Wanderung beantragt werden müssen. Insgesamt benötigt ihr also drei Genehmigungen, wobei in Montenegro zusätzlich zu der elektronischen Genehmigung auch noch vor Ort eine Zahlung von ca. 10 Euro bei der Polizei geleistet werden muss. Erst danach wird auch die Genehmigung ausgestellt. Wir haben die Genehmigungen über Zbulo beantragt. Zbulo kümmert sich gegen eine kleine Gebühr, von ca. 45 Euro für zwei Personen um die Beantragung und erleichtert unsere Planung somit um einiges.

Anreise:

Wir fliegen mit Montenegro Airlines von Frankfurt nach Podgorcia. Von dort aus geht es mit dem Bus für ca. 11,50 Euro nach Plav, von wo aus wir den Rundweg starten. Alternativ ist auch eine Anreise über Tirana möglich. Von dort aus gibt es Busverbindungen nach Shkodra und weiter bis nach Theth. Auch die Anreise über Peja ist möglich, in dem ihr zu dem Flughafen Prishtina fliegt und von dort aus mit Bus oder Taxi nach Peja fahrt. Von Peja aus fährt zweimal am Tag ein Bus in die Rugova Schlucht, von wo aus ihr eure Wanderung starten könnt.

Etappen:

Das sind die offiziellen Etappen vom Rother. Wenn ihr ohne Zelt unterwegs seid solltet ihr euch daran orientieren, weil das meist die einzigen Unterkünfte am Trail sind. Wir waren stattdessen mit Zelt unterwegs und konnten unsere Etappen dadurch flexibler gestalten.

  1. Plav – Vusanje: ca. 8h – 21, 5km, 1370m auf, 1300m ab
  2. Vusanje – Thethi: ca. 8h – 21,3km, 1150m auf, 1400m ab
  3. Thethi – Valbona: ca. 6:30h – 17,6km, 1220m auf, 1040m ab
  4. Valbona – Ceremi: ca. 4h – 10,7km, 670m auf, 410m ab
  5. Ceremi – Doberdol: ca. 6h – 16,5km, 1290m auf, 680m ab
  6. Doberdol – Milishevc: ca. 7h – 18,5km, 1060m auf, 1180m ab
  7. Milishevc – Reke e Allages: ca. 6h – 15,7km, 970m auf, 1360m ab
  8. Reke e Allages – Guri i Kuq: ca. 7:30h – 23km, 1420m auf, 1310m ab
  9. Guri i Kuq – Babino Polje: ca. 7h – 16km, 1220km auf, 1120m ab
  10. Babino Polje – Plav: ca. 7:30h – 21km, 800m auf, 1350m ab

Schlafen: 

Sowohl in einfachen Hütten als auch mitten in der Natur im Zelt kann geschlafen werden. Wir haben uns fürs zelten entschieden, da wir damit flexibler sind und bei gutem Wetter noch einige Gipfelabstecher mitnehmen können. Denn außer im Nationalpark von Montenegro ist wild campen auf dem Trail erlaubt. Wenn ihr lieber in den Hütten schlafen wollt bezahlt ihr meist 20-25 Euro pro Person pro Nacht. Dabei werdet ihr mit Abendessen, Frühstück und Lunchpaket versorgt. Die Hütten könnt ihr meist spontan vor Ort buchen. Nur wenn ihr eine größere Gruppe seid solltet ihr besser im voraus reservieren.

Verpflegung: 

Den einzigen Supermarkt auf dem Rundweg gibt es in Plav. Daher sollten dort alle nötigen Lebensmittel gekauft werden. Auch Gaskartuschen gibt es im Supermarkt in Plav zu kaufen. Jedoch gibt es dort und meines Wissens auch in Podgorica ausschließlich Stechkartuschen, weshalb wir uns für diese Wanderung einen neuen Kocher angeschafft haben. Auf dem Trail können bei den Hirten und bei den Gästehäusern Käse, Brot, Eier und Gemüse erworben werden. Wenn ihr in den Gästehäusern schlaft bekommt ihr sowieso eine Vollverpflegung.

Geld: 

Bei allen Hirten und in allen Gästehäusern könnt ihr ganz problemlos in Euro bezahlen und braucht daher nicht extra Geld zu wechseln. Ihr solltet aber auf jeden Fall genug Bargeld mitnehmen, da es nur in Plav einen Geldautomaten gibt und in den Bergen alles nur mit Bargeld bezahlt werden kann.

Müll: 

Ein Thema was mir wirklich wichtig ist, denn leider haben wir auf unserer Wanderung einige illegale, wilde Müllkippen gesehen. Da es in den Bergdörfern keine Müllentsorgung gibt werfen die Bewohner ihren Müll meistens einfach in die Natur. Daher nehmt ihr eurem Müll am besten während der ganzen Wanderung mit und entsorgt diesen erst in der Stadt.

Handyempfang und Stromversorgung: 

In den meisten Dörfern besitzen die Gästehäuser Solaranlagen, wodurch warmes Wasser zu Verfügung steht und elektrische Geräte aufgeladen werden können. Wir hatten zur Sicherheit noch eine Powerbank dabei aber haben diese gar nicht benötigt. In einigen Dörfern oder auf den Berg gibt es auch mal Handyempfang. Besonders in Valbona und Plav könnt ihr mit sehr gutem Netz rechnen.

Infos:

Wenn ihr selbst den Peaks of the Balkans wandern möchtet, informiert ihr euch am besten über die Internetseite vom Trail oder ihr kauft euch den Wanderführer.

Der Rother Wanderführer ist wirklich Gold wert, denn dort findet ihr alle Informationen zur Planung, zum Trail und auch noch Karten (die Karte oben stammt auch aus dem Rother). Zusätzlich empfehle ich euch noch die Mitnahme von einem GPS Gerät oder einer entsprechenden App auf dem Handy, da der Trail manchmal wirklich schwer zu finden ist.

 

Peaks of the Balkans – Teil 1

Tag 1

„Was machen wir diesen Sommer?“ hat Matthias mich vor vier Monaten gefragt. „Wandern und zwar mit Zelt“ war meine Antwort darauf. Doch wo? Ich wollte etwas einsames, ohne viele Menschen und mit einer großen Portion Wildnis.

Die Sendung Bergauf-Bergab war schließlich der Schlüssel und ich bin auf ihn gestoßen: Den Peaks of the Balkans.

IMG_7094Schnell wurden die Flugtickets gebucht und schon wenige Monate später stehen wir vollgepackt am Frankfurter Flughafen. Wieso wir uns für den Flug entschieden haben? Das weiß ich gar nicht mehr, denn auch Bahnen fahren zu unserem Zielort Podgorica und ich finde Bahn fahren ehrlich gesagt im wunderbar entschleunigend.

 

Podgorica

Die Hauptstadt von Montenegro. Viel positives kann ich darüber leider nicht berichten. Die Stadt liegt in einem Kessel umgeben von Hügeln und Bergen. 150.00 Einwohner gehen hier jeden Tag ihren Beschäftigungen nach. Die Stadt ist dreckig und laut, weshalb ich kaum erwarten kann diese hinter uns zu lassen.

Aber halt! Davor müssen noch Gaskartuschen gekauft werden. Im Supermarkt Die in der Mall of Montenegro werden wir fündig und kaufen zwei Stechkartuschen für 0,68Euro pro Stück. Schraubkartuschen gibt es dagegen leider nirgends.

Halb so schlimm, dafür haben wir uns ja extra den neuen Kocher besorgt. Und nun ab raus hier. Zwei Bustickets kaufen und rein in den ersten Bus.

Doch das war leider der Falsche 😀 So fahren wir bereits 50min zu früh ab und müssen mitten im Nirgendwo nochmal umsteigen. Halb so schlimm aber als Tipp: Verlasse dich nicht auf die Mitarbeiter*innen am Bahnhof.

Durch gewaltige Schluchten kurvt der Bus den Berg hinauf. Aus dem Radio schallt montenegrinischen Schlager und nach ca. drei Stunden erreichen wir Plav.

Plav ist zwar kleiner aber ansonsten leider ziemlich ähnlich zu Podgorica. In der Innenstadt sind Bettler und die kleine Stadt ist etwas heruntergekommen.

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Plav

Der große See am Fuß von Plav macht das alles wieder wett. Er schimmert strahlend blau in der Sonne und lädt zu einem erfrischenden Bad ein. Der Peaks of the Balkans führt am See entlang, den Berg hinauf. Asphaltstraße, Forststraße und kleiner Wanderweg führen uns in die Wälder von Montenegro.

Überall sprießen leckere Pfifferlinge aus dem Boden. Aber Vorsicht: Nur pflücken wenn Du dich wirklich auskennt. Auch Wasser plätschert in kleinen Bächen durch den Wald. Ca. drei Stunden nach Plav füllen wir unsere Flaschen auf.

Wenig später reißen die Bäume auf und geben ein wunderschönes Hochplateau frei. „Unser Zeltplatz“ beschließen wir kurzerhand.

Zwei andere Wanderer haben dort auch schon ihr Zelt aufgebaut und so gesellen wir uns zum Abendessen zu den beiden. In Gesellschaft und mit spannenden Reisegeschichten ist es doch gleich noch schöner.

Die Nudeln verfeinert mit Pfifferlingen und einer Frischkäse-Soße schmecken köstlich. Das Lagerfeuer prasselt und die Sonne senkt sich langsam dem Horizont entgegen. Höchste Zeit in den Schlafsack zu kriechen.

Tag 2

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Wo ist der Trail jetzt nochmal? 😀 Diese Frage stellen wir uns bereits nach dem aufstehen, denn den Peaks of the Balkans zu finden ist trotz GPS oft gar nicht so leicht. Es gibt hier so viele kleine andere Wege und so kommt es schnell mal vor, dass wir uns verlaufen.

Komoot mit seiner Sprachnavigation hätte mir damals wahnsinnig geholfen. Zum Glück finden wir  nach ein wenig querfeldein Laufen und Klettern wieder zurück zum Trail und uns erwartet ein wunderschöner Ausblick auf das Gebirge. IMG_7135

Doch schneller als gedacht ist diese auch schon wieder vorbei, denn wir werden förmlich von Mücken attackiert :D. Daher packen wir die Rucksäcke schnell zusammen und beginnen den Abstieg Richtung Vusanje. Vorbei an Pferden, Kühen und einem kleinen Hirtencamp schlängelt der Trail den Berg hinunter ins Tal.

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Ehe wir uns versehen, ist es schon wieder passiert und wir haben den offiziellen Trail wieder einmal verloren. Stattdessen finden wir uns auf einem kleinen Pfad einige Meter entfernt vom Peaks of the Balkans wieder und kraxeln erstmal durch Sträuche und Büsche zurück auf den Wanderweg.

Es ist so angenehm wieder auf einem ausgebauten weg bergab zu wandern, weshalb wir schnell zu einer Hirtenalm kommen. Dort gibt es selbstgemachten Käse von den Schafen vor dem Haus und frisches Brot zu kaufen. Happy Cheese ist glücklich 😊

Nach einem sehr leckeren Essen machen wir uns an den letzten Abstieg bis nach Vusanje. Bereits am Mittag kommt das Dorf in Sicht und wir bestaunen die Wasserfälle, die es am Ortsausgang zu sehen gibt. In Vusanje findet sich auch ein kleiner Kiosk mit ein paar Lebensmitteln und sogar ein Restaurant. Wir sind jedoch noch sehr gut mit Essen eingedeckt und verlassen das Dorf daher, um außerhalb im Schatten Rast zu machen. Nach der Pause fällt uns beiden das Wandern dann sehr schwer, denn es ist super heiß und der Weg führt den Berg hinauf.IMG_7167

An der Gabelung zum Aufstieg für den Jezerca biegen wir ab, da wir diesen Umweg in Kauf nehmen wollen. Doch dafür müssen wir steil bergauf, was bei der Hitze echt anstrengend ist. An einer Hirtenalm verweilen wir etwas und reden mit den beiden Wirten, da die Frau sehr gut Englisch spricht. Bevor wir den letzten Anstieg angehen kaufen wir noch etwas Brot und Käse und erklimmen damit den steilen Anstieg durch den Wald.

Und siehe da, es hat sich wirklich gelohnt, denn nach verlassen des Waldes erstrecken sich wunderschöne Seen vor uns. An einem davon bauen wir unser Zelt auf und nach einer kleinen Abkühlung im See gibt es Abendessen. Dieses Mal mit frischem Schnittlauch, den es am Seeufer zu pflücken gibt.

Tag 3

IMG_7194Bereits um 7 Uhr verabschieden wir uns erstmal von unserem Schnittlauchsee und verpassen wenig später auch direkt den Abzweig zu unserem nächsten Ziel Theth.

Auf dem GPS wird uns nämlich leider ein ganz anderer weg angezeigt und so kraxeln wir erstmal eine Stunde im Geröllfeld umher. Als ich dann ziemlich am Ende mit den Nerven bin steigen wir wieder ab, um nochmals nach dem richtigen Abzweig zu suchen. Dabei nehmen wir dieses Mal den schnelleren Weg und rutschen über das Schneefeld den Berg hinunter. Das macht ziemlich Spaß und daher ist das vorherige Herumirren schnell vergessen.

img_7282Kurze Zeit später finden wir auch endlich den richtigen Abzweig und beginnen den Abstieg. Bei diesem kriecht uns auch die erste Schlange über den Weg und Matthias ist ganz begeistert.

Vom Weg sind wir beide dagegen leider nicht ganz so begeistert, denn es ist sehr felsig und wir Knicken beide ein paar mal um und ich stürze sogar leicht, wobei dank meinen Stöcken nichts schlimmeres passiert.

Nachmittags wandern wir einen weiteren Pass hinauf und anschließend führt uns der Weg sehr steil den Berg hinab. Dieser Abstieg zieht sich wirklich in die Länge und wir verlieren insgesamt rund 1100 Höhenmeter. Zudem hätten wir uns fast wieder verlaufen, denn der Wegweiser nach Theth zeigt einfach mal in die falsche Richtung.

Auf dem Weg ins Tal zieht dann auch noch ein Gewitter auf und durch den Regen wird der Trail sehr rutschig. Daher steigen wir sehr langsam und vorsichtig bergab und treffen dabei so einige andere Wanderer. Die meisten kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz oder Frankreich und viele sind in Wandergruppen unterwegs. Desto weiter wir ins Tal kommen, desto größer wird auch der Hunger und ich träume wieder mal von leckerer Pizza.

Damit kann Theth zwar nicht dienen, aber dafür mit Brotchips mit Pizzageschmack und einem leckeren Abendessen aus Oliven, Hirtenkäse und Brot. Der selbstgemachte Käse ist wirklich genial und auch noch unschlagbar günstig und ich bin voll am genießen. Mit gut gefüllten Mägen beschließen wir noch etwas weiter aufzusteigen, um an einer kleinen Hütte zu campen. Als wir dort ankommen hat jedoch eine italienische Pfadpfindergruppe fast alle Plätze belegt. Zum Glück finden wir noch ein kleines Plätzchen für unser Zelt, doch die Nacht wird dank unseren Zeltnachbarn leider nicht ganz so erholsam, da diese bis spät in die Nacht noch Lärm machen.

Tag 4

Wir beide sind noch sehr müde als morgens die ersten Sonnenstrahlen ins Zelt fallen und uns aufwecken. Trotzdem entscheiden wir uns zeitnah zusammen zu packen und erst auf dem Trail zu frühstücken. Dadurch können wir im Schatten auf den nächsten Pass hinaufsteigen und dabei atemberaubende Ausblicke genießen.img_7253 Mittlerweile befinden wir uns in Albanien und auch hier überrascht uns die vielseitige und imposante Landschaft. Unsere erste Pause genießen wir auf dem Bergpass mit einem kleinen Lüftchen und in absoluter Stille. Mir gefällt es wahnsinnig gut, dass hier noch nicht so ein großer Tourismus herrscht wie in unserem Teil der Alpen.

Die ganzen Dörfer und Hütten sind zum Großteil sehr einfach und ursprünglich. Ab und an sieht man jedoch auch Spuren des Krieges und wir finden immer wieder kleine Bunker am Wegesrand. Besonders im Kosovo sollte der Trail daher auch nicht weit verlassen werden, da sehr vereinzelt noch Landminen vergraben sein können.

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Nach unserer Pause wandern wir den Berg auf einem sehr steilen Pfad hinab, denn sowas wie Serpentinen gibt es hier nur sehr selten. Meistens führt der Weg sehr steil bergauf oder bergab.

Bereits morgens knallt die Sonne auf den Weg und unter einem kleinen Baum treffen wir einen Kosovaren, der ohne Wasser unterwegs ist. Nicht einmal eine Wasserflasche hat er dabei. Wir geben ihm von unserem Wasser zu trinken und wandern nach einem kurzen Gespräch weiter.

Nach dem steilen Abstieg erstreckt sich eine kleine Wiese mit einem großen Felsen vor uns. Dort sind einige Himbeeren zu finden und wir naschen viele bevor es weiter Richtung Tal geht. Mittags passieren wir eine kleine Hütte, in der wir zum Essen einkehren. Bei Omlette, Kartoffeln, Joghurt, Brot und Honig von den eigenen Bienen lassen wir es uns gut gehen. Ich schaffe es leider nicht Fotos vom Essen zu machen, da es so lecker ist, dass es immer zu schnell aufgegessen ist ;). Das ist auch gut so, denn darauf folgt ein sehr harter Weg durch das heiße und sonnige Flusstal und zum Ende noch an der Straße entlang. Dieses Stück kann man sich jedoch zumindest zum Teil sparen, da ab einem Hotel Taxis bis nach Valbona fahren und das heiße Stück entlang der Autostraße somit vermieden werden kann. Nächstes Mal würde ich auf jeden Fall ein Taxi nehmen, denn in Valbona angekommen bin ich durch das lange Wandern in der Sonne echt erledigt. Am Campingplatz wird geduscht und ordentlich gegessen. Die Preise hier machen uns mal wieder sprachlos, weil das Essen einfach so preiswert ist im Vergleich zu Deutschland. Wie auch zuvor verlassen wir am Abend den Ort und steigen noch zu einer bereits verlassenen Hirtenhütte hinauf, neben der wir unser Zelt aufbauen.

Tag 5

In der Nacht wütet dann ein Gewitter über uns und die hellen Blitze und der laute Donner halten uns einige Zeit wach. Auch als wir aufwachen regnet es noch und daher spielen wir zunächst Karten im Zelt.

Gegen 8:30Uhr wird der Regen dann weniger, weshalb wir zusammenpacken und den Aufstieg beginnen. Kurz vor dem höchsten Punkt rennt plötzlich ein Schäferhund bellend auf uns zu. Vor denen muss man sich echt in Acht nehmen, denn sie sind darauf erzogen ihre Herde vor jedem möglichen Feind zu schützen und greifen auch schon mal Menschen an, wenn diese der Herde zu nahe kommen. Deshalb bleiben wir stehen und warten ab, denn leider gibt es nicht wirklich eine Möglichkeit an Hund und Herde vorbeizukommen, da wir am steilen Berg sind. Der Hund beobachtet und bellt also und wir sitzen auf dem Weg und essen, spielen Karten und warten ab. Mit der Zeit beruhigt er sich ein wenig, doch sobald wir weitergehen wollen wird er sofort wieder laut. Erst als nach 30min einer der Hirten kommt und den Hund zurechtweist können wir weiter bis hoch zum Pass. Nach diesem folgt ein felsiger Abstieg und eine Eishöhle, die ihren Namen absolut verdient hat, denn die Kälte zieht förmlich aus dem Berg hinaus nach oben.

Daher verweilen wir dort auch nicht allzu lang, sondern steigen zu einem Hirtenhaus ab, an dem wir Rast machen. Wir werden sofort bestens mit Essen versorgt und ich esse meinen bisher besten Feta auf dem Trail. Anschließend führt uns der Peaks of the Balkans über schöne Blumenwiesen und Wälder bis nach Ceremi. Dort genießen wir ein sehr reichhaltiges Mittagessen im Gästehaus und steigen Abends wie auch die Tage zuvor nochmal ein Stück hinauf zum Zelten.

 

Peaks of the Balkans – Teil 2

Tag 6

Endlich mal eine ruhige und erholsame Nacht. Das tut echt wahnsinnig gut. Im Zelt schlafe ich einfach meist deutlich schlechter als in einem Bett. Als wir morgens aufwachen ist es noch sehr kalt und nebelig und wir frühstücken im Zelt. Am Vormittag wird dann mal wieder gewandert und wir kommen zunächst sehr gut voran, da der Weg ohne viele Höhenmeter durch einen Wald führt. Doch als wir dann die ganzen Heidelbeeren und Himbeeren am Wegesrand entdecken, kommen wir aus dem Naschen gar nicht mehr raus.

Daher gönnen wir uns bei einem Hirtenhaus auch bereits eine kleine Mittagspause. Der Hirte spricht jedoch kein Wort Englisch, weshalb die Verständigung mittels den paar Wörtern in unserem Reiseführer und mit Händen und Füßen erfolgt. Neben leckerem Käse, frischer Schafsmilch und Brot bringt er uns auch noch Joghurt. Der ist jedoch so bitter und hat rein gar nicht mit dem deutschen Standard Naturjoghurt aus dem Supermarkt zu tun, dass ich unwillkürlich das Gesicht verziehe. Die Hirten finden das urkomisch und kommen aus dem Lachen gar nicht mehr raus 😀

Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und machen uns auf in das Hirtendorf Doberdol. Dort kaufen wir Eier und Gemüse bei einer Einheimischen, die von uns überhaupt kein Geld annehmen möchte. Ein weiteres erstaunliches  Beispiel für die Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit der Menschen hier. Wir wandern noch einen Stück die steile Wiese hinter Doberdol hoch und machen eine Pause mit Käse, Brot, frischem Gemüse und Rührei. Nach diesem Festmahl fällt uns der restliche Aufstieg recht leicht und wir erreichen schnell einen Höhenkamm und wandern auf diesem über grüne Wiesen und weitere Pässe bis zum Zeltplatz. img_7463Auch das Abendessen ist mit einem Nudelsalat sehr reichhaltig und direkt noch viel leckerer, da wir dabei eine Aussicht auf die fantastische Landschaft des Kosovos geboten bekommen.

Tag 7

Zelten auf 2100hm war wohl doch keine so gute Idee. Die Nacht war zwar wahnsinnig ruhig, aber dafür ist es am Morgen super kalt und sobald die Sonne aufgegangen ist, bin ich aus dem Zelt raus und versuche mich mit Tanzen etwas aufzuwärmen.img_7473 Dazu gibt´s die Musik von Feliz navidad, was auch echt gut zu den kalten Temperaturen passt. Matthias liegt noch etwas im Zelt aber kommt dann auch schnell raus, als er den Geruch von Minztee vernimmt. Die wächst hier nämlich auch fast überall und wir haben gestern ordentlich gepflückt. Wir frühstücken nur eine Kleinigkeit und steigen schnell ins Tal ab, weil es so kalt ist. Als wir aus dem Wald herauskommen rennt auf einmal ein Hirtenhund laut bellend auf uns zu. Wir bleiben sofort stehen und ich gehe langsam zurück, doch der Hund läuft weiter auf uns zu und ist nun fast 3m neben uns, bellt und fletscht die Zähne. Ich habe sowieso schon Angst vor Hunden und so ein Hirtenhund ist nochmal viel beängstigender. Auch der Hirte ist mittlerweile auf uns aufmerksam geworden und kommt angerannt, um den Hund zu verscheuchen. Doch selbst auf den Hirten hört der Hund nicht wirklich und versucht immer wieder am Hirten vorbei auf uns zu zu rennen.

Erst als der Hirte ihn fest am Halsband packt können wir vorbei und ich bin einfach nur erleichtert, dass nichts schlimmes passiert ist. Wir steigen also schnell den Berg hinab und treffen wenig später im Dorf ein paar Einheimische, die uns sofort als Deutsche identifizieren und uns zu ihrem Haus winken. Dort ist momentan ihr Onkel aus Deutschland zu Besuch und wir kommen ins Gespräch. Im Kosovo treffen wir auf einige, die während des Kosovokriegs nach Deutschland geflohen sind und daher deutsch sprechen. Diese Begegnung ist besonders schön, denn zum Abschied bekommen wir von der Familie noch Gurke, Tomate, Brot und Käse geschenkt. Unsere Rucksäcke sind nun wieder gut gefüllt und unsere Mägen wenig später auch, da wir zum Mittagessen in Milishevc einkehren. Von dem kleinen Örtchen aus steigen wir über eine Wiese langsam querfeldein den Berg hinauf. Da es mir nicht so gut geht muss Matthias sehr oft auf mich warten und wir kommen nur langsam voran. Der Abstieg geht dann zum Glück deutlich schneller und wir erreichen nach zwei Stunden das Rugave Camp, wo wir uns eine Nacht im Motel gönnen.

Tag 8

Für heute ist eigentlich die Besteigung des Hajla geplant, doch wir wachen beide mit Bauchschmerzen und leichter Übelkeit auf. Da haben wir uns wohl irgendwo den Magen verdorben… Deshalb ist es auch gar nicht so schlimm, dass das für 7 Uhr versprochene Frühstück erst um 8:30Uhr serviert wird. Nach ein wenig Wassermelone und trockenem Brot geht es uns beiden etwas besser und wir beschließen den Aufstieg nach Reke anzugehen und dabei zu schauen, wie weit wir kommen. Der Weg führt auf einer befahrenen Autostraße den Berg hinauf und weit und breit ist kein Schatten in Sicht. Dafür erwartet uns Reke mit eiskaltem Wasser und einer Pause unter einem großem Baum. Sowohl Matthias als auch ich sind sehr geschafft und nutzen die Zeit, um zu schlafen. Nach unserem Mittagsschläfchen verlassen wir Reke und sehen dabei einige der wilden Müllhalden, die wir leider sehr oft zu Gesicht bekommen. Da die Bergdörfer keine Müllversorgung haben kippen die Menschen ihren Müll einfach in die Natur oder in den Fluss. Deshalb nehmen wir unseren Müll den gesamten Trail über mit und entsorgen ihn erst in der Stadt. Am Anfang wollte ich auch noch den anderen Müll sammeln, doch es ist einfach viel zu viel.

Wir setzen unseren Aufstieg fort und wir laufen durch den Wald hinauf bis zu einer großen Wiesenfläche. Der Aufstieg ist für mich wahnsinnig anstrengend und sobald wir oben angekommen sind lasse ich mich unter einen Baum fallen, um ein wenig auszuruhen. Wie schlecht es mir wirklich geht erfahre ich kurze Zeit später, da sich mein Mageninhalt entleert. Müde und total ausgelaugt reiße ich mich zusammen, um den Abstieg bis nach Drelaj zu schaffen. Die Gipfelbesteigung ist damit gestorben und wir laufen langsam und schweigend bergab. Zum Glück ist der Weg wirklich leicht, denn wir sind beide ziemlich fertig. Umso schöner ist das Gefühl beim Erreichen des Gästehauses Shqiponja, in dem uns gemütliche Betten, eine heiße Dusche und leckeres Essen erwartet. Spät am Abend treffen auch noch drei andere Wanderer ein und wir tauschen uns beim Abendessen über unsere Erlebnisse aus. Bei mir ist im Gegensatz zu Matthias der Appetit mittlerweile wieder zurück gekommen und ich esse eine ordentliche Portion, um wieder zu Kräften zu kommen.

Tag 9

Ich wache schon sehr früh auf und als mir bewusst wird, dass wir nur noch zwei Tage bis nach Plav brauchen macht sich große Erleichterung breit. Matthias geht es nämlich immer noch nicht so gut und auch ich bin noch erschöpft von dem gestrigen Tag. Trotzdem entscheiden wir uns fürs weiterwandern und beim Wandern geht es uns beiden etwas besser. Auf Forststraßen führt uns der Peaks of the Balkans hinauf bis Dugaive, welches durch ein kleines Schloss im mittelalterlichen Stil auffällt.

Danach führt uns der Trail leider wieder auf einer Autostraße den Berg hinauf und da es Matthias durch den heißen Aufstieg in der prallen Sonne schlechter geht, beschließen wir das letzte Stück zu trampen. So sparen wir uns ca. eine Stunde wandern an der Straße. Ein Schweizer Pärchen nimmt uns auch recht schnell mit bis Guri i Kuq. Von dort aus folgt ein heißer, steiler Aufstieg bis zum See Liqeni i Kuqishte.

Außer uns sind hier noch sehr viele Einheimische unterwegs, meist nur mit einer kleinen Plastiktüte mit ein paar Dosen Cola und Flip Flops an den Füßen ausgestattet 😀 Am See ist es dann trotz der vielen Menschen, denen wir begegnet sind, sehr leer und Matthias schläft ca. zwei Stunden. Da er leichtes Fieber und Kopfschmerzen hat bauen wir schon früh das Zelt auf und um 19 Uhr schläft er auch bereits. Ich lese dagegen noch zwei Stunden lang und hoffe, dass es ihm morgen besser geht und wir auch noch die letzten Kilometer des Trails schaffen.

 

Tag 10

Durch das frühe Schlafen gehen und das wenige Wandern gestern wachen wir schon früh auf und wandern um 6:30 Uhr an einem zweiten See vorbei den Berg hinauf. So früh morgens ist es noch schön schattig, was sehr angenehm für den steilen Aufstieg ist. Schließlich kommen wir auf einen Wiesenpass, dem höchsten Punkt für heute. Von dort aus haben wir eine tolle Weitsicht, weshalb wir eine lange Pause einlegen. Den ursprünglichen Plan heute Plav zu erreichen haben wir schon längst verworfen und gehen die letzten Tage stattdessen ruhig an. So steigen wir gemächlich bergab und verlieren wieder einmal den Weg :D. Das ist dieses Mal aber nicht ganz so schlimm, da es nur über eine Wiese den Berg hinunter geht. 2d8c12de-0617-4c3f-8ae3-25d479c323d2-1

Die ersten Häuser von Babino Polje sind schon in Sicht und wenig später laufen wir über eine Fahrstraße rein in den kleinen Ort und kehren im Triangle Woodhouse ein. Die deutschsprachige Familie Alija ist zuhause und wir werden mit leckerem Essen versorgt. Besonders die selbstgemachte Limonade aus Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren hat es mir angetan. Aber auch der Rest ist lecker und die Familie ist sehr lieb, weshalb wir insgesamt über drei Stunden dort bleiben. Die Terasse eignet sich perfekt zum Ausruhen und auch der frische Bergtee tut unseren strapazierten Mägen sehr gut. Der Bergtee ist übrigens einfach getrockneter Oregano, wie wir von Agron Alija erfahren. Nach diesem wunderbaren Aufenthalt, den ich euch wirklich nur empfehlen kann, wandern wir auf der Alternativroute hoch zum See.

Diese führt gleich hinter dem Woodhouse entlang und darf von den Gästen genutzt werden. Statt dem Peaks of the Balkans führt uns die Alternativroute im Wald entlang den Berg hinauf und nicht auf der Autostraße. Drei Stunden später lichtet sich der Wald endlich und vor uns erstreckt sich der Bergsee Hridsko jezero, um den sich eine schöne Sage dreht. Es ist bereits früher Abend und wir sind ganz alleine. Ich kann nicht widerstehen, streife die dreckigen Klamotten ab und genieße ein Bad im See. Matthias geht es dagegen leider immer noch nicht so gut, weshalb er den See nicht so ganz genießen kann. Stattdessen bauen wir schnell das Zelt auf, Essen noch eine Kleinigkeit und gehen früh schlafen. Morgen folgt dann unsere letzte Etappe bis nach Plav.

 

Tag 11

Die Nacht am See war einfach traumhaft schön und ruhig. Vor dem Schlafen gehen habe ich noch einige Zeit den Sternenhimmel beobachtet. Auch am Morgen genießen wir noch etwas die Aussicht auf den See und packen schließlich das Zelt und unsere Sachen zusammen, um nach Plav zu wandern. 73829fe5-7158-433c-8d45-c72e54e789e4Im Gegensatz zu den anderen Peaks of the Balkans Etappen steht heute ein blauer (sehr einfacher) Weg an und wir kommen schnell voran. Die meiste Zeit geht es auf gut ausgebauten Wegen den Berg hinunter, bis am frühen Mittag auf einmal Plav vor uns auftaucht. Große Freude aber vor allem auch Müdigkeit machen sich auf den letzten Kilometern bis in die Stadt in mir breit. Wir kaufen noch kurz eine Kleinigkeit zu essen, bevor es auch schon in den Bus Richtung Podgorica geht. Dort steigen wir sofort in einen Bus Richtung Meer um, da wir unsere letzten zwei Tage in Ulcinj verbringen möchten. Jetzt steht nach dem ganzen Wandern also entspannen und ausruhen an… 🙂